The End of Oak Street [2026]

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6–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. August 2026
Genre: Action / Fantasy / Horror

Originaltitel: The End of Oak Street
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Robert Mitchell
Musik: Michael Giacchino
Besetzung: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Maisy Stella, Christian Convery, Jordan Alexa Davis, P. J. Byrne, Anne Gee Byrd, Hudson Meek, Emily Kuroda, Simms May


Kurzinhalt:

Beim Straßenfest halten Denise (Anne Hathaway) und Greg Platt (Ewan McGregor) nicht nur ihrer Kinder Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) zuliebe die Fassade aufrecht, dass alles in Ordnung sei. Doch beide wissen, dass ihre Differenzen immer mehr ihren Alltag bestimmen und Denise ist an dem Punkt angekommen, dass sie nicht mehr bereit ist, der Familie wegen alles zu akzeptieren. Während sich Audrey in wissenschaftliche Bücher stürzt, reagiert der 13jährige Brian mitunter aggressiv gegenüber anderen. Manchmal scheint es, als würde die Familie einzig durch ihren Hund Starbuck zusammengehalten. Aber eines morgens stellen die Platts fest, dass sich ihr Haus, ihre Straße und die ganze Nachbarschaft an einem anderen Ort befinden. Umgeben von riesigen, urzeitlichen Wäldern, streifen seltsame, tödliche Kreaturen durch die Vorgärten und Straßen. Während Denise der Überzeugung ist, dass sie beginnen müssen, Vorräte anzulegen und aus den anderen Häusern zu holen, deren Bewohnerinnen und Bewohner den Kreaturen zum Opfer gefallen sind, hofft Greg darauf, dass was immer sie hierher gebracht hat, sie auch wieder nach Hause bringen wird. Außer an ein gleißend weißes Licht können sich sie aber an nichts erinnern – und haben keine Ahnung, wie sie wieder zurückkehren sollen …


Kritik:
Trotz des nicht zu leugnenden Charmes der 1980er-Jahre, in denen die Geschichte von David Robert Mitchells bereits 2024 gedrehtem und mehrmals verschobenem Abenteuerfilm spielt, mag der Funke bei The End of Oak Street nie wirklich überspringen. Das liegt nicht an der gut gelaunten Besetzung, die kaum ausgearbeitete Figuren zum Leben erweckt, sondern vielmehr an der Umsetzung, die stellenweise so düster gerät, dass der Film nie die Leichtfüßigkeit zurückgewinnt, die er anfangs ausstrahlt.

Es ist das Jahr 1982. Im Juli verkörpert die Stadt Flowervale alles, was man mit einer amerikanischen Gemeinschaft verbindet. Ein Straßenfest mit ausgelassener Stimmung, Familien, die Spaß haben und einem Gefühl, dass nichts dieses Glück wird stören können. Doch im Fall der Familie Platt ist dieses Glück nur oberflächlich. Zwischen Denise und Greg kriselt es bereits seit geraumer Zeit, was auch ihre jugendlichen Kinder Audrey und Brian bemerken. Denise ist an dem Punkt angelangt, dass es für sie auch keinen Sinn mehr macht, es weiter zu probieren, zumal Greg entgegen seiner Beteuerungen seinen Nebenjob nicht aufgegeben hat und kaum zuhause ist. Doch dann wird nicht nur ihr Hund Starbuck von einem gleißenden Licht in der Nacht aufgeschreckt. Nach einigen kuriosen Vorkommnissen wacht die Familie eines nachts auf und bemerkt, dass der Strom ausgefallen ist. Erst am Morgen wird ihnen klar, dass auch kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Als Greg und Denise vor die Tür gehen, müssen sie feststellen, dass nicht nur ihr Haus oder ihre Straße aus der gewohnten Umgebung gerissen wurden. Vielmehr findet sich ihre gesamte Nachbarschaft in einer Welt wieder, in der die Menschen nicht an der Spitze der Nahrungskette stehen. Und sie wissen nicht, wie sie wieder zurückkehren können.

In welcher Zeit sich die Familie Platt wiederfindet, nimmt bereits das Plakat zum Film vorweg und auch die Vorschau deutet es an. Diese unbescholtene Familie aus den frühen 1980er-Jahren sieht sich urplötzlich Dinosauriern gegenüber, denen sie in jeder nur erdenklichen Art und Weise unterlegen sind. Was sich nach einer Episode aus Unglaubliche Geschichten [1985-1987] anhört, klingt vor allem für ein Publikum, das für das Flair jener Zeit empfänglich ist, nach einer Menge Spaß und tatsächlich gelingt dies The End of Oak Street überraschend gut. Zumindest anfangs, wenn die Familie die neue Umgebung erkundet und die Urzeitechsen nur im Hintergrund zu sehen sind. Aber nicht nur, dass die – verständlicherweise – wenig zimperlich agieren, die Familie Platt ist auch nicht allein. Die gesamte Nachbarschaft ist in diese Umgebung transportiert, vermutlich mehrere Hundert Bewohnerinnen und Bewohner, die sich einer lebensbedrohenden Situation gegenübersehen. Da ist es zwar nur verständlich, dass man im Hintergrund Schreie von Menschen hört, die ums Überleben kämpfen, da das aber beinahe das gesamte zweite Drittel der Erzählung der Fall ist, will sich da kaum das Gefühl von leichter Popcorn-Unterhaltung einstellen. Das wird auch dann nicht besser, wenn die Schreie verstummen, dafür aber Leichen die Vorgärten und Gehwege säumen, an denen sich die Echsen laben.

Blenden viele solche Genrefilme das Grauen aus, das andere Figuren erleiden, die nicht Teil der Protagonisten sind, verleiht The End of Oak Street diesem Aspekt unerwartet viel Raum, aber es fällt darum schwer, sich bedenkenlos in die Erzählung fallen zu lassen. Man stelle sich Jurassic Park [1993] vor, wenn man ständig im Hintergrund Schüsse und Schreie hören würde und die Figuren später immer wieder an Leichen vorbeigehen würden. Als Horrorstory mag das funktionieren, aber als solche legt Regisseur Mitchell seinen Film nur bedingt an. Wirkt die Ausgangslage bereits mehr bedrückend als abenteuerlustig, gibt es hier einen Moment, der sich ganz anders entwickelt, als man erwarten würde, und der die Stimmung merklich nach unten zieht. Es ist ein Knick, von dem sich die Geschichte auch dann nicht erholt, wenn sie eine spürbar versöhnliche Auflösung findet, die die vielen Opfer dennoch nicht aufwiegt. Es ist beinahe, als hätten die Verantwortlichen die zugegebenermaßen interessante Grundidee im Kopf gehabt, ohne eine Auflösung, wie sie aus der erzählerischen Zwickmühle wieder herauskommen sollen.

Dabei versehen sie ihre Geschichte mit Konflikten, die so wenig überraschen, wie deren Verlauf absehbar ist. Überhaupt werden sie nur angerissen, ohne wirklich Teil der Geschichte zu werden. Angefangen von Audrey und Brian, die als Jugendliche offenbar für andere schwärmen, auch wenn das nie ausgesprochen wird. Hier wird sogar eine interessante Idee mit der neuen Nachbarin Jeanette angedeutet, ohne dass diese weiterverfolgt würde. Dass sie nichts zu tun bekommt, ist ebenso schade. Anne Hathaway und Ewan McGregor geben sich zwar Mühe, der Krise der Eheleute Platt eine gewisse Tiefe zu verleihen, aber immer dann, wenn die zentral in Szene gesetzt würde, lässt sich die Erzählung ablenken. Man kann sich dem auch anders herum näher: was trägt die Ehekrise tatsächlich zur Story bei? The End of Oak Street würde ebenso gut funktionieren, wären Denise und Greg ein glückliches Paar, dessen Familie in eine außergewöhnliche Situation geworfen wird, ähnlich wie bei Poltergeist [1982].

Das klingt negativer, als es gemeint ist, denn tatsächlich gelingen viele einzelne Szenen und Momente Regisseur David Robert Mitchell ausgesprochen gut und wenn die Figuren ihre neue Umgebung erkunden und feststellen, in welcher Welt sie sich wiederfinden, versprüht The End of Oak Street ein greifbares Mystery-Flair. Man würde sich nur wünschen, dass die Verantwortlichen der restlichen Story ebenso viel Aufmerksamkeit schenken würden, wie ihrer Prämisse. Das ist spürbar nicht der Fall.


Fazit:
Ob die Verantwortlichen mit einer vernünftigen Erklärung aufwarten, sei an dieser Stelle nicht verraten. Es lohnt sich aber, eingangs den eingespielten Radiodurchsagen zu lauschen. Filmemacher David Robert Mitchell baut sein später horrorlastiges Fantasy-Action-Abenteuer mit dem nostalgischen Charme der frühen 1980er-Jahre auf und findet dabei auch einige gute Charaktermomente. Darüber hinaus werden die Figuren aber kaum vertieft. Selbst das womöglich größte Hollywood-Klischee in Bezug auf Haustiere wird hier aufgegriffen, was nicht bedeutet dass es keine Überraschungen gäbe. Im Gegenteil. Eine wird das Publikum sicherlich unvorbereitet treffen. Die Ausgangsidee ist so eingängig wie interessant und daraus weiß der stellenweise durchaus unheimliche und spannende wie brutale Film Einiges zu machen. Aber trotz der guten Besetzung und solider Dinosaurier-Action, die nicht durchgehend so gut getrickst ist, wie erhofft, bleibt immer das Gefühl, dass The End of Oak Street der Spaßfaktor fehlt, den es brauchen würde, damit man sich vollends der absurden Prämisse hingeben könnte. Dafür ist die Erzählung stellenweise zu ernst, wobei das selektive Ende kaum aufwiegen kann, was viele namenlose Charaktere für ein grausiges Schicksal erleiden oder dass andere an sich traumatisiert zurückbleiben müssten. Als actionreiche Unterhaltung eignet sich das jedoch allemal und zeigt, dass man das Feld der Urzeitriesen nicht unbedingt einer anderen, langlebigen Filmreihe überlassen muss.
 

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