One Night Only [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. August 2026
Genre: Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: One Night Only
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Will Gluck
Musik: Este Haim, Christopher Stracey
Besetzung: Monica Barbaro, Callum Turner, Maya Hawke, Julia Fox, Molly Ringwald, LeVar Burton, Este Haim, Ziwe Fumudoh, Michelle Hurd


Kurzinhalt:

Drei Jahre ist es her, dass in den Vereinigten Staaten die Verordnung erlassen wurde, die Unverheirateten Sex vor der Ehe verbietet. Einzig in einer Nacht im Jahr ist Singles Sex erlaubt, weshalb diese Nacht nicht nur zu einem medialen Großereignis wurde. Alle Geschäfte und Dienstleistungen wollen davon profitieren und viele schließen früh, um ihren Angestellten eine gebührende Feier zu ermöglichen. Auch Pizzeriabesitzer Owen (Callum Turner) hat sich lange auf den Abend vorbereitet und möchte seine Freundin exklusiv ausführen. Bis die ihm erklärt, dass sie die Nacht lieber mit jemand anderem verbringen will. Vor den Kopf gestoßen und enttäuscht, begegnet Owen auf den Straßen New Yorks Allie (Monica Barbaro), die von ihrer Freundin versetzt wurde, mit der sie auf die Suche nach einem Date gehen wollte. Trotz einer anfänglichen Anziehung trennen sich Owen und Allie. Aber bei vielen enttäuschenden Begegnungen, die sie an diesem Abend erleben, laufen sie sich doch immer wieder über den Weg, beinahe, als sollten sie einander eine Chance geben …


Kritik:
Wie in seinem überraschend unterhaltsamen Wo die Lüge hinfällt [2023] erzählt Filmemacher Will Gluck auch in One Night Only eine Geschichte vor einer toll in Szene gesetzten Kulisse, deren sympathische Figuren einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Idee von einer Gesellschaft, in der es Singles nur in einer Nacht im Jahr erlaubt ist, Sex zu haben, mutet dabei wie ein großer gesellschaftlicher Kommentar an, doch davon ist überraschend wenig zu hören und die Story selbst konzentriert sich auf andere Aspekte, als man erwarten würde.

Vor drei Jahren wurde Sex vor der Ehe in den Vereinigten Staaten verboten. Singles ist es daher nur erlaubt, in einer Nacht im Jahr Sex zu haben, von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens. Die Umsetzung der Verordnung, die durch einen Bio-Sensor überwacht wird, der jeder Person eingepflanzt wurde, war nicht einfach. Doch inzwischen ist die Nacht zu einem gesellschaftlichen Großereignis geworden. Marketing und Konsum sind ganz darauf ausgerichtet, was auch bedeutet, dass Kondome in der Nacht beinahe überall vergriffen sind, denn Sex ist Singles nur mit Kondom erlaubt. Haarschnitte, Essen, alle möglichen Dienstleistungen sind unvorstellbar viel teurer, damit die Wirtschaft von den Singles bestmöglich profitiert. Eigentlich hatte sich Pizzeria-Besitzer Owen für die Nacht etwas ganz Besonderes für seine Freundin überlegt, doch dann eröffnet sie ihm, dass sie die Nacht lieber mit jemand anderem verbringen möchte. Frustriert, begegnet er auf der Straße der Sängerin Allie, die von ihrer Freundin versetzt wurde, wollten sie sich doch eigentlich jeweils nach einem guten Kerl umsehen. Die Chemie zwischen Allie und Owen könnte stimmen, aber sie gehen getrennte Wege, jeder auf der Suche nach jemandem, um die Nacht mit ihr bzw. ihm zu verbringen. Doch im Laufe dieser ereignisreichen Nacht laufen sie sich immer wieder über den Weg in New York, als wollte das Schicksal ihnen etwas sagen.

Was das wohl sein wird, ist keine große Überraschung und hinsichtlich der Struktur hakt One Night Only alle Punkte ab, die man bei einer Komödie erwarten würde. So abstrus die Ausgangslage auf den ersten Blick anmutet, sie ist die größte Stärke der Geschichte. Nimmt man die Prämisse der Keuschheitsverordnung an, könnte man vermuten, dass Regisseur Gluck die zum Anlass nimmt, die insbesondere in den Vereinigten Staaten vorhandene, politische Prüderie vorzuführen und gleichzeitig gesellschaftliche Kommentare zu liefern, was die künstlich hohen Preise für Produkte anbelangt, die für Singles gemacht sind. Ganz abgesehen von einer Gesellschaft, die Sex stärker gewichtet, als die Verbindung zwischen zwei Menschen, oder gesellschaftliche Erwartungen und Konventionen an beides. Man kann manche Momente sogar so deuten, dass in dieser außergewöhnlichen Situation das Beste und das Schlimmste in den Menschen zum Vorschein gebracht wird. Während der Komödienklassiker Harry und Sally [1989] mit Charme und Witz hinter die Anziehung zwischen zwei Menschen und das Beziehungsleben blickte, werden all die vorgenannten Themen hier aber nur oberflächlich angerissen. Stattdessen konzentriert sich die Erzählung darauf zu zeigen, mit welch immer verzweifelteren Mitteln Owen und Allie versuchen, irgendjemanden in dieser Nacht zu finden, mit der bzw. mit dem sie Sex haben können.

Allie begegnet dabei einem Blender, Owen gerät in eine Falle und sie beide finden jeweils eine Person, von der sie sich viel versprechen, die ihre Erwartungen aber nicht erfüllt. Gleichzeitig können sie eine Stadt beobachten, in der die Menschen buchstäblich alle Hüllen und jeglichen Anstand fallen lassen, andere sprichwörtlich aufs Kreuz legen und ihr Verlangen nach Intimität und Nähe ausnutzen. Das ist ein gelungenes Bild und stellenweise überaus amüsant, aber bereits eine halben Stunde, nachdem Owen und Allie sich nach ihrer ersten Begegnung wieder getrennt haben, fragt man sich, worauf One Night Only tatsächlich hinauslaufen soll, oder besser, welche Umwege die Story bis zu der absehbaren Auflösung nehmen will. Zwar laufen sich die beiden Figuren immer wieder über den Weg, ein nennenswertes Gespräch wie zum Ende hin entwickelt sich aber zwischen ihnen nicht. Monica Barbaro und Callum Turner wiegen das durch Darbietungen auf, die es dennoch leicht machen, sich für die Figuren zu freuen und gerade, wenn sie sich unterhalten, hat man ein Lächeln auf den Lippen. Dabei muten manche Momente an, als stammten sie aus einer Screwball-Komödie, ohne sich dem Genre jedoch wirklich hingeben zu wollen.

Zusammen mit einigen Gastauftritten und Verweisen an Stars aus Will Glucks oben genannter, anderer Regiearbeit, ist One Night Only oft amüsant und stellenweise wirklich witzig. Aber auch die sympathische Besetzung vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die Erzählung in bekannten Bahnen verläuft und sich mehr darauf konzentriert, die abstruse, wenn auch interessante Ausgangsidee vorzustellen, anstatt sich auf die Figuren im Zentrum zu konzentrieren. Insbesondere über Allie erfährt man erstaunlich wenig. Die Komödie weiß genau, wo ihre Stärken liegen und scheut sich nicht, diese auch entsprechend in Szene zu setzen. Dabei lassen die Verantwortlichen jedoch auch viel Potential ungenutzt. Man würde immer wieder erwarten, gerade, wenn das Drehbuch bestimmte Aspekte anreißt, dass es diese auch weiterverfolgen würde. Dass dies nicht geschieht, ist schade, wer sich damit aber abfindet, kann sich von der Komödie durchaus unterhalten lassen.


Fazit:
In Anbetracht der Prämisse würde man vermuten, dass Regisseur Will Gluck daraus eine Gesellschaftssatire erzählen würde, die viele aktuelle Themen behandelt. Von moderner Datingkultur über die Suche nach der einen großen Liebe, Sex, bis hin zu einer staatlichen Prüderie und der Übergriffigkeit, die moralischen Werte der Gesellschaft zu kontrollieren. Gerade letzter Aspekt fehlt hier aber völlig, im Gegenteil. An sich ist die Erzählung eine große Werbekampagne für staatliche verordnete Züchtigkeit und einen entsprechenden Überwachungsstaat. Das stößt gerade heute mit Blick auf die Vereinigten Staaten doch bitter auf. Um sich dennoch bei One Night Only amüsieren zu können, muss man diesen Aspekt vollkommen ausblenden. Dann gewinnt die Komödie der abstrusen Ausgangslage und dem damit einhergehenden Verhalten der Menschen wie auch der Wirtschaft für diese eine Nacht durchaus einige witzige Aspekte ab. Die sympathischen Figuren, die selbst nicht weniger verrückte Sachen veranstalten, als die übrige Bevölkerung, machen es leicht, einen Zugang zu finden, auch wenn die Chemie zwischen ihnen nicht wirklich überzuspringen vermag. Aber früh wird offensichtlich, dass die Geschichte über diese Ausgangsidee hinaus kaum entwickelt wird und ihr vor allem die Bissigkeit fehlt, die angebracht wäre, um ihre Absurdität angemessen zu demontieren. Das ist überaus schade, unterhaltsam ist es dennoch.
 

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