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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 19. August 2026
Originaltitel: Insidious: Out of the Further
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: Australien / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Jacob Chase
Musik: Joseph Bishara
Besetzung: Amelia Eve, Island Austin, Laura Gordon, Charli Penton, Brandon Perea, Maisie Richardson-Sellers, Lin Shaye, Sam Spruell
Kurzinhalt:
20 Jahre sind vergangen, seit Gemma (Amelia Eve) in dem Haus ihrer Mutter Ingrid (Laura Gordon) etwas erlebt hat, wovon sie nicht einmal ihrer eigenen Tochter Maya (Island Austin) erzählen kann. Doch dann, aus heiterem Himmel, erlebt Gemma beunruhigende Alpträume, die sie nicht nur an jene Zeit erinnern. Vielmehr hat sie das Gefühl, sie würde wie ihre Mutter damals verrückt werden. Gemma ist zunehmend am verzweifeln und nicht einmal ihr Freund Nick (Brandon Perea) kann sie beruhigen, als sogar Gegenstände aus Gemmas Alpträumen auftauchen. Ein solcher Gegenstand verweist sie an die Tätowiererin Claire (Maisie Richardson-Sellers), die einige Antworten auf Gemmas drängendste Fragen liefert. Aber die Mächte, die Gemma ins Visier genommen haben, kommen ihr immer näher und sie scheint nicht in der Lage, sich gegen sie wehren zu können …
Kritik:
Der inzwischen sechste Teil der Horrorfilm-Reihe Insidious, Insidious: Out of the Further, macht überraschend Vieles richtig. Den größten Teil davon in einer ersten Filmhälfte, in der gruselige Momente tatsächlich für Gänsehaut sorgen. Doch je stärker sich die Erzählung der Titel gebenden Zwischenwelt des „Further“ widmet und die für die Filme ikonischen Dämonen zum Tragen kommen, umso weniger vermag das zu überzeugen. Dabei wäre die Besetzung mühelos in der Lage, eine stärkere Geschichte zu tragen.
Die beginnt mit einem Prolog im Jahr 1999, in dem das Mädchen Gemma einen alptraumhaften Abend mit ihrer Mutter Ingrid erlebt, der es seit geraumer Zeit bereits nicht gutgeht. 20 Jahre später hat Gemma selbst eine neunjährige Tochter, Maya, und wohnt immer noch in jenem Haus, in dem so schreckliche Dinge geschehen sind. Ihr Freund Nick kann nicht verstehen, weshalb Gemma nicht umziehen will, aber sie will dort ein Zuhause erschaffen, das sie selbst nie hatte. Nachdem Maya eines Abends zwischen all den Sachen ihrer Großmutter, die sie nie kannte, etwas findet, wird Gemma von ebenso lebhaften wie Furcht einflößenden Träumen heimgesucht. Urplötzlich tauchen Gegenstände wieder auf, die seit Jahrzehnten verschollen waren und drei beunruhigende Gestalten laufen Gemma immer wieder über den Weg. Sie fürchtet bereits, dass sie den Verstand verlieren könnte, wie ihre Mutter vor ihr, als ihr in einem Traum jemand begegnet, der ihr Antworten verspricht. Doch die werfen nur mehr Fragen auf und die Gefahr, in der Gemma mit ihrer Tochter schwebt, wird immer größer.
Die Bedrohung stammt aus der Zwischenwelt, die das Further genannt wird, zwischen dieser Welt und der nächsten. Ein Fegefeuer verlorener Seelen, in dem sich böse Geister, Dämonen und Schlimmeres versammeln. Gemma besitzt dabei nicht nur die seltene Gabe, in diese Zwischenwelt zu reisen, sondern darüber hinaus eine andere, die sie für eine böse Macht nur interessanter werden lässt. Es ist ein Aspekt, dank dem Insidious: Out of the Further dem Franchise durchaus eine neue Idee hinzufügt. Über die dahinterliegende Logik nachdenken sollte man zwar nicht, wer sich aber auf einen Horrorfilm um Dämonen und böse Geister einlässt, wird sich daran nicht stören. Tatsächlich gelingt es Filmemacher Jacob Chase erstaunlich gut, die Welt seiner Hauptfiguren zu etablieren. Der Prolog allein überzeugt mit einigen beunruhigenden Situationen, während kurz danach ein Schreckmoment wartet, den man nicht nur nicht kommen sieht, sondern der tatsächlich für Gänsehaut sorgt. Das deshalb, da der Film seine unheimlichen Szenen lange aufbaut, sie aber gleichzeitig an Objekten festmacht, die man in der wirklichen Welt kennt. Das mag inhaltlich nicht neu sein, aber es ist ungemein effektiv und wenn Gemma in einem labyrinthartigen, aus Kissen und Decken bestehenden Höhlensystem verlorengeht, ist das buchstäblich bedrückend.
Das Horror-Highlight erwartet jedoch all diejenigen, die eine natürliche Furcht vor dem Besuch einer Zahnarztpraxis haben. An dieses Niveau kann Chase danach aber ebenso wenig anknüpfen, wie an den stimmungsvollen Grusel zuvor. Dann verlagert er den Schwerpunkt seiner Erzählung auf die Zwischenwelt und erklärt zuerst in einer langen Sequenz alles, was man darüber wissen muss, mit einem Gastauftritt von Franchise-Legende Elise Rainier, ehe es kurz vor dem Finale eine weitere solche Szene gibt. Nicht nur, dass ein so plumpes Abladen von Fakten keine elegante Art und Weise ist, Hintergrundinformationen zu transportieren, Gemma und ihre Tochter dürfen sich so die Lösung für ihre lebensbedrohende Situation auch nicht selbst überlegen, sondern werden mit einer Auflösung konfrontiert, die ohne nennenswerte Zwischenfälle abläuft. Das ist schade um die beiden Figuren, die nicht nur unerwartet vielschichtig angelegt sind, erlebt Maya doch dasselbe tragische Schicksal wie ihre Mutter vor ihr, sondern vor allem von zwei sehenswerten Darbietungen zum Leben erweckt werden. Sieht man sie kämpfen und leiden und hört man dann die aufgesetzt verzerrte Stimme des großen Dämons, der einen Weg in die wirkliche Welt sucht, um die Lebenden auszulöschen, dann klingt das nicht nur platt und gestellt. Es wirkt so klischeehaft, dass man der Kernbesetzung tatsächlich ein besseres Drehbuch wünschen würde.
Das wartet beim Finale zwar mit einem durchaus guten Einfall auf, der die Geschichte gelungen zum Anfang zurückführt, aber gleichzeitig mit so vielen Klischees und absehbaren Wendungen, dass selbst diejenigen, die zuvor nur zwei andere solcher Genrefilme gesehen haben, wissen, worauf das hinauslaufen soll. Zwar gibt sich Filmemacher Chase Mühe, das Geschehen routiniert und teils durchaus überraschend in Szene zu setzen, aber gerade auf die größte Stärke der ersten Hälfte beruft er sich nicht mehr. Da kamen die Spannungsmomente meist ohne Musik oder laute Geräusche aus, was den Schreckmoment selbst umso intensiver werden lässt. Beim Finale hingegen setzt er auf überraschend blutarmen Horror, der brutaler aussehen soll, als er ist. Das Ergebnis wirkt erzwungen und mit der künstlichen Farbgebung und dem ständigem Nebel des Further, als wäre der letzt Akt von Insidious: Out of the Further einer Geisterbahn entsprungen. Das mag beabsichtigt sein, aber es lässt insbesondere mit der Szene während des Abspanns das Geschehen beinahe beabsichtigt witzig erscheinen, wo eigentlich die Unsicherheit, wie all das ausgehen wird, die Spannung ausmachen sollte. Sieht man, wie gut den Beteiligten der Auftakt gelingt, würde man sich wünschen, sie würden das Niveau bis zum Schluss halten können. Dem ist leider nicht so.
Fazit:
Nach Jahrzehnten, in denen immer neue Franchises das Publikum das Fürchten zu lehren versuchen, greift Filmemacher Jacob Chase im Grunde lediglich viele bekannte Elemente anderer Filme auf, bringt aber zumindest einige neue Ideen zur Insidious-Reihe hinzu. Werden dann geradezu verkrampft alle Hintergrundinformationen zum Further auf einmal präsentiert, könnte man beinahe vermuten, als hätten die Verantwortlichen an sich eine eigenständige Geschichte erzählen wollen, die sie in der Reihe einordnen mussten. Die Szene wirkt spürbar plump, wie auch derjenige Vortrag, der das Finale einläutet und für das Publikum, das nie aufgepasst hat, wiederholt, worum es geht und was nun passieren wird. Was folgt, ist handwerklich routiniert, aber in der Art der Umsetzung nie packend, während vor allem die erste Hälfte von Insidious: Out of the Further mit einigen beängstigenden Situationen und guten Figuren aufwartet. Hier ist der auf beunruhigende Gruselmomente ausgelegte Horrorfilm so gut gelungen, man möchte die Verantwortlichen zurück ans Reißbrett schicken, um sich eine andere Auflösung zu überlegen. Fans der Reihe finden dank neuer Impulse und bekannter Nebenfiguren aber genug, dass ein Blick lohnt.



