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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 19. August 2026
Originaltitel: Mutiny
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 18 Jahren
Regie: Jean-François Richet
Musik: Marco Beltrami, Marcus Trumpp
Besetzung: Jason Statham, Annabelle Wallis, Roland Møller, Arnas Fedaravicius, Jason Wong, Ramon Tikaram, Chaneil Kular, Rumi Sutton, Adrian Lester
Kurzinhalt:
Für Tibu Campallo (Ramon Tikaram), der die Frachtfirma KMG über vier Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat, ist es ein freudiges Ereignis und eines, das ihn traurig stimmt, als der Verkauf seiner Firma beinahe abgeschlossen ist. Sein Sohn Kameron (Chaneil Kular) sieht seine Zukunft nicht darin und so ist der Verkauf die einzig logische Entscheidung. Auf dem Heimweg der diesbezüglichen Feier gerät Campallos Limousine in einen Hinterhalt und seinem Bodyguard Cole Reed (Jason Statham) gelingt es nicht, den Firmenleiter zu retten. In den Anschlag scheint aber auch ein KMG-Crewmitglied verwickelt zu sein, wie auch die Polizei selbst. Darum schmuggelt sich Cole an Bord des Containerschiffs, auf dem das Crewmitglied hätte Dienst verrichten sollen, um die Verantwortlichen hinter dem Anschlag ausfindig zu machen. Unter Deck findet Cole stattdessen eine weitere „Fracht“, die Captain Marko Madsen (Roland Møller) transportiert. Als die neu zur Crew hinzugestoßene Offizierin Angie Ellis (Annabelle Wallis) von Madsens Machenschaften erfährt, will sie Hilfe rufen und gerät damit ebenso ins Visier der schwer bewaffneten Crew wie Cole. Will er Campallos Tod rächen, muss er sich der ihm zahlenmäßig weit überlegenen Besatzung des Frachtschiffes stellen …
Kritik:
Kaum ein Name steht heute so sehr für verlässliche Action wie Jason Statham. Dabei gibt es vielleicht wenige Filme, die aus der breiten Masse herausstehen, aber auch wenige, die weit unter den Erwartungen bleiben. Mit Mutiny bleibt er seinem Markenzeichen treu und liefert einen solide umgesetzten, zum Ende hin geradezu explosiven Thriller, der sich eindeutig an ein erwachsenes Publikum richtet. Der mag zwar bei weitem die Fußstapfen nicht füllen, in die er tritt, in der richtigen Stimmung ist das aber durchweg unterhaltsam.
Dabei gestaltet sich die Story merklich anders, als die Filmvorschau vermuten lässt. Statham schlüpft darin in die Rolle von Bodyguard Cole Reed. Der ehemalige Polizist und Soldat steht seit fünf Jahren im Dienst von Tibu Campallo, der seit 40 Jahren KMG führt, ein erfolgreiches Frachtschiffunternehmen. Das steht nun kurz vor dem Verkauf, da Tibus Sohn Kameron andere Pläne verfolgt. Doch kurz bevor der Verkauf rechtskräftig abgeschlossen ist, wird in Bangkok ein Anschlag auf Tibus Leben verübt. Cole findet Hinweise, die auf eine Beteiligung von KMG-Beschäftigten deuten. Die Spur führt an Bord eines Containerschiffs, das in Kürze in Bangkok ablegt. Nachdem sich Cole an Bord geschmuggelt hat, findet er tief im Laderaum menschliche „Fracht“ vor. Noch bevor er einschreiten kann, wird die dritte Offizierin Ellis ebenfalls auf die Flüchtlinge aufmerksam, doch als sie Captain Madsen davon berichtet, muss sie erkennen, dass die gesamte Crew in den Menschenhandel verwickelt ist. Einzig sie und Cole können den Schurken nun das Handwerk legen und die Flüchtlinge befreien.
Auf den ersten Blick wirkt Mutiny wie eine Abwandlung des prägenden Genreklassikers Stirb langsam [1988], auf hoher See statt in einem Hochhaus und mit Menschenhändlern statt Terroristen. Dabei gab es bereits eine bekannte Variante auf einem Schiff (Alarmstufe: Rot [1992]) und wie damals verkennen die Verantwortlichen hier ebenso, was Stirb langsam in jeder Hinsicht so erfolgreich machte. Regisseur Jean-François Richet schickt seine Hauptfigur auf eine Vergeltungsmission, bei der sich ihm am Ende beinahe zwei Dutzend Schurken in den Weg stellen. Aber während John McClane in jenem Hochhaus in eine Situation geworfen wurde, die er so gut wie nie kontrollieren konnte und daher auf die Handlungen seiner Widersacher überwiegend reagierte, ist Cole Reed hier ständig aktiv und scheint sich nach einer kurzen Orientierungsphase auf dem riesigen Frachtschiff mit hunderten Containern bestens auszukennen. Er gerät nie in die Defensive, am wenigsten beim Finale, in dem ihm die Bösewichte ohne Sinn und Verstand vor den Lauf der Waffen spazieren, die er findet. Das klingt negativer, als es gemeint ist, denn vor allem in den ersten zwei Dritteln hat man durchaus den Eindruck, er und Ellis wären der (selbstverständlich) bis an die Zähne bewaffneten Crew hoffnungslos unterlegen.
Doch dieses Gefühl hält nicht lange an und kurz nachdem Mutiny die Flüchtlinge vorgestellt hat, werden sie bis kurz vor Schluss auch schon wieder aus der Geschichte geschrieben. Für die eigentliche Erzählung sind sie nicht wirklich notwendig, weshalb der Aspekt der Story erstaunlich wenig packt. Womöglich wäre es eine bessere Idee gewesen, die Offizierin Ellis stärker einzubinden, die zwar erzählt, sie habe eine sechsjährige Tochter, zum Tragen kommt dies aber auch deshalb nicht, da Ellis nie in eine derart greifbare Gefahr gerät, dass Zweifel aufkommen würden, ob sie den Abspann erlebt. Kurzum, die gesamte Rahmenhandlung und die Nebenfiguren dienen an sich nur dazu, Jason Statham auf ein Schiff zu bekommen und ihn dort gegen böse Menschen antreten zu lassen. Die sind dabei auch so böse, dass man es Cole nachsieht, wenn er tödliche Gewalt anwendet, auch wenn die Situation das gar nicht erfordern würde. Filmemacher Richet weiß genau, an welches Publikum er seine Erzählung richtet und er enttäuscht Fans brachialer Action auch nicht.
Dafür ist Mutiny schlicht zu routiniert in Szene gesetzt. Seien es die Trickeffekte, die überraschend selten als solche erkennbar sind, oder die in engen Räumlichkeiten inszenierten Zweikämpfe. Jean-François Richet versieht die mit einer Wucht, dass man die Schläge und Tritte beinahe spüren kann. Naturgemäß bleibt er auch dicht am Geschehen, wobei viele Szenen deutlich dunkler ausfallen, als einem lieb ist. Vor allem jedoch gelingt es den Beteiligten auf geradezu greifbare Weise, die Größe des Containerschiffes deutlich zu machen. Die Sets wirken riesig, ob nun unter Deck oder an. So tadellos die handwerkliche Umsetzung, so notdürftig ist die zugrundeliegende Geschichte, die mit Figuren aufwartet, die dem Jason Statham-Handbuch für Actionfilme entnommen sein könnten. Das reicht aus, um dem richtigen Publikum in einer entsprechenden Stimmung wenig zimperliche Unterhaltung bieten zu können. Am Ende wirkt das aber auch, als wäre es weniger, als hier möglich gewesen wäre.
Fazit:
Wie wenig das Drehbuch an seiner eigenen Geschichte interessiert ist, sieht man bereits daran, dass der Epilog zwar zum Teaser vor der eigentlichen Handlung zurückfindet, aber die mutmaßliche Beteiligung der Polizei am Ende gar keine Rolle mehr spielt. Der Thriller baut eingangs eine Verschwörung auf, die jedoch nie weiterverfolgt wird. Dafür gestalten die Verantwortlichen die Erzählung nach absehbarem Muster. Wirkliche Überraschungen gibt es ebenso wenig, wie tatsächlich mitreißende Momente. Das allein deshalb, da Cole nie in Bedrängnis gerät, er improvisieren muss oder unter Zeitdruck steht. Filmemacher Jean-François Richet inszeniert seinen Helden als ebenso unerbittlich wie unbesiegbar. Nichtsdestotrotz präsentiert er einen schnörkellosen Actionfilm, bei dem insbesondere Fans von Jason Statham das bekommen, was die Prämisse verspricht. Inhaltlich dürftig, geht Mutiny nie über das Mindestmaß hinaus, ist aber auch nie langweilig und tadellos umgesetzt. Dass das Finale hinsichtlich der Darstellung der Gewalt vollkommen überzogen ist, stört nicht, sofern ein erwachsenes Publikum weiß, worauf es sich einlässt.



