Frische Ideen im Science Fiction-Genre sind überaus selten. Umso willkommener ist die Fülle an Einfällen, die das Publikum in Der Astronaut – Project Hail Mary erwartet. Die Geschichte erzählt von einer Mission zur Rettung der Erde, bei der sich ein Wissenschaftler unversehens (alleine) wiederfindet. Das eigentliche Highlight ist jedoch das Wesen, auf das er dabei trifft. Mit immens viel Humor und Charme dargebracht, ist das nicht nur durchweg unterhaltsam, sondern mit einer Botschaft versehen, die zu hören heute so wichtig ist, wie eh und je.
Filmemacher Bradley Cooper beginnt seine Geschichte nach dem vermeintlichen Happy End, wenn ein Ehepaar nach mehr als 25 Jahren zusammen wieder getrennte Wege geht. Die Idee, dass er Stand-up-Comedy gewissermaßen als Therapie nutzt, um die Trennung zu verarbeiten, ist so gelungen, wie dass sie einen Weg zurück zu der beruflichen Leidenschaft vor dem Familienleben sucht. Aber so amüsant und treffend das teilweise ist, die erzählerische Struktur lässt Is This Thing On? länger erscheinen, als er sein müsste und das letztliche Ende nicht so verdient, wie es sein sollte.
Filmemacher Gore Verbinski macht keinen Hehl daraus, was er von Künstlicher Intelligenz und insbesondere blinder Technologiehörigkeit hält. Sein durchweg amüsanter Good Luck, Have Fun, Don’t Die gerätstellenweise derart zynisch böse, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt, wenn man erkennt, wie sehr die Verantwortlichen den Nagel auf den Kopf treffen. Aber so unvorhersehbar die Geschichte teils sein mag, sie nimmt emotional überraschend selten mit.
Mona Fastvolds The Testament of Ann Lee ist ein rätselhafter Film, der gleichzeitig all das in sich vereint, was Filme zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art macht. Die Filmemacherin erweckt darin eine Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Leben. Für die Beteiligten ist es eine Tour de Force, die nachwirkt, handwerklich erstklassig umgesetzt und mit einem greifbaren Detailgrad, den man erst zu schätzen weiß, wenn man sich im Nachgang mit der Thematik beschäftigt hat. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, ist das schlicht großartig.
Basierend auf dem gleichnamigen, im Jahr 2022 erschienenen Roman von Colleen Hoover erzählt Filmemacherin Vanessa Caswill in Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him im Grunde eine Geschichte mit komplexen Themen und Figuren, die von tiefgehenden Konflikten zerrissen sind. Doch statt als Drama in diese Themen einzutauchen, machen es sich die Verantwortlichen merklich einfach. Mit sichtbar guten Absichten erzählt, ist das insgesamt immerhin besser gelungen, als gedacht.
Die dänische Filmemacherin Louise Unmack Kjeldsen macht sich in ihrem Dokumentarfilm Mein neues altes Ich auf zu ergründen, weshalb ein Thema, das die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft, kaum in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Dabei ergründet sie Mythen und lässt Betroffene zu Wort kommen. Doch so treffend ihre Beobachtungen sind, sie beleuchten letztlich nur einen Teil der Thematik und greifen damit schließlich zu kurz.
Zu Maggie GyllenhaalsThe Bride! – Es lebe die Braut Zugang zu finden, ist nicht leicht, um nicht zu sagen, lange Zeit fragt man sich, was die Filmemacherin mit der Erzählung tatsächlich aussagen möchte. Wird das aber deutlich, stellt sich die Frage, ob die Herangehensweise am besten geeignet ist, die Geschichte zu erzählen. Die ist stilistisch tadellos dargebracht und mitunter sogar preiswürdig gespielt, aber geradezu verkrampft auf einen künstlerischen Anspruch bedacht, dass dies nur ein bestimmtes Publikum ansprechen wird.
Pixars Animationsabenteuer Hoppers fühlt sich derart wie eine für ein junges Publikum gedachte Adaption von James CameronsAvatar-Filmen an, dass sich die Figuren darin selbst darüber lustig machen. Dabei lebt die Erzählung von einem zunehmend überzogenen, stellenweise aber überraschend düsteren Humor und einer durchweg putzigen Umsetzung, die gleichzeitig aktuelle Themen in den Mittelpunkt rückt. Das Ergebnis ist immens unterhaltsam, von der ersten bis zur Szene nach dem Abspann.
In Gelbe Briefe erzählt Filmemacher İlker Çatak davon, wie sich die Arten und Weisen, wie ein totalitäres Regime seine Gegner unterdrückt, auf diese auswirken. Angefangen von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Einschüchterung, bis hin zum Zersetzen der eigenen moralischen Werte. Er tut dies auf eine Art und Weise, die die Bedrohung durch solche Systeme weit über ihre derzeit aktiven Grenzen hinaus unvermittelt greifbar macht. Das ist in der Aussage erschütternd und mit einem Schlusspunkt versehen, der einen die eigenen Überzeugungen gleichzeitig hinterfragen lässt.
Das belgisch-französische Drama Junge Mütter – Jeunes Mères erzählt von fünf jugendlichen Müttern, die in einer Einrichtung der Familienhilfe untergekommen sind. Auch wenn ihre jeweilige Situation unterschiedlich ist, gibt es doch Gemeinsamkeiten in ihrem Werdegang und der Ungewissheit, wie es weitergehen soll. Stark gespielt, wirkt die Erzählung beinahe dokumentarisch. Aber so wichtig und bedrückend das inhaltlich ist, der Film richtet sich nur an ein spezielles Publikum.
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