Mayday [2026]

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4–7 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. September 2026
Genre: Action / Komödie / Thriller

Originaltitel: Mayday
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: John Francis Daley, Jonathan Goldstein
Musik: Colin Stetson
Besetzung: Ryan Reynolds, Kenneth Branagh, Marcin Dorociński, Maria Bakalova, David Morse, Clark Johnson, Wendy Crewson, Louis Cancelmi, Josh Hamilton


Kurzinhalt:

Im Jahr 1987 neigt sich der Kalte Krieg dem Ende entgegen, als Navy-Pilot Troy „Assassin“ Kelly (Ryan Reynolds) den Auftrag erhält, bei einer verdeckten Operation auszuhelfen. Er begleitet einen Air Force-Piloten, mit dem überschallschnellen Flugzeug „Blackbird“ tief in den sowjetischen Luftraum vorzudringen, um aus großer Höhe Aufnahmen von militärischen Stellungen anzufertigen. Doch auf dem Rückweg wird das Flugzeug abgeschossen und nur Kelly überlebt. Er wird vom abgeschieden lebenden Ex-KGB-Offizier Nikolai Ustinov (Kenneth Branagh) gefunden, der von den Vereinigten Staaten fasziniert ist. Auch wenn Troy zu Beginn Nikolais Hilfe ablehnt, es sind tausende Kilometer bis zur Grenze und da seine Mission nicht offiziell war, kann Troy nicht auf eine Rettung hoffen. Als der KGB-Offizier Alexander Volkov (Marcin Dorociński) auftaucht, der nach Troy sucht, müssen er und Nikolai erkennen, dass ihnen weniger Zeit bleibt, als gedacht, ehe der gesamte sowjetische Militärapparat auf Troy angesetzt wird …


Kritik:
Wie die Geschichte, die während der Zeit des Kalten Krieges spielt und die Verständigung zwischen den verfeindeten Völkern der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion thematisiert, wirkt Mayday wie ein Relikt einer längst vergangenen Zeit. Die Filmemacher John Francis Daley und Jonathan Goldstein erzählen darin leichtfüßige Unterhaltung mit viel Action, die ohnehin bereits überzogen ist, aber durch viel Humor auch kaum ernst genommen werden kann. Das ist nicht nur unerwartet, sondern tatsächlich erfrischend.

Im Jahr 1987 erhält der waghalsige Navy-Pilot Troy „Assassin“ Kelly den Auftrag, zusammen mit einem Air Force-Piloten das Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71, genannt „Blackbird“, tief über sowjetischen Luftraum zu fliegen, um dort Aufnahmen zu fertigen. Auch wenn das Flugzeug eine Geschwindigkeit von bis zu dreimal schneller als der Schall erreicht, werden sie abgeschossen und nur Kelly überlebt. Er wird von dem ehemaligen KGB-Offizier Nikolai Ustinov gerettet, der seine Zeit beim sowjetischen Geheimdienst bereut und inzwischen ein großer Fan der Vereinigten Staaten ist. Während der KGB unter Alexander Volkov die Suche nach Kelly aufnimmt, um mit seiner Anwesenheit die Glasnost-Bewegung der neuen Führung untergraben zu können, verhilft Nikolai Troy zur Flucht. Bis zur Grenze sind es mehr als 2.000 Kilometer und der gesamte Militärapparat ist inzwischen auf Kelly aufmerksam gemacht worden. Ganz zu schweigen, was Nikolai blüht, würde sein Verrat an seinem Land entdeckt.

Werden bei vielen Buddy-Filmen die zwei zentralen Figuren eher widerwillig zusammengeworfen, geht Mayday einen anderen Weg. Während Troy so schnell wie möglich zurück möchte, ist die Begegnung für Nikolai ein großer Glücksfall. Nicht nur, dass er von den Verheißungen der Vereinigten Staaten fasziniert ist, er ist ein riesiger Fan von Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel [1986] und die Tatsache, dass ein Navy-Pilot bei ihm ist, so etwas wie ein wahr gewordener Traum. Deshalb ist Nikolai auch dafür, Troy zu verstecken, anstatt ihn über die Grenze zu schaffen. Es dauert darum überraschend lange, ehe die Flucht der beiden überhaupt beginnt, die sie aber nicht an die finnische Grenze führt, sondern immer weiter ins Herz der Sowjetunion. Dabei lernt Troy das Land von einer anderen Seite kennen, als es in den amerikanischen Medien dargestellt wird. Es ist beinahe, als würde die Ausgangslage aus Red Heat [1988] umgedreht, auch wenn dies hier weniger ein harter Actionthriller als eine Action-Komödie ist.

Das wird bereits früh deutlich, wenn die Dynamik zwischen Troy und Nikolai eine andere Richtung nimmt, als vermutet. Sollte Troy als draufgängerischer Pilot an sich der geborene Actionheld sein, ist es tatsächlich Nikolai, der ihn aus den jeweils brenzligen Situationen mit viel Schlagkraft befreit. Auch wenn Kenneth Branagh zum Zeitpunkt des Drehs über 60 Jahre alt war, dies funktioniert erstaunlich gut. Vielleicht auch deshalb, weil die Filmemacher Daley und Goldstein zwar viel Wert auf interessante Kameraperspektiven und eine flotte Inszenierung legen, aber die Action selbst doch erstaunlich handgemacht und übersichtlich wirkt. Fliegen hier Fäuste oder Kugeln, wahren die Verantwortlichen stets die Übersicht und unterlegen das Gezeigte mit lockeren Sprüchen, die zusätzlich die Bedrohlichkeit nehmen. Das mag dazu führen, dass Mayday nur selten so packend gerät, wie er hätte sein können, aber die Leichtfüßigkeit trägt ungemein zum Unterhaltungswert der Erzählung bei.

Was dieser aber in gewisser Hinsicht fehlt, ist ein richtiger Bösewicht. KGB-Offizier Volkov heftet sich zwar an Kellys Fersen und – mit der politischen Öffnung seines Landes nicht einverstanden – verfolgt andere Ziele, aber er tritt zum einen selten in Aktion und gerät darüber hinaus erst in der zweiten Filmhälfte so bedrohlich, dass er den ungleichen Helden gefährlich werden könnte. Dabei läge in der Konfrontation der drei Figuren auch die Chance, die Geschichte ohne einen klassischen Widersacher auskommen zu lassen, weshalb das actionreiche Finale in gewisser Hinsicht aufgesetzt erscheint. Dass dies rückblickend nicht stört, ist dem hohen Erzähltempo zu verdanken, das die zwei Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen lässt. Unbestritten hätte der Geschichte in manchen Momenten etwas mehr Ernsthaftigkeit nicht geschadet und all das hat man so oder so ähnlich bereits gesehen. Aber das heißt nicht, dass man sich bei Mayday nicht amüsieren könnte. Das gelingt bereits dank des ungleichen Duos Reynolds und Branagh, die sichtlich Gefallen an ihren Rollen finden. Sie allein sind die investierte Zeit bereits wert.


Fazit:
Man mag Ryan Reynolds nicht zu Unrecht vorwerfen, dass er oftmals in dieselben Rollen schlüpft. Auch sein Navy-Pilot Troy zeichnet sich durch Merkmale aus, die man unweigerlich mit dem Darsteller dahinter verbindet, angefangen von einer Selbstüberschätzung, auf Grund derer er mehr Schläge in Kämpfen einstecken muss, als er austeilt, bis hin zu seinen lockeren Sprüchen, von denen einige hier aber die absurden Situationen treffend zusammenfassen. Das Gegengewicht hierzu ist Kenneth Branaghs Nikolai, der die Situationen mit einer körperlichen Präsenz klärt, dass es einen stellenweise wirklich überrascht. Zusammen harmonieren sie so gut, dass man sich von der Story mitnehmen lässt, ohne dass auffallen würde, wie wenig die übrigen, ohnehin spärlich auftretenden Figuren gefordert sind. Geradlinig erzählt und tadellos in Szene gesetzt, wirkt die Welt der späten 1980er-Jahre überraschend authentisch, ohne zu sehr nostalgisch verklärt zu werden. Dank der stets flotten und leichtfüßigen Erzählung ist Mayday am Ende so unterhaltsam, dass man sich wünschen würde, man hätte die Geschichte auf der großen Leinwand sehen können. Für einen amüsanten Filmabend eignet sich das in jedem Fall.
 

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