Coyote vs. Acme [2026]

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6–8 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. August 2026
Genre: Animation / Komödie / Fantasy

Originaltitel: Coyote vs. Acme
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2023
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Dave Green
Musik: Steven Price
Besetzung: Will Forte, Lana Condor, Tone Bell, John Cena, P. J. Byrne, Martha Kelly, Luis Guzmán, Eric Bauza (Stimme)


Kurzinhalt:

Lange schon leben Cartoons und Menschen zusammen. Während sich viele von den gezeichneten Charakteren in der wirklichen Welt einbringen, gehen manche dem nach, was sie am besten können. So auch der Kojote Wile E. Coyote, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den Road Runner, einen rasend schnellen Laufvogel, zur Strecke zu bringen. Doch egal, was er unternimmt, der Road Runner entkommt ihm jedes Mal. Durch eine Fernsehwerbung der Kanzlei von Anwalt Kevin Avery (Will Forte) ist der Kojote überzeugt, dass dies nicht an seinen ausgefeilten Plänen liegt, sondern an den Hilfsmitteln, die er verwendet und die allesamt von der Acme Corporation speziell für Cartoons entwickelt wurden. Avery hat sich darauf spezialisiert, Cartoon-Charaktere gegenüber Acme zu vertreten, aber er einigt sich stets für einen Spottbetrag außergerichtlich. Einen Prozess vermeidet Avery um jeden Preis, nicht einmal seine Praktikantin und Nichte Paige (Lana Condor) kann ihn davon überzeugen, die Konfrontation zu suchen. Doch der Kojote will sich nicht mit einer kleinen Entschädigung abfinden, sondern gegen Acme vor Gericht ziehen. So sieht sich Avery wenig später dem mächtigsten Konzern der Welt gegenüber, vertreten durch den ungeschlagenen Anwalt Buddy Crane (John Cena). Avery ahnt noch nicht, dass Acme ein dunkles Geheimnis hütet – oder dass der Kojote noch etwas anderes im Schilde führt …


Kritik:
Man kann eigentlich nur hoffen, dass die vor einigen Jahren an vielen Orten berichtete Entscheidung des Studios, David Greens Coyote vs. Acme nicht zu veröffentlichen und stattdessen in der Schublade verschwinden zu lassen, nicht mehr als ein großer PR-Stunt war, auch wenn der Film all denen gewidmet ist, die sich für seine Veröffentlichung eingesetzt haben. Denn tatsächlich ist die Real-Cartoon-Komödie genau das, was sie sein möchte: eine Menge Spaß mit einer David-gegen-Goliat-Geschichte im Zentrum. Das ist albern und inhaltlich hanebüchen, aber nie boshaft und durchweg unterhaltsam – wenn einem die Art Humor gefällt.

Der entspricht genau dem, was zahlreiche Cartoons ausgezeichnet hat, in denen eine Figur eine andere zu fassen bekommen möchte, aber stets den Kürzeren zieht. So auch hier bei dem Titel gebenden Wile E. Coyote, der Zeit seines Lebens des Road Runners habhaft werden will, ein dem Rennkuckuck ähnlicher, übernatürlich schneller Laufvogel. Dafür greift er auf Produkte der Firma Acme zurück, die speziell für Cartoon-Figuren entwickelt sind. Haushaltsübliche Hilfsmittel wie Dynamitstangen, riesige Ambosse oder raketenbetriebene Rollschuhe. Doch die versagen grundsätzlich, so dass am Ende stets der Kojote der Leid geplagte ist, während der Road Runner buchstäblich ungeschoren davonkommt. Durch eine Fernsehwerbung von Anwalt Kevin Avery erkennt der Kojote schließlich, dass das Problem an Acmes Produkten liegen muss. Mit seiner Kanzlei hat sich Avery darauf spezialisiert, Acme zu verklagen und die Fälle gegen eine kleine Schadensersatzzahlung außergerichtlich beizulegen. Einen Prozess hat er tatsächlich noch nie geführt und würde auch den Kojoten mit einer kleinen Wiedergutmachung abspeisen, würde nicht durch einen ungünstigen Zufall die Klage alle Acme-Produkte umfassen. Da der Kojote auch nicht klein beigeben will, sieht sich Avery zusammen mit seiner Praktikantin Paige einem Prozess gegen die größte Firma der Welt gegenüber, dessen Anwalt Buddy Crane noch nie verloren hat.

Insofern dreht Coyote vs. Acme die gemeinhin vorherrschenden Sympathien der Cartoonfiguren auf den Kopf, ist doch der stumme Kojote hier das Opfer. Dass der Weltkonzern Acme außerdem einige sprichwörtliche Leichen im Keller liegen hat, deutet bereits der 1992 spielende Prolog an. Diese Hintergrundgeschichte besitzt dabei mehr Aussagekraft, als es auf den ersten Blick scheint, stellen die Verantwortlichen dabei doch auch das rücksichtslose Geschäftsgebaren marktbeherrschender Konzerne bloß. Acme, so viel ist schnell klar, ist hier das eigentliche Übel, nur wie soll Avery, der mit Gerichtsprozessen überhaupt keine Erfahrung hat, eine solche Firma besiegen können? Auf der Suche nach Beweisen, die die Vermutung des Kojoten bestätigen würden, treffen Avery und seine hilfreiche Assistentin auf zahlreiche bekannte Cartoonfiguren, bis hin zu den beiden Aushängeschildern der großen Animationsära des Studios Warner Bros.. Manche Auftritte sind klein und so kurz, dass man sie tatsächlich übersehen kann, andere Charaktere wie Tweety treten regelmäßig auf, wenn auch in Rollen, die man nicht unbedingt mit ihnen in Verbindung bringen würde. Die Mischung aus Real- und Animationsfilm erinnert nur auf den ersten Blick an den Klassiker Falsches Spiel mit Roger Rabbit [1988]. Abgesehen davon, dass hier der Wechsel von handgezeichneter Animation, wie in manchen Erinnerungen des Kojoten an seine erfolglosen Jagdversuche, hin zu moderner Computeranimation nicht ganz nahtlos funktioniert, ist Filmemacher Dave Green offenbar nicht daran interessiert, seine Welt, in der Menschen und Cartoons zusammenleben, umfangreicher vorzustellen. Er zeigt zwar, dass sie zusammenleben, wie das funktionieren soll, insbesondere, wenn die Cartoons ihre Umgebung regelmäßig verwüsten, wird aber nie deutlich. Dennoch ist es amüsant anzusehen.

Selbst wenn manche Personen im Hintergrund geradezu passiv bleiben, als hätten sie gar nicht gesehen, was das Publikum gerade gesehen hat, gelingt es der Erzählung dennoch, das Konzept von Trickfiguren wie Tom und Jerry [1940-1967] hier in die wirkliche Welt zu übertragen. Und da eben Averys Suche nach Beweisen für die bewusst fehlerhaften Produkte Acmes und der Gerichtsprozess im Vordergrund stehen, treten diejenigen Momente in den Hintergrund, in denen sich die Cartoonfiguren selbst oder einander das Leben schwer machen. So nutzt sich der immer nach demselben Schema ablaufende Humor nicht so schnell ab, was ein großer Vorteil im Vergleich zu vielen anderen Spielfilmadaptionen ähnlicher Zeichentrickvorlagen ist. Die Witze selbst richten sich zwar merklich an ein junges Publikum, es gibt aber auch einige Spitzen, die nur ältere Zuschauerinnen und Zuschauer verstehen werden. Die werden sich vielleicht auch wiedererkennen, wenn es Avery dämmert, dass ihn und den Kojoten so viel gar nicht unterscheidet. Der mag hier mehrmals in Rauch aufgehen, plattgedrückt werden oder gar in Stückchen zerlegt, im nächsten Moment ist er dennoch wieder ganz der alte, so dass auch Kinder mit der Art des durchaus rabiaten Humors keine Schwierigkeiten haben sollten. Lässt man sich als Erwachsener darauf ein, ist das im besten Sinne die Wortes harmlos und wenn auch kaum tiefgehend, dann aber stets unterhaltsam.

Diesen positiven Gesamteindruck verdankt Coyote vs. Acme auch dem Umstand, dass sich der Film zwar nie ernst nimmt, aber die menschlichen Figuren ebenfalls nie so überzogen oder dämlich agieren, als seien sie selber Comicfiguren. Es ist eine gelungene Mischung, die so gut funktioniert, dass es tatsächlich überrascht. Wer sich darauf einlässt, den erwartet eine Menge Humor, der sich in der Art durchaus wiederholt, aber den Charme der Vorlagen tadellos einfängt.


Fazit:
Wer in der Kindheit Stunden damit zugebracht hat, Cartoons wie diejenigen vom Kojoten und dem Road Runner anzusehen, kann die Texteinblendung zu Beginn nachvollziehen, bei der es heißt, dies basiere auf einer wahren Geschichte. Nicht, weil dem so wäre, sondern weil was der Kojote hier sucht, jemanden, der dafür verantwortlich ist, dass er sein Ziel nie erreicht hat, vollkommen verständlich ist. Man würde ihm wünschen, dass er den Road Runner einmal zu fassen bekommt. Trotz der Rückschläge, wieder und wieder, versucht er es dennoch erneut. Das ist es, was seinen Charakter auszeichnet, die Hoffnung, dass es beim nächsten Mal klappen könnte. Ihn hier nicht zu verteufeln und als klüger als vermutet darzustellen, ist eine gute Idee und er als Charakter stärker definiert, als die menschlichen Beteiligten. Den Geist der Figuren der Vorlage fängt Filmemacher Dave Green ebenso passend ein, wie die Art des Humors, der erstaunlich gut auf der großen Leinwand funktioniert. So auch die Underdog-Story, bei der es die kleine Kanzlei mit dem übermächtigen Gegner aufnimmt. Man muss dabei die Ernsthaftigkeit und den Aufwand bewundern, mit dem sich die Verantwortlichen der Grundidee annehmen. Inhaltlich mag Coyote vs. Acme hanebüchener Unsinn sein, aber es ist so unerwartet unterhaltsam und witzig, dass man sich von der charmanten Erzählung mitnehmen lassen kann. Gelungen!
 

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