Pressure [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Juli 2026
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Pressure
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: Großbritannien / Frankreich / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Anthony Maras
Musik: Volker Bertelmann
Besetzung: Andrew Scott, Brendan Fraser, Kerry Condon, Chris Messina, Damian Lewis, Con O’Neill, Robert Portal, Henry Ashton, Tamsin Topolski, Daniel Quinn-Toye, Toby Williams, Max Croes


Kurzinhalt:

Anfang Juni 1944 wird Group Captain James Stagg (Andrew Scott) der Royal Air Force in das Southwick House in Hampshire, England, beordert. Dort wurde die Operationszentrale der Alliierten Streitkräfte eingerichtet, die unter der Leitung von General Eisenhower (Brendan Fraser) die größte Landungsoperation in der Geschichte der Menschheit vorbereitet. In nur drei Tagen, am Montag, den 5. Juni 1944, soll Operation D-Day beginnen und die Alliierten in der Normandie landen. Als leitender Meteorologe wurde Stagg hinzugezogen, dem militärischen Leitungsstab eine Prognose zur Verfügung zu stellen, ob die Wetterbedingungen die Invasion ermöglichen, oder nicht. Eisenhowers Meteorologe Colonel Irving Krick (Chris Messina) sagt strahlenden Sonnenschein voraus. Seine Vorhersage basiert auf historischen Wetterkarten, doch Stagg ist der Überzeugung, dass zwei aufziehende Sturmtiefs für schlechtes Wetter sorgen werden. Nicht nur, dass die unterschiedlichen Auffassungen von Stagg und Krick zu Spannungen führen, auch von Seiten hochrangiger Militärs wie dem britischen General Montgomery (Damian Lewis) wird Stagg indirekt unter Druck gesetzt. Das Zeitfenster für die Operation ist günstig, das nächste Wochen entfernt und ob die Pläne bis dahin geheimgehalten werden können, mehr als fraglich. Eisenhowers Privatsekretärin und Vertraute Kay Summersby (Kerry Condon) versucht zwar zu vermitteln, aber es steht nicht weniger als die Zukunft der freien Welt auf dem Spiel und der Zeitpunkt für Staggs finale Empfehlung rückt immer näher, wobei in Anbetracht des guten Wetters in England Zweifel an seiner Vorhersage immer lauter werden …


Kritik:
Unbestritten dramatisiert Filmemacher Anthony Maras Elemente seiner auf wahren Ereignissen basierenden Erzählung in Pressure. Doch er tut dies nicht nur, um seinem Publikum zu vermitteln, was alles erforderlich war, damit die größte Landungsoperation in der Geschichte der Menschheit ein Erfolg werden konnte. Ihm gelingt dadurch auch ein stark gespieltes, dicht erzähltes Dialogdrama, dessen Aussagen ebenso in Erinnerung bleiben, wie einige Momente, die einem einen Schauer über den Rücken jagen.

Sechs Wochen, nachdem die Alliierten Streitkräfte bei der Übung des D-Day zur Befreiung des von Nazideutschland besetzten Europas verheerende Verluste auf Grund eines Kommunikationsfehlers erlitten haben, wird Group Captain James Stagg der britischen Royal Air Force in die Operationszentrale der Alliierten Streitkräfte in Southwick House berufen. Dort plant der US-amerikanische General Eisenhower eine Militäroperation, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. Mit Luftunterstützung soll in Kürze eine Streitmacht der Alliierten in der Normandie anlanden, Infanterie und Marine sind ebenfalls eingebunden. Allein das Vorhaben geheim zu halten, erfordert einen immensen Kraftakt. Die Gezeiten müssen stimmen, damit die Schiffe an Land gelangen und der Mond muss scheinen, damit die Fallschirmjäger landen können. Der beste Termin wäre Montag, der 5. Juni 1944, es gibt nur eine große Unbekannte: das Wetter. Stagg ist leitender Meteorologe und wurde Eisenhower von Winston Churchill persönlich empfohlen. Der Meteorologe, auf den Eisenhower bislang vertraut hat, der US-Soldat Colonel Irving Krick, sagt strahlenden Sonnenschein voraus, Stagg aber befürchtet, dass die zwei großen Sturmtiefs die Operation D-Day verheerend beeinflussen könnten. In 72 Stunden soll die Operation starten und der Druck auf Stagg steigt, eine endgültige Empfehlung auszusprechen. Nicht weniger als der Ausgang des Krieges und die Zukunft der westlichen Welt stehen auf dem Spiel.

Das klingt ungemein dramatisch, bedenkt man aber das Desaster, das die Übung „Exercise Tiger“ nur wenige Wochen zuvor darstellte und wie viele Soldaten bei der Operation D-Day eingebunden waren, ist es keine Übertreibung zu behaupten, dass nach einem erneuten Fiasko wenigstens Großbritannien schutzlos der deutschen Wehrmacht ausgeliefert gewesen wäre. Die Vereinigten Staaten in einem weiteren Verlauf des Krieges womöglich ebenso. Der Einsatz könnte also kaum höher sein, umso mehr, da Staggs Ehefrau (hier dargestellt) schwanger ist und auch die Zukunft seiner eigenen Familie auf dem Spiel steht. Um zu verstehen, warum Pressure derart fesselt, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, womit Stagg und die übrigen Meteorologen überhaupt arbeiten müssen bzw. können. Krick verlässt sich bei seiner Einschätzung auf Berichte früherer Wetteraufzeichnungen und vertraut darauf, dass wenn die Bedingungen 20 oder 40 Jahre zuvor sehr ähnlich waren, sie sich nun gleichermaßen so entwickeln werden wie damals. Von Wetterstationen und Wetterballons rund um die westliche Hemisphäre bekommen sie Beobachtungen, Temperatur- und Luftdruckmessungen übermittelt, die von Hand auf einer Karte eingetragen werden, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Satellitenbilder oder präzise Messungen in unterschiedlichen Luftdruckschichten, Wassertemperaturen im das Wetter in Europa gleichermaßen beeinflussenden Atlantik, sind nicht oder nur eingeschränkt möglich. Eine Vorhersage für in drei Tagen zu treffen, bezeichnet Stagg als wissenschaftlich unmöglich und Kricks Überzeugung, das Wetter würde sich immer gleich entwickeln, bestenfalls als intuitive Spekulation ohne wissenschaftliche Grundlage.

Der nächstbeste Termin für die Operation wäre der 18. Juni, dass sich das Vorhaben bis dahin geheimhalten lässt, ist so gut wie ausgeschlossen und hochrangige Kommandeure, die Eisenhower in der Operationszentrale zusammengezogen hat, sagen ihm im Fall einer solchen Verschiebung für den D-Day mindestens noch höhere Verluste voraus, wenn nicht gar einen Fehlschlag. Während Krick durch seine einnehmende Art und seine wohlwollende Vorhersage in der Zentrale angesehen ist, hat Stagg einen entsprechend schweren Stand. Nicht hilfreich ist sein unterkühltes, distanziertes und teilweise sogar offen arrogantes Auftreten. In einer preiswerten Darbietung verkörpert Andrew Scott den britischen Offizier als jemanden, der über lange Zeit stets beherrscht bleibt, seinen Platz in der Kommandokette kennt und die Überzeugung vertritt, dass nüchterne Argumente Entscheidungen beeinflussen sollen. Selbst wenn ihm von allen Seiten die Bedeutung des D-Day vermittelt wird und er weiß, dass die Alliierten drohen, den Krieg zu verlieren, sollten sie die Invasion der Normandie verschieben, bleibt er standhaft. Doch je dichter die letzte Möglichkeit rückt, die Operation abzusagen, umso schöner wird das Wetter über Großbritannien.

Auch wenn man weiß, wie sich die Dinge entwickeln werden, vermittelt Regisseur Anthony Maras greifbar, was diejenigen, die in jenen schicksalshaften Stunden die Entscheidungen getroffen haben, bewegte. Pressure ist nicht nur erstklassig ausgestattet und tadellos in Szene gesetzt, unterlegt mit Archivaufnahmen erzeugt die stellenweise kammerspielartige Inszenierung eine Atmosphäre, die für Gänsehaut sorgt. Erhält Stagg einen Anruf, dessen Inhalt verheerender kaum sein könnte, ist das ein Augenblick, der den Druck auf die Figuren geradezu spürbar erhöht. Sehenswert stark gespielt, auch von Brendan Fraser als General Eisenhower, aber gleichermaßen von Kerry Condon, Chris Messina und Damian Lewis, ist das wichtiges Geschichtskino, selbst wenn sich die Verantwortlichen dabei einige Freiheiten nehmen.


Fazit:
Wenn man weiß, dass nicht weniger als die Zukunft der freien Welt auf dem Spiel steht, könnte man standhaft bleiben und die eigene Überzeugung vertreten, selbst wenn man dabei die einzige Person in einem Raum hochrangiger Entscheidungsträger ist? Der Druck, der auf ihnen allen liegt, die Operation D-Day zu einem Erfolg werden zu lassen, lässt sich kaum ermessen. Wie hoch er auf Group Captain James Stagg gewesen sein muss, der als einziger der Überzeugung war, dass ein Landungsversuch am 5. Juni 1944 auf Grund des Wetters, der eingeschränkten Sicht und des Wellengangs ein Desaster werden würde, ebenso wenig. Anthony Maras fängt die zum schneiden dichte Atmosphäre in der Operationszentrale derart greifbar ein, dass die Stunden bis zur letzten Entscheidung und dem Beginn der Operation wie im Flug zu vergehen scheinen. Als Dialogdrama ist Pressure immens packend und erstklassig umgesetzt, auch dank der starken Besetzung mit einer preiswerten Darbietung im Zentrum. Darüber hinaus ist das Drama ein wichtiges Zeitzeugnis, welches das unvorstellbare logistische Unterfangen des D-Day unterstreicht und mit welch großen Opfern Europa von jener Schreckensherrschaft befreit wurde. Das ist inhaltlich wichtig und wertvoll, heute vielleicht mehr als je zuvor.
 

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