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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 26. August 2026
Originaltitel: The Dog Stars
Laufzeit: 118 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Ridley Scott
Musik: Harry Gregson-Williams
Besetzung: Jacob Elordi, Josh Brolin, Margaret Qualley, Guy Pearce, Allison Janney, Benedict Wong
Kurzinhalt:
Jahre ist es her, seit die Menschheit durch ein tödliches Virus beinahe ausgelöscht wurde. Die Überlebenden suchen seither in den verlassenen Ruinen nach Nützlichem, oder haben sich abgeschottet. So auch der ehemalige Mechaniker Hig (Jacob Elordi), der zusammen mit dem früheren Marine Bangley (Josh Brolin) einen Flugplatz in Colorado gegen Eindringlinge abgesichert hat und ihn mit tödlicher Gewalt verteidigt, sollten sie angegriffen werden. Regelmäßig fliegt Hig in das verlassene und zunehmend verfallene Denver, um nach Medikamenten und anderen nützlichen Gegenständen zu suchen. Bei seinen Flügen über die Berge ist er auch auf eine Siedlung von Mennoniten gestoßen, die versuchen, unabhängige Selbstversorger zu bleiben. Vor allem aber fängt Hig seit Jahren immer wieder einen Funkspruch aus Grand Junction auf, von dem er sich erhofft, dass dort so etwas wie die Zivilisation, die sie verloren haben, wieder aufgebaut wurde. Als er ohne Bangley dorthin aufbricht, muss er in den Bergen notlanden und trifft auf den zurückgezogen lebenden Rancher Pops (Guy Pearce) und dessen Tochter Cima (Margaret Qualley). Sie bieten Hig etwas, das er lange vermisst hat, eine Gemeinschaft. Und doch zieht es ihn nach Grand Junction, auch wenn was dort wartet, ebenso gut eine Falle sein kann …
Kritik:
Basierend auf dem gleichnamigen, 2012 erschienenen Roman von Peter Heller erzählt der inzwischen 88jährige Filmemacher Ridley Scott in Das Ende der Sterne (auch bekannt als Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte) eine Geschichte, die nach dem Untergang der Zivilisation spielt. Inhaltlich erinnert das an viele bekannte, postapokalyptische Erzählungen, nur fehlt es hier an greifbaren Widersachern, einem wirklichen Ziel oder einer Aussage über den Zustand oder die Zukunft der Menschheit. Kompetent umgesetzt, ist das vor allem eines: ein großes Rätsel.
Was genau geschehen ist, verrät das Drehbuch dabei nur nach und nach, wobei viele Details selbst am Ende noch unbekannt sind. Vor einigen Jahren haben eine tödliche Grippe, gefolgt von einer daran anschließenden Blutkrankheit, einen Großteil der Menschheit dahingerafft. Der ehemalige Mechaniker Hig hat dadurch unter anderem seine Frau verloren. Inzwischen hat er sich mit dem ehemaligen Marine Bangley auf einem verlassenen Flugplatz in Erie, Colorado, niedergelassen. Sie haben das Gelände gut abgesichert, Wachposten und Verteidigungsanlagen errichtet, denn unter den Überlebenden sind auch die sogenannten Reaper, eine aus dem Süden stammende Gruppierung, deren Mitglieder plündern sowie Tod und Zerstörung bringen. Für Bangley sind alle Überlebenden eine Gefahr, während Hig seine Mitmenschlichkeit nicht aufgeben will. Deshalb bringt er regelmäßig Nahrung und andere Hilfsmittel zu einer kleinen Siedlung von Mennoniten, die abgeschieden in den Bergen lebt. Vorräte findet Hig, dessen treuer Gefährte sein Hund Jasper ist, in der überwiegend verlassenen Stadt Denver. Doch immer wieder schnappt er schwache Funksprüche auf, die aus Grand Junction zu stammen scheinen. Als er sich eines Tages auf den Weg dorthin macht, muss er in den Bergen notlanden und trifft auf den Rancher Pops und seine Tochter Cima. Nach anfänglicher Skepsis entwickelt sich zwischen Cima und Hig sogar mehr, doch die Aussicht, dass in Grand Junction ein Leben wie vor der Katastrophe warten könnte, sorgt dafür, dass sich Hig nie ganz auf einen Neuanfang mit diesen Menschen einlassen kann. Dabei könnte an der Quelle des Funkspruchs genauso gut das Gegenteil auf Hig warten.
Die Ausgangslage von Das Ende der Sterne mit einem Einzelgänger, der mit seinem Hund in einer verlassenen, überwachsenen Großstadt nach Vorräten sucht, erinnert gerade in den ersten 20 Minuten, bevor Bangley überhaupt zu sehen ist, frappierend an das Endzeitdrama I Am Legend [2007]. Selbst wenn Unterschiede sichtbar werden, wie weitere Figuren oder dass das tödliche Virus die Menschen hier nicht in etwas anderes verwandelt hat, kann man noch Parallelen ziehen. Was der Erzählung aber merklich fehlt, ist ein Antagonist. Bangley, der sämtliche Eindringlinge erschießt, bevor er Fragen stellt, und Hig für seine Besuche bei den Mennoniten kritisiert, könnte ein solcher Gegenspieler sein, wenn die Spannungen zwischen den beiden Männer immer größer werden. Doch so weit lässt es das Drehbuch nicht kommen. Stattdessen werden die Reaper und andere Eindringlinge als Schurken präsentiert, ohne dass sich der Filmemacher aber die Zeit nehmen würde, diese tatsächlich vorzustellen. Was es mit den Reapern wirklich auf sich hat, wer sie anführt oder was sie wollen, wird nie deutlich. Es ist eine namen- und überwiegend gesichtslose Horde an stark tätowierten Plünderern, die nie an Kontur gewinnt. Überhaupt scheint Scott gar nicht daran interessiert, diese Welt zu vertiefen. Zu dem, was den Figuren oder der Menschheit widerfahren ist, hält er sich ebenso vage, wie zum persönlichen Hintergrund von Hig, der nicht nach und nach offengelegt wird, um zu verdeutlichen, weshalb er auch nach Jahren noch so sehr von seiner Trauer ergriffen ist. Stattdessen wird dies urplötzlich in einem Dialog eingeworfen und soll für einen emotionalen Schock beim Publikum sorgen, der aber dementsprechend ausbleibt.
Dafür zeigt Das Ende der Sterne in durchaus sehenswert schönen Bildern, wie Hig in einer kleinen Propellermaschine, die er selbst repariert hat, durch wolkenverhangene Berge und scheinbar unberührte Natur fliegt. Das erzeugt zwar eine endzeitliche Stimmung, aber nur dann das Gefühl einer Bedrohung, wenn immer dann, wenn das Drehbuch es verlangt, eine andere Gruppe gewaltbereiter Überlebender die Protagonisten aus dem Nichts heimsucht. Zwei dieser Abschnitte folgen in der Mitte des Films aufeinander, abgeschlossen mit einer so unerwarteten wie unnötig brutalen Einstellung, ehe das Geschehen an einen anderen Ort verlagert wird. Was folgt, wirkt, als stamme es aus einem ganz anderen Film. Sowohl inhaltlich und was die Stimmung anbelangt als auch hinsichtlich der Art der Erzählung. Die drei dann zentralen Figuren verhalten sich in diesem für die Geschichte prägenden Abschnitt derart charakteruntypisch, dass man sie kaum wiedererkennt. Sogar einzelne Schnittfolgen wirken grob, als würden Szenenübergänge fehlen, und steuert die Erzählung schließlich auf das Ende zu – wobei man sich lange fragt, worauf die Story überhaupt hinaus will – wirkt dies nicht erarbeitet, sondern so plötzlich, dass man davon beinahe überrumpelt wird.
Regelmäßig sucht die Erzählung für Hig ein neues Ziel, dabei kann man kaum übersehen, dass er es ist, der sich selbst am meisten im Weg steht dorthin. Warum er so viel Zeit mit Cima und Pops verbringt, wird ebenso wenig greifbar, wie die Bedrohung durch die Reaper. Ganz zu schweigen von dem Fiebertraum, in den die Geschichte ab der Hälfte eintaucht, ohne auch hier mehr zu erläutern. Dann wirkt Das Ende der Sterne, als würde der Inhalt einer ganzen Staffel The Walking Dead [2010-2022] auf unter 30 Minuten zusammengestaucht. Alle Elemente mögen zwar vorhanden sein, aber es fehlen die Charakterporträts und -entwicklungen, die das Geschehen erst wirklich interessant machen. Das Ergebnis ist hier nie langweilig, aber auch nie packend.
Fazit:
Stellt die Erzählung in der ersten Stunde diese vertraut aussehende und doch ganz andere Welt vor, ist das überaus gelungen und wirkt gerade deshalb erschreckend, da es so greifbar ist. In einer verlassen anmutenden Großstadt war Hig bereits so oft unterwegs, dass er im Rathaus, wo offenbar Menschen notdürftigst medizinisch versorgt wurden, Vorräte angelegt hat. Doch das bloße Vorstellen der Welt ist nicht gleichbedeutend mit dem Aufbau derselben. Zu wenig erfährt man über das Geschehene, sowohl auf landesweiter Ebene als auch in Bezug auf die tragenden Figuren. Die wenigen Rückblicke sind dabei schlicht zu dürftig. Regelmäßig sucht sich das Drehbuch neue Widersacher, die doch nie vollends ausgearbeitet sind und vor allem in der zweiten Hälfte weist die Erzählstruktur derart offensichtliche Lücken auf, dass man dies kaum übersehen kann. Vor allem aber lässt das Schicksal der Figuren, ihr persönlicher Verlust und sogar die sich anbandelnde Liebesgeschichte, einen dadurch überraschend kalt. Handwerklich überwiegend solide, erinnert das an bekannte Endzeitszenarien wie Mad Max [1979] oder The Last of Us [seit 2023], ohne deren Komplexität zu erreichen, wobei zwischen den Szenen im letzten Drittel immer wieder Übergänge zu fehlen scheinen, als wäre Filmemacher Ridley Scott die Zeit ausgegangen. Der ist offenbar eher an der Stimmung von Das Ende der Sterne interessiert, als daran, existenzielle Fragen zu stellen, wie was Menschen auch nach dem Ende der Zivilisation antreibt, weiter zu machen, oder aber den Kampf um den Erhalt der Menschlichkeit in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt, in den Mittelpunkt zu rücken. So fehlt es der Romanadaption aber nicht nur an neuen Ideen, sondern vor allem an einem Grund, ihr eine Chance zu geben.



