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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 28. Juli 2026
Originaltitel: Spider-Man: Brand New Day
Laufzeit: 145 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Destin Daniel Cretton
Musik: Michael Giacchino
Besetzung: Tom Holland, Jon Bernthal, Zendaya, Sadie Sink, Jacob Batalon, Tramell Tillman, Michael Mando, Mark Ruffalo, Marvin Jones III, Eman Esfandi, Liza Colón-Zayas, Zabryna Guevara, Florence Pugh
Kurzinhalt:
Vier Jahre sind vergangen, seit die Welt vergessen hat, wer Peter Parker (Tom Holland) ist. Es war eine unmögliche Entscheidung und doch die einzige, mit der Peter ein noch größeres Unheil verhindern konnte. Seine Pläne, zu versuchen seine Freundin MJ (Zendaya) und seinen besten Freund Ned (Jacob Batalon) davon zu überzeugen, wer er ist, hat Peter aufgegeben, auch wenn er über Neds Profil in den Sozialen Medien verfolgt, was sie auf dem College erleben. Peter selbst ist als Spider-Man in New York nicht nur beliebt und arbeitet mit Detective Jean DeWolff (Liza Colón-Zayas) zusammen, es ist ihm auch gelungen, die Kriminalitätsrate signifikant zu senken. Das verdankt die Stadt gleichermaßen dem Department of Damage Control unter der Leitung von Bill Metzger (Tramell Tillman), dessen Aufgabe es ist, die Verbrechen von Personen mit übermenschlichen Fähigkeiten zu verfolgen. Doch das Department wird seit Wochen immer wieder angegriffen und als Peter einen Anschlag verhindert, trifft er auf eine Gestalt, die von anderen Besitz zu ergreifen scheint. Weder ihm, noch Frank Castle (Jon Bernthal) gelingt es, das Wesen aufzuhalten, zumal Peter bemerkt, dass die Spinnen-DNA in seinem Körper zunehmend die Überhand gewinnt. Seine einzige Hoffnung ist Bruce Banner (Mark Ruffalo), doch der stellt Peter die berechtigte Frage, auf welche Teile seiner Persönlichkeit er bereit ist zu verzichten – oder könnte es schlichtweg sein, dass Spider-Man die Oberhand über Peter Parker ergreift?
Kritik:
Das vierte Einzelabenteuer mit Tom Holland als der Titel gebende Superheld bleibt den übrigen der Reihe sowie des großen Marvel Cinematic Universe (MCU) in vielerlei Hinsicht treu und bietet viel Action mit zahlreichen Momenten, die insbesondere Fans des weitverzweigten und in sich verschränkten Franchise freuen werden. Dabei ist auch Spider-Man: Brand New Day dann am besten, wenn die Figuren im Vordergrund stehen, während die Erzählung einmal mehr spürbar aufgebläht erscheint.
Die setzt vier Jahre nach den Ereignissen aus Spider-Man: No Way Home [2021] an, in dem Peter Parker alias Spider-Man die schwere Entscheidung traf, dass alle Menschen auf der Welt vergessen sollten, wer er ist, um ein noch viel größeres Unheil zu verhindern. Das umfasste auch Peters besten Freund Ned und die Liebe seines Lebens, MJ. Eigentlich wollte Peter ihnen später die Wahrheit erzählen und alles in einem Brief erklären, in der Hoffnung, dass sie sich doch erinnern könnten. Aber um sie zu schützen, hat er geschwiegen und ist seither allein. Während Peter Parker keine Freunde oder Familie hat, ist Spider-Man ein gefeierter Held New Yorks. Er hat zahlreiche Schurken hinter Gitter gebracht und die Stadt sicherer gemacht, indem er mit dem Department of Damage Control (DODC) zusammenarbeitet, das Vergehen von Personen ahndet, die über übermenschliche Fähigkeiten verfügen. Die Kriminalitätsrate ist auf einem historischen Tiefstand. Doch seit kurzem häufen sich die Angriffe auf das DODC und bei einem Einsatz begegnet Spider-Man jemandem, der nicht Herr seiner Sinne scheint. Er kann spüren, dass die Person von einer anderen Macht kontrolliert wird und sogar beobachten, wie sie von Person zu Person springt. Es ist ein Gegner, der Peter nicht nur überlegen, sondern in jeder Hinsicht voraus zu sein scheint. Als wäre das nicht genug, nehmen die Anteile, die nach dem Spinnenbiss in seiner DNA verblieben sind, sprunghaft zu und Peter droht, die Kontrolle darüber zu verlieren, wer oder was er ist.
Wie schlimm es um Peter Parker zu Beginn steht, selbst wenn ihm der goldene Schlüssel der Stadt verliehen wurde und er mit Detective DeWolff eine Vertraute bei der Polizei hat, sieht man auch an den vielen Blessuren, die er von seinen zahlreichen Einsätzen davonträgt. Die mögen zwar heilen, aber die Einsamkeit setzt dem menschlichen Teil von Spider-Man merklich zu. Noch schwerer macht er es sich selbst dadurch, dass er Ned über die Sozialen Medien folgt und so aus der Ferne beiwohnt, wie er und MJ ihr Studium am MIT erleben, etwas, das sie ursprünglich alle drei gemeinsam tun wollten. Es ist ein Leben, auf das Peter selbst freiwillig verzichtet hat und erst jetzt versteht er, wie hoch der Preis dafür tatsächlich ist. Filmemacher Destin Daniel Cretton gelingen diese Momente tadellos, auch dank der sympathischen Besetzung, bei der Zendaya und Jacob Batalon als MJ und Ned allerdings merklich in den Hintergrund rücken. Dafür nehmen Figuren wie der von Jon Bernthal gespielte Punisher mehr Platz in der Geschichte ein und auch Mark Ruffalo tritt einmal mehr als Hulk in Aktion. Fans der Reihe werden noch viele, viele andere Verweise an die Comics und auch die bisherigen Film- und Serieninkarnationen des MCU finden, ganz abgesehen von einem Gastauftritt der New Avengers und einer kurzen Szene nach dem Abspann, die das Geschehen um Spider-Man an einem ganz anderen Ort verheißt.
Doch all diese Nebenfiguren und zusätzlichen Erzählstränge wie derjenige um Peters verlorene Freundschaften sorgen dafür, dass bei Spider-Man: Brand New Day die eigentlichen Schurken erst spät tatsächlich in Aktion treten. Das ist sicher beabsichtigt, verbirgt sich dahinter doch nicht weniger als eine Figur, auf die Fans lange gewartet haben. Sie sollten daher einen großen Bogen um alle Informationen machen, die weiter ins Detail gehen. Es soll genügen zu sagen, dass diese dem Finale das verleiht, was in den Spider-Man-Filmen sonst nur der Titelfigur vorbehalten war: eine emotionale Zugraft, die funktioniert, auch wenn man ihre Geschichte so oder so ähnlich bereits mehrmals gehört hat. Das letzte Drittel ist dementsprechend das Highlight der Erzählung, die bis dahin mit viel Action aufwartet, die aber – wie bei dieser Art Film üblich – daraus besteht, dass als künstlich zu erkennende Figuren vor einer künstlichen Kulisse durch die Luft geschleudert werden, während diese detailreich demoliert wird. Auch hier wiederholt Regisseur Cretton (Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings [2021]), was die Reihe bereits dutzende Male vorgestellt hat, wobei man einfallsreiche Perspektiven oder Szenenaufbauten überraschend selten findet. Aus diesem Grund fällt es auch durchaus schwer zu sagen, was diesen Teil gegenüber den letzten auszeichnet. Die Momente zwischen Peter Parker und Frank Castle bzw. dem Punisher sind zwar durchweg gelungen, ihre gemeinsamen Actionauftritte aber lediglich Standardkost. Das liegt womöglich auch daran, dass hier kaum etwas Persönliches für Peter auf dem Spiel steht, hat er doch in vielerlei Hinsicht bereits alles verloren.
Tom Hollands Interpretation der Figur erdet dieses vierte Soloabenteuer und dürfte für Fans der beste Grund sein, es sich anzusehen. Abgesehen natürlich von den vielen Verweisen und Überleitungen auf das nächste große Abenteuer im Franchise, das hier ebenso vorbereitet wird. Dabei rückt die eigentliche Geschichte merklich in den Hintergrund. Das ist schade, denn es hätte gar nicht mehr gebraucht, sondern bereits geholfen, die Verantwortlichen hätten Spider-Man: Brand New Day gestrafft, damit das Abenteuer mehr mitreißen würde. Immerhin gibt es einige amüsante und einen wirklich witzigen Moment, die ein wenig darüber hinwegtrösten.
Fazit:
Inwieweit sich die Ideen hier auf die nächsten Filme des MCU auswirken werden, wird man abwarten müssen. Für sich genommen wird das Publikum aber in eine Geschichte geworfen, die viele Elemente aus den bisherigen Teilen und den entsprechenden Streaming-Serien des Franchise aufgreift. Wer darin nicht bewandert ist, den erwartet ein stellenweise holpriger Start. Verstehen kann man die Erzählung aber dennoch, was auch daran liegt, dass die Story absehbar verläuft und für sich genommen nicht allzu komplex ausfällt. Mit den vielen Figuren, die teils kaum gefordert sind, wirkt sie dennoch überfrachtet und das Abenteuer letztlich mindestens 20 Minuten zu lang. Fans der Reihe werden sich indes über die vielen Anspielungen freuen und auch der Bösewicht ist ein wirkliches Highlight, dank dem das letzte Drittel das stärkste des Films ist. Wie viel Potential in diesen Figuren steckt, sieht man bereits daran, wie sehr es einen trifft, wenn MJ Peter Parker hier erneut das Herz bricht. Spider-Man: Brand New Day scheut sich nicht, die Figuren nachhaltig zu verändern und geht den Weg der letzten Filme damit konsequent weiter. Peters innerer Konflikt, wer bei seiner Persönlichkeit die Oberhand gewinnt, Peter Parker oder Spider-Man, ist der Angelpunkt der Story und damit etwas, das weit schwerer wiegt, als das künstliche Spektakel. Dadurch wirkt vor allem das Ende emotional verdient und würde auch dank der gut gelaunten und teilweise durchaus geforderten Besetzung an sich Lust auf Mehr machen. Es wäre nur wünschenswert, würde sich eine Fortsetzung auf ein kleineres Abenteuer und eben die Figur als Zentrum der Erzählung statt computergenerierte Häuserkämpfe konzentrieren, und eine persönlichere Herausforderung für Peter Parker bieten, als es hier der Fall ist. Dann könnte er endlich der facettenreiche Held werden, den das Franchise so dringend braucht. Die Zutaten sind allesamt vorhanden.



