Kraken – Erwachen der Tiefe [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Juni 2026
Genre: Fantasy / Horror / Action

Originaltitel: Kraken
Laufzeit: 94 min.
Produktionsland: Norwegen
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Pål Øie
Musik: Roy Westad
Besetzung: Sara Khorami, Mikkel Bratt Silset, Ingvild Holthe Bygdnes, Øyvind Brandtzæg, Jenny Evensen, Steinar Klouman Hallert, Filip Bargee Ramberg, Hans Morten Hansen, Jon Erik Myre


Kurzinhalt:

Seit Jahrzehnten werden aus dem mit über 200 Kilometern längsten und mit 1.300 Metern tiefsten Fjord Europas, dem Sognefjord in Norwegen, immer wieder seltsame Sichtungen und unerklärliche Vorkommnisse berichtet. Als die Meeresforscherin Johanne (Sara Khorami) in den Küstenort Vangsnes beordert wird, den sie vor sieben Jahren verlassen hat, soll sie dort eine Lachsfarm inspizieren. Betreiber Avaldsnes (Øyvind Brandtzæg) hat mit einer akustischen Entlausung eine Technik entwickelt, die die Lachse frei von Parasiten halten soll und hofft, für eine Expansion japanische Investoren gewinnen zu können. Für die Technik verantwortlich ist Ingenieur Erik (Mikkel Bratt Silset), mit dem Johanne eine gemeinsame Vergangenheit verbindet. Wie Johanne einen riesigen Parasiten entdeckt, der sich in der Anlage verirrt hat, beginnt sie zu erahnen, wie unvorstellbar groß das Tier sein muss, an dem dieser Parasit für gewöhnlich lebt. Dann bricht über die schwimmende Lachsfarm etwas herein, das in der Tiefe des Fjords erwacht ist …


Kritik:
So hanebüchene die Ausgangslage ist, auch auf Grund vieler Parallelen zu typischen Hollywood-Genre-Filmen kann man sich durchaus vorstellen, dass Pål Øies Monsterhorror Kraken – Erwachen der Tiefe um einen riesigen Tintenfisch in einem norwegischen Fjord funktionieren könnte. Die Verantwortlichen geben sich dabei handwerklich zudem durchaus Mühe. Aber an vielen Stellen wirkt das so unfertig und rau, man könnte meinen, dies sei mehr eine Idee als ein fertiger Film. Das Ergebnis ist nicht langweilig, aber auch nie packend und letztlich zu sehr um Ernsthaftigkeit bemüht.

Die Geschichte beginnt mit einigen Nachrichtenausschnitten in schwarz-weiß, in denen Anwohnende des Sognefjords von seltsamen Sichtungen berichten. Was immer es ist, das sie gesehen haben, es muss riesig sein. Heute ist der Fjord auch bei Touristen beliebt, die Jetski fahren oder mit Partybooten unterwegs sind. In einem kurzen Teaser werden zwei solcher Touristen von einem Strudel unter Wasser gezogen, ehe dieses sich rot färbt. Das erinnert nicht von ungefähr an Der weiße Hai [1975], von dem Kraken ebenso viele Ideen ausleiht, wie von Deep Blue Sea [1999] oder jedem anderen Genrefilm. Im Zentrum der Erzählung steht die Meeresforscherin Johanne, die in den kleinen Küstenort Vangsnes beordert wird, um den Meldungen eines Whistleblowers nachzugehen, die eine Lachsfarm betreffen. Deren Leiter Avaldsnes hofft, seine Premium-Farm mit Hilfe von japanischen Investoren vergrößern zu können. Kern der Farm ist eine akustische Entlausung, die die Lachse schonend von Parasiten befreien soll. Verantwortlich dafür ist Wasserbauingenieur Erik, mit dem Johanne eine gemeinsame Vergangenheit hat. Kurz nachdem sie auf der schwimmenden Farm ankommt, entdeckt sie ein seltsames Wesen, das sich in einen der Unterwassertransmitter verirrt hat. Während in Vangsnes immer mehr Menschen verschwinden, stoßen Johanne und Erik schließlich auf etwas, das lange in der Tiefe des Fjords versteckt war und jetzt erwacht ist.

Was das ist, nimmt der Titel bereits vorweg und obwohl Filmemacher Pål Øie immer wieder Sichtungen des Kraken einstreut, der sich entweder Menschen auf dem Fjord nähert oder sie gar in die Tiefe zieht, ehe das Monster tatsächlich zu sehen ist, vergeht erstaunlich viel Zeit. Zeit, die das Drehbuch aber nicht damit verbringt, Figuren aufzubauen, mit denen man mitfiebern könnte, sondern um stattdessen alle möglichen Klischees aufzugreifen, die man dieser Art Film bereits so oft gesehen hat. Angefangen von dem profitorientierten Firmenchef, der auf die Warnungen der Meeresforscherin nicht hört, bis es zu spät ist, über eine erloschene Flamme zwischen zwei tragenden Figuren, die halb wieder auflodert, aber nirgendwo hinführt, bis hin zu Nebenfiguren, die dann ins Wasser gehen, wenn man es selbst nicht würde, oder sich aufteilen, wenn man zusammenbleiben sollte. Dass dies mit hölzern dargebrachten Dialogen garniert ist, die so abgedroschen wie vorhersehbar klingen, kann man in Anbetracht dessen beinahe überhören, dass die Figuren selbst in angespannten Momenten oft gelangweilt dreinblicken, statt dass ihnen die Panik ins Gesicht stehen würde.

Da helfen leider weder die überraschend guten Trickeffekte weiter, die bei einer Wanderung von Krebstieren und den riesigen Parasiten, die Johanne entdeckt, geradezu unsichtbar erscheinen, während die riesigen Tentakel beim Finale darüber hinwegtäuschen, dass man das Titel gebende, monströs große Tier kaum in Gänze zu sehen bekommt, noch die mitunter traumhaft schönen Landschaftsaufnahmen. Sie kaschieren vielmehr notdürftig, dass an vielen Stellen Szenenübergänge zu fehlen scheinen, so dass Figuren zwischen einzelnen Szenen von einem Ort zum anderen zu springen scheinen, ohne dass man wüsste, wie oder wieso sie dorthin gekommen sind. Oder dass die Lachsfarm als der Ort, an dem sich das Finale beinahe ausschließlich abspielt, nie in einer Art und Weise vorgestellt wird, dass man dann verstehen könnte, wo sich die Personen befinden, wenn sie um ihr Leben bangen. Jeder einzelne Szenenübergang, jeder Moment ist mit einer dramatisch unheilvollen Musik unterlegt, dass sich innerhalb der Sequenzen gar keine Steigerung der Spannung ergeben kann. Hinzu kommt, dass viele Momente und Dialoge auf eine Pointe hinauszulaufen scheinen, die aber nicht erreicht wird. Da fällt es auch nicht mehr weiter ins Gewicht, dass der Aufbau vieler Momente weit absehbar ist und darum nur selten überrascht, geschweige denn packt.

Wird die Größe des Titel gebenden Monsters deutlich, fragt man sich überdies, wohin Kraken letztlich führen soll? Geht es darum, das Monster zu besiegen, oder dass die Figuren lebend aus einer machtlosen Situation entkommen können? Am Ende ist es ein wenig von beidem, wobei nie greifbar wird, weshalb der Kraken getötet werden soll, zumal Johanne und Erik offenbar erahnen, was das Monster überhaupt an die Oberfläche gebracht hat. All das wirkt, als hätten die Verantwortlichen die Grundidee des Monsterhorror-Films erdacht, aber keinen wirklichen Einfall, wie sie die mit Leben füllen oder in welche Richtung sie sie entwickeln wollen. Das Ergebnis wirkt am Ende vor allem durch vollkommen unnötige Entscheidungen der Hauptcharaktere um eine Bedeutung bemüht, die sich aber nicht erschließt und, sieht man die Andeutung einer Fortsetzung in den letzten Momenten, auch keinen wirklichen Sinn hatte. Dabei folgt Regisseur Øie der Erzählformel bekannter Hollywood-Filme und eingangs sieht es auch noch so aus, dass ihm trotz holzschnittartiger Dialoge und Figuren ein unterhaltsames Filmerlebnis gelingen könnte. Nur ohne dass man mit den Personen auf der Leinwand mitfiebern würde, geht nicht nur die Spannung sprichwörtlich baden, sondern der Unterhaltungswert letztlich unter.


Fazit:
Wie wenig Interesse Filmemacher Pål Øie an seinen Figuren hat, erkennt man am besten daran, dass hier alle möglichen Konflikte angedeutet, aber nie ausgelotet werden. Sei es zwischen Farmbesitzer Avaldsnes und seiner als Tierschutzaktivistin auftretenden Tochter Maria, wenn Johanne anfangs sagt, sie könne nicht nach Vangsnes zurückkehren, als sei dort etwas vorgefallen, oder zwischen ihr und Erik, der die Trennung weniger gut verkraftet zu haben scheint. Nichts hiervon wird weiterverfolgt. Dafür reiht der Monsterhorror Szenen aneinander, die durchaus beeindruckende Bilder bereithalten, die sich gut in einer Filmvorschau präsentieren lassen, ohne sie mit einer Story zu verbinden, die all das zusammenhalten würde. Die Botschaft, dass der Mensch sich nicht in die Abläufe der Natur einmischen soll, kommt ebenso wenig zur Geltung, wie wie wenig die Meere und was für Überraschungen sie bereithalten bereits erforscht ist. Sieht man dann noch eine unnötige Traumsequenz, die im Kontext keinen Sinn ergibt, wirkt all das um eine Bedeutung bemüht, die schlicht nicht vorhanden ist. Inhaltlich ist Kraken – Erwachen der Tiefe hanebüchener Unsinn, aber immerhin gut getrickst. Doch nicht nur, dass sich der Film trotz der Ausgangslage viel zu ernst nimmt, der Monsterhorror hält zu sehr an bekannten Hollywood-Formeln fest, anstatt eigene Ideen einzubringen. Für ein „guilty pleasure“, einen Film, der so schlecht ist, dass man dabei wieder Spaß haben kann, ist das nicht trashig genug, aber um gut zu sein, doch zu trashig.
 

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