Der Regenmeister [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Juli 2026
Genre: Drama / Komödie

Originaltitel: Regnmannen
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: Schweden
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Hannes Holm
Musik: Pernilla Andersson
Besetzung: Robert Gustafsson, Jonas Karlsson, Emelia Sallhag, Simon Gregor Carlsson, Karin Lithman, Pia Halvorsen, Anna Sise


Kurzinhalt:

Die anhaltende Hitzewelle in der südschwedischen Provinz Kalmar län hat dafür gesorgt, dass das Wasser knapp geworden ist. Es herrscht ein striktes Bewässerungsverbot für Privatpersonen, was dem Witwer Ingmar Karlsson (Robert Gustafsson) von seinem Nachbarn Rolf Burman (Jonas Karlsson) vorgehalten wird, als Ingmar wenigstens die vertrockneten Rosen gießen will, die seine verstorbene Frau Inger angepflanzt hat. Um den Blicken seines gleichermaßen besserwisserischen wie wunderwitzigen Nachbarn zu entgehen, schließt Ingmar den Wasserschlauch an dem überwachsenen Hahn nahe der Scheune in seinem Garten an. Und siehe da, als er den Wasserhahn aufdreht, beginnt es bei ihnen zu regnen. Ingmar hält es für einen Zufall, aber auch am nächsten Tag regnet es, als Ingmar den Wasserhahn öffnet. Für Ingmar, der einst als Theaterintendant im Scheinwerferlicht stand, steht fest, dass er den Regen kontrolliert. Während Burman die Sensation bekanntmachen will, ist Ingmar zurückhaltender und will seine Gabe einsetzen, um von der unter Druck geratenen Stadträtin Anette (Karin Lithman) eine späte Wiedergutmachung zu erhalten. Bei alledem übersieht Ingmar jedoch, wie sehr er sich von seiner eigenen Tochter Erika (Emelia Sallhag) entfremdet, die sich gerade mit Daniel (Simon Gregor Carlsson) verlobt hat …


Kritik:
Trotz allem, was die im Grunde tragische Geschichte im Kern erzählen und will und selbst in den erfahrenen Händen von Regisseur Hannes Holm (Ein Mann namens Ove [2015]) gibt es so gut wie nichts an Der Regenmeister, was wirklich funktioniert. Die Adaption des gleichnamigen Romans über einen Witwer, der über einen Wasserhahn in seinem Garten den Regen kontrolliert, mutet wie eine Tragikomödie an, doch am Ende verpufft das Drama und wirklich witzig ist das Gezeigte nie. Nur unvorstellbar langatmig.

Basierend auf dem 2019 veröffentlichten, schwedischen Roman von Jonas Karlsson handelt die Erzählung von dem früheren Theaterintendanten Ingmar Karlsson, der in der Kleinstadt Doret in Südschweden wohnt. Seine Frau Inger ist vor etwas mehr als einem Jahr gestorben und seitdem versucht Ingmar, wenigstens das von ihr mit viel Liebe gepflegte Rosenbeet am Leben zu erhalten, das bei der anhaltenden Dürre zu vertrocknen droht. Wie ihn der neunmalkluge Nachbar Rolf Burman erinnert, gibt es ein Bewässerungsverbot, weshalb Ingmar, um unentdeckt zu bleiben, den Wasserschlauch an einem anderen Wasserhahn anschließt, der sich überwachsen an einer Scheune befindet. Zu seinem eigenen Erstaunen muss Ingmar feststellen, dass jedes Mal, wenn er den Hahn aufdreht, es zu regnen beginnt. In Anbetracht der Dürre und der anstehenden Wiederwahl der auf Grund der Wasserknappheit unter Druck geratenen Stadträtin Anette, sieht Ingmar die Chance, der Stadt zu helfen. Aber dafür verlangt er eine Gegenleistung, die mit seiner verstorbenen Frau in Zusammenhang steht. Weder seiner Tochter Erika, noch seinem künftigen Schwiegersohn Daniel, der bei der Stadtverwaltung arbeitet und mit der Lösung der Wasserkrise betraut ist, weiht Ingmar ein. Und sein Nachbar Burman fragt sich, ob der exzentrische Ingmar wirklich den Regen kontrolliert, oder einfach verrückt geworden ist.

So ganz eindeutig wird die letzte Frage tatsächlich nicht beantwortet. Exzentrisch ist der ehemalige Künstler Ingmar in jedem Fall. Welche Ausmaße das auch in seiner Vergangenheit angenommen hat, wird aber erst sehr spät deutlich. Wie auch alle anderen Konflikte der Figuren, von denen es viel mehr gibt, als die Story tatsächlich mit einbindet. Das beginnt bereits mit Ingmars Tochter Erika, die sich mit ihrem Vater zuletzt darüber überworfen hat, auf welche Weise ihre Mutter bestattet werden soll. Während sie ein klassisches Begräbnis wünscht, will Ingmar die Asche seiner Frau verstreuen. Erika ist anfangs Teil der Story, taucht dann aber lange nicht mehr auf, um später für zwei Konfliktszenen mit Ingmar wieder zurück zu kehren. Ebenso unterfordert ist ihr Verlobter Daniel, dessen nennenswertester Beitrag darin besteht, kurz vor Ende Stadträtin Anette und mir ihr dem Publikum, die früheren Ausbrüche seines künftigen Schwiegervaters vorzustellen. Erikas Sohn aus einer anderen Beziehung hat überhaupt rein gar nichts zu tun und könnte mühelos aus der Geschichte geschrieben werden. So auch Nachbar Burman, dessen überwiegende Zahl an Auftritten darin bestehen, dass er seiner Ex-Frau einen Brief schreibt, in dem er ihr vorhält, was sie alles verpasst und dass er besser ohne sie dran ist. Das mag lustig beabsichtigt sein, aber auch durch die verwendete Wortwahl klingt er weniger verbittert, als klein und peinlich. Es sind Figuren, die ebenso unglaubwürdig erscheinen wie Stadträtin Anette, die sich angetrieben von zwei Marketing-Experten für die Wiederwahl auf Ingmar und seine Bedingungen einlässt. Dabei nimmt sie im Mittelteil deutlich mehr Raum als Erika ein und trägt offenbar auch einen Konflikt mit sich, der aber erst in den letzten Minuten überhaupt nur skizziert wird.

Kaum ein Dialog in Der Regenmeister klingt natürlich, was nicht nur an der flachen wie uninspirierten deutschen Synchronisation liegt. Ebenso wenig werden die unterschiedlichen Figuren vertieft, geschweige denn richtiggehend vorgestellt. Eben diese Konflikte oder jahrelang aufgestaute Schuldgefühle der Figuren werden allesamt erst im letzten Drittel gar nur aufgegriffen und zuvor höchstens kurz umrissen. So entsteht jedoch nie eine emotionale Zugkraft und wenn die Gefühle aus den Charakteren ausbrechen, wirkt das erzwungen und fehlplatziert. Bis dahin wird der Regen spendende Wasserhahn gezeigt, ohne dass auch nur angedeutet würde, ob und wie Ingmar kontrollieren kann, wo es genau regnet. Insoweit funktioniert die Geschichte nicht einmal als Parabel wie das Fantasy-Drama Colossal [2016]. Inwieweit die Adaption dabei der Vorlage treu bleibt, vermag nur deren Leserschaft zu beurteilen. Für sich genommen ist die Geschichte aber weder witzig und nur stellenweise amüsant, vor allem aber nie dramatisch oder voller Wunder wie ein Märchen. Dafür gibt es außer der Grundidee viel zu wenig Substanz – in allen Belangen.


Fazit:
Nicht nur, dass keine der zentralen Figuren wirklich sympathisch ist, es fällt sogar schwer zu sagen, welche Figuren überhaupt im Zentrum stehen. Der verbitterte Burman redet viel, ohne wirklich etwas zu sagen, während Ingmar so wenig sagt, dass man selbst seine Trauer um seine verstorbene Frau erst spät erkennt. Von seinem Groll gegen die Stadtverwaltung ganz zu schweigen. Ob nun eben sein Verlust oder verletzte Eitelkeit sein Handeln bestimmen, ist daher schwer zu sagen. Mit der Stadträtin und Ingmars Tochter gibt es zwei Nebencharaktere, die sich den Platz im Scheinwerferlicht teilen, ohne dass eine von beiden richtig vorgestellt würde. So fehlt es an greifbaren, interessanten Personen, mit denen man mitfiebern könnte oder die sich nachvollziehbar verhalten würden und wenn Ingmar eine bei seinem Nachbarn ausgerichtete Hochzeit sabotiert, ist das Vieles, aber nicht wirklich lustig. Vor allem ist es weder spannend, noch ergibt es inhaltlich einen erkennbaren Sinn. Die Dialoge klingen gruselig zusammengestellt und in keinem Moment aus dem Leben gegriffen. Filmemacher Hannes Holm versucht erst im letzten Drittel, den Figuren Tiefe zu verleihen, wenn ihre großen Konflikte überhaupt erst vorgestellt werden. Aber wenn Charaktere zuvor nur gezeigt, anstatt definiert werden, verpufft das Drama ohne jegliche emotionale Wucht. So gut beabsichtigt die Geschichte von Der Regenmeister sein mag, der langatmigen Erzählung beizuwohnen, ist unvorstellbar öde. Nichts hieran funktioniert, so dass die verkrampften Happy Ends der unterschiedlichen Storyaspekte so oberflächlich wirken wie sämtliche Emotionen darin.
 

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