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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 1. August 2026
Originaltitel: You, Me & Tuscany
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Kat Coiro
Musik: John Debney
Besetzung: Halle Bailey, Regé-Jean Page, Lorenzo de Moor, Isabella Ferrari, Paolo Sassanelli, Marco Calvani, Aziza Scott, Stefania Casini, Emanuele Pacca, Desirèe Pöpper, Cocoa Brown
Kurzinhalt:
Nach einem tragischen Schicksalsschlag brach Anna (Halle Bailey) vor einem Jahr ihre Ausbildung zur Köchin ab. Seitdem schlägt sie sich als Haushüterin durch und macht sich vor, sie würde das Leben von wohlhabenden Leuten leben. Dabei ist ihr eigenes Konto so gut wie leergeräumt. Als Anna den sympathischen, italienischen Geschäftsreisenden Matteo (Lorenzo de Moor) trifft, passt die Chemie, doch Matteo muss abreisen, bevor sich mehr entwickeln kann. Die Bilder, die er Anna von seinem Haus in der Toskana gezeigt hat, sind für Anna aber ein Weckruf, die schon immer dorthin reisen wollte. Also packt sie ihre Sachen und fliegt nach Italien, wo sie sich in Matteos leerstehendem Haus einnistet, bis sie von Matteos Mutter Gabriella (Isabella Ferrari) und seiner Großmutter Nonna (Stefania Casini) entdeckt wird. Gabriella glaubt, in Anna Matteos Verlobte zu erkennen und ist überglücklich, dass ihr Sohn, der den Kontakt zur Familie vor einem Jahr abgebrochen hat, wohl bald nach Hause kommen wird. Anna spielt das Spiel mit und wird in einer warmherzigen Familie aufgenommen, wie sie sich selbst eine wünscht. Dort trifft sie auch auf Michael (Regé-Jean Page), Matteos Cousin. Zwischen ihm und Anna entwickelt sich eine Anziehung, die die Situation nur noch komplizierter macht …
Kritik:
Kat Coiros You, Me & Italy fühlt sich von Anfang bis zu den Outtakes während des Abspanns derart beliebig an, dass wäre es nicht um die im Grunde sympathische Besetzung und die mitunter einladenden Landschaftsaufnahmen, die Liebeskomödie vollends in sich zusammenfallen würde. Garniert wird die Erzählung von einem letzten Drittel, das so tut, als wäre in den ersten beiden zuvor eine andere Geschichte erzählt worden. Um davon überhaupt mitgenommen zu werden, müsste man geradezu hoffnungslos romantisch sein.
Im Zentrum steht die Waise Anna, die wie ihre Mutter Köchin werden wollte, die Ausbildung aber wenige Monate vor dem Abschluss abbrach und seither nicht mehr kochen möchte. Inzwischen überaus pleite, verdient sie sich ihren Lebensunterhalt als Haushüterin. Da sie aktuell ohne Job ist, steht sie bei ihrer hochschwangeren Freundin Claire auf der Matte, die in einem Hotel arbeitet. In dessen Bar lernt Anna den wohlhabenden italienischen Geschäftsreisenden Matteo kennen, der ihr von seinem Anwesen und seinen Eltern in der Toskana erzählt. Dorthin wollte Anna an sich nach ihrer Ausbildung reisen und sieht die Begegnung als Zeichen. In der Toskana angekommen, verschafft sie sich Zugang zu Matteos leerstehendem Haus und wird kurz darauf von dessen Mutter entdeckt, die glaubt, Anna sei Matteos Verlobte. Da Matteo seiner Familie nach einem Streit vor einem Jahr den Rücken gekehrt hat, hoffen sie, dass er nun nach Hause zurückkehren würde und während Anna den Schein aufrechterhält, kommt sie Matteos Cousin Michael näher, dem ein Weingut gehört. Nur je länger die Scharade dauert, umso größer werden die Verletzungen sein, wenn herauskommt, dass Anna gelogen hat.
Dass dem der Fall sein wird, ist vollkommen absehbar, doch es geschieht nicht, wie bei vielen Komödien, zu Beginn des letzten Akts, so dass die Figuren das verlorengegangene Vertrauen bis zu einem glücklichen Ende wieder aufbauen müssen. Hier ist der Moment knapp 10 Minuten vor Schluss erreicht und was folgt, ist derart platt und absehbar, man kann im ersten Moment kaum glauben, dass sich die Verantwortlichen so einfach aus der Affäre ziehen wollen. Was bis dahin geschieht, ist auf der einen Seite inhaltlich vorhersehbar, aber gleichzeitig so hanebüchen konstruiert, dass es sich förmlich aufdrängt, wie weltfremd sich die Figuren verhalten. Von denen sind manche vollkommen überflüssig, wie Annas Freundin Claire, mit der sie immer wieder telefoniert, wobei die Gespräche lediglich aus dem Off zu hören, die Darstellerinnen aber nicht einmal zu sehen sind. Claire steuert zur Geschichte selbst nichts bei und ist für den Verlauf der Erzählung nicht entscheidend. Ihr widerfährt nicht einmal eine Entwicklung, stattdessen dient sie einzig dazu, dass Anna eine vertraute Person hat, der sie in regelmäßigen Abständen erklären kann, was in der Geschichte zuletzt passiert ist. Als wäre eine solche Figur nicht genug, gibt es auch noch Taxifahrer Lorenzo, der dieselbe Funktion erfüllt und sporadisch auftritt. You, Me & Italy eignet sich mit den Wiederholungen und Zusammenfassungen damit bestens für ein Publikum, das entweder gar nicht, oder nur ab und zu zusieht – „Bügeltainment“.
Kaum in der Toskana angekommen, begegnet Anna dem ebenso attraktiven wie durchtrainierten und reichen Michael, denn alle Figuren in der Geschichte sind wohlhabend, fahren Luxusautos und leben in riesigen Villen, mit Ausnahme von Anna. Anfangs ist Michael Anna gar unsympathisch, aber bereits bei ihrer nächsten Begegnung glauben sie beide, ein Knistern zwischen ihnen zu spüren. Dass Michael überhaupt erst nach einer halben Stunde zum zweiten Mal zu sehen ist, macht es dabei nicht einfacher, seine Figur zu definieren. Da hilft es, dass man in einer Szene alle Informationen erhält, die ihn als Charakter ausmachen. Ebenso ‚hilfreich‘ ist, dass Anna regelmäßig ausspricht, was sie denkt, damit man der Story selbst dann folgen kann, wenn man beispielsweise von irgendetwas anderem abgelenkt wäre, anstatt dass man dies einfach ihrer Mimik ablesen müsste. Dass sich Anna dabei wie eine unreife Teenagerin verhält, macht es nicht einfacher, sich mit ihr zu identifizieren. Abgesehen davon, dass sie offenbar kein Unrechtsbewusstsein kennt, wirkt sie mitunter trotzig oder überzogen naiv, nie aber, als wäre sie in etwas hineingestolpert, das sie eigentlich nicht wollte.
Insofern mutet You, Me & Italy zwar an wie eine Screwball-Komödie, lässt aber wirkliche Sympathiefiguren vermissen. Nicht einmal die skeptische Großmutter darf Anna zur Rede stellen – dass alle Personen in der Geschichte Englisch sprechen, fällt da kaum mehr auf – und keine einzige Figur verhält sich normal oder nachvollziehbar. Das macht die klischeebeladenen Dialoge noch schwerer zu verdauen, die dabei einem Standard-Drehbuch entsprungen sein könnten. Was wird wohl Matteos Mutter sagen, wenn Anna über ihre Eltern gefragt zu ihr sagt, „Ich habe keine Familie“? Richtig, „Jetzt hast Du eine“. Das ist auf eine geradezu aufdringliche Art und Weise kitschig und flach, man könnte beinahe übersehen, dass die Story nach einer Stunde an sich an ihrem Ende angekommen sein könnte, wenn sich nicht ein letzter Akt anschließen würde, der inhaltlich völlig aufgesetzt erscheint. Dann sprechen Michael und Anna auch von einer gegenseitigen Anziehung, die man zuvor so aber kaum wahrgenommen hat und die beide Figuren zumindest nie derart in Verlegenheit gebracht hat, dass sie sich peinlich berührt gezeigt hätten. Es scheint fast, als hätten die Verantwortlichen an sich eine andere Geschichte erzählen wollen, das Ende aber so beibehalten, als hätten sie es getan.
Fazit:
Blickt man am Ende darauf zurück, was für eine Geschichte Kat Coiro erzählt, möchte man vermuten, dass das Drehbuch nicht mehr als eine Rohfassung war, die an sich noch mehrmals hätte überarbeitet gehört. Nicht nur, dass es an Figuren mangelt, mit denen man mitleiden und mitfiebern würde, es fehlt auch ein erzählerischer roter Faden. Zwar wird mehrmals erwähnt, dass Anna eine Ausbildung zur Köchin begonnen hat, wie sehr ihr das im Blut liegt, sieht man allerdings nie, mit Ausnahme eines Moments, in dem sie ein (offenbar weltveränderndes) Bruschetta zubereitet. Am Ende wird ihre Kochkunst und weshalb sie sich seit einem Jahr in keine Küche stellen konnte, auf einmal wichtig, dabei wäre es ein Leichtes gewesen, diese Elemente vernünftig immer wieder einzuweben. Obwohl die Besetzung nicht unsympathisch ist, erscheint die Chemie zwischen den Figuren in You, Me & Italy derart aufgesetzt, dass es kaum mehr ins Gewicht fällt, dass nichts, was sie tun, irgendwelche Konsequenzen für sie hat. Die Story oberflächlich zu nennen, wäre noch eine Übertreibung. Die Darbietungen verlaufen dementsprechend kreuz und quer, aber nicht fokussiert. All dies ist bis in den letzten Moment vorhersehbar, mit Ausnahme einzig dessen, wie schnell selbst der obligatorische Tiefpunkt aufgelöst wird. Als anspruchslose, seichte, romantische Unterhaltung mag das ausreichen, überzeugen kann es aber nicht.



