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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 9. Juni 2026
Originaltitel: Backrooms
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: Kanada / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Kane Parsons
Musik: Kane Parsons, Edo Van Breemen
Besetzung: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell, Avan Jogia, Robert Bobroczkyi, Krista Kosonen
Kurzinhalt:
Das Leben von Clark (Chiwetel Ejiofor) ist nicht so verlaufen, wie er es sich erhofft hatte. Seinen Traum, Architekt zu werden, hat er in gewisser Hinsicht aufgegeben, seit er als Besitzer eines Möbelhauses Tag und Nacht dort verbringt. In Gesprächen mit seiner Therapeutin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) kommt auch seine gescheiterte Ehe immer wieder zur Sprache. Und doch gelingt es Clark nicht, aus dem ewigen Kreis auszubrechen, in dem er gefangen scheint. Bis er eines Nachts im Untergeschoss des Geschäfts einen Zugang findet. Wohin er führt, kann sich Clark nicht erklären und bittet seine Angestellte Kat (Lukita Maxwell) und ihren Freund Bobby (Finn Bennett), ihn zu begleiten, um die seltsamen Räume, die sich dort verbergen, zu dokumentieren. Sie finden einen unermesslich großen, verwinkelten Ort voller Räume vor, die aber keinen Sinn ergeben. Ebenso wenig die Dinge, die dort platziert sind. Als wäre all das nicht unheimlich genug in einem Labyrinth aus sich ähnlich sehenden Umgebungen, sind sie dort offenbar nicht allein …
Kritik:
Als Erweiterung seiner gleichnamigen Webserie präsentiert Kane Parsons mit Backrooms einen so originellen wie ungewöhnlichen Psychothriller, der sich durch seine Atmosphäre auszeichnet, anstatt auf sichtbaren Horror zu setzen. Das ist faszinierend und sehenswert, selbst wenn dem Finale die Wucht fehlt, die man sich erhoffen würde und eine Erklärung, die lediglich angedeutet wird, aber trotzdem ausbleibt.
Im Sommer des Jahres 1990 sieht sich Möbelhausbesitzer Clark nicht nur mit dem Umstand konfrontiert, dass sein Möbelgeschäft „Cap’n Clark’s Ottoman Empire“ keine Kunden anlockt, sondern die Betriebskosten ihm zunehmend das Genick brechen. Ein Elektriker bemerkt, dass im Sicherungskasten Schalter angebracht sind, die offenbar nichts bewirken, aber nachts erlebt Clark, der in dem Laden übernachtet, dass die Beleuchtung verrückt spielt. Als er dem nachgeht, entdeckt er im Untergeschoss einen Zugang, eine ‚Tür‘, die in der Wand versteckt ist. Sie führt Clark in ein weit verzweigtes Netz an Räumen, die wie überwiegend leere Büros aussehen, aber keinen Sinn ergeben. Weder die Architektur, noch was er dort vorfindet. Als er seiner Therapeutin Mary davon erzählt, glaubt sie ihm nicht, weshalb er seine stellvertretende Verkaufsleiterin Kat und ihren Freund Bobby mitnimmt, seine Entdeckung zu bestätigen. Nur wie Clark schon vermutet hat, sind sie dort nicht allein.
Bereits der Prolog deutet an, dass Parsons, wie in seiner Vorlage, auf eine Mischung aus herkömmlicher Erzählung und Found Footage setzt. Die letztgenannten Sequenzen sind jeweils erstaunliche lange und vermitteln so nicht nur einen Eindruck von der schier unendlichen Weitläufigkeit des labyrinthartigen Netzwerks an Räumen und verwinkelten Gängen. Vielmehr zwingt der Filmemacher das Publikum in seinem Spielfilmregiedebüt so an die Seite seiner Figuren und dreht durch scheinbar ununterbrochene Sequenzen die Spannungsschraube spürbar an. Dabei hilft es ungemein, dass er einen Großteil der unheimlichen Stimmung bereits aus dem fantastischen Design dieser Räumlichkeiten zieht. Möbel und andere Gegenstände sind hier halb in die Wand oder den Boden versunken, verwachsen wie zunehmend verblasste Erinnerungen. Ein aufmerksames Publikum wird bemerken, dass sich hier Dinge wiederfinden, die einem bekannt vorkommen sollten. Das sorgt bereits für Gänsehaut, noch bevor die Geräuschkulisse einsetzt oder sich in den Schatten Bewegungen zeigen.
Backrooms setzt dabei mehr auf den Spannungsaufbau als auf laute Geräusche, die für Schreckmomente sorgen, selbst wenn viele Situationen absehbar dazu führen, dass nach einem langen Aufbau ein solcher Moment warten wird. Das ist nicht notwendigerweise ein Kritikpunkt, da es Regisseur Kane Parsons merklich nicht um die Effektivität dieser Aspekte der Geschichte geht. Die offenbart vor allem im letzten Drittel, wenn sich erste Erklärungen zu den Geschehnissen abzeichnen, die man sich allerdings selbst erschließen muss, ganz unerwartete Schwerpunkte. Manche hiervon sind besser ausgearbeitet als andere, was die Erzählung jedoch spürbar episodenhaft geraten lässt, ist der Wechsel der zentralen Figur. Nicht nur, dass man mit diesen die ungewöhnlichen Räumlichkeiten letztlich dreimal erkundet, was zu einer merklichen inhaltlichen Wiederholung führt. Für das letzte Drittel rückt die Therapeutin Dr. Mary Kline ins Zentrum, die zwar in gewisser Weise die Rahmenhandlung zusammenhält, aber über weite Strecken der Erzählung keine wirkliche Rolle spielt, ehe sie in den Fokus gerät. In vielerlei Hinsicht sind sie und Clark sich ähnlich, sind sie doch beide geprägt von den erlittenen Traumata und unerfüllten Träumen. Dennoch scheint dies lange Zeit Clarks Geschichte, ehe man erkennen muss, dass im Grunde keine der Figuren im Mittelpunkt der Geschichte stehen.
Die präsentiert sich als Reise in die menschliche Psyche und welche Dämonen wir in unserem Unterbewusstsein verbergen. Das ist thematisch nicht neu, aber auf eine so ungewohnte wie bildliche Art und Weise zum Leben erweckt, dass man sich förmlich darin verlieren kann. Backrooms zieht einen bereits in den ersten Minuten in eine Welt, die letztlich mit den eigenen Ängsten und denjenigen Monstern bevölkert wird, die man selbst dorthin mitnimmt. Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve bringen dabei die Mischung aus Neugier und Horror in Anbetracht dessen, was sie in dieser Welt vorfinden, packend zum Ausdruck. Sie machen die Geschichte selbst dann sehenswert, wenn sich bei der zweiten Begehung des Labyrinths inhaltlich scheinbar kaum etwas bewegt oder eine Erklärung angedeutet wird, die eher darauf ausgelegt erscheint, weitere Geschichten in jener Welt zu erzählen. Wer sich hier darauf einlässt, wird Vieles vorfinden, was einem auf den ersten Blick bekannt und doch unwirklich vorkommt. Beunruhigend und faszinierend zugleich.
Fazit:
Mit einem langen Szenenaufbau erzeugt Regisseur Kane Parsons eine Atmosphäre, die so dicht ist, dass man sie mit dem Messer schneiden könnte. Nicht nur, dass die Perspektiven in den Gesprächen zwischen Clark und seiner Therapeutin Mary teils so dicht gewählt sind, dass man den Eindruck bekommt, man würde selbst zwischen ihnen sitzen, betreten sie die Räumlichkeiten unter dem Möbelgeschäft, wirken sie darin regelrecht verloren. Es ist ein gelungenes wie beunruhigendes Sinnbild für das Unterbewusstsein, in dem sich die Realität zunehmend verzerrt, bis sie kaum mehr erkennbar ist. Toll gespielt und erstklassig in Szene gesetzt, bis hin zu den Found Footage-Aufnahmen, die eine mitunter Gänsehaut verursachende Authentizität besitzen, ist Backrooms ein gleichermaßen einfallsreicher und stimmungsvoller Horrorthriller, der an vielen Urängsten ansetzt. Dass die Figuren dabei kaum ausgearbeitet sind und außerdem zu oberflächlich bleiben, verzeiht man leicht, ebenso das Finale, das die beängstigende Dynamik der ersten 45 Minuten nicht halten kann. Dafür ist das Gesamtpaket zu gelungen, bei dem manche Bilder länger bei einem bleiben, als einem Recht sein kann. Stark!



