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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 12. Juli 2026
Originaltitel: Another Simple Favor
Laufzeit: 120 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Paul Feig
Musik: Theodore Shapiro
Besetzung: Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding, Michele Morrone, Elena Sofia Ricci, Allison Janney, Elizabeth Perkins, Lorenzo de Moor, Andrew Rannells, Bashir Salahuddin, Alex Newell, Taylor Ortega, Joshua Satine, Ian Ho
Kurzinhalt:
Fünf Jahre sind vergangen, seit die alleinerziehende Stephanie Smothers (Anna Kendrick) die Geheimnisse ihrer vermeintlichen Freundin Emily (Blake Lively) aufgedeckt hat. Seither war Stephanie, die bis dahin ihren Kochvlog betrieben hatte, immer wieder als selbsternannte Ermittlerin tätig und hat ihre Erlebnisse mit Emily in einem Buch zusammengeschrieben, das in Kürze erscheinen soll. Bei einer Lesung steht unerwartet Emily vor ihr und lädt Stephanie ein, ihre Hochzeit auf Capri mit ihr zu feiern. Auch wenn Stephanie lieber ablehnen würde, Emily hat ein Druckmittel und kurz darauf sieht sich Stephanie auf Capri nicht nur einer Hochzeitsgesellschaft gegenüber, bei der sich die wenigsten Anwesenden miteinander zu verstehen scheinen. Vielmehr hat Emily auch ihren Ex-Mann Sean (Henry Golding) eingeladen, was für zusätzliche Spannungen sorgt, und ihr Verlobter Dante (Michele Morrone) scheint einer ganz besonderen Art von Familie anzugehören. Nicht nur ihre künftige Schwiegermutter Portia (Elena Sofia Ricci) lehnt die Ehe ab. Die Feierlichkeiten haben noch nicht begonnen, da wird im Hotel der Hochzeitsgäste eine Leiche entdeckt und im Verdacht steht niemand geringeres als Stephanie, die fürchtet, in eine Falle getappt zu sein …
Kritik:
Mit Nur noch ein kleiner Gefallen setzt Filmemacher Paul Feig fünf Jahre nach seinem Überraschungshit um Intrigen und Geheimnisse seiner abgründigen Figuren an. Er präsentiert sie in einer Story, die in vielerlei Hinsicht unmittelbar mit der des ersten Films verwoben ist, der es aber gleichzeitig an der Eigenständigkeit mangelt, für sich genommen einen wirklichen Sinn zu ergeben. Verkrampft auf Humor und Anzüglichkeiten getrimmt, ist das in jeder Hinsicht chic umgesetzt, aber inhaltsleer.
Nach den Ereignissen des ersten Teils hat sich die verwitwete Vloggerin Stephanie nicht nur zu einer True Crime-Expertin gemausert, die ihr Publikum, zu dem sie live im Internet streamt, an ihrer Aufklärung von Kriminalfällen teilhaben lässt, sie hat auch ein Buch über das geschrieben, was sich zwischen ihr und Emily Nelson vor einigen Jahren zugetragen hat. Gerade, als der Verkaufsstart des Buches unmittelbar bevorsteht und Stephanie auf Tour gehen will, steht Emily vor ihr und lädt sie ein, mit ihr als Trauzeugin ihre Hochzeit auf Capri zu feiern. Die lehnt verständlicherweise ab in Anbetracht dessen, dass Stephanie ihre letzte Begegnung nur knapp überlebt hat. Doch Emily hat ein Druckmittel in der Hand, das Stephanie zur Teilnahme zwingt. Vor Ort drängt sich schließlich auf, dass Emilys Verlobter Dante eine Familie der besonderen Art haben könnte. Zur Teilnahme an der Hochzeit hat Emily nicht nur Stephanie, sondern auch ihren Ex-Mann Sean gezwungen. Während die Spannungen zwischen den Gästen steigen, gibt es schließlich einen ersten Todesfall, für den Stephanie verantwortlich gemacht wird. Wie es scheint, ist sie in eine perfide Fall getappt, die nur noch mehr Opfer fordert.
Ein Punkt, der Feigs Nur ein kleiner Gefallen [2018] auszeichnete, war der moralische Verfall seiner Figuren, deren Abgründe Zug um Zug offengelegt wurden, selbst wenn die Auflösung zu schnell absehbar war. Die Schwierigkeit einer Fortsetzung mit denselben Charakteren liegt bereits darin, dass man kaum zweimal dieselben Abgründe ausloten kann und es darüber hinaus schwerfällt, charakterlich verfallene Personen noch weiter zu kompromittieren, wenn man nicht riskieren möchte, dass sich das Publikum nicht mehr für sie interessiert. Nur noch ein kleiner Gefallen umgeht diese Zwickmühle dadurch, dass der Stand der Figuren zu einander anfangs vorgestellt und dann gewissermaßen eingefroren wird. Wie es überhaupt sein kann, dass Emily vor Stephanie steht, wird mit einem Satz beiseite gewischt und auch wenn die überall anders lieber wäre, als Emily nach den Ereignissen des letzten Films nach Capri zu begleiten, tut sie es dennoch. Ob dafür Emilys Erpressung verantwortlich ist, oder die Aussicht, dass Stephanie so mehr Abonnentinnen und Abonnenten für ihren Vlog gewinnen bzw. mehr Bücher verkaufen kann, sei einmal dahingestellt. Die eigentliche Geschichte beginnt schließlich auf der italienischen Insel und wartet neben vielen neuen, auch mit bekannten Figuren auf.
Dazu zählt unter anderem Emilys Ex-Mann Sean, mit dem auch Stephanie eine Nacht verbrachte, worüber alle drei Figuren noch nicht hinweggekommen zu sein scheinen. Dieser damals an sich nicht wirkliche Seitensprung wird regelmäßig aufgegriffen und mit allerlei abwertenden Begriffen durch den Kakao gezogen. Überhaupt versucht Nur noch ein kleiner Gefallen, einen Großteil seines Humors daraus zu ziehen, dass ständig geflucht und in allen möglichen Ausführungen über Sex gesprochen wird. Insbesondere in US-amerikanischen Spielfilmen ist dies eine ganz eigene Art Comedy, die offenbar Witz aus dem verbal Verruchten ziehen will. Tatsächlich klingt das hier aber derart gekünstelt und unpassend, insbesondere, wenn sich die Erwachsenen so in Anwesenheit von Kindern unterhalten, oder aber vor einer großen Menschenmenge wie der Hochzeitsgesellschaft so sprechen, dass man weniger amüsiert, als genervt mit den Augen rollt. Da hilft es auch nicht, dass viele Nebenfiguren kaum etwas zur Geschichte beitragen, die sich derart schleppend von der Stelle bewegt, dass man mühelos 30 Minuten herausnehmen könnte, ohne inhaltlich etwas einsparen zu müssen.
Dafür präsentiert Regisseur Paul Feig den Inbegriff von Instagram-tauglichem „Content“. Die malerische Insel Capri wird ebenso toll eingefangen, wie die edlen Designer-Kleider, die Emily trägt, oder die teure Markenkleidung der übrigen Figuren. Die sind in jeder einzelnen Sekunde, bei Tag oder bei Nacht, perfekt ausgeleuchtet, so dass sich keine Schatten oder Fältchen in den Gesichtern zeigen. Es gibt hier so viele Einstellungen, die man mühelos und ohne Änderungen in einem Modemagazin oder einer Reisebroschüre abdrucken könnte, es ist beinahe, als sei der Film ein zum Leben erwecktes Magazin. Nur ist Nur noch ein kleiner Gefallen inhaltlich leider kaum mit Leben gefüllt. Bis so etwas wie ein Krimi beginnt, ist die Hälfte der Erzählung bereits vorbei und selbst, nachdem es die erste Leiche gibt, keifen sich die Figuren immer noch gestellt an, anstatt dass auch nur eine Person so etwas wie Anteilnahme oder Mitgefühl zum Ausdruck bringen würde – nicht einmal, wenn minderjährige Angehörige der Verstorbenen direkt neben ihnen stehen. Ob das ein Versäumnis des Drehbuchs ist oder beabsichtigt, um zu zeigen, wie empathielos die Figuren sind, sei dahingestellt. Es macht es in jedem Fall nicht einfacher, mit ihnen mitzufiebern. Da mögen sie beim Dreh vor traumhafter Kulisse noch so sehr Spaß gehabt haben – der überträgt sich nicht aufs Publikum.
Fazit:
Wirkt die Erzählung zu Beginn noch frech, wenn auch um lockere Sprüche, meist mit sexuellem Bezug, geradezu verkrampft bemüht, tritt die Geschichte später spürbar auf der Stelle und enthält dem Publikum die wenigen Informationen, die es über viele Nebenfiguren überhaupt nur gibt, so lange vor, wie es irgendwie möglich ist, um die Story scheinbar interessant zu halten. Die wartet weder mit greifbaren Figuren auf, noch Ideen, die über das hinausgehen, was den ersten Film ausgezeichnet hat. Das Ergebnis wirkt inhaltlich derart konstruiert, man könnte beinahe übersehen, wie wenig Empathie das Skript mit den Charakteren hat, die hier das Zeitliche segnen. Stattdessen setzt Filmemacher Paul Feig auf eine Inszenierung für die Instagram-Generation. Highlights der Insel Capri werden vorgestellt, traumhafte Kulissen und Landschaften perfekt in Szene gesetzt. Ganz zu schweigen von den Kostümen und einer märchenhaften Hochzeit, bei der die Figuren allesamt aus der Hölle zu stammen scheinen. Nur noch ein kleiner Gefallen ist der Inbegriff von „Stil über Substanz“, ein lähmend langatmiger, inhaltlich abstrus konstruierter Krimi, dessen Humor so aufgesetzt erscheint, dass man die wirklich amüsanten Dialoge an wenigen Fingern abzählen kann, mit einer namhaften, nicht im geringsten geforderten Besetzung, die nichts zu tun bekommt, das aber in Bildern, die so chic gehalten sind, sie können im ersten Moment gelungen blenden.



