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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 12. Juni 2026
Originaltitel: The Death of Robin Hood
Laufzeit: 123 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Michael Sarnoski
Musik: Jim Ghedi
Besetzung: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Murray Bartlett, Noah Jupe, Faith Delaney
Kurzinhalt:
In der Mitte des 13. Jahrhunderts ranken sich um Robin Hood (Hugh Jackman) viele Legenden. Er soll den Reichen genommen haben, um es den Armen zu geben. Oder aber er war ein mordlustiger Bandit, gesetz- und ehrlos, der sich in die Berge zurückgezogen hat, in der Hoffnung, denjenigen zu entkommen, die sich für das Unrecht, das ihnen angetan wurde, an ihm rächen wollen. So sehr er selbst dieses Lebens inzwischen müde ist, als ihn sein ehemaliger Weggefährte Little John (Bill Skarsgård) um Hilfe bittet, willigt Robin ein. Little John hatte sich einen neuen Namen zugelegt und geheiratet, nachdem sich Robin Hoods Gefolgschaft aufgelöst hatte. Aber seine Nachbarn sind Little John auf die Schliche gekommen und bedrohen seine Familie. Bei einem großen Gefecht wird Robin Hood schwer verwundet und in das abgelegene Kloster vom Heiligen Clemens unter der Priorin Schwester Brigid (Jodie Comer) gebracht. Sie versorgt seine Wunden und in der Abgeschiedenheit findet Robin nicht nur Kraft, sondern auch eine neue Perspektive. Aber nicht erst die Ankunft von Little Johns Tochter Margaret (Faith Delaney) und des jungen Arthur (Noah Jupe) lassen Robin erahnen, dass seine Vergangenheit ihm überall hin folgen wird …
Kritik:
Michael Sarnoskis The Death of Robin Hood ist mehr als eine düstere Interpretation der englischen Folklore, die die Titel gebende Figur des Gesetzlosen, der von den Reichen nimmt, um den Armen zu geben, auf den Kopf stellt. Vielmehr nimmt der Filmemacher die Grundidee zum Anlass, um von Schuld und der Anerkennung der Schuld, Vergebung und Wiedergutmachung zu erzählen. Stark gespielt und ebenso gelungen in Szene gesetzt, richtet sich das nicht nur deutlich an ein älteres Publikum, sondern an eines, das sich auf eine vollkommen unerwartete Geschichte einzulassen bereit ist.
Die spielt im Jahr 1247 und beginnt damit, dass Robin Hood, um den sich Geschichten und Legenden ranken, zurückgezogen in den Bergen lebt. Viele Menschen erzählen sich, dass Robin Hood sich für die Schwachen und Sanftmütigen einsetzt, er sie beschützt, wenn ihnen Unrecht getan wird. Doch er selbst weiß es besser. Er ist kein Held oder gar selbstlos. Er war Zeit seines Lebens ein gesetzloser Bandit, mordlüstern und stets um seinen eigenen Vorteil bedacht. Er hat so viele Männer, Frauen und Kinder ermordet, dass er nicht einmal sagen kann, wie viele. Mehr noch, in seine Erinnerung mischen sich die Legenden, die er und seine Gefolgschaft selbst von ihren Taten erzählt haben. So auch bei Little John, seinem Gefährten, der vor Jahren bereits die Identität eines anderen angenommen und eine Familie gegründet hat. Doch Little Johns Nachbarn sind ihm auf die Schliche gekommen und darauf aus, sich für die vielen Verbrechen von ihm und Robin Hood zu rächen. Nach einer Konfrontation schwer verletzt, wird Robin in das abgelegene Kloster von Priorin Brigid gebracht, wo er heilen und zu Kräften kommen kann. Aber seine Vergangenheit holt ihn auch hier ein.
Bereits der Auftakt von The Death of Robin Hood zeichnet ein ganz anderes Bild, als man es von der Figur erwarten würde. Der dichte, grüne Wald, in dem er mit seinen Gefolgsleuten die Reichen berauben soll, um es an die Bedürftigen zu verteilen, ist einer wind- und wettergepeitschten Berglandschaft gewichen. Was folgt, ist in kurzer Abfolge eine regelrechte Explosion der Gewalt, ausgehend von den Figuren, die man gemeinhin als die Helden der Geschichte wahrnehmen würde. Auch wenn sich Regisseur Sarnoski bei seiner Erzählung grundsätzlich auf natürliche Lichtquellen verlässt, ist das teils derart brutal in Szene gesetzt, dass man dabei förmlich zusammenzuckt. Dass der Film dieses Niveau nicht beibehält, ist zwar eine gute Entscheidung, aber der tonale Wechsel mit Beginn des zweiten Aktes ist derart gravierend, dass sich das Publikum doch fragen wird, worauf all das hinauslaufen soll. Umso mehr, da die Verantwortlichen nicht einmal für das Finale zu physisch packenden Momenten zurückfinden.
Ab dem ersten Moment, dass er auftritt, ist Robin Hood vom Leben derart gezeichnet, dass er an sich nur sterben möchte. Und doch ist sein Überlebenswille stark genug, dass er in Gefahr um sein Leben nicht aufgibt. Er wird auf eine abgelegene Insel gebracht, wo sich Schwester Brigid um ihn kümmert. Es dauert lange, bis er wieder zu Kräften kommt und sich in der Abgeschiedenheit nützlich macht, indem er jagt und den Alltag des Klosters unterstützt, in dem sich neben vielen Kindern auch ein Leprakranker befindet. In dieser Zeit findet Robin etwas, das er im Leben kaum für möglich gehalten hat: Frieden. Selbst dann, wenn die kleine Margaret auf die Insel kommt, Little Johns Tochter, in der er das Spiegelbild dessen vorfindet, was er selbst jahrelang auf seinem Weg zurückgelassen hat. Sie ist gezeichnet von Gewalt und Verlust, die sie erfahren hat, so wie Robin eine Spur der Verwüstung hinter sich herzog, egal, welche Menschen er traf. Selbst als er sich hier mit Little John auf den Weg macht, töten sie im Vorbeilaufen und sei es nur für ein Stück Brot. Aus dem Gesetzlosen macht The Death of Robin Hood einen Gewissenlosen, der in der Abgeschiedenheit ein Verständnis dafür entwickelt, was sein eigentliches Erbe ist. Das Kloster ist ein Ort, der einen Neuanfang verspricht und eine andere Perspektive. Nur holen ihn auch hier seine Taten – seine Sünden – wieder ein.
Das ist nicht nur inhaltlich düster, sondern überwiegend derart dunkel umgesetzt, dass man erst im Nachgang bemerkt, wie treffend Filmemacher Michael Sarnoski die Entwicklung seiner Figur dadurch begleitet, dass er sie nicht nur immer heller kleidet, sondern auch seine Umgebung zunehmend an Licht gewinnt. The Death of Robin Hood ist durchweg erstklassig in Szene gesetzt und insbesondere in den ersten 45 Minuten mit einer Intensität zum Leben erweckt, dass einem Hugh Jackmans geradezu beängstigende Kälte einen regelrechten Schauer über den Rücken jagt. Es dauert lange, ehe sein Blick eine melancholische Sanftmut auszustrahlen beginnt, die mehr über seine Erkenntnisse verrät, als es Dialoge könnten. Konzentriert sich der Auftakt auf die unerbittliche Härte, die sich nicht nur in der rauen Landschaft widerspiegelt, widmet sich die Erzählung anschließend Figuren, deren Schicksal stärker miteinander verbunden ist, als es auf den ersten Blick scheint. Nicht erst zum Ende hin wirkt das getragen und besitzt eine geradezu bedrückende Stimmung. Es braucht aber ein Publikum, das bereit ist, sich auf eine solche Interpretation der Legende einzulassen. So sehenswert das ist, Spaß macht es nicht.
Fazit:
Es heißt, man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Gleichermaßen sollte man sich von dem immens brutalen ersten Drittel der Erzählung hier nicht abschrecken lassen. Filmemacher Michael Sarnoski stellt die bekannte Figur des Robin Hood als einen Gesetzlosen dar, der die Legende um seine Person bewusst mitgestaltet hat, um sie zu seinem Vorteil zu nutzen. Dass Gewalt nur immer noch mehr Gewalt provoziert, ist eine Erkenntnis, die erst dann einzusetzen beginnt, wenn er im Kloster die Ruhe findet, nicht nur über sein Handeln, sondern auch dessen Folgen nachzudenken. In gewisser Hinsicht erscheint die Geschichte ab der Hälfte wie eine Introspektive dieser Figur. Das ist anfangs ebenso schwer zugänglich, wie die ungestüme Landschaft die rauen Charaktere widerspiegelt. Geradezu kräftezehrend gespielt, ist The Death of Robin Hood vor allem im letzten Drittel mit vielen starken Momenten erzählt und offenbart eine Vielschichtigkeit, die man dem unerwartet ruhigen Verlauf nach dem Auftakt gar nicht zugestehen würde. Ein Publikum, das sich hierauf einlässt, erwartet in gewisser Weise ein Klagelied, düster, melancholisch und doch, im Hinblick auf eine mögliche Vergebung am Ende eines Prozesses der Reue nicht hoffnungslos.


