Supergirl [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. Juni 2026
Genre: Action / Fantasy

Originaltitel: Supergirl
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Craig Gillespie
Musik: Claudia Sarne
Besetzung: Milly Alcock, Matthias Schoenaerts, Eve Ridley, David Krumholtz, Emily Beecham, David Corenswet, Jason Momoa


Kurzinhalt:

An sich will sich Kara Zor-El (Milly Alcock) auf dem Planeten Holzherr nur betrinken und ihren Geburtstag feiern, mit Hund Krypto an ihrer Seite, als die Teenagerin Ruthye Marye Knoll (Eve Ridley) die Lokalität betritt. Sie ist auf der Suche nach jemanden, der ihr helfen wird, den Tod ihrer Familie zu rächen, die von Krem von den Gelben Hügeln (Matthias Schoenaerts), dem Anführer der Brigands, ermordet wurde. Kara, die gut nachempfinden kann, wie es der verwaisten Ruthye ergehen muss, will damit an sich nichts zu tun haben, doch kurz darauf stiehlt Krem nicht nur Karas Raumschiff, sondern vergiftet Krypto. Wenn er nicht innerhalb von 72 Stunden das Gegengift erhält, das Krem um den Hals trägt, wird Krypto sterben. So macht sich Kara notgedrungen auf, Krem und seine Schergen mit Ruthye aufzuspüren. Für sie geht es um Rache, Kara jedoch sieht sich wieder mit dem Verlust ihrer Familie und ihrer Heimat konfrontiert, der sie nie loszulassen vermag …


Kritik:
Craig Gillespies Supergirl-Adaption steckt so voller Potential, auch dank einer Titelfigur, die in mancherlei Hinsicht zugänglicher ist, als ihr filmischer Cousin, dass man nur schwer Verständnis dafür aufbringen kann, wie leichtfertig die Verantwortlichen das verspielen. Fans werden dennoch viel finden, was ihnen gefallen kann und als Überleitung zum nächsten Superman-Abenteuer reicht es allemal. Für sich genommen überzeugt die Geschichte aber nur phasenweise.

Sie beginnt in der Woche, in der Kara Zor-El, Cousine von Clark Kent und in gewisser Weise ebenfalls auf dem inzwischen zerstörten Planeten Krypton geboren, ihren 23. Geburtstag feiert. Auch wenn sie mit Clark zumindest zeitweise auf der Erde gewohnt hat, hat es sie doch wieder auf andere Welten gezogen. Dort, unter einer roten Sonne, die ihr ihre Kräfte nimmt, zieht sie von Bar zu Bar, um sich zu betrinken. In einer trifft sie auf Ruthye, deren Familie von Krem von den Gelben Hügeln, Anführer der Brigands, ermordet wurde. Ruthye sucht jemand, der ihr hilft, ihre Familie zu rächen und obwohl Kara ablehnt, kann sie doch nicht anders, als Krem ihren Hund Krypto vergiftet und ihr Raumschiff stiehlt. Um ein Gegengift zu finden, macht sich Kara notgedrungen auf die Suche nach Krem, wobei sich Ruthye an ihre Fersen heftet. Die beiden jungen Frauen verbindet mehr, als Kara sich eingestehen mag und wenn sie Krypto retten will, bleiben ihr weniger als drei Tage, Krem zu finden.

Ihre und Ruthyes Reise führt sie auf fremde Welten, vornehmlich in Bars, wo sie nach Informationen zum Aufenthaltsort der Brigands suchen. Das Bild, das Supergirl von diesem intergalaktischen Universum zeichnet, ist trotz der vielen unterschiedlichen Wesen, von denen kaum eine Spezies mehrmals vorzukommen scheint, überaus düster. Piraten berauben Reisende zwischen den Planeten, ohne dass sich jemand gegen sie zu wehren scheint und die Brigands handeln mit nicht weniger als Frauen und Mädchen, die sie verkaufen, damit die Bewohner einer verwüsteten Welt Nachwuchs zeugen können. Eine übergeordnete Instanz, die für Recht und Ordnung sorgt, die Schutzbedürftigen beschützt, gibt es nicht. Dass Kara im Verlauf der Erzählung in diese Rolle hineinwächst, überrascht nicht. Schade ist eher, dass dies nicht das eigentliche Ziel der Geschichte ist.

In der wirkt Kara eingangs regelrecht verloren und das nicht nur, weil sie im Gegensatz zu Superman Clark Kent keinen wirklichen Zweck im Leben zu haben glaubt. In einer langen Sequenz veranschaulicht Filmemacher Gillespie, weshalb Kara sich im Gegensatz zu ihrem Cousin an Krypton, oder was davon übrig war, erinnern kann. Während Clark auf der Erde aufwuchs, erlebte Kara den Zerfall ihrer Heimat und ihrer Familie. Es ist ein Trauma, das sie nicht nur heimatlos zurücklässt, sondern der Grund ist, weshalb für sie die einzig wirkliche Familie nicht Clark darstellt, sondern ihr Hund Krypto. Die wenigen Minuten, die nicht durch aufgesetzt stylische Action mit unterlegter Rock- oder Popmusik unterbrochen werden, sind nicht nur die besten in Supergirl, sie verdeutlichen auch, was diese Figur so greifbar macht und wie viel Potential in ihrer Geschichte steckt. Milly Alcock bringt all dies, die angestaute Wut und ihre Trauer, ihren Schmerz, so toll zur Geltung, dass man ihr wünschen würde, sie hätte hier mehr Gelegenheit, Karas dunkle Aspekte auszuloten. Der dunkelste offenbart sich dabei zwar kurz vor Schluss, aber in vielen Situationen ist Kara um eine Leichtigkeit in ihren Kommentaren bemüht, die kaum zu dem passen mag, was auf dem Spiel steht.

Da hilft es auch nicht, dass es Supergirl an jeglichen interessanten Nebencharakteren mangelt, sieht man von ein paar Gastauftritten von Kal-El/Clark Kent ab, die schließlich auf dessen nächstes Abenteuer überleiten. Weder findet Kara in Krem einen Widersacher, der über „ich bin böse, weil ich böse bin“ hinaus definiert wird, noch ist die junge Ruthye mehr als jemand, den Kara regelmäßig aus einer Situation retten muss, in die sie sich selbst hineinmanövriert hat, da sie Kara unbedingt folgen wollte. Vollkommen überflüssig ist der von Jason Momoa in einer geradezu unfreiwillig komischen Maske zum Leben erweckte Kopfgeldjäger Lobo, der die Brigands ebenfalls ins Visier genommen hat. Weshalb dem so ist, spielt keine Rolle und tatsächlich tritt Lobo nur dann auf, wenn es das Drehbuch für erforderlich hält. Das wirkt inhaltlich derart halbgar zusammengeschustert, dass man beinahe die mäßigen Trickeffekte übersehen könnte, bei denen man in beinahe jeder Einstellung erkennt, wenn die Beteiligten statt in einer wirklichen Landschaft vor einem Greenscreen bzw. einer Videowand gestanden haben.

Man kann kaum übersehen, was Filmemacher Craig Gillespie hier beabsichtigt und wie er seine Figur einführt, ist durchaus reizvoll, stellt es doch einen Gegenentwurf zu den meisten Ursprungsgeschichten dar. Setzte Superman [2025] aber auf große Action bei helllichtem Tag, ist die hier so dunkel und schnell geschnitten, dass man teilweise gar nicht erkennt, was geschieht. Dass Vieles davon vollständig am Computer entstanden oder davon unterstützt ist, macht es nicht wirklich besser. Angesichts der Menschlichkeit, mit der Milly Alcock die Titelfigur zum Leben erweckt, würde man Supergirl gönnen, dass der Film dem auch gerecht wird. Doch dafür hakt es trotz des Potentials an zu vielen Stellen und im Verlauf spürbar immer öfter.


Fazit:
Auf den ersten Blick mag die lang erwartete, moderne Leinwandadaption der DC Comic-Heldin ein wenig an Mad Max erinnern. Doch während allein dessen letzter Teil eine komplexe Gesellschaft mit Figuren vorstellte, deren Motivation jederzeit erkennbar ist, mit einer Hauptfigur, die notgedrungen in eine Rolle hineinwächst, die sie nie haben wollte, lebt Craig Gillespies Erzählung allenfalls von Ideen. Ideen eines bevölkerten Universums, von dem man außer Bars und leere Landschaften aber nichts zu sehen bekommt. Ideen einer Gesellschaft des Stärkeren, die aber nicht wirklich vorgestellt wird. Und Ideen einer trauernden Protagonistin, die tatsächlich den einzigen Lichtblick darstellt. Keine andere Figur ist auch nur ansatzweise so definiert wie sie, oder so stark gefordert. Milly Alcock tut ihr Möglichstes und trägt die erste Hälfte gekonnt. Aber spätestens, wenn auch Supergirl in die Gefilde der computergenerierten Superhelden-Action absteigt, die man schon so oft gesehen hat, oder die vierte Sequenz vorstellt, deren Reiz in der Kombination aus Zeitlupenaufnahmen fliegender Figuren, unterlegt mit aktuell rockiger Musik, liegen soll, wohnt man dem nur noch passiv bei. Die wenig übersichtliche Inszenierung ist dabei nur ein weiterer Grund, weshalb die Umsetzung und das Drehbuch dem Potential der Figur nicht gerecht werden. Das ist vor allem eines: schade.
 

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