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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 12. Mai 2026
Originaltitel: Power Ballad
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: Irland / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
Regie: John Carney
Musik: John Carney, Gary Clark
Besetzung: Paul Rudd, Nick Jonas, Peter McDonald, Marcella Plunkett, Beth Fallon, Jack Reynor, Havana Rose Liu, Sophie Vavasseur
Kurzinhalt:
Früher hatte Rick Power (Paul Rudd) mit seiner Rockband Octagon Erfolge gefeiert. Doch die Zeiten sind lange vorüber. Inzwischen lebt Rick mit seiner Frau Rachel (Marcella Plunkett) und seiner Tochter Aja (Beth Fallon) in Irland und spielt mit den Musikern der „Bride & Groove“-Band auf Hochzeiten Hits der 1980er-Jahre. Seine eigenen Songs soll Rick nicht spielen, was ihn nicht davon abhält, weiter welche zu schreiben. Auf einer Hochzeit begegnet Rick dem ehemaligen Boyband-Star Danny Wilson (Nick Jonas), der bisher ohne großen Erfolg an seinem Comeback als Solokünstler arbeitet. Sie verstehen sich gut und tauschen sich über ihre Kompositionen aus. Doch nach der Hochzeit haben beide Schwierigkeiten, ihre eigene Musik voranzubringen. Danny in Los Angeles und Rick weiterhin in Irland. Einige Zeit später allerdings hört Rick beim Einkaufen einen Song, der ihn an seine eigene Komposition erinnert – gesungen von Danny. Als Rick versucht, einen Beweis dafür zu finden, dass Danny seine Melodie und seinen Text gestohlen hat, muss er feststellen, dass er keine Aufzeichnungen darüber finden kann. Dass aber nicht einmal anerkannt wird, dass er für Dannys Welthit verantwortlich war, setzt Rick so sehr zu, dass er droht, seine Arbeit und seine Familie zu verlieren …
Kritik:
Lange Zeit fragt man sich bei John Carneys Power Ballad – Der Song meines Lebens, worauf die Geschichte hinauslaufen soll. Das umso mehr, da sich erst in der zweiten Hälfte der vermeintlich entscheidende Teil der Story zuträgt. Lässt man sich aber darauf ein, erzählt die leichtfüßige Dramödie von der Macht der Musik und davon, was wirklich wichtig ist im Leben. Das mag nie die emotionale Wucht entfalten, die womöglich in der Geschichte schlummert, aber es ist ungemein charmant.
Der Titel ist eine Anspielung auf eine der tragenden Figuren, den von Paul Rudd gespielten Rick Power. Der Musiker hat vor langer Zeit in einer Rockband gespielt und komponiert immer noch eigene Songs. Für die Liebe ist er nach einem Konzert in Irland dort geblieben und hat seine Träume vom Starleben und Konzerten rund um den Globus der Familie wegen aufgegeben. Inzwischen spielt er in der Band „Bride & Groove“ auf Hochzeiten Rockhits aus den 1980er-Jahren und das sogar überaus erfolgreich. Bei einer Hochzeit ist der ehemalige Boyband-Star Danny Wilson Gast, dem es nach seinem Ausstieg schwerfällt, künstlerisch auf eigenen Beinen zu stehen. Danny und Rick unterhalten sich nach der Hochzeit, sitzen zusammen und probieren die Melodieideen des jeweils anderen aus. Es ist eine ungemein produktive Nacht. Doch ein halbes Jahr später muss Rick feststellen, dass Danny eine Song-Idee von ihm gestohlen und daraus einen Hit gemacht hat, der sogar seine Karriere neu startet. Nur ohne jeglichen Nachweis, dass Melodie und Text von ihm stammen, hat Rick keine Möglichkeit, gegen Danny vorzugehen. Dass jemand anderes für seinen Song die Lorbeeren erntet, reißt bei Rick alte Wunden auf, die nie verheilt sind.
Bis es soweit ist, ist jedoch die Hälfte der Erzählung vorüber. Zuvor zeigt Filmemacher Carney, selbst Musiker und Komponist, was für ein Leben Rick führt und wie es sich später von demjenigen des ehemaligen Boyband-Stars unterscheidet. Mit seiner Band fährt Rick von Hochzeit zu Hochzeit, wo sie meist in kleinen Zimmern mit zu wenig Betten untergebracht sind. Bei den Auftritten werden sie zu Recht gefeiert, bis Rick zum Ende der Veranstaltung von ihm komponierte Lieder spielen will, die seine Zuhörerinnen und Zuhörer aber nicht mitreißen. Wenn er dort am Mikrofon steht und seine eigenen Werke singt, fühlt sich Rick, als würde er in einem ausverkauften Stadion vor Publikum spielen. Es ist ein Gefühl, das mit nichts vergleichbar ist und vielleicht wünscht er sich insgeheim, er hätte sich damals nicht für die Familie entschieden, sondern ein Leben, wie Danny es führt. Der kann sich vor Fans kaum retten, obwohl sein großer Erfolg bereits einige Zeit zurückliegt, hat eine Ausrüstung, von der Rick nur träumen kann und während letzterer nach Auftritten nach Hause kommt und im strömenden Regen die Mülltonnen zum Haus ziehen muss, ist bei Danny das riesige Anwesen von seinen Angestellten sorgfältig gepflegt. Der Kontrast könnte größer kaum sein. Wer von beiden mehr Talent hat, lässt sich dabei kaum sagen. Sitzen sie zusammen und arbeiten gemeinsam an ihren Songs, ergänzen sie sich sehr gut. In gewisser Hinsicht mag Rick in Danny eine jüngere Version von sich selbst sehen.
Als sich ihre Wege trennen, rückt Power Ballad ins Zentrum, wie unterschiedlich ihre Leben sind. In Los Angeles wird Danny von seinem Manager Mac künstlerisch in eine bestimmte Richtung gedrängt, um die Erwartung des Plattenlabels an seine Solokarriere zu erfüllen, während sich Rick einzig von seiner eigenen künstlerischen Ader leiten lässt, mit seiner Familie als sein kritisches Publikum. Selbst wenn Rick keinen unglücklichen Eindruck macht, vollends glücklich wirkt er ebenfalls nicht. Bis er hört, was Danny aus seiner Song-Idee gemacht hat. Es ist schwer zu sagen, was ihn daran mehr trifft. Der Umstand, dass Danny, mit dem er sich an jenem Abend gut verstanden hat, ihn derart hintergeht, oder dass der Song zu einem globalen Hit wird, genau das, was Rick sich immer gewünscht hat, ohne dass er dafür jedoch die Anerkennung erhalten würde. Die Frage bleibt, wie Regisseur John Carney die Situation auflösen möchte? Ohne einen Beweis, dass Melodie und Text von ihm stammen, hat Rick keine Möglichkeit, Danny zu belangen und der wiederum wird in Anbetracht des unvorstellbaren Erfolgs des Songs kaum öffentlich zugeben, dass er ihn in Grunde gestohlen hat. Wohin also soll die Geschichte führen?
Ohne zu viel zu verraten, ist all das am Ende für die Erzählung weit weniger wichtig, als welche Beobachtungen der Filmemacher auf dem Weg bei seinen zentralen Figuren macht. Die sind vor allem von Paul Rudd und Nick Jonas derart sympathisch und zugänglich zum Leben erweckt, dass man sich nicht nur wünschen würde, Rick würde seine Anerkennung bekommen, sondern auch, Danny würde sich ein Herz fassen und das Richtige tun, wenn er schon sichtlich mit sich hadert. Doch ganz so einfach macht es sich Power Ballad glücklicherweise nicht und bleibt am Ende überraschend glaubwürdig. Dass die Geschichte funktioniert, ist außer der durchweg gelungenen Besetzung auch der musikalischen Untermalung zu verdanken. Nicht nur, dass die kurz angespielten, bekannten Rocksongs allesamt zum Mitwippen einladen, auch die eigenen Lieder und insbesondere der Song, um den es im Kern geht, sind so eingängig, dass man die letztendliche Aussage beinahe überhören könnte.
Fazit:
Filmemacher John Carney erzählt, anders als man vermuten würde, keine laute Komödie, auch wenn er zu Beginn einige Male darauf abstellt, dass die Mitglieder der Hochzeitsband merklich in die Jahre gekommen sind, beispielsweise, wenn sie allesamt beim Blick auf ihr Smartphone eine Lesebrille aufsetzen müssen. Worauf die Erzählung tatsächlich hinauslaufen soll, ist lange Zeit nicht wirklich absehbar und wenn, dann scheint es in gewisser Hinsicht beinahe zwecklos. Doch gerade in den ernsten Momenten, wenn Rick und Danny sich aussprechen, zum Beispiel, treffen die Dialoge den Nagel auf den Kopf, wie auch die Erkenntnis, weshalb Rick seine Rock-Karriere damals aufgegeben hat – und ob er das nun bereut, oder nicht. Wie viele feine Beobachtungen sich hier verstecken, sieht man am besten daran, wie die Bedeutung eines Liedtexts hier Stück für Stück offengelegt wird, was dem Gehörten eine neue Aussage verleiht. Musik ist individuell, Songs können Unterschiedliches bedeuten, je nachdem, in welcher Stimmung die Zuhörerin oder der Zuhörer ist. Mit einer offensichtlichen Liebe für die Musik erzählt, wirkt Power Ballad – Der Song meines Lebens selbst wie eine Ballade darüber, was wichtig ist, im Leben. Darauf muss man sich einlassen. Doch die Magie der Musik fängt der Film ebenso passend ein, wie die gelungene Besetzung und der tolle Soundtrack harmonieren. Schön!


