Echo 3 [2022-2023]

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6–10 Minuten
Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. August 2026
Genre: Thriller / Drama / Action

Originaltitel: Echo 3
Laufzeit: 505 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2022-2023
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Pablo Trapero, Mark Boal, Claudia Llosa, Jeffrey Nachmanoff
Musik: Christopher Young
Besetzung: Michiel Huisman, Luke Evans, Jessica Ann Collins, James Udom, Martina Gusmán, Valerie Mahaffey, Bradley Whitford, Franka Potente, Maria Del Rosario, Sofia Buenaventura, Alejandro Furth, Juan Pablo Raba, Vicente Peña, Juan Pablo Urrego, Elizabeth Anweis


Kurzinhalt:

Seit kurzem erst sind Eric (Michiel Huisman) und Amber (Jessica Ann Collins) verheiratet, da bricht die Wissenschaftlerin nach Kolumbien auf, um im Urwald Pflanzen zu erforschen. Sie ahnt nicht, dass Eric in ihrem Rucksack ein Ortungsgerät versteckt hat, das er auch beim Militär nutzt. Als Ambers Team von einer aufständischen Gruppe um Graciela (Maria Del Rosario) angehalten und durchsucht wird, glauben sie auf Grund des Ortungsgeräts, dass Amber eine amerikanische Spionin sein könnte, die ihnen bei ihrem Kampf, die Macht an sich zu reißen, noch nützlich werden könnte. Als Eric von Ambers Geiselnahme erfährt, kontaktiert er ihren Bruder Bambi (Luke Evans), der mit ihm zusammen bei den Delta Forces gedient hat. Gemeinsam brechen sie nach Kolumbien auf, um Amber freizubekommen. Durch die Journalistin Violeta Matiz (Martina Gusmán) machen sie zwar Amber in der Gewalt der Aufständischen ausfindig, aber sie zu befreien scheint kaum möglich. Als sich die Gruppe aufmacht, mit Amber das Land zu verlassen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und jede Einmischung der US-amerikanischen Soldaten könnte vor Ort zu einem internationalen Zwischenfall führen …


Kritik:
Basierend auf der preisgekrönten, vom 2008 erschienen, gleichnamigen Roman des israelischen Autors Amir Gutfreund inspirierten Mini-Serie When Heroes Fly [2018], versucht Autor und Produzent Mark Boal (Detroit [2017], Tödliches Kommando – The Hurt Locker [2008]) in Echo 3, eine vielschichtige Erzählung um internationale Konflikte und persönliche Dramen zu entwerfen. Überwiegend aus der Sicht von zwei Elitesoldaten soll die Thrillerserie außerdem actionreich sein. Ausgelegt auf weit über acht Stunden Laufzeit, ist es geradezu verblüffend, wie spektakulär sein Versuch einer solchen Erzählung auf allen Ebenen scheitert.

Die Geschichte handelt von den beiden Soldaten der Elite-Einheit Delta Force, Eric Haas und Alex „Bambi“ Chesborough, die, als Bambis Schwester und Erics Ehefrau Amber, in Kolumbien entführt wird, versuchen, sie freizubekommen. Der Ausgangssituation ist allerdings etwas komplizierter, denn noch in der Hochzeitsnacht erfuhr Eric, dass er und Bambi gemeinsam einen Einsatz absolvieren müssen, bei dem jedoch ein Soldat ums Leben kommt und sich Bambi entschied, seinen Schwager und nicht den anderen Kameraden zu retten. Beide Männer leiden unter der Ungewissheit, ob die Situation anders hätte aufgelöst werden können, als Amber für ein wissenschaftliches Projekt nach Kolumbien aufbricht. Ohne ihr Wissen packt Eric ihr ein militärisches Ortungsgerät in den Rucksack und als ihr Team von einer Gruppe Aufständischer im Urwald aufgegriffen wird, glauben deren Anführerinnen Graciela und Fami, dass Amber, versehen mit teurer Militärausstattung, womöglich eine CIA-Agentin sein könnte. Sie nehmen Amber gefangen, in der Hoffnung, sie bei ihrem Kampf um die Machtergreifung im Land verwenden zu können. Als Eric und Bambi davon erfahren, machen sie sich auf, Amber zu befreien. Zunächst auf diplomatischem Wege, aber als das nicht funktioniert, ergreifen sie andere Maßnahmen, die nicht nur Amber in Gefahr bringen, sondern die ganze Region destabilisieren könnten.

Dieser Aspekt des internationalen Konflikts zwischen Venezuela und Kolumbien bzw. der Jahrzehnte zurückreichenden Einmischung der Vereinigten Staaten bzw. der US-amerikanischen Geheimdienste in Südamerika ist vermutlich der interessanteste der ganzen Mini-Serie, aber wie viele andere Themen, wird er immer wieder aufgeworfen, ohne vollends weiterverfolgt zu werden. Zumindest bis kurz vor Schluss, auch wenn eine richtige Auflösung in der Beziehung offenbleibt. Dabei gäbe es mit der prominenten Journalistin Violeta Matiz eine Figur, die eben diese Zusammenhänge und Konsequenzen daraus verdeutlichen könnte, doch sie bleibt ebenso oberflächlich, wie viele andere Charaktere. So wird zwar angesprochen, dass Violeta selbst einmal in Gefangenschaft war, in welchem Zusammenhang, verdeutlicht die Erzählung aber nie. Stattdessen folgt die Story drei tragenden Figuren, die allesamt nie wirklich sympathisch werden. Angefangen von der von Jessica Ann Collins gespielten Amber, die selbst bei ihrer eigenen Hochzeit unterkühlt wirkt und in den wenigen gemeinsamen Szenen mit ihrem Ehemann Eric eine Distanz wahrt, als wären sie bestenfalls Bekannte. Eric stammt aus wohlhabendem Haus mit Verbindungen ins politische Washington, doch werden diese kaum genutzt, als Amber in Gefangenschaft gerät. Es ist beinahe, als wüsste Echo 3 nicht, was es mit all den Figuren anstellen soll, die vorgestellt werden. Das, was es schließlich mit ihnen anstellt, sorgt dabei stellenweise für Augenrollen, dass einem schwindelig werden könnte.

Sei es, dass es Eric und Bambi offenbar ohne Schwierigkeiten gelingt, Waffen nach Kolumbien einzuführen, oder dass Eric, als seine Frau bereits seit Wochen entführt ist, zuhause seinem Alltag im Geschäft seiner Familie nachgeht und dort sogar eine Affäre beginnt, ohne überhaupt nur an der Rettung seiner Frau mehr interessiert zu sein. Eine Nebenhandlung umfasst Bambis und Ambers Mutter Maggie, die ebenfalls urplötzlich in Kolumbien auftaucht und von der Entführung ihrer Tochter kaum beunruhigt scheint, deren größter Beitrag in der Episode jedoch ein bleihaltiger Auftritt ist, der so außerhalb jeglicher Glaubwürdigkeit liegt, dass es nur dadurch noch übertroffen wird, dass Eric und Bambi sie kurz darauf wieder ins Flugzeug setzen, als sei nichts geschehen. Die Figuren verhalten sich in Echo 3 derart lebensfremd und gleichzeitig amateurhaft, dass es einem beinahe die Sprache verschlägt. Beispielsweise, wenn Eric und Bambi versuchen, eine Person zu entführen, was hier eine gefühlte Ewigkeit dauert, sich dabei aber so ungeschickt anstellen, als wären sie zwei Chorknaben und nicht Angehörige einer Elite-Einheit, die mit allerlei technischem Equipment ausgestattet sind.

Sämtliche Szenen in Echo 3 ziehen sich merklich in die Länge. Wird eine ereignislose Reise von einer Figur normalerweise so gezeigt, dass sie von ihrem Ursprungsort abfährt, dann in einer Einstellung unterwegs ist und in der nächsten an ihrem Ziel ankommt, gibt es hier ein Dutzend Zwischenschritte, in denen aber nichts von Interesse geschieht. Von Nebenhandlungen, die nirgendwo hinführen, ganz abgesehen, könnte man allein durch das Entfernen unnötig langer Übergänge aus der Serie mindestens eine Stunde entfernen. Das würde sich auch mit einer Episode anbieten, in der Bambi versucht, Zugang zu einem Lager zu bekommen, in dem seine Schwester festgehalten wird, indem er sich vor Ort um Arbeit bemüht und das Vertrauen der Ansässigen gewinnt. Diese vermeintliche Undercover-Mission verläuft nicht nur im Sande, nichts, was Bambi hier erfährt, ist später tatsächlich relevant oder könnte nicht mühelos anders gelöst werden. Ähnlich verhält es sich mit einer Mitgefangenen von Amber, gespielt von Franka Potente, die ebenfalls nur in einer Episode auftritt. Da aber die Verbindung zwischen den zwei Frauen nie langsam aufgebaut oder gezeigt wird, ergibt im weiteren Verlauf der Erzählung Ambers Reaktion darauf keinen großen Sinn.

Die Charakterentwicklungen in Echo 3 sind derart grob und halbgar, man kann es sich kaum vorstellen. Trotz der langen Laufzeit gelingt es Mark Boal und den übrigen Autorinnen und Autoren nicht, packende Figuren zu entwerfen. Das traumatische Erlebnis aus Bambis und Ambers Kindheit wird zwar immer wieder eingestreut, wie es sie beide aber geprägt hat, wird niemals auch nur angesprochen. Über Erics Werdegang erfährt man dagegen kaum etwas, von Nebencharakteren wie den Anführerinnen der Aufständischen, Graciela und Fami, ganz zu schweigen. Sie werden ebenso halbherzig aus der Story geschrieben, wie der einflussreiche Tariq, der dafür verantwortlich ist, dass Amber nicht freikommt. Dafür arbeitet die Mini-Serie auf einen großen Showdown in der vorletzten Episode hin, der viele Schusswechsel bietet, ohne einen spannenden Szenenaufbau, gefolgt von Explosionen, obwohl man nie zuvor gesehen hat, dass die Spezialeinheit Sprengsätze platziert hätte.

Echo 3 möchte so Vieles sein, ein Kommentar über die US-Einmischung in Südamerika, über die Ausbeutung der Menschen mit dem Anbau von Drogen, über Familientragödien und Traumata sowie die unvorstellbare psychische Belastung während einer Geiselnahme und Gefangenschaft. Dass nie auch nur erwähnt wird, zu welchem Zweck Amber überhaupt gefangen gehalten wird, spielt da gar keine Rolle mehr. Aber so sehr die Mini-Serie an alledem interessiert sein mag, nichts davon wird richtig aufgegriffen oder zu Ende gebracht. Vor allem ist es derart realitätsfern und lähmend langsam dargebracht, dass man sich am Ende eher ärgert, nicht nach der zweiten Episode abgebrochen zu haben.


Fazit:
Hört man, dass ein mit zwei Oscars ausgezeichneter Autor und Produzent für eine komplexe Mini-Serie um internationale Intrigen und vielschichtige Figuren verantwortlich zeichnet, hofft man nicht zu Unrecht auf eine entsprechende hochwertige Erfahrung. Diejenige, die Mark Boal hier liefert, funktioniert zwar gut für eine Vorschau, ausgedehnt auf zehn Episoden ist sie aber mehr als nur eine Enttäuschung. Irgendwo tief drinnen mag in der Geschichte und vielleicht sogar in dem gedrehten Material eine solide Erzählung schlummern. Aber mit grundunsympathischen und nie zugänglichen Figuren, die sich gleichzeitig so stümperhaft verhalten, dass man sich kaum vorstellen kann, es sollen Experten auf ihrem Gebiet sein, zusammen mit einer Geschichte, die viele Aspekte aufgreift, ohne je packend zu geraten oder etwas zum Abschluss zu bringen, entwickelt sich dies nie über das Versprechen hinaus, das in der Prämisse liegt. Die klingt interessant, doch weiß Echo 3 das Potential nicht zu nutzen. Langatmig, inhaltlich abstrus und mit irrsinnigen Charakterentscheidungen gespickt, ist das ein sichtbar aufwändiger und tadellos in Szene gesetzter, inhaltlich vollkommener Reinfall. Ärgerlich für die Beteiligten, die Besseres verdient haben – und für das Publikum, dem es ebenso ergeht.
 

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