Onslaught [2026]

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5–7 Minuten
Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 1. September 2026
Genre: Action / Horror / Science Fiction

Originaltitel: Onslaught
Laufzeit: 92 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Adam Wingard
Musik: Matthew Pusti
Besetzung: Adria Arjona, Blake Kennedy, Reginald VelJohnson, Drew Starkey, Eric Wareheim, Alex Pereira, Dan Stevens, Michael Biehn, Rebecca Hall, Maurice Greene, Jacob Scipio


Kurzinhalt:

Auch wenn die Veteranin Celeste (Adria Arjona) zurückgezogen in einem Trailer Park lebt, durch Zielübungen mit verschiedenen ihrer vielen Waffen hält sie ihre Talente als Schützin aufrecht. Dabei verfolgen sie immer wieder Erinnerungen an traumatische Einsätze. Als ihr Ex-Mann unerwartet ihre Tochter Daisy (Blake Kennedy) vorbeibringt, bringt dies Celestes Pläne für das Wochenende durcheinander, doch die Aussicht, dass ihr ihre Tochter weggenommen werden könnte, was ebenfalls im Raum steht, ist noch schlimmer. Was beginnt wie ein harmloses Wochenende, wandelt sich alsbald zu einem Kampf um Leben und Tod, als der Trailer Park von drei maskierten Männern in Uniform angegriffen wird, die jeden töten, den sie finden können. Sie sind Teil eines geheimen Militärprojekts, das außer Kontrolle geraten ist. Notgedrungen stellt sich Celeste den unaufhaltsamen Killermaschinen in den Weg und ahnt nicht, dass sie es mit einem unerbittlichen Gegner zu tun hat …


Kritik:
Es dauert recht lange, ehe man nicht mehr übersehen kann, was für eine Art Film Adam Wingard mit seinem in vielerlei Hinsicht überzogenen Onslaught eigentlich erzählen will. Dann jedoch ist die Handschrift und sind die Anspielungen so offensichtlich, dass es einem förmlich entgegenspringt. Als Hommage an Exploitationfilme der 1970er-Jahre oder auch nur Quentin Tarantinos eigene Hommage daran (Death Proof – Todsicher [2007]) ist das überaus gelungen, selbst wenn hier dieselben Klischees aufgegriffen, statt aufgedeckt werden.

Die Geschichte beginnt damit, wie die Veteranin Celeste mitten im Nirgendwo Zielübungen mit allerlei Waffen absolviert. Vor Jahren bereits hat sie die Uniform abgelegt, aber die Erinnerungen an die Kampfeinsätze belasten sie immer noch und die posttraumatische Belastungsstörung zeigt sich sogar in körperlicher Hinsicht. Als Managerin eines abgelegenen Trailer Parks ist Celeste meistens für sich, von den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern abgesehen. Doch eines morgens steht plötzlich ihr Ex-Mann mit ihrer gemeinsamen Tochter Daisy vor ihr. Auch wenn es nicht Celestes Wochenende mit Daisy ist, soll sie das Mädchen aufnehmen. Sie ahnt nicht, dass wenige Stunden später drei schwer bewaffnete Männer den Trailer Park überfallen und ein Massaker anrichten werden. Sie sind Teil eines außer Kontrolle geratenen Experiments und durch nichts und niemanden aufzuhalten.

Was es mit den drei Killern auf sich hat, die in Tarnkleidung unterwegs sind und deren Augen im Dunkeln ominös funkeln, nimmt Onslaught selbst vorweg, indem einerseits während es Vorspanns Informationen zu realen und fiktiven Militärprogrammen eingestreut werden, die am Ende deutlich machen, dass es seit über 80 Jahren immer einen Grund gibt, weshalb fähige und willige Soldaten benötigt werden. Andererseits stellt der Wissenschaftler Doktor Kammler zu Beginn seine Forschungen in einem geheimen Komplex selbst vor, was schließlich dazu führt, dass seine Testobjekte auf freien Fuß kommen und unvorstellbare Grausamkeiten verüben. Die Vorstellung dieser Zusammenhänge ist ebenso plakativ wie die Darstellung der Figuren überzogen, von ihrem klischeebeladenen Hintergrund ganz zu schweigen. Dazu zählt auch, dass die Schurken der Geschichte, Kammler ebenso wie der mit der Vertuschung der Gräueltaten beauftragte Cyrus, ausgefallene sexuelle Vorlieben und Fetische haben, die hier groß in Szene gesetzt werden.

Diese Elemente sind nicht nur derart klischeehaft, sondern auch so überzogen umgesetzt, dass man dies nicht mehr als bloßes Augenzwinkern der Verantwortlichen deuten kann, sondern tatsächlich als ganz bewusste Darstellung deren kitschigen Charakters. Filmemacher Wingard weiß sehr genau, worauf er anspielen will, weshalb sich nicht nur die Musik stellenweise anhört, als stamme sie aus einem John Carpenter-Film aus den 1980er-Jahren. Selbst viele Einstellungen und bereits die Idee erinnern daran. Man könnte auch sagen, Onslaught ist eine Mischung aus Assault – Anschlag bei Nacht [1976] und einem anderen Film, der nicht verraten sei, um nicht zu viel vorweg zu nehmen. Als solches ist die Erzählung durchaus gelungen, selbst wenn das Tempo merklich nachlässt, sobald sich Celeste den drei Angreifern gegenübersieht. Beginnen die ihre Mordserie, gibt es jedoch eine Sequenz in einer Tankstelle, die trotz der Bemühungen der Verantwortlichen, die schlimmste Gewalt nicht in Großaufnahme zu zeigen, zu sehr an Amokläufe erinnert, von denen insbesondere in den Vereinigten Staaten immer wieder zu lesen ist, dass man sich fragen muss, ob das in diesem Kontext wirklich notwendig war. Ebenso unnötig ist, dass die Schurken, wie so oft in dieser Art Film, übertrieben böse sind und es keine einzige Figur in ihren Reihen gibt, die das Richtige tut, auch wenn sie damit gegen Befehle verstoßen würde.

Klischees wie diese gehören ebenso zu den Geschichten, die hier Pate standen, wie eindimensionale Figuren, bei denen früh absehbar ist, wer den Abspann überhaupt erleben wird. Hat man darum erst einmal verstanden, was für eine Art Film Onslaught sein will, ist es nicht schwer zu erraten, in welche Richtung sich das entwickeln wird. Das ist, sieht man dies als aufwändigen B-Film, auch kein Kritikpunkt, schade ist aber, dass es Filmemacher Adam Wingard nicht gelingt, noch ist er darum bemüht, das Publikum in irgendeiner Art und Weise zu überraschen. Im Gegenteil, selbst das letzte absehbare Klischee wird vor dem überraschend kurzen Endkampf auch noch aus der Schublade geholt. Das Ergebnis bietet einige unumwunden amüsante Momente, während man für andere durchaus einen spezielleren Humor benötigt. So actionreich wie vermutet, ist die Geschichte aber nicht und gestaltet sich in der zweiten Hälfte mehr wie ein Horrorfilm, denn alles andere. Wer weiß, was einen erwartet und sich genau auf diese Art Film einlassen will, wird tadellos unterhalten werden. Schade ist allenfalls, dass die Geschichte letztlich zu wenig eigene Wege gehen will.


Fazit:
Es ist nicht einfach, auseinanderzuhalten, was Regisseur Adam Wingard bei seinem stellenweise durchaus wenig zimperlichen Science Fiction-Action-Horror gelingt und was nicht. Dabei ist es eine gute Idee, dass die Gewalt selbst nicht in Großaufnahme gezeigt wird, zumindest nicht diejenige, die sich gegen Zivilisten richtet. Mit vielen Anspielungen an Genregrößen aus den 1970er- und 80er-Jahren erzeugt die Geschichte eine durchaus beklemmende Atmosphäre, die man aber bereits auf Grund der völlig überzogenen Darstellung der Drahtzieherinnen und Drahtzieher kaum ernst nehmen kann. Das ist beabsichtigt, sorgt aber dafür, dass man von der Erzählung kaum mitgerissen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die drei Angreifer nicht allzu schlau sind und sie insbesondere beim Angriff auf den Trailer Park alles andere als effektiv vorgehen. Wie absurd die Idee einer unaufhaltsamen Waffe ist, die man aber selbst nicht kontrollieren kann, darüber sollte man ohnehin nicht nachdenken. Lässt man all das beiseite, finden sich in Onslaught viele Szenen und Einstellungen, die man bestens in einer Filmvorschau vermarkten kann, die aber im Kontext der Geschichte so aufgesetzt wirken, wie sie es auch sein sollen. Am Ende wirkt die Idee einer Produktion im Stile von Robert Rodriguez’ und Quentin Tarantinos Anthologie-Film Grindhouse [2007] interessanter, als sie zu sehen packt. Deshalb ist sie dennoch in dem bestimmten Stil tadellos umgesetzt, aber statt die Klischees aufzunehmen und zu demontieren, werden die nur wiedergegeben. Wenn das nicht stört, ist dies für Genrefans durchaus eine Empfehlung.
 

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