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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 3. August 2026
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Ed Herzog
Musik: Martin Probst
Besetzung: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Enzi Fuchs, Gerhard Wittmann, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Sigi Zimmerschied, Lara Mandoki, Niklas Marian Müller, Ruby O. Fee
Kurzinhalt:
Nachdem Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) mehrmals zum Volksfest gerufen wurde, da es zu Streit zwischen dem Steckerlfischkönig und Imbissbuden-Besitzer Paulus und dem ebenfalls Steckerlfische verkaufenden Clemens Dottinger (Niklas Marian Müller) und seiner Großfamilie gekommen ist, drängt sich ein möglicher Verdächtiger auf, als Paulus ermordet in der Dusche seines eigenen Golfclubs gefunden wird. Noch bevor Eberhofer überhaupt die Ermittlungen aufnehmen kann, findet er den auf Grund seines Wassersparexperiments müffelnden Privatdetektiv und ehemaligen Polizisten Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) an seiner Seite. Als sich die beiden Ermittler der Tochter des Verstorbenen gegenübersehen, Tessa Paulus (Ruby O. Fee), hat Birkenberger den starken Verdacht, dass sie als Alleinerbin involviert sein könnte. Franz, dem die junge Frau äußerst sympathisch ist, sieht das anders. Der Fall kommt ihm überhaupt ungelegen, hat er doch im Privaten derzeit mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Angefangen davon, dass seine Susi (Lisa Maria Potthoff) für das Bürgermeisteramt kandidiert und seine Unterstützung erwartet, oder dass sein Sohn ihn für einen Auftritt beim Ballett gewinnen will. Zu allem Überfluss verdreht die neue Haushaltshilfe der Familie Eberhofer, Julika (Lara Mandoki), Franz’ Papa (Eisi Gulp) und seinem Bruder Leopold (Gerhard Wittmann) den Kopf …
Kritik:
Im inzwischen bereits zehnten Teil der Heimatkrimis um Dorfpolizist Franz Eberhofer widmen die Verantwortlichen überraschend viel Zeit dem Krimiaspekt der Geschichte, bringen aber gleichzeitig auch die zentralen Figuren voran. Dass Nebencharaktere dabei eine untergeordnete Rolle spielen, mag einige eingefleischte Fans stören, doch gerade die Gewichtung macht Steckerlfischfiasko nach der etwas längeren Pause seit dem letzten Film zu einem gelungenen Beitrag der Reihe.
Das Titel gebende Fiasko zeichnet sich bereits ab, bevor der Steckerlfischkönig ermordet aufgefunden wird, als Gesetzeshüter Eberhofer zum wiederholten Male zum Volksfest gerufen wird, wo die Familie Dottinger mit dem Steckerlfischbuden-Besitzer Paulus aneinander gerät. Der Rummel ist offenbar zu klein für beide Betreiber. Kurz darauf ist der Paulus tot, ermordet in seinem eigenen Golfclub, in dem inzwischen sogar Flötzinger und Simmerl verkehren. Für Rudi Birkenberger, der sich gewissermaßen selbst zu den Ermittlungen einlädt, ist klar, dass Hauptverdächtige in dem Fall die aus London eingereiste Tochter von Budenbesitzer Paulus ist, Tessa, die dem Franz aber überaus sympathisch ist. Dass Rudi in einem Selbstexperiment auf Wasser und Seife verzichtet, belastet dabei nicht nur die Geruchsbeziehung des Duos. Zu allem Überfluss hat Polizist Eberhofer auch noch mit privaten Herausforderungen zu kämpfen, kandidiert seine Susi doch für das Bürgermeisteramt und rechnet mit seiner Unterstützung, wie auch Sohn Paul, der Franz überreden will, bei seiner Ballettaufführung mitzuwirken.
Der in seinen Verhaltensweisen durchaus eingefahrene Franz Eberhofer hat es also wieder einmal mit seinem erbitterndsten Gegenspieler zu tun: der Veränderung. Dabei zeigte er sich in den vergangenen Teilen der Reihe des Öfteren von seiner nicht nur unbedarften, sondern geradezu empathielos-selbstsüchtigen Seite, wenn er die Bedürfnisse der Menschen um ihn herum beinahe mutwillig ignoriert hat. In dieser Beziehung gibt sich Steckerlfischfiasko bedeutend zugänglicher und präsentiert den Dorfpolizisten zwar immer noch als jemanden, der kein Blatt vor den Mund nimmt und in seinen Wegen eingefahren ist, aber die Wünsche der anderen zumindest wahrnimmt und weiß, wann er selbst den Bogen überspannt hat. Sei es, wenn er Susi schließlich doch die Unterstützung vor der Kamera zukommen lässt, oder sich in den Gesprächen mit Birkenberger und möglichen Verdächtigen als der „gute Polizist“ äußert, der auf sein Gegenüber Rücksicht nimmt. Deshalb wartet Filmemacher Ed Herzog basierend auf der Romanvorlage von Autorin Rita Falk immer noch mit vielen boshaften Sprüchen und stellenweise beinahe rotzigen One-Linern auf, die das Publikum freuen werden. Doch gewinnt die Erzählung dank der sympathischeren Figuren so etwas mehr Charme.
Die besteht weiterhin aus einer Mischung aus den beruflichen Abenteuern von Polizist Eberhofer und seinen privaten Wirrungen bzw. diejenigen seiner Familie. Oma Eberhofer kommt darin nur selten vor, dafür sind Papa Eberhofer und Franz’ Bruder Leopold von der neuen Haushaltshilfe Julika geradezu hingerissen, die den Familienalltag zusätzlich auf den Kopf stellt. All das zu beobachten, ist durchaus amüsant, es gibt an sich nur eine Figur, die zwar des Humors wegen in der Story verbleibt, für sie aber an sich nicht wichtig ist: Rudi Birkenberger. Abgesehen davon, dass der private Lebenswandel von Privatdetektiv Birkenberger als naturverbundener Duschabstinenzler einen Gag vorstellt, der über die gesamte Laufzeit des Krimis zwar wiederholt wird, aber nie an Tiefe oder Bedeutung gewinnt und sich entsprechend schnell abnutzt, was er zur Aufklärung beiträgt, könnte Polizist Eberhofer mühelos selbst erledigen und käme so einem tatsächlichen Gesetzeshüter näher, als er hier vorgibt, zu sein. Kurzum, so lustig die Figur Birkenberger auf den ersten Blick ist, sie tritt in der Entwicklung den gesamten Film über auf der Stelle und sorgt an sich nur dafür, dass Franz Eberhofer kaum das macht, was er eigentlich sollte: seine Arbeit.
Aber sei’s drum, eben diese Figuren sind es, die Fans sehen wollen, selbst wenn es sich anbieten würde, Franz Eberhofer zu so etwas wie einem granteligen Columbo von Niederkaltenkirchen zu entwickeln. Auch der Kriminalfall selbst lässt Potential ungenutzt, der zwar einen größeren Teil der Erzählung einnimmt als zuletzt, aber immer noch eine untergeordnete Rolle spielt. Mit Leichtigkeit hätte sich daraus ein wirklich solider Krimi erzählen lassen, immerhin werden mögliche Verdächtige vorgestellt wie einvermeintlicher Erbe des Firmenimperiums des Steckerlfischkönigs, der hier aber nicht einmal verhört wird. Aus den Zutaten weiß das Drehbuch entweder nichts zu machen, oder entscheidet sich bewusst, Steckerlfischfiasko hier nicht zu vertiefen. Stattdessen steht das Gezeter und Gefrotzel der Figuren im Vordergrund, das durchaus funktioniert, wenn man sich auf die Art Humor einlässt. Dass außerdem einige moderne Themen angeschnitten und dem Publikum Aussagen mit auf den Weg gegeben werden, die sich von einigen einst sehr konservativen Ansichten der Figuren trennen, mag einen Teil des Publikums verstimmen – wie einst auch Hauptfigur Eberhofer. Aber auch er musste lernen, dass sich Veränderung nicht aufhalten lässt.
Fazit:
„Ich hab die Leiche gefunden. Ich glaub, sie war tot.“ Es sind Sätze wie diese, von den dialektischen Beleidigungen, die sich die Figuren hier an den Kopf werfen, ganz zu schweigen, die den verbalen Humor der Reihe ausmachen und von ihnen gibt es hier genug zu hören. Filmemacher Ed Herzog weiß die Stärken der Figuren und der gesamten Ausgangsidee für sich zu nutzen und präsentiert im zehnten Teil der Reihe erstaunlich viel Kriminalfall, der aber doch gleichermaßen viel Potential ungenutzt lässt. Dafür bringen die Verantwortlichen die zentralen Figuren voran, deren Leben sich schneller ändert, als es insbesondere Franz Eberhofer recht ist. Dass vor allem er hier deutlich sympathischer dargestellt wird, als in den vergangenen Filmen, ist ein großer Gewinn, auch wenn sein Freundeskreis dafür etwas ins Hintertreffen gerät. Rudi Birkenbergers Auftritte werden Fans zwar freuen, sie zählen aber zu den schwächeren Momenten der Krimikomödie, wobei man sich fragt, weshalb Polizist Eberhofer den aggressiven Rudi überhaupt Teil der Ermittlungen werden lässt. Die Beteiligten hatten offenbar eine gute Zeit beim Dreh und das überträgt sich aufs Publikum. Steckerlfischfiasko besitzt viel Charme und Witz, so dass nicht nur Fans bei diesem starken Eintrag der Reihe sicher ihren Spaß haben werden.


