Gladiator [2000]

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5–8 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. September 2026
Genre: Monumentalfilm / Drama / Action

Originaltitel: Gladiator
Laufzeit: 155 min. (Erweiterte Fassung: 170 min.)
Produktionsland: Großbritannien / Malta / Marokko / USA
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Ridley Scott
Musik: Hans Zimmer, Lisa Gerrard
Besetzung: Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed, Derek Jacobi, Djimon Hounsou, Richard Harris, David Hemmings, David Schofield, John Shrapnel, Tomas Arana, Ralf Möller, Spencer Treat Clark, Tommy Flanagan


Kurzinhalt:

Im Jahr 180 nach Christus hat der römische Kaiser Marcus Aurelius (Richard Harris) seine letzte große Eroberung vollendet und dank Tribun Maximus Decimus Meridius (Russell Crowe) Germania eingenommen. In dem bei seinen Soldaten angesehenen Soldaten sieht der Kaiser jemanden, der über all die Tugenden verfügt, die sein eigener Sohn Commodus (Joaquin Phoenix) vermissen lässt. Der schmiedet bereits Pläne, was er nach der Thronbesteigung erreichen will. Wie Commodus seiner Schwester Lucilla (Connie Nielsen) erzählt, will er beispielsweise den Senat auflösen und die absolute Macht in Rom an sich reißen. Darum will Marcus Aurelius Maximus als seinen Nachfolger bestimmen, da er in ihm die Werte sieht, die das Römische Reich zu neuer Größe führen können. Doch dann stirbt der Kaiser überraschend und weil Maximus dem neuen Kaiser Commodus die Gefolgschaft verweigert, verstößt er ihn und lässt seine Familie ermorden. Maximus findet sich als Sklave bei dem Gladiatoren-Händler Proximo (Oliver Reed) wieder und soll in den Arenen kämpfen. Als er erfährt, dass Commodus im Kolosseum in Rom wieder Gladiatorenkämpfe veranstaltet, setzt Maximus alles daran, dort aufzutreten und dem neuen Kaiser gegenüberzutreten, damit er sich für das Unrecht an seiner Familie rächen kann …


Kritik:
Neun Jahre, nachdem er zuletzt für Thelma & Louise [1991] für den prestigeträchtigen Oscar nominiert war, präsentiert Filmemacher Ridley Scott mit Gladiator eine Geschichte, die um ein halbes Jahrhundert zu spät zu kommen scheint. Als Monumentalfilm angesiedelt zur Hochzeit des Römischen Reiches, erzählt er darin von einem Tribun, der Opfer einer Intrige wird und sich in den blutgetränkten Arenen emporkämpft, um sich zu rächen. Sichtbar aufwändig, ist das packend und eindrucksvoll, aber geradezu verkrampft stilisiert umgesetzt.

Es ist das Jahr des Herrn, 180. Der römische Tribun Maximus Decimus Meridius führt die Legionen des Kaisers zum Sieg in einer letzten großen Schlacht gegen die Germanen, um das Römische Reich auszudehnen. Dafür wird Maximus nicht nur von den Soldaten gefeiert, auch Kaiser Marcus Aurelius, der in Maximus einen Sohn sieht, erkennt in dem ehrenhaften Mann Werte, die er bei seinem eigenen Sohn Commodus vermisst. Der strebt nach Macht und will, wenn er denn einmal Kaiser ist, noch mehr an sich reißen. Doch Marcus Aurelius’ Pläne sind andere. Er will aus Rom wieder eine Republik machen und den Senat stärken, was Commodus missfällt. Darum will der Kaiser Maximus als seinen Nachfolger bestimmen, der frei von der Korruption ist, die Rom von innen heraus zerfrisst. Doch bevor der Wille des Kaisers publik wird, stirbt dieser und Maximus wird, als er Commodus die Gefolgschaft verweigert, über Umwege versklavt, seine Familie ermordet. Gekauft vom Gladiatoren-Händler Proximo, wird Maximus einzig vom Wunsch nach Rache angetrieben. Als Gladiator kämpft er sich in den Arenen in die Herzen des Publikums und soll in Rom im Kolosseum auftreten, wo er hofft, Commodus gegenübertreten zu können.

Eine große Rolle in der Erzählung nimmt Commodus Schwester Lucilla ein, deren Sohn Lucius einst Thronfolger sein wird, sofern Commodus keinen eigenen Nachfolger zeugt. Sie verbindet mit Maximus eine Vergangenheit und Gefühle, die sie ihm und sich nie gestanden hat. Auch erkennt sie, was für eine Zerstörung Commodus über das Reich bringen wird, wenn er den Senat auflöst und uneingeschränkt herrschen kann. Obwohl Gladiator daher eine Geschichte von Krieg und dem Preis desselben erzählt, von Maximus’ Rache und einer unerfüllten Liebe, die Verantwortlichen tun dies vor dem politischen Hintergrund einer Gesellschaft, die überwiegend in Armut lebt, während die Mächtigen flanieren. Und sie erzählen von der Macht des Volkes und wie wenig die Mächtigen ausrichten können, wenn sie nicht in der Gunst des Volkes stehen. Insofern entpuppt sich die Erzählung als deutlich aktueller und in gewisser Hinsicht zeitloser, mehr als 25 Jahre nach ihrem Erscheinen, als einem auf den ersten Blick ersichtlich sein mag.

Filmemacher Ridley Scott verpackt dies in überlebensgroße Bilder von riesigen Heeren, Schlachten und Kämpfen in den Arenen, teils sogar mit exotischen Tieren, die man so auf der großen Leinwand noch nicht gesehen hat. Selbst wenn er Maximus und die übrigen Sklaven hier in einer Sequenz gegen Streitwagen antreten lässt, der legendären Wagenrennensequenz aus Ben Hur [1959] versucht er nicht, Konkurrenz zu machen. Der Aufwand hinter den großen Schlachtszenen ist aber ebenso sichtbar, wie in Bezug auf die Kostüme, Bauten und die restliche Ausstattung. Sei es die Eröffnungsschlacht in Germania oder später in den Arenen, die Kulissen sind überwältigend. Zumindest, solange nicht allzu offensichtliche Trickeffekte die Illusion eines mediterranen Sonnenuntergangs zerstören oder die exzessive Benutzung von Farbfiltern die Szenerie prägen.

Scott nutzt eine stilisierte Farbpalette, um unterschiedliche Themen seiner Erzählung zu betonen. Angefangen von der emotionalen Kälte des Krieges, über die überstrahlenden Bilder des Lebens nach dem Tod, bis hin zu den satten Farben in der Arena. Das mag alles beabsichtigt sein und tatsächlich kann man anhand der Farbgestaltung erkennen, welchen Aspekt der Filmemacher in dem Moment unterstreicht. Doch das aufdringlich blaue, gelbliche oder goldene Einfärben der Bilder sorgt dafür, dass Gladiator selten eines wirkt: natürlich. Zusammen mit vielen Zeitlupen und Zeitraffern scheint die Erzählung in vielen Momenten modern, wozu auch Hans Zimmers stellenweise arg elektronisch klingende Musik beiträgt, während andere getragen und zurückgenommen wirken. Dass man die musikalischen Themen heute eher mit Fluch der Karibik [2003] verbindet, der das Leitmotiv wieder aufgreift, kann man dem Film indes kaum zum Vorwurf machen. Nicht erst mit zeitlichem Abstand wirkt die Umsetzung der monumentalen Geschichte aber bei weitem nicht so zeitlos, wie die Story an sich.

Nach seiner herausragenden Darbietung in Insider [1999] zeigt Russell Crowe als Maximus eine der besten Leistungen seiner Karriere, die ihm zurecht den Oscar einbrachte. Als Commodus auf eine geradezu unbeschreibliche Weise widerlich, ist Joaquin Phoenix dessen Figur eingangs lediglich unsympathisch erscheint, im Laufe der Erzählung aber Abgründe erkennen lässt, die einen buchstäblich erschaudern lassen. Sie führen eine namhafte Besetzung an, die der Geschichte die Authentizität zurückgibt, die der handwerklichen Umsetzung oftmals leider fehlt. Aber auch sie können kaum darüber hinwegtrösten, dass in den politischen Intrigen mehr Potential liegt, als die Erzählung nutzen möchte. Die konzentriert sich stattdessen auf den versklavten Tribun Maximus, dessen Werdegang bis zum Kampf im Kolosseum länger dauert, als er gefühlt müsste, und das nicht erst in der erweiterten Filmfassung, die keinen Director’s Cut darstellt. Wie gut die Geschichte dennoch funktioniert, sieht man aber auch nach all der Zeit immer noch, was Gladiator durchaus zu einem Tipp für Fans epischer Erzählungen macht.


Fazit:
In gewisser Hinsicht folgt Filmemacher Ridley Scott bekannten Geschichten monumentaler Erzählungen, wobei die persönlichen Momente erstaunlich rar gesät sind. Nebenfiguren wie der von Djimon Hounsou gespielte Juba werden kaum vertieft und auch das Finale kommt nicht nur überraschend schnell, sondern ist ebenso schnell auch wieder vorbei. Hier wie auch beim politischen Aspekt und den Senatsmitgliedern wäre mehr Potential vorhanden, selbst wenn Maximus dafür weniger stark im Rampenlicht stehen würde. Der nimmt auch dank einer erstklassigen Darbietung von Russell Crowe das Publikum für sich ein – auf den Rängen des Kolosseums und in den Sitzen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Die durchaus geforderte Besetzung und die erstklassige Ausstattung machen vergessen, dass Gladiator handwerklich mit Farbfiltern und Zeitlupen so sehr um eine bedeutsame Präsentation bemüht ist, dass es stellenweise vom Inhalt regelrecht ablenkt. So zeitlos die Geschichte damit ist, die Umsetzung ist es bedauerlicherweise nicht, doch tritt das in Anbetracht der epischen Schlachten und der sichtbar aufwändigen Kämpfe merklich in den Hintergrund. Zudem nimmt die Geschichte schließlich auch emotional mit, sodass sich Genrefans hier tadellos unterhalten lassen können.
 

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