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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 30. Oktober 2026
Originaltitel: George Michael: The Faith Tour
Laufzeit: 113 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 0 Jahren
Regie: David Austin, Andrew Morahan
Musik: George Michael
Personen: George Michael
Hintergrund:
Georgios Kyriacos Panayiotou, besser bekannt als George Michael, starb am 25. Dezember 2016. Frühen Erfolg feierte er als Teil des Pop-Duos Wham! in den Jahren 1981 bis 1986. Nach dessen Auflösung stellte der Sänger 1987 sein erstes Soloalbum mit dem Titel Faith vor. Vielfach preisgekrönt, erklomm das Album in den Vereinigten Staaten und Großbritannien die Spitze der Charts, ebenso wie dessen Single-Auskopplungen. Im Jahr 1988 startete George Michael seine Faith Tour genannte Welttournee. Die an zwei aufeinanderfolgenden Veranstaltungen in Paris erstellten Aufnahmen dienen als Basis für den dokumentarischen Konzertfilm George Michael: The Faith Tour, der auch nie zu vor gesehene Einblicke in die Gedankenwelt des Sängers bereithält.
Kritik:
10 Jahre nach dem viel zu frühen Tod der Popikone laden die Filmschaffenden David Austin und Andrew Morahan mit George Michael: The Faith Tour ein, ein Konzert aus seiner ersten Tour mitzuerleben, das den Platz des Künstlers am Musikhimmel zementiert hat. Nahtlos zusammengeschnitten aus zwei Aufzeichnungen der Titel gebenden Faith Tour bei deren Station in Paris im Jahr 1988, ist dies eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die die Musik des Künstlers zu schätzen wissen. Gleichzeitig unterstreichen die Verantwortlichen, was für eine unnachahmliche Wirkung diese Konzerte entfaltet haben – und was die Musikwelt mit George Michaels Tod verloren hat.
Dem vorangestellt ist ein Finding Faith betitelter Prolog, an sich ein Kurzfilm von Mary McCartney, der ein während eines Musikvideodrehs entstandenes Interview mit George Michael enthält. Darin erzählt er selbst, was ihm die Faith Tour bedeutet hat. Nach seinem Welterfolg mit der Band Wham! in den frühen 1980er-Jahren, deren Songs „Last Christmas“ oder „Careless Whisper“ bis heute unvergessen sind, löste er die Band 1986 auf und stellte mit Faith 1987 sein erstes Solo-Album vor – mit gerade einmal 24 Jahren. Wie persönlich einige dieser Songs für ihn waren, stellt er ebenso heraus, wie wie er mit dem Ruhm umgegangen ist. Er gibt dabei einen zutiefst persönlichen Einblick in seine Gedankenwelt. Diese aufschlussreichen Hintergrundinformationen sind unterlegt mit Fotoaufnahmen aus jener Zeit, ehe George Michael: The Faith Tour für den musikalischen Teil zu den am 30. und 31. Mai 1988 im Palais Omnisports de Paris-Bercy in Paris aufgezeichneten Konzerten seiner ersten Solo-Welttournee wechselt.
Noch bevor George Michael hier zu sehen ist, ist bereits die Energie zu spüren, die durch das geradezu ekstatische Publikum im Stadion entsteht, dessen Applaus wie eine Welle aufbraust und langsam wieder abebbt. Dadurch allein hat man bereits ein Lächeln auf den Lippen und es wird einem regelrecht warm, noch ehe die Bühnenshow beginnt. Die ist mit heutigen Produktionen und anderen der damaligen Zeit allerdings nicht zu vergleichen. Statt auf Spezialeffekte, riesige Leinwände oder Pyrotechnik zu setzen, wirkt die Show selbst geradezu schlicht. Doch das schmälert nicht die Stimmung, die aufkommt, als George Michael die Bühne betritt und Songs seines Solo-Albums ebenso zum Besten gibt, wie Wham!-Songs und seine Interpretation anderer Klassiker. Der junge Musiker versprüht eine Lebendigkeit und ein Temperament, dass man gar nicht anders kann, als beim Zusehen selbst mitzuwippen. Dabei zeigt er sich dicht an seinen Fans, beinahe so sehr, dass sie ihn berühren können, während diese immer wieder Geschenke auf die Bühne werfen.
Was George Michael: The Faith Tour hierbei einfängt, ist eine geradezu ansteckende, positive Stimmung, die nicht nur unterstreicht, wie sehr dieser Sänger auf der Bühne auch Entertainer war, sondern die greifbar macht, dass ein Konzert nicht aus der Band auf der Bühne und dem Publikum auf der anderen Seite der Lautsprecher besteht. Wie das Publikum hier mitsingt und mitjubelt, macht vielmehr greifbar, dass während einem Konzert Künstler und Publikum durch die Musik verbunden werden. Und selbst wenn George Michael die vielen Menschen immer wieder auffordert, sie anfeuert, er kommandiert sie nicht – es ist eine symbiotische Beziehung, abseits einer blinden Markenergebenheit, wie man sie heute oftmals vorfindet. So sehr die Zuhörerinnen und Zuhörer darum auch von ihm hingerissen scheinen, das Konzert entwickelt nicht den Personenkult, der heutige Veranstaltungen oftmals prägt. Diese gemeinschaftliche Feier der Musik zwischen Sänger und Publikum zieht sich dabei sowohl durch die schnellen wie auch durch die langsamen Songs, von denen Fans viele auch heute noch wiedererkennen werden.
Dass die Bildqualität von George Michael: The Faith Tour mit heutigen Konzertaufnahmen nicht mitzuhalten vermag, ist keine große Überraschung. Naturgemäß dunkel, sieht man den stellenweise überraschend scharfen, dann auch wieder undeutlichen Aufnahmen an, wann sie entstanden sind. Doch das schmälert das Erlebnis nicht. Ein wenig schade ist allenfalls, dass der Ton zwar wirklich gut abgemischt ist, aber insgesamt sehr frontlastig ausfällt. So hat man weniger das Gefühl, man wäre Teil des Publikums und inmitten der Menge, wenn die Lautstärke nicht hoch genug ist. Aber auch hier darf man nicht vergessen, zu welcher Zeit die Aufnahmen entstanden sind. Wie viel Mühe sich die Verantwortlichen tatsächlich gegeben haben, sieht man außerdem daran, wie erstklassig der Konzertfilm geschnitten ist. Wie bereits gesagt, stammen die Aufnahmen aus zwei Konzerten an aufeinanderfolgenden Tagen. Die wechseln sich aber nicht nur von Song zu Song ab. Um die Darbietung aus unterschiedlichen Blickwinkeln darstellen zu können, werden die Aufnahmen stellenweise innerhalb der Songs aus beiden Abenden abgewechselt, was man an der Kleidung des Sängers sehen kann. Sei es ein unterschiedlicher Gürtel, den er trägt, oder dass er in manchen Einstellungen Handschuhe trägt, nach einem Schnitt auf eine andere Perspektive aber keine. Dies geschieht so nahtlos, mitunter von einem Klatschen zum nächsten, bleibt gleichzeitig aber absolut synchron mit der Musik, dass man sich kaum vorstellen kann, welcher Aufwand hier betrieben wurde. Es ist schlicht beeindruckend.
So vergehen die beinahe zwei Stunden wie im Flug und man würde sich allenfalls wünschen, die Verantwortlichen würden das Konzert in voller Länge präsentieren. Für diejenigen, die diese Zeit erlebt haben, ist es wie ein Besuch in einer verblassten Erinnerung. Für alle anderen eine Möglichkeit, diesem Künstler näherzukommen, der trotz seiner Schwächen und Konflikte nicht von ungefähr früh in seinem Leben zu einer Popikone wurde. Weshalb dem so war, kann man hier nicht nur sehen – man kann es nacherleben.
Fazit:
In gewisser Hinsicht fühlt sich der Konzertfilm von David Austin und Andrew Morahan an wie eine Zeitkapsel. Der Bildqualität mag man stellenweise ihr Alter ansehen und auch der Ton ist nicht ganz so immersiv, wie es bei heutigen Konzertaufnahmen der Fall ist. Doch treten diese Aspekte in den Hintergrund, wenn man sieht, wie diese vielen Menschen im Stadion eins werden mit dem Künstler, dessen Energie sich ebenso auf sie übertragt, wie er sie aus dem Publikum zu speisen scheint. Das versprüht eine uneingeschränkt positive Atmosphäre, noch bevor auch nur eine Note zu hören ist. Friedlich und inspirierend, wirkt diese Energie geradezu ansteckend und überträgt sich auch auf das heutige Publikum. Um einen persönlich anmutenden Einblick zu Beginn erweitert, ist das toll zusammengestellt und nahtlos wie großartig aus den beiden Konzerten zusammengeschnitten. So gerät George Michael: The Faith Tour nicht nur zu einer einmaligen Möglichkeit, diesen Künstler zu erleben, der viel zu früh verstorben ist, der Konzertfilm ist gleichzeitig ein Denkmal für die Musik, die er so nachhaltig geprägt hat. Für Fans ist das an sich ein Muss – aber auch eine Empfehlung für diejenigen, die es werden wollen.


