Beware Boiúna [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. September 2026
Genre: Horror

Originaltitel: Beware Boiúna
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Mike P. Nelson
Musik: Stephen Lukach
Besetzung: Jessica Rothe, Logan Marshall-Green, Juan Pablo Shuk, Will Close, Jaime Newball, Kiana Madeira, Jackson Bews, Vicente Peña, Mateo Moreno, Christophe de Geest, Nelson Camayo


Kurzinhalt:

Tief im Amazonasgebiet unterstützen die Medizinstudentin Allison (Jessica Rothe) und ihr Kommilitone Callum (Will Close) den Arzt Miguel (Juan Pablo Shuk), der auf einem Flussdampfer die verschiedenen Siedlungen mit Medikamenten versorgt. Ebenfalls an Bord sind Kapitän Raúl (Jaime Newball) und Mechanikerin Lena (Kiana Madeira). Die Menschen, die ihnen begegnen, sind skeptisch, haben Fremde in der Vergangenheit doch meist Leid und Zerstörung gebracht. Dasselbe vermuten Lena und die anderen auch von Brennan Malloy (Logan Marshall-Green), der mit seinem Bruder Shawn (Jackson Bews) und einer kleinen Besatzung an derselben Siedlung andockt. Kurze Zeit später sehen sie alle sich einer ungeahnten Gefahr gegenüber, einer riesigen Schlange, von den Einheimischen Boiúna genannt. Sie gilt als Hüterin des Gleichgewichts im Dschungel, sie entscheidet, wer lebt und wer stirbt – und sie ist durch Nichts aufzuhalten …


Kritik:
Mike P. Nelsons Beware Boiúna ist vermutlich der beste Monsterhorrorfilm um eine Riesenschlange im Amazonas, der es bislang auf die große Leinwand geschafft hat. Das ist für sich genommen zwar noch nicht allzu aussagekräftig, aber man muss es den Verantwortlichen zugutehalten, dass sie darum bemüht sind, das sagenumwobene Reptil in einer ernsthaften Geschichte in Szene zu setzen. Doch so gut gelungen das authentische Dschungelflair ist, die Story krankt an Nebenhandlungen, die nirgendwo hinführen und Dialogen, bei denen man am liebsten weghören möchte.

Im Herbst des Jahres 2024 befindet sich das Medizinische Versorgungsschiff R.R. Hermes auf einer Fahrt entlang dem Amazonas. An Bord ist neben Kapitän Raúl und Mechanikerin Lena auch der Arzt Miguel und zwei Volontäre, Callum und Allison. Sie müssen feststellen, dass im Dschungel nicht nur tierische Gefahren lauern, sondern dass die Einheimischen, denen sie medizinische Vorräte vorbeibringen, sie nicht in dem Maße willkommen heißen, wie sie es erwarten würden. Zu sehr sind sie von Erfahrungen mit Fremden gebrandmarkt, die als Wilderer oder Goldgräber Tod und Zerstörung brachten. Auch heute noch säumen illegale Goldschürfanlagen den Fluss. Bei einem Stopp treffen Allison und die anderen auf Brennan Malloy, seinen Bruder und ihre Helfer, die zwar nicht verraten, was sie so tief im Dschungel vorhaben, deren illegale Absichten aber nicht zu übersehen sind. Kurz darauf sehen sich beide Besatzungen im Rio Curuçá einer mystischen Kreatur gegenüber: Boiúna. Es heißt, dass die riesige Schlange für das Gleichgewicht im Dschungel sorgt, aber für die Besatzungen der beiden Boote beginnt ein Kampf ums Überleben.

Mit wem es die Figuren tatsächlich zu tun bekommen werden, nimmt die Erzählung in den ersten Minuten bereits vorweg, in denen Videoaufnahmen einer Razzia eines illegalen Goldgräbercamps zu sehen sind, bei der die Riesenschlange auftaucht. Was im ersten Moment scheint wie ein unnötiger Teaser, wird später zumindest insofern wieder aufgegriffen, wenn zwei Personen daraus nochmals auftreten. Bis zum nächsten Auftauchen der Titel gebenden „großen Schlange“, wie Boiúna im realen Volksglauben auch genannt wird, dauert es erstaunlich lange. Regisseur Nelson nimmt sich hier ein Beispiel an Der weiße Hai [1975] und lässt sein Publikum lange im Unklaren ob des Aussehens und der schieren Größe seines Monsters. Doch statt diese Zeit zu nutzen, um seine Figuren nachhaltig zu entwickeln, bleiben diese mit einer Ausnahme auf dem Stand der ersten Minuten stehen. Über Arzt Miguel erfährt man gar nichts, über Callum, dessen Sprüche offenbar für Aufheiterung sorgen sollen (was höchstens einmal gelingt), nicht mehr, als dass er mit Lena ausgehen möchte und über Allison überhaupt nichts. Auch die zweite Crew um Brennan wird nicht wirklich vorgestellt oder bekommt gar etwas zu tun. Stattdessen gibt es einen kurzen Spannungsmoment mit einem Kaiman, der in völlig absehbaren Bahnen verläuft, und eine Nebenhandlung, deren Inhalt hier nicht verraten werden soll, die aber am Ende nirgendwo hinführt.

Dabei gäbe es darin durchaus Potential, zwei Figuren gemeinsam ums Überleben kämpfen zu lassen, die an sich unvereinbar verfeindet sind. Kurzzeitig sieht es gar so aus, als wollte Beware Boiúna diese Richtung einschlagen, ehe neue Personen auftauchen, die überhaupt rein gar nichts tun dürfen. So gerät der Monsterhorror vor allem eines nicht: spannend. Denn wenn das Publikum nicht wirklich in die Charaktere im Zentrum investiert ist, es einen also nicht berührt, was mit ihnen geschieht, kann einen das Gezeigte nicht wirklich mitnehmen. Dabei macht Regisseur Mike P. Nelson in einer längeren Sequenz reinen Tisch, so dass kaum noch Figuren übrig bleiben, anstatt diese nach und nach auf die Speisekarte der Riesenschlange zu setzen. Dadurch versandet aber auch sein Versuch, wie bei Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt [1979] die Zuseherinnen und Zuseher im Unklaren darüber zu lassen, wer denn letztlich die Hauptfigur sein wird, die sich der Schlange in den Weg stellt. Denn – so viel sei verraten – die Figur, die in der ersten Filmhälfte die meisten Dialogzeilen zugeschrieben bekommt, ist es nicht.

Diese Idee, den Fokus der Erzählung zu verschieben, kann man bei Beware Boiúna durchaus anerkennen, auch wenn sie auf Grund des kurz hintereinander erfolgenden Ablebens der allermeisten Personen kaum genutzt wird. Ähnlich ergeht es der Einbindung der Mythologie um das riesige Reptil und die indigene Gemeinschaft der Yagua. Das Drehbuch ist hier offenbar bemüht, eine geerdete und doch mystische Hintergrundgeschichte zu etablieren, aber die Aspekten der Goldgräber oder der Ausbeutung der Einheimischen durch Fremde werden gar nicht mehr aufgegriffen. Dafür werden reihenweise Personen dahingerafft, meist im Ganzen verspeist, während die Kameraführung in den actionreichen Szenen so wackelig gerät, dass man keinen wirklichen Eindruck davon bekommt, wer sich wo befindet oder was gerade geschieht. Wirkt die Atmosphäre dank der Landschaftsaufnahmen immens authentisch, immerhin wurde tatsächlich in Kolumbien gedreht, erscheint dieser Anflug von dokumentarischem Realismus ebenso unangebracht wie ziellos. Umso mehr, da die Trickeffekte gerade bei der Riesenschlange an sich durchaus gelungen sind. Das dürfte dafür sorgen, dass Monsterhorrorfans trotz der Schwächen wenigstens auf ihre Kosten kommen werden.


Fazit:
Statt einen Edeltrash oder eine Meta-Komödie zu inszenieren, versucht Filmemacher Mike P. Nelson, aus der Idee einer Riesenschlange im Amazons einen ernstgemeinten und ernst zu nehmenden Monsterhorror zu erzählen. Wenn nichts anderes, beweist er hier, dass das durchaus möglich ist bzw. wäre. Der größere Horror ist allerdings der Dschungel selbst mit Larven, die unter der Haut schlüpfen, riesigen Insekten oder matschigem Treibsand. Dagegen wirkt das gigantische Reptil beinahe wie ein Gegner, mit dem man es aufnehmen könnte. Die Aussagen der Story selbst in Bezug auf Kolonialismus und Ausbeutung gehen bei alledem vollkommen unter und wer glaubt, dass die letztendliche Hauptfigur in Anbetracht dessen, was sie alles durchlebt, eine wirkliche Entwicklung erfährt, wird auch diesbezüglich enttäuscht. Schon aus dem Grund hätte es eine ganze Nebenhandlung gar nicht gebraucht. Beware Boiúna weiß mit seinen Zutaten merklich wenig anzufangen, weshalb die meisten Personen der Schlange in immens kurzer Zeit zum Opfer fallen. Der Rest ist, von der wackeligen Inszenierung der Action abgesehen, ordentlich umgesetzt, mit einem greifbaren Dschungelflair, nur so gut wie nie mitreißend oder packend. Bei den klischeebeladenen Dialogen sollte man zudem lieber stummschalten. Genrefans dürften immerhin unterhalten werden.
 

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