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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 4. Oktober 2026
Originaltitel: Please Don’t Feed the Children
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2024
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Destry Allyn Spielberg
Musik: Cornel Wilczek
Besetzung: Michelle Dockery, Zoe Colletti, Andrew Liner, Dean Scott Vazquez, Regan Aliyah, Joshuah Melnick, Emma Meisel, Giancarlo Esposito, Vernon Davis
Kurzinhalt:
Ein Virus, das Menschen in Kannibalen verwandelt, hat einen Großteil der erwachsenen Bevölkerung ausgelöscht. Da nur wenige Kinder krank wurden, war vermutet worden, dass diese für die Übertragung des Virus verantwortlich sind. Alle Erwachsenen, die Symptome der unheilbaren Erkrankung zeigen, werden getötet. Die Teenagerin Mary (Zoe Colletti) wurde, wie alle anderen Kinder, in ein Lager gesteckt, doch ihr gelang die Flucht. Seitdem versucht sie, ungesehen von der patrouillierenden Polizei, einen Weg zur Grenze zu finden, in der Hoffnung, dass es woanders besser ist. Auf ihrem Weg dorthin begegnet sie dem Jugendlichen Jeffy (Dean Scott Vazquez), der sich ihr zusammen mit seiner Schwester Vicky (Regan Aliyah) und den Teenagern Ben (Andrew Liner), Seth (Joshuah Melnick) und Crystal (Emma Meisel) Mary anschließt. Auf dem Weg wird Ben aber verletzt und da ihnen das Benzin ausgeht, suchen sie notgedrungen in einem abgelegenen Haus Hilfe. Dort treffen sie auf die Krankenschwester Clara (Michelle Dockery), die sich bereiterklärt, Ben zu versorgen. Doch bald schon müssen die Jugendlichen erkennen, dass Clara eigene Pläne verfolgt – und sie Vorkehrungen getroffen hat, dass niemand das Haus wieder verlassen wird …
Kritik:
In ihrem Spielfilmregiedebüt versucht sich Filmemacherin Destry Allyn Spielberg, Tochter von Regielegende Steven Spielberg, an einer Horrorgeschichte, die mehrere Ideen des Genres kombiniert. Darin findet sich eine Gruppe von Jugendlichen in einem Haus wieder, deren Besitzerin Düsteres im Schilde führt. So bekannt, wie sich die Ausgangslage anhört, ist A Quiet House schließlich auch und setzt am Ende auf eine Mythologie, die zuvor nicht wirklich vorgestellt wird. Das ist im besten Fall durchwachsen, überwiegend aber enttäuschend.
In Nachrichtenbeiträgen, die eingangs zu hören sind, heißt es, dass ein Virus ausgebrochen ist, das Menschen in Kannibalen verwandelt. Millionen haben ihr Leben verloren, da es keine Heilung gibt. Zunächst wurden die Erwachsenen krank und nur wenige Kinder, weshalb man vermutete, dass Kinder für die Übertragung verantwortlich sind. Sie wurden in Lager gesteckt, damit die Erwachsenen ihr Leben weiterleben konnten. Aus einem dieser Lager ist Teenagerin Mary ausgebrochen, die sich auf den Weg zur Grenze aufgemacht hat, in der Hoffnung, dass es woanders besser ist, als hier. Doch ohne einen Erwachsenen, der mit ihr reist, wird sie keinen Bus zur Grenze betreten können und die Polizei ist am Busbahnhof überall präsent. Dort trifft sie auf den Jungen Jeffy, der sie zu einem Versteck mitnimmt, in das sich Jeffy mit seiner Schwester und ein paar anderen Jugendlichen zurückgezogen hat. Da die Polizei hinter ihnen her ist, machen sie sich gemeinsam auf, Mary zur Grenze zu begleiten, doch kurz darauf stranden sie ohne Benzin mitten im Nirgendwo. In einem nahegelegenen Haus treffen sie auf die Krankenschwester Clara, die anbietet, den verletzten Ben zu behandeln. Doch wie sie feststellen müssen, ist Claras Hilfsbereitschaft nur vorgeschoben. Es beginnt ein Alptraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Die Ausgangslage, in der sich Jugendliche in der Gewalt einer fremden Person in deren Haus wiederfinden, klingt, als hätte man sie bereits unzählige Male gehört. Nicht zuletzt in dem durch seine erstklassigen Dialoge veredelten Heretic [2024]. Aber wie sich die Jugendlichen hier unterhalten, klingt weder aus dem Leben gegriffen, noch, als wären sie tatsächlich bereits seit Monaten oder Jahren auf sich gestellt in einer Welt, in der die Erwachsenen sie verstoßen haben. Vielmehr bleiben die Dialoge in A Quiet House durchweg so vorhersehbar wie platt. Wenn die Teenager an sich schockiert sein sollten, rufen sie hier, kein Witz nach ihrer „Mami“ und wenden sich unentwegt gegen sich, anstatt dass sie zusammenarbeiten würden, um Clara die Stirn zu bieten. Die scheint ihnen ständig überlegen, selbst wenn sie ein Gewehr, mit dem sie sie bedroht, nicht auf sie gerichtet, sondern nur über die Schulter gehängt hat. Michelle Dockery zeigt in der Rolle die einzig sehenswerte Darbietung des gesamten Films, schwankt als Clara zwischen einer ruhigen, durchaus beängstigenden Bedrohung und geradezu psychotischem Verhalten. Aber weder ergibt, wie sie reagiert, in der jeweiligen Situation einen nachvollziehbaren Sinn, noch bedingt, was in einem Moment geschieht, wie sie im nächsten reagiert. Die schauspielerische Leistung wirkt daher vollkommen unfokussiert, als wäre sie, was die Filmemacherin in den jeweiligen Szenen von ihr verlangt hat, ohne dass sich das aus der Story ergibt.
Das passt insofern ins Bild, da beispielsweise auch die übrigen Figuren immer dann einen Gegenstand finden, wenn sie ihn benötigen. Abgesehen davon, dass die von Clara eingesperrten Jugendlichen lange gar nicht versuchen, aus ihrer Gefangenschaft zu fliehen oder sich in dem Raum, in dem sie gefangen gehalten werden, umzusehen, tun sie es doch, finden sie eine Taschenlampe, die sie im nächsten Moment verwenden können. Kurz darauf begegnet ihnen eine Streichholzschachtel, die sie ebenfalls brauchen und wenig später die Schlüssel, die bequemerweise genau dort liegen, wo sie hinsehen. Nichts hiervon wird über längere Zeit vorbereitet, sondern immer dann vorgestellt, wenn es wichtig wird. Dass sich A Quiet House außerdem nicht die Zeit nimmt, das Titel gebende Haus wirklich zu erkunden oder anfangs vorzustellen, so dass man genau einschätzen könnte, wo sich die Figuren befinden, ist schlicht eine verpasste Chance. Man denke daran, wie meisterhaft Panic Room [2002] die begrenzten Räumlichkeiten für sich genutzt hat. Ein solch beklemmendes Gefühl kommt hier nie auf, was auch daran liegt, dass selbst das Haus alles bereithält, was die Story verlangt, ohne es zu erklären. Sei es ein Behandlungszimmer, das Krankenschwester Clara offenbar mit allerlei medizinischen Geräten zuhause pflegt, oder besondere Räumlichkeiten im Keller, die beim Bau des Hauses angebracht scheinen, auch wenn es dafür keine Erklärung gibt.
Dass ein Horrorfilm seine Mythologie nicht bis ins letzte Detail preisgibt, ist kein Kritikpunkt und kann, ganz im Gegenteil, sogar dafür sorgen, dass das Unbekannte umso unheimlicher erscheint. Doch die Hintergrundgeschichte um das Kannibalen verursachende Virus wirkt hier, als wäre sie ein notwendiges Übel, um die eigentliche Story in Gang zu bringen. Ausgearbeitet oder wirklich durchdacht erscheint sie nicht. Dass die Produktion mit Herausforderungen zu kämpfen hatte und Filmemacherin Spielberg hier in Spielfilmregiedebüt feiert, mag man ihr zugutehalten, das erklärt aber nicht, weshalb viele Szenenübergänge rau wirken, als würden Einstellungen fehlen, oder weshalb die Ideen selbst lange absehbar sind. Kein einziger unheimlicher Moment verläuft wirklich überraschend, keine Sequenz endet unvorhergesehen. So gerät A Quiet House vor allem eines nicht, spannend. Und wenn sich die Klischees im letzten Drittel häufen, fragt man sich vielmehr, was einem all das sagen soll. Nun, das sprechen die Verantwortlichen in den letzten Moment tatsächlich aus, damit die „Botschaft“ ja nicht untergeht. Wirklich Sinn ergibt das am Ende aber trotzdem nicht.
Fazit:
Nimmt Mary für Clara einen Platz ein, den ein unermesslicher Verlust hinterlassen hat, könnte die Geschichte von Destry Allyn Spielbergs Psycho-Horror-Film, der für einen Streaminganbieter produziert wurde, die Richtung eines packenden Thrillers mit einem tragischen Kern einnehmen. Umso mehr, da sich Clara stellenweise seltsam, beinahe surreal bewegt. Doch diese Idee wird eingestreut, ohne wirklich weiterverfolgt zu werden, während das Finale die eingangs erläuterten Umstände wieder aufgreift, die dazwischen gar keine Rolle gespielt haben. Es ist, als wären hier zwei Ideen zusammengeworfen worden, ohne sie wirklich miteinander zu verzahnen. Dass vor allem in der ersten Hälfte viele Dialogzeilen aus dem Off eingesprochen werden, ohne dass die Personen, die sie aussprechen, zu sehen sind, suggeriert, dass diese Dialoge nachträglich eingefügt wurden. Einzig in einer langsam aufgebauten Sequenz, die wie ein Genrefilm aus den 1970er-Jahren eingefangen ist, lässt A Quiet House das Potential erkennen, das in der handwerklichen Umsetzung steckt. Aber selbst interessante Einfälle enden absehbar und jedes nur erdenkliche Klischee wird aufgegriffen – bis hin zu einer scheinbar ohnmächtigen Figur, die auf dem Boden liegt, dann aber die Augen öffnet, wenn die übrigen Personen den Raum verlassen haben. Unnötige Traumsequenzen, eine buchstäblich in den letzten Minuten eingestreute emotionale Bindung zwischen zwei Figuren und eine vermeintlich überraschende Auflösung, die Genrefans bereits beim Verschwinden des ersten Mitglieds der Gruppe werden kommen sehen, runden den Eindruck eines unerwartet einfallslosen Horrorfilms ab. Vielleicht sieht das Publikum hier ein frühes Werk einer Regisseurin, der man nicht zuletzt auf Grund ihres Vaters zutraut, dass sie deutlich bessere Filme drehen wird. Auf Grund der ausbleibenden Spannung ist das trotz ein paar netter Schreckmomente trotz des nicht allzu hohen Budgets jedoch eine Enttäuschung. Schade.


