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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 8. September 2026
Originaltitel: Runner
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: Australien
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Scott Waugh
Musik: Charlie Nguyen Kim
Besetzung: Alan Ritchson, Owen Wilson, Rodrigo Santoro, Leila George, Adriana Barraza, Sullivan Stapleton, Peta Sergeant, Geraldine Hakewill, Goran D. Kleut
Kurzinhalt:
Der ehemalige Navy Seal-Veteran Hank Malone (Alan Ritchson) ist in Brisbane, Australien, als Kurier der besonderen Art tätig. Er transportiert alles Mögliche, seien es betrunkene Politiker oder das Hab und Gut eines Scheidungsstreits. Insofern ist es für Hank nichts Ungewöhnliches, als sein Vermittler Iggy ihn am Telefon bittet, ein sensibles medizinisches Paket vom Flughafen abzuholen. Das jedoch wird von Kurier Ben Bishop (Owen Wilson) begleitet, der einen Organtransport in ein Krankenhaus in der Stadt bringen soll. Die Mutter Kate (Leila George) des erst sieben Jahre alten Mädchens, welches das Organ mit einer seltenen Blutgruppe erhalten soll, kann ihr Glück kaum fassen. Doch dann bemerkt Hank die Jeeps, die ihnen folgen und in einer Seitenstraße werden sie eingekeilt und von dem Kartellanführer Damian Zaldívar (Rodrigo Santoro) zur Herausgabe der unschätzbar wertvollen Transportbox gezwungen. Hank kann fliehen, aber Damian und seine Schergen sind ihm nicht nur stets dicht auf den Fersen, sondern scheinen auch zu wissen, wohin sie unterwegs sind. Dabei läuft nicht nur Damian die Zeit davon, denn nach einer gewissen Zeit ist das entnommene Organ unbrauchbar. Auch Hank und Ben wissen, wie dringend ihre Empfängerin auf das Spenderorgan wartet …
Kritik:
Hauptdarsteller Alan Ritchson ist mit Leichtigkeit ein derart überlebensgroßer Held und die Ausgangslage von Runner derart dankbar, ihn als solchen in Szene zu setzen, dass es umso mehr enttäuscht, wie leichtfertig Regisseur Scott Waugh all dies verspielt. Dabei wartet seine Actionkomödie zumindest mit einem unterhaltsamen ersten Drittel auf und gerät nie langweilig. Packend ist es aber selten und zum Finale hin entgleist die Erzählung schließlich vollends. Genrefans kommen zwar noch auf ihre Kosten, aber das allein reicht am Ende kaum aus.
Ritchson schlüpft in die Rolle von Hank Malone. Der ehemalige Navy Seal lebt inzwischen in Brisbane, Australien, und verdient sich seinen Lebensunterhalt als sogenannter Runner, ein Kurier, der alles Mögliche transportiert, wobei was er von A nach B bringt, nicht immer ganz legal sein muss. So skurril manche seiner Aufträge sein mögen, was sein Vermittler Iggy ihm als nächstes telefonisch ankündigt, klingt im ersten Moment nicht ungewöhnlich. Hank soll ein wichtiges, medizinisches Paket am Flughafen abholen und zu einer bestimmten Adresse bringen. Doch am Flughafen angekommen, sieht er sich dem Kurier Ben Bishop gegenüber, der den aus Honolulu stammenden Organtransport begleitet. Ben sagt, er kann die Kühlbox mit der Leber darin nicht aus der Hand geben und weist Hank an, ihn in ein Krankenhaus in der Stadt zu bringen. Dass dieses an einer anderen Adresse liegt als diejenige, die Iggy Hank gegeben hat, verbuchen beide als Missverständnis. Doch dann bemerkt Hank zwei schwarze Jeeps mit getönten Scheiben, die ihnen folgen, und kurz darauf müssen er und Ben erkennen, dass offenbar jemand anderes ebenfalls Interesse an dem Spenderorgan hat. Dahinter steht niemand geringeres als der dem Verbrecherkartell angehörende Damian, der bereit ist, alles zu tun, um das Organ zu bekommen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem Hank und Ben nicht nur auf Grund der Waffen starrenden Überzahl, der sie sich gegenübersehen, unter Druck geraten. Die Kühlbox hält nur eine bestimmte zeitlang kühl und die Uhr tickt.
Wofür Hank und Ben die Strapazen auf sich nehmen, wenn sie sich vermummten Schergen entgegenstellen, die sie ins Visier genommen und zur Herausgabe des Organs aufgefordert haben, verrät der Film relativ früh. Die siebenjährige Ellie Baker ist so schwer erkrankt, dass sie ohne die Organspende sterben wird. Sie hat jedoch die seltenste Blutgruppe weltweit, was ihre Chancen zusätzlich reduziert. Dass ein Organ zur Verfügung stehen soll, scheint wie ein Geschenk des Himmels, das sich für Hank und Ben in einen Alptraum verwandelt. Die Ausgangslage vermittelt damit bereits früh, wie viel hier auf dem Spiel steht und wie Hank selbst sagt, ist er niemand, mit dem man sich anlegen sollte. Runner stellt ihn als jemanden vor, der nach einer schwierigen Zeit seinen Weg wieder gefunden hat. Ein Jahr ist er inzwischen trocken und hat gerade seine Plakette der anonymen Alkoholiker erhalten. Auch privat hat er einen Schicksalsschlag erlitten, der aber letztlich ebenso wenig eine Rolle in der Geschichte spielt, wie eine andere Person seiner Vergangenheit, die Hank ohne Not in die Ereignisse verwickelt. Immerhin umgeht das Drehbuch das eine Klischee, Hanks Vergangenheit als Druckmittel gegen ihn zu verwenden. Davon abgesehen greift die Erzählung aber viele Klischees auf, so dass man den Ablauf einzelner Szenen und der vermeintlich großen Überraschungen beim Finale lange kommen sieht.
Das wäre auch nicht weiter schlimm und würde den Unterhaltungswert nicht nachhaltig schmälern, wäre Runner so mitreißend inszeniert, dass man keine Zeit hätte, darüber nachzudenken. Zumindest Komponist Charlie Nguyen Kim gibt sich insofern Mühe, das Publikum mit einem Score abzulenken, der selbst in jeder ruhigen Minute mit einer übertriebenen Lautstärke und basslastigen Themen Tempo suggeriert. Das ist nicht nur unnötig und aufdringlich, sondern zusammen mit zwei großen Actionszenen, die zudem mit je einem Rocksong unterlegt sind, derart unpassend, dass man sich kaum vorstellen mag, wie der Actionfilm mit einer anderen musikalischen Untermalung klingen würde. Die würde aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Figuren der Geschichte zunehmend abstrus verhalten. Sei es, dass Polizisten hier mit Sirenen zu einem Einsatz fahren, bei dem von Schusswaffengebrauch berichtet wurde, nur um ohne Deckung auszusteigen und gleich erschossen zu werden. Oder dass Ermittler einem unbekannten Zivilisten telefonisch Ermittlungsgeheimnisse durchgeben bzw. dass ein Zivilist schimpfend an einen auf einer Straße stehenden Jeep herantritt – neben dem eine Leiche auf dem Boden liegt – nur um dann auch erschossen zu werden. Wenn das nicht reicht, gibt es hier auch noch Fußball spielende Kinder, die lieber dichter rangehen, anstatt zu fliehen, wenn sie Schüsse hören.
Die Liste ließe sich lange fortführen und mündet in einem Finale, bei dem ebenfalls viel geschossen wird und zahlreiche Zivilisten ins Kreuzfeuer geraten, bei dem aber auch Nebenfiguren zu Actionhelden werden, zu denen das schlichtweg gar nicht passen mag. Was Scott Waugh hier präsentiert, wirkt derart abstrus und an den Haaren herbeigezogen, man kann sich nur verwundert die Augen reiben. Das umso länger, da sich der letzte Kampf endlos hinzieht und keinen Abschluss findet. Wie auch bei den Actionszenen zuvor sieht man Runner durchaus den Aufwand an, der in diesen Abschnitten steckt. Aber die schnellen Schnitte und die ganz offensichtlich computergestützten Bilder, die auch bei den teils langen Kamerafahrten zum Einsatz kommen, machen es schwer, sich wirklich darauf einlassen zu können. Das ist, man kann es nicht anders sagen, schlichtweg schade.
Fazit:
Die Ausgangsidee ist derart einladend und mit Alan Ritchson die Hauptfigur so treffend besetzt, man kann sich ab den ersten Minuten förmlich vorstellen, in welche Richtung sich das entwickeln wird. So weltfremde Entscheidungen beide auch treffen, sogar das Buddy-Gespann mit Owen Wilson funktioniert, selbst wenn das anfangs etwas aufgesetzt wirkt. Aber nicht nur die überzogen bösen Schurken, die um des Tötens willen hier töten, wirken unbeholfen eingearbeitet. Hauptfigur Hank wird mit so vielen Traumata versehen, dass man vermuten würde, die würden irgendwann eine Rolle spielen, doch dem ist nicht so. Nur, weshalb sind sie dem Drehbuch dann so wichtig? Das weiß offenbar zudem nicht, wie es die eigentlich einfache Story zu einem vernünftigen Abschluss bringen soll, weshalb nicht nur viele Klischees aufgegriffen werden, sondern ein Finale präsentiert wird, das sich lange hinzieht und inhaltlich immer noch abstruser wird. Runner mag nie langweilig sein und die Actionszenen besitzen für Genrefans durchaus ihren Reiz, aber sie sind zunehmend fahrig umgesetzt und so offensichtlich um computergenerierte Elemente ergänzt, dass sie mehr wie ein Videospiel, denn ein wirklicher Film wirken. So mäßig daher die Umsetzung, mit der Figur kann man sich durchaus eine weitere Geschichte vorstellen. Die sollte aber sowohl inhaltlich mehr aus einem Guss wirken als auch bei der Inszenierung.


