Verity – Dunkle Geheimnisse [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. September 2026
Genre: Thriller / Krimi

Originaltitel: Verity
Laufzeit: 114 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Michael Showalter
Musik: Volker Bertelmann
Besetzung: Anne Hathaway, Dakota Johnson, Josh Hartnett, Ismael Cruz Córdova, Brady Wagner, Irina Dvorovenko, K. K. Moggie, Michael Abbott Jr.


Kurzinhalt:

Die in New York lebende Autorin Lowen Ashleigh (Dakota Johnson) hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, doch bei einer Lesung sind nicht einmal eine Handvoll Zuhörerinnen anwesend. Ihr Agent Corey (Ismael Cruz Córdova) bittet sie zu einem Termin mit dem Verlag, bei dem auch Jeremy Crawford (Josh Hartnett) anwesend ist. Dessen Ehefrau Verity (Anne Hathaway) ist die erfolgreichste Autorin der Welt und ihre Fans warten sehnsüchtig auf ihr neuestes Werk. Da die Arbeit daran nicht vorankommt, wird Lowen engagiert, Verity zu unterstützen. In ihrem abgelegenen Anwesen in Vermont angekommen, muss Lowen erkennen, dass Verity nie wieder schreiben wird. Nach einem Autounfall ist sie pflegebedürftig, kann weder sprechen, noch schreiben und ist nicht einmal ansprechbar. Aber sie hat viele Notizen und Entwürfe hinterlassen. Einer davon betrifft ihre Autobiografie, in die sich Lowen einliest. Darin erzählt Verity von dem Bootsunfall, bei dem ihre Tochter ums Leben kam. Einzig deren Zwillingsbruder hat überlebt. Die Autobiografie erlaubt einen Blick in einen abgründigen Charakter, der Lowen zunehmend schockiert. Und immer wieder hat sie das Gefühl, Verity würde sie beobachten …


Kritik:
Basierend auf der erfolgreichen, gleichnamigen Romanvorlage von Colleen Hoover aus dem Jahr 2018 erzählt der Thriller Verity – Dunkle Geheimnisse von menschlichen Abgründen und stellt dabei in Frage, was real ist und was nicht. Prominent besetzt und routiniert in Szene gesetzt, wird ein Publikum ohne große Thrillererfahrung hier vielleicht überrascht werden. Alle anderen werden nur sporadisch spannende Unterhaltung vorfinden, die wenigstens eine Wendung davon entfernt ist, so unvorhersehbar zu sein, wie die Verantwortlichen überzeugt sind, sie wären es.

Die Geschichte beginnt mit einem kurzen Prolog, in dem Verity Crawford als die erfolgreichste Autorin der Welt vorgestellt wird. Bekannt ist sie insbesondere für ihre Reihe „Die noblen Tugenden“, düstere Thriller, die die Abgründe der menschlichen Seele ausloten und allesamt aus der Perspektive der Täter erzählt sind. Ein Jahr später wird die nur wenig erfolgreiche Autorin Lowen Ashleigh zu einem Treffen mit ihrem Agenten und dem Verlag gerufen. Dort wird ihr nach Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung ein Angebot unterbreitet. Für ein stolzes Honorar soll sie einer bekannten Autorin helfen, ihr aktuelles Manuskript fertigzustellen und darüber hinaus zwei weitere Romane. Es handelt sich um niemand geringeren als Verity Crawford, deren Mann Jeremy bei der Besprechung sogar anwesend ist. Da Verity viele Notizen und Entwürfe gesammelt hat, müsste Lowen für die Vorarbeit zu ihr und Jeremy ziehen, in ein abgelegenes Haus im verschneiten Vermont. Dort angekommen, erfährt Lowen, wie es tatsächlich um Verity steht und weshalb sie ihre Bücher nicht selbst schreiben kann. Nach einem Autounfall in einem katatonischen Zustand, ist sie weder ansprechbar, noch kann sie sich bewegen. Lowen beginnt, sich in Veritys Notizen einzuarbeiten und stößt auf ein autobiografisches Manuskript der Erfolgsautorin. Was sie darin erfährt, erschüttert sie zutiefst und während sie und Jeremy sich immer besser verstehen, hat Lowen das Gefühl, Verity ist nicht so hilflos, wie es scheint.

Bis es soweit ist, vergeht allerdings erstaunlich viel Zeit. Die erste Hälfte bringt Regisseur Michael Showalter damit zu, zuerst Lowen und Jeremy vorzustellen, die sich bei einem schrecklichen Unfall kurz vor dem Treffen mit dem Verlag begegnen, sowie Verity und Jeremy, deren Beziehung in Rückblenden zum Leben erweckt wird, während Lowen die Autobiografie liest. Lowen, die an sich die zentrale Figur darstellt, erzählt anfangs etwas aus dem Off über sich, auch wenn sie nicht wirklich die Erzählerin der Geschichte ist. Das wirkt in der Art der Charaktereinführung unnötig platt und weshalb Teil ihres Hintergrunds ist, dass ihre Mutter kürzlich gestorben ist, auch wenn das zu keinem Moment nochmals wichtig wird, verstehe wer will. Ansonsten ist sie ein eher introvertierter Mensch, über den man nicht viel erfährt. Ebenso wenig über Jeremy, der als Immobilienmakler tätig war, ehe er vor einem Jahr seine Tochter bei einem Bootsunfall verloren hat. Verity hingegen nimmt einen Großteil der Erzählung ein, obwohl sie an sich gar nicht ansprechbar ist. Durch Lowens Lektüre ihrer Autobiografie ist es, als wäre Verity im selben Zimmer wie Lowen. Was Lowen über sie erfährt, lässt erahnen, dass Veritys brutale Geschichten und düsteren Romane aus ihren persönlichen Abgründen gespeist werden. Waren sie und Jeremy einander regelrecht verfallen, änderte sich das, als Verity mit den Zwillingen schwanger wurde. Welches Bild sich für Lowen zunehmend ergibt, je mehr sie aus der Biografie liest, ist alles andere als überraschend, wenigstens dann, wenn man in der Lage ist, zwischen den Zeilen zu lesen und in den Ereignissen vorauszudenken. Dabei wäre all das bedeutend schlüssiger und unerwarteter, würde Lowen das Manuskript am Stück lesen. Doch stattdessen verteilt sie dies auf Etappen, die beinahe den halben Film umspannen, um die zweite Erzählebene der Story gleichermaßen im Fluss zu halten. Das ist dramaturgisch sicher beabsichtigt und gut gemeint, aber es geschieht insgesamt zu wenig, als dass dies wirklich mitreißen könnte.

Zugegeben, die wenigen Momente, in denen Lowen den Eindruck hat, Verity würde sie beobachten, sorgen zumindest für einen kurzen Schreck, welchen Sinn das aber rückblickend haben soll, erschließt sich nicht. Es scheint ebenso überflüssig, wie die obligatorische Liebesgeschichte zwischen Lowen und Jeremy, die zuerst als Traum vorgestellt wird, ehe sie später auf eine vollkommen verkrampfte Art und Weise nochmals eingestreut wird. Dass Lowen aus unerfindlichen Gründen anfängt, Veritys Kleidung anzuziehen und ihr Parfum aufzutragen, während sie Jeremy bei Erinnerungen an seine verstorbene Tochter tröstet, wirkt beinahe, als wollte sie ihn verführen und den Platz der Erfolgsautorin einnehmen, deren Leben sie gern führen würde. Man kann es auch anders sagen, Verity – Dunkle Geheimnisse greift hier jedes nur erdenkliche Klischee auf, das einem bei erotisch aufgeladenen Thrillern in den Sinn kommt. Bis hin zu verschmiertem Essen im Mundbereich, das weggeküsst wird.

Das klingt alles sehr negativ, tatsächlich aber ist Verity – Dunkle Geheimnisse handwerklich tadellos umgesetzt und wartet neben einem stimmigen Design mit Darbietungen auf, die routiniert genug sind, dass sie das Publikum nicht beleidigen. Während die Lovestory spürbar aufgesetzt wirkt, da sich keinerlei Chemie zwischen Jeremy und Lowen entwickelt, darf Anne Hathaway zumindest die Abgründe ihrer Figur ausloten. Das ist nicht neu und nicht ansatzweise so schockierend oder unvorhersehbar, wie Lowen dies hier wahrnimmt, aber ein Gelegenheitspublikum kann sich davon und dem stellenweise leicht trashigen Charme durchaus unterhalten lassen.


Fazit:
Man kann nicht übersehen, welche Art Film Regisseur Michael Showalter erzählen will. Chic in Szene gesetzt und immer wieder mit zeitgemäßer Musik unterlegte Collagen sollen den hippen Charakter unterstreichen, während die Abgründe der Figuren und die leicht verruchte Affäre ihr Übriges tun. Die kommt spät, ist aber inhaltlich ebenso absehbar, wie die vermeintlichen Wendungen der Story. Dass man hier mit niemandem wirklich mitfiebert, liegt am ehesten daran, dass es für Lowen keine wirkliche Bedrohung gibt und sich Verity das Mitgefühl des Publikums nicht verdient. Jeremy hingegen bleibt durchweg zu blass und die teils klischeehaften Dialoge machen ihn als Figur nicht zugänglicher. Die Idee, ein solches Ende zu wählen, erscheint durchaus mutig, auch wenn im vorgelagerten Finale eine Figur eine Entscheidung trifft, die vollkommen absurd ausfällt und überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Dass der tatsächliche Schluss keinen wirklichen Sinn ergibt, fällt dann kaum mehr ins Gewicht. Nicht nur für Fans der Vorlage dürfte der Blick in die Abgründe menschlichen Verhaltens aber einen gewissen Reiz ausmachen. Verity – Dunkle Geheimnisse ist kompetent genug umgesetzt, um in der Beziehung wenigstens zu unterhalten. Tiefgründig ist das aber ebenso wenig, wie wirklich überraschend oder packend, geschweige denn provozierend. Auch wenn der Thriller sich cleverer gibt, als er ist.
 

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