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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 28. Juli 2026
Originaltitel: Hopeu
Laufzeit: 158 min.
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Na Hong-jin
Musik: Michael Abels
Besetzung: Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Taylor Russell, Cameron Britton, Alicia Vikander, Michael Fassbender, Eum Moon-suk, Lee Sang-hee, Im Hyun-sik
Kurzinhalt:
Polizeichief Bum-seok (Hwang Jung-min) aus dem südkoreanischen Hope Harbor steht vor einem Rätsel, als eine Gruppe um Jäger Sung-ki (Zo In-sung) ihn zu einem Rinderkadaver ruft, der mitten auf der Straße liegt. Das Tier ist schlimm zugerichtet und weist Wunden auf, die von keinem normalen Raubtier stammen können. Während sich Bum-seok zurück in die Stadt aufmacht, folgen Sung-ki und die übrigen Jäger der Spur des Tieres und entdecken eine verwüstete Farm bei den Wäldern. Auch in Hope sieht sich der überforderte Bum-seok einer Schneise der Verwüstung gegenüber und kurz darauf einer Kreatur, die dafür verantwortlich zeichnet. Zusammen mit seiner jungen Kollegin Sung-ae (Hoyeon) muss Bum-seok das Monster aufhalten, wenn nicht die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt werden soll. Dabei ahnen sie nicht, welches Ausmaß die Bedrohung tatsächlich umfasst, der sie gegenüberstehen …
Kritik:
Na Hong-jins immens actionreicher Science Fiction-Actionfilm Hope entwickelt sich in vielerlei Hinsicht anders, als man erwarten würde. Auch in den letzten 15 Minuten, die andeuten, dass der Filmemacher mit der Geschichte noch nicht abgeschlossen hat und erst dann eine Mythologie umreißt, die er zwei Stunden vorher hätte vorstellen sollen, damit die überlange Erzählung zumindest rudimentär hätte packen können. Schade ist es um den Aufwand und die erste Stunde, deren Schwachstellen sich im Verlauf nur wiederholen und deutlich mehr werden.
Die Erzählung beginnt damit, dass Polizeichief Bum-seok des Ortes Hope Harbor von einigen Jägern zu einem Rinderkadaver gerufen wird, der mitten auf einer Straße zwischen zwei Feldern liegt. Die Grenze zu Nordkorea ist nicht weit, weshalb viele Flächen mit Minen versehen sind, aber was dieses Tier getötet hat, war etwas anderes. Und es muss groß gewesen sein. Während Bum-seok nach Hope zurückfährt, macht sich eine Gruppe Jäger um Sung-ki daran, einer Fährte zu folgen und entdeckt auf einer Farm weitere Kadaver – und Leichenteile. Zum selben Zeitpunkt findet Bum-seok in dem Ort eine Schneise der Verwüstung vor, gesäumt von vielen Toten. Kurz darauf steht er der Quelle des Unheils gegenüber, einem drei Meter großen, grünen Monster, das Tod und Zerstörung mit sich bringt. Zusammen mit seiner Kollegin Sung-ae muss er das Monster aufhalten, oder Hope sowie alle Bürgerinnen und Bürger sind verloren.
Diese Inhaltsangabe beschreibt etwas mehr als das erste Drittel von Hope und doch im Grunde einen Großteil der Story. Das liegt hauptsächlich daran, dass Regisseur Hong-jin alle Wegstationen seiner Geschichte bis zum Äußersten ausreizt. Angefangen von dem Moment, in dem Bum-seok mit Sung-ki auf die Jäger trifft, über Bum-seoks Flucht vor dem Monster in Hope. Der Abschnitt dauert gefühlt eine halbe Stunde, in der zwar immer mehr Bereiche der Stadt in Schutt und Asche gelegt werden, dem aber doch ein wirklicher Aufbau fehlt. Das liegt auch daran, dass das Publikum die Stadt hier überhaupt zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Die ist in gewisser Hinsicht wie ausgestorben (kein Wortwitz beabsichtigt), aber man weiß gar nicht, ob die vielen Gegenstände, die auf der Straße liegen, ein gewöhnlicher Anblick sind, oder nicht. Welchen Ausmaßes die Zerstörung ist, die Bum-seok sieht, kann man selbst darum gar nicht einschätzen. Die gesamte Sequenz mutet an wie ein Finale für eine Vorgeschichte, die gar nicht erzählt wird. Und wie bereits gesagt, sie zieht sich derart in die Länge, dass sich einzelne Eindrücke bereits zu wiederholen beginnen. Es ist ein Schwachpunkt, der sich durch die gesamte Erzählung zieht, auch wenn die Figuren im Wald gegen eine Kreatur kämpfen, oder später auf einer Straße. All das ist so repetitiv, man könnte minutenlang wegsehen und würde inhaltlich nichts verpassen.
Dieser „Inhalt“ ist ein weiteres Manko des Drehbuchs, das sich nicht wirklich entscheiden kann, ob es nun einen harten Science Fiction-Thriller erzählen, oder die Geschichte leichter gestalten will. Auf der einen Seite werden hier Figuren ziemlich brutal aus der Erzählung geschrieben, gleichzeitig jedoch werfen alle Personen mit aufgesetzten One-Linern um sich, selbst wenn sie im Grunde Todesängste ausstehen. Hinzu kommen ewig lange Schilderungen, die den Humor aus Fäkalien ziehen sollen, während namenlose Charaktere im Hintergrund um ihr Leben bangen. Die Mischung wirkt derart erzwungen, man weiß manchmal nicht, ob auch der Humor ernstgemeint ist, oder eine Parodie sein soll. In jedem Fall braucht es eine spezielle Art von Humor, um darüber lachen zu können. Aber selbst dann fällt auf, dass das Skript an den Charakteren gar nicht interessiert ist. Außer den Namen und einem Verwandtschaftsverhältnis zwischen Bum-seok und Sung-ki erfährt man gar nichts über sie. Zwar darf der anfänglich ängstlich-leichtgläubige Polizeichief über sich hinauswachsen und mutiert zum Actionhelden, was ähnlich glaubwürdig ist wie bei Sung-ki, der von den übrigen Figuren sogar gefragt wird, woher er so reiten und schießen kann, darauf aber keine Antwort liefert. Irgendeinen persönlichen Konflikt bei den Figuren gibt es ebenso wenig, wie dass für irgendjemanden merklich etwas auf dem Spiel stehen würde, außer dem eigenen Leben. Ohne einen persönlichen Einsatz oder ausgearbeitete Personen fällt es aber merklich schwer, mit diesen mitzufiebern, zumal die Erzählung zu lange bei den unterschiedlichen Gruppen der Polizisten bzw. der Jäger oder einer zweiten Jagdgruppe verweilt, als dass man sich behalten könnte, wo die übrigen Charaktere inzwischen sind.
All das ist insofern schade, da Hope merklich aufwändig umgesetzt ist. Die Trickeffekte sehen zumindest anfangs nicht schlechter aus als in vielen Superheldenfilmen, lassen aber vor allem im letzten Drittel, in dem sie spürbar häufiger zu sehen sind, sichtbar in der Qualität nach. Dann ist Na Hong-jin bemüht, der zerstörerischen Kreatur so etwas wie eine Hintergrundgeschichte zu verleihen, die aber nur angerissen wird, ohne zu einem Ende geführt oder wirklich erläutert zu werden. Mehrere Storystränge bleiben daher offen und Erklärungen sucht man ebenso vergebens. Da hilft es auch nicht, dass mit großen Hollywoodstars wie Alicia Vikander und Michael Fassbender geworben wird, die aber tatsächlich gar nicht zu sehen sind. Das erscheint in vielerlei Hinsicht so unfertig und überlang, als wäre dies eine erste Schnittfassung, anstatt eines fertigen Films. Darüber trösten auch die überwiegend guten Tricks nicht hinweg und die nette Idee, die zumindest eine größere Geschichte verheißt, als hier erzählt wird.
Fazit:
Die Ausgangslage aus Sicht eines kleinen Ortes zu schildern, kommt einem zwar unter anderem aus Krieg der Welten [2005] bekannt vor, die tatsächliche Stimmung der Erzählung erinnert aber eher an Cowboys & Aliens [2011], dem es jedoch deutlich besser gelingt, Figuren und eine Hintergrundgeschichte vorzustellen, mit der man mitfiebern kann. Filmemacher Na Hong-jin versäumt es, beides in seinen mehr als zweieinhalb Stunden überhaupt nur einzuweben. Vielmehr verhalten sich die Charaktere vollkommen unnatürlich mit einem Polizeichief, der droht, Zivilisten zu ermorden, wenn sie ihm keine Informationen verraten, oder Jägern, die beim Anblick von Dingen, die nicht von dieser Welt stammen können, immer noch lockere Sprüche auf den Lippen tragen. Die Dialoge und flapsigen Kommentaren klingen dabei so abgedroschen, dass man zum Ende hin regelrecht peinlich berührt zusammenzuckt, wenn man sie hört. Auch sind viele Momente im Ablauf der vermeintlichen Wendung, die sich lange abzeichnet, so absehbar, dass trotz der immens vielen Action, die hier geboten wird, nie dauerhaft Spannung aufkommt. Hope ist grundsätzlich gut in Szene und mit sichtbarem Aufwand, stellenweise durchaus brutal umgesetzt. Aber die anfangs interessante Stimmung entpuppt sich nicht als Vorbote einer atmosphärischen Erzählung, sondern verpufft angesichts nicht enden wollender Sequenzen, die sich inhaltlich nur wiederholen und ganz am Ende eine Story skizzieren, die zuvor hätte vorgestellt gehört. Schade.


