Finding Emily [2026]

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6–8 Minuten
Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Mai 2026
Genre: Liebesfilm / Komödie

Originaltitel: Finding Emily
Laufzeit: 111 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Alicia MacDonald
Musik: Morgan Kibby
Besetzung: Angourie Rice, Spike Fearn, Minnie Driver, Cora Kirk, Ella Maisy Purvis, Yali Topol Margalith, Kat Ronney, Timothy Innes, Nadia Parkes, Anthony J. Abraham, Scarlett-Mai Grant, Faye Campbell, Tash Major


Kurzinhalt:

Es ist nicht einmal ein ganzer Abend, den Owen (Spike Fearn) mit einer zufälligen Bekanntschaft in einem Club auf dem Campus der Universität verbringt, doch es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben. Er bringt noch den Mut auf, die Studentin, Emily, nach ihrer Telefonnummer zu fragen, die sie in sein Mobiltelefon einspeichert, aber als Owen sie am nächsten Tag anschreiben möchte, stellt er fest, dass die Nachricht nicht zugestellt wird, da eine Ziffer in der Nummer fehlt. Da Owen aber der Überzeugung ist, dass diese Emily seine Traumfrau ist, versucht er, sie zu finden, wartet jeden Abend im Club, hängt Aushänge auf, aber vergebens. Bei seiner Suche trifft er auf die Psychologiestudentin Emily (Angourie Rice), die nur noch drei Wochen hat, um ihre Abschlussarbeit fertig zu stellen. Die handelt davon, wie romantische Gefühle zu wahnhaftem Verhalten führen können und als sie sieht, was Owen bereit ist, zu unternehmen, um seine Traumfrau zu finden, bietet sie ihre Hilfe an, immerhin wäre er das perfekte Studienobjekt. Ohne dass er es weiß, nimmt sie damit Owen für sich in Beschlag, auf der Suche nach der einen Emily von insgesamt 318 an der Manchester University eingeschriebenen. Und je mehr Zeit sie miteinander verbringen, umso mehr zweifelt Owen daran, ob die Suche den Aufwand wirklich lohnt, während Emily ihrem Studienobjekt viel näher kommt, als sie sollte …


Kritik:
Es würde nicht überraschen, würde in nicht allzu ferner Zukunft die britische Liebeskomödie Finding Emily als moderner Klassiker gelten. Filmemacherin Alicia MacDonald fängt auf überaus gelungene Art und Weise die Schwierigkeiten ein, die insbesondere heute mit der Suche nach der Liebe verbunden sind. Von den beiden Protagonisten herzlich und mit einer geradezu ansteckenden Ehrlichkeit gespielt, ist das so charmant, dass man der Geschichte auch verzeiht, dass sie in altbekannten Bahnen verläuft und das länger, als notwendig.

Es beginnt alles mit einer zufälligen Berührung, als Owen von einer jungen Frau gestreift wird. Sie begegnen sich in einer Diskothek, in der Owen abends arbeitet. Die junge Frau im Feenkostüm könnte seine Traumfrau sein. Wenn sie miteinander tanzen ist es, als wäre außer ihnen niemand auf der Tanzfläche. Als sie schnell aufbrechen muss, speichert sie noch ihre Nummer in sein Telefon, doch als Owen ihr am nächsten Tag eine Nachricht schreiben will, stellt er fest, dass eine Ziffer in der Nummer fehlt – seine Traumfrau, Emily, ist unerreichbar. Also versucht Owen alles Mögliche, Emily zu finden, hängt Vermisstenplakate auf, wartet auf dem Campus der Universität, wo Emily studiert und Owen auch als Tontechniker arbeitet, aber ohne Erfolg. Bei seiner Suche trifft er auf eine andere Emily, die mit einem Studienvisum Psychologie studiert und für sie wäre Owen das perfekte Studienobjekt für ihre nahende Abschlussarbeit, in der sie sich damit beschäftigt, wie romantische Verbindungen zu wahnhaftem Verhalten führen können. Darum bietet Emily Owen an, seine Traumfrau Emily zu finden, wobei Owen nicht ahnt, dass er damit Teil ihrer Studie wird. Aber je länger die gemeinsame Suche nach der Traumfrau Emily dauert, umso mehr fragt sich Owen, ob es den ganzen Aufwand wert ist und Emily, ob der mangelnde Abstand nicht ihre Abschlussarbeit gefährdet.

Worauf Finding Emily im Hinblick auf Owen und die Psychologiestudentin Emily hinausläuft, ist schon früh absehbar. Doch das bedeutet nicht, dass Regisseurin MacDonald ihr Publikum nicht mit auf eine lustig-romantische Achterbahnfahrt nehmen kann. Dass dies gelingt, verdankt die Liebeskomödie allem voran der zentralen Besetzung um Spike Fearn als Owen und Angourie Rice als Emily, die ihre Figuren mit einer regelrecht mitreißenden Energie zum Leben erwecken. Erzählt Owen eingangs davon, wie es ihn sprichwörtlich erwischt hat, als er seine Traumfrau Emily getroffen hat, dann bringt er ein Gefühl auf den Punkt, bei dem sich all diejenigen wiedererkennen werden, die selbst bereits hoffnungslos in jemanden verliebt waren. Und auch wenn er bei seiner Suche nach seiner Traumfrau immer weiter geht und auch Grenzen überschreitet, die man wenigstens als übergriffig bezeichnen kann – beispielsweise, wenn er alle Emilys auf dem Campus anschreibt, nachdem er die E–Mail-Adressen herausbekommen hat –, Owen ist nie bösartig. Er glaubt vielmehr, er habe die Frau seiner Träume getroffen und nur auf Grund eines Eingabefehlers der Telefonnummer will er sich die Chance auf das größte Glück in seinem Leben nicht nehmen lassen.

Dabei greift Finding Emily durchaus auf, wie leicht die Grenzen zwischen überbordend romantisch und vielleicht ein wenig peinlich hin zu übergriffig und stalkend verschwimmen können. So formiert sich eine Bewegung, die Owens Versuche, seine Traumfrau Emily zu finden, als Zeichen toxischer Männlichkeit anprangern. Womöglich wollte die junge Frau weiter keinen Kontakt und hat die Nummer bewusst falsch eingegeben? Vielleicht meldet sie sich aus gutem Grund nicht? Statt diese Aspekte auf eine Art und Weise vorzustellen, die der Geschichte den Spaß rauben könnten, verlagert die Erzählung den Fokus nach und nach auf die Psychologiestudentin Emily, die in Owen anfangs beinahe wahnhafte Tendenzen sieht. Sie glaubt, er sei in „seine“ Emily nicht verliebt, sondern in seine Vorstellung von Liebe … und vielleicht hat sie damit sogar recht. Aber macht es sein Handeln weniger romantisch? Die Frage zu beantworten, ist nicht ganz einfach, zumal Emily, je mehr man über sie erfährt, eben solche Charakterzüge offenbart, die sie eigentlich untersuchen und aufdecken will. Umso mehr, je mehr Zeit sie mit Owen verbringt und erkennt, wie weit er bereit ist zu gehen, um seine mutmaßlich große Liebe zu finden. Gerade auf Grund seiner herzlichen Offenheit gelingt es Owen damit, das Publikum selbst dann für sich zu gewinnen, wenn er sich in Situationen bringt, in denen man beim Zusehen am liebsten im Boden versinken möchte.

Das ändert nichts daran, dass die Geschichte alle Höhen und Tiefen mitnimmt, die man erwarten würde und viele Wegstationen sieht man ebenso lange kommen, wie manche Nebenfiguren bewusst überzeichnet dargestellt sind. Aber nicht zuletzt dank des eingängigen Soundtracks trifft Finding Emily den Nerv der Zeit wartet sogar mit einigen ernsteren Charakterzügen von Emily und Owen auf, als man vermuten würde. Ihnen zuzusehen, ist durchweg unterhaltsam und obwohl es wenige Momente gibt, bei denen man laut lachen möchte, hat man doch die meiste Zeit ein Lächeln auf den Lippen. Diese Leichtfüßigkeit erweckt ein Gefühl wie ein früher Sommertag und so, wie man nicht möchte, dass der zu Ende geht, möchte man die Figuren hier nicht zurücklassen, wenn der Abspann zu rollen beginnt. Schön!


Fazit:
„Liebe ist ein Zustand vorübergehender Psychose.“ Das Sigmund Freud-Zitat beschreibt das Gefühl des Verliebtseins als psychische Ausnahmesituation, bei der klare, rationale Gedanken nicht mehr möglich sind. Es ist eine nüchterne Beschreibung dessen, was Owen hier durchlebt, offenbar nicht zum ersten Mal. Gleichzeitig beschreibt es aber auch Emilys Verhalten, die in einer Art und Weise Einfluss auf ihr Studienobjekt nimmt, der bei einer rationalen Betrachtung all das ad absurdum führt, was sie mit ihrer Abschlussarbeit aussagen möchte. Statt Liebe auf den ersten Blick zu bewerben, stellt Filmemacherin Alicia MacDonald ein Plädoyer dafür vor, dass diese romantische Vorstellung eben nur das ist, eine Vorstellung der verliebten Person, bei der man im Nachhinein versucht, das Gegenüber mit der Vorstellung in Einklang zu bringen. Die Aussagen sind nicht neu und der Verlauf der Geschichte überrascht in keinem Moment, aber das macht Finding Emily nicht weniger unterhaltsam und vor allem nicht weniger herzlich gespielt. Insbesondere dank der Besetzung ist das eine so charmante Liebeskomödie, dass man sich der Energie der Hauptfiguren kaum entziehen kann und das Gefühl des Verliebtseins tatsächlich greifbar wird. Schon das zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht, das länger anhält, als man vermuten würde.
 

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