The New West [2025]

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5–8 Minuten
Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. Februar 2026
Genre: Drama

Originaltitel: East of Wall
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2024
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt

Regie: Kate Beecroft
Musik: Lukas Frank, Daniel Meyer O’Keeffe
Besetzung: Tabatha Zimiga, Porshia Zimiga, Scoot McNairy, Jennifer Ehle, Jesse Thorson, Chancey Ryder Witt, Clay Pateneaud, Leanna Shumpert, Brynn Darling, Ryan Caraway


Kurzinhalt:

Tabatha Zimiga (Tabatha Zimiga) betreibt eine Pferderanch in North Dakota. Dabei helfen ihr neben ihrer Tochter Porshia (Porshia Zimiga) auch eine Handvoll Jugendliche wie Jesse (Jesse Thorson), denen das Leben auf der Ranch eine Aufgabe und ein Dach über dem Kopf gibt. Vor einem Jahr erschütterte ein Verlust die Ranch, von dem sich niemand wirklich erholt hat, am wenigsten Tabatha und Porshia, die mehr streiten, als je zuvor. Tabathas Mutter Tracey (Jennifer Ehle) ist wie ein Puffer zwischen beiden und kümmert sich tagsüber um Tabathas dreijährigen Sohn. Die Jugendlichen kommen indes gut miteinander aus und das Gespür, das Tabatha für die Pferde mitbringt, sorgt wie auch Porshias Talent beim Reiten dafür, dass Roy Waters (Scoot McNairy) bei einer Auktion auf die Ranch aufmerksam wird. Er unterbreitet Tabatha ein Angebot, das ihre finanziellen Sorgen verschwinden ließe. Doch dafür würde ihr Zuhause den Charakter einbüßen, den alle Anwesenden kennen. Als Porshia beginnt, mehr Zeit für Roy als für Tabatha bei den Pferden aufzuwenden, werden die Spannungen auf der Ranch nur größer …


Kritik:
Das Regiedebüt von Kate Beecroft erzählt vom Leben seiner zentralen weiblichen Figuren auf einer Ranch im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Besetzt mit einer Mischung aus Laiendarstellern und wenigen professionellen Schauspielerinnen, gelingt The New West ein ungeschönter, ehrlicher Blick auf ein hartes Leben, geprägt von finanzieller Unsicherheit und persönlichen Tragödien. Das wirkt im ersten Moment „klein“, entfaltet aber ein emotionales Gewicht, das spürbar nachwirkt.

Im Zentrum steht Tabatha Zimiga, die eine Pferderanch in North Dakota betreibt. Dabei helfen ihr ihre Mutter Tracey, die sich tagsüber auch um Tabathas jüngstes Kind kümmert, und eine Handvoll Jugendliche, denen Tabatha ein Dach über dem Kopf und eine Aufgabe gibt. Manche von ihnen sind Waisen, andere bitten Tabatha, auf der Ranch bleiben zu dürfen, weil sich ihre Eltern nicht um sie kümmern. Der junge Jesse möchte beispielsweise bei Tabatha bleiben, da sein Vater im Gefängnis sitzt. Sie alle helfen mit, die Pferde großzuziehen und zu trainieren, so dass sie auf Märkten in der Gegend verkauft werden können. Tabatha besitzt ein ungemeines Gespür für die Tiere, wie auch ihre Tochter Porshia. Die Teenagerin ist unangefochtene Meisterin bei Rodeos und anderen Wettkämpfen. Wie Tabatha leidet Porshia sehr unter dem Verlust von John, dem letzten Mann ihrer Mutter, der vor einem Jahr verstarb. Es ist eine Tragödie, die die gesamte Ranch immer noch fest im Griff hat. Als die finanziellen Schwierigkeiten immer größer werden, wird Rancher Roy Waters auf Tabatha und vor allem auf Porshia aufmerksam. Er möchte sich ihr Talent zunutze machen und unterbreitet ein Angebot, das ihnen ihre Sorgen nehmen würde. Doch gleichzeitig wäre die Ranch nicht mehr das, was sie ist und auch die Zukunft der anderen Jugendlichen wäre alles andere als gewiss.

Dabei ist Roy kein wirklicher „Bösewicht“ im engeren Sinn. Auch er hat seine leidvollen Erfahrungen gemacht und man kann ihm nicht einmal vorwerfen, er würde es schlecht mit Tabatha und Porshia meinen. Aber er hat eine andere Herangehensweise, wie man die Ranch organisieren sollte, vom Training der Pferde ganz abgesehen. Auf der scheint es zu Beginn keine wirkliche Struktur zu geben und selbst wenn niemand Tabathas Autorität in Frage stellen würde, sie nimmt sich soweit aus dem Geschehen heraus, dass ihr Einfluss merklich geschwunden ist. Seit Johns Tod hat sie nicht einmal mehr auf einem Pferd gesessen. Sie und Porshia streiten andauernd und mit Roy, der auf das Können und die Erfahrung der Teenagerin mit den Pferden setzt, hat Porshia eine neue Bezugsperson in ihrem Leben, die ihr ein anderes als das von der Hand in den Mund verspricht. Wie Tabatha haben die Jugendlichen auf der Ranch sehr viel mitgemacht und zu sehen, wie sie beim Rodeo einen Erfolg feiern können, ist so schön, wie die Erkenntnis bedrückend, dass die Erlöse vom Verkauf der Pferde nicht einmal ausreichen, allen ein Abendessen zu finanzieren. Trotzdem bleiben die Jugendlichen wie Jesse bei ihr, andere suchen sogar eine Möglichkeit, überhaupt erst auf die Ranch zu kommen.

The New West porträtiert Figuren, denen es nicht gelingt, aus dem Leben auszubrechen, in das sie geboren wurden. Bei Traceys Geburtstag kommen Freundinnen zu Wort, die von Missbrauch, Gewalt und Mittellosigkeit berichten. Erfahrungen, die ihre Töchter wieder machen. Aber trotz aller Widrigkeiten geben sie nicht auf, sondern versuchen, das Beste aus dem zu machen, was ihnen gegeben ist. Da mag es nicht überraschen, wie sich Tabatha letztlich in Bezug auf Roys Angebot entscheidet, aber auf dem Weg dorthin stellt Filmemacherin Beecroft eine Frau vor, die um anderen ein Dach über dem Kopf zu bieten, selbst auf etwas verzichten würde. Eine, die sich erfinderisch zeigt und Pferde über die Sozialen Medien verkauft, um mit der Zeit zu gehen, aber gleichzeitig nicht ihre Werte verrät. Es ist ein Charakterporträt, das lange Zeit nur von der Beobachtung lebt, so schweigsam wie Tabatha ist. Wie groß die Last ist, die sie zu erdrücken droht, wird in einem langen Monolog deutlich, der merklich unter die Haut geht. Es scheint eine Ironie des Schicksals, dass die 3.000 Acre umfassende Ranch (ca. 1.700 Fußballfelder) eine unendliche Freiheit verspricht, sie alle aber doch wie gefangen wirken.

Diese schier unermessliche Weite fängt Regisseurin Kate Beecroft in traumhaften Bildern ein. Es ist eine Landschaft, die durch die Bandlands unterbrochen wird, ein Gesteinsformation, die durch den Missouri River in das Gelände hineingefräst wurde. Die farbenfrohen Felsen bieten einen Kontrast, der so ungezähmt und wild wirkt, wie die Pferde zum Teil, mit denen Porshia regelrecht verschmilzt. Ihre Darbietung zählt wie diejenige von Tabatha zu den stärksten des Dramas und sie bieten einen Einblick in das Leben auf der Ranch, der ungeschönt und greifbar erscheint. Es ist ein Leben, dem die Sicherheit fehlt, wie man im nächsten Monat das Geld für den Unterhalt zusammenbekommen soll. Da wirkt Roys Angebot durchaus verlockend, das nicht nur eine Absicherung verspricht, sondern eine Leichtigkeit, die weder Tabatha noch die Jugendlichen je gekannt haben. The New West ist ein starker Film, dem der Spagat aus fiktivem Drama und Dokumentarfilm überaus gut gelingt. Inhaltlich mag dies kaum die Komplexität einer klassischen Erzählung entfalten, aber das Gefühl, zu verstehen, wie es diesen Personen auf der Ranch ergehen muss, fängt sie umso besser ein.


Fazit:
Die bewegte Kamera und die gelegentlichen Erzählungen aus dem Off lassen erkennen, dass Regisseurin Kate Beecroft einen dokumentarischen Ansatz für die Geschichte gewählt hat, aufdringlich gerät dies aber nie. Behutsam eingefangen und facettenreich, unterstreicht die Filmemacherin, wie die zentralen Figuren trotz aller Widrigkeiten, allen Gründen, zu verzweifeln und aufzugeben, doch weitermachen, um das zu tun, wovon sie glauben, dass es richtig ist, anstatt den einfachen Weg zu wählen. Dies wirkt stellenweise unvermittelt persönlich und nähert sich das Drama schließlich dem tragischen Ereignis, das diese Familie – die unmittelbare und die erweiterte – auseinandergerissen hat, ist das nicht nur ungemein berührend, sondern spricht von einer so tiefen Verletzung, dass man sich nicht vorstellen kann, wie sie je wieder heilen soll. Rau und gleichzeitig stark gespielt, ist The New West ein einfühlsames Porträt von Personen, die es nie einfach hatten und seither nur unvorstellbar schwerer. Umso erhellender ist der Moment, wenn Tabatha schließlich in den Sattel steigt und zu einer andere Person wird, eine Einheit aus Mensch und Pferd, die sich nur durch die Gedanken verständigen. Das ist authentisch sehenswert und mit fantastischen Aufnahmen versehen. Zeitgemäß und stark.
 

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