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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 26. Oktober 2026
Originaltitel: Matchbox: The Movie
Laufzeit: 126 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Sam Hargrave
Musik: Alex Belcher
Besetzung: John Cena, Jessica Biel, Sam Richardson, Arturo Castro, Teyonah Parris, Danai Gurira, Corey Stoll, Golshifteh Farahani, Bill Camp, Daniel Bernhardt, Randeep Hooda, Kristoffer Hivju, Graham Harvey, Reagan Marum, Aiden Stoxx, Max Fox, Braxton Paul
Kurzinhalt:
28 Jahre ist es her, dass Sean Walker (John Cena) und seine Freunde der „Matchbox Gang“ die Zeit zusammen verbrachten. Inzwischen ist Sean Geheimagent und nach einer abgeschlossenen Mission in seine alte Heimat zurückgekehrt. Doch der Abend, den er dort mit Aimee (Jessica Biel), Crosby (Sam Richardson), Charmaine (Teyonah Parris) und Ted (Arturo Castro) verbringt, endet abrupt, als sie alle betäubt werden. Seans Vorgesetzter Mosier (Corey Stoll) hat sie gefangen genommen und wirft Sean vor, er habe einen Atomsprengkopf gestohlen, den er an sich bei einem Waffenhändler abgeliefert hatte, wie in der Mission vorgegeben. Um seine Unschuld zu beweisen, flieht Sean mit den anderen, die von der CIA inzwischen ebenfalls offen beschuldigt werden. Ihre einzige Chance, ihre Leben zurück zu bekommen, ist, den Atomsprengkopf wiederzubeschaffen. Dafür wendet sich Sean an seine Partnerin Helen (Danai Gurira). Aber je weiter sie die Suche nach der Waffe über die Kontinente schickt, umso mehr kommen Sean Zweifel daran, wem er vertrauen kann und wer ihn zum Sündenbock machen will …
Kritik:
Nach dem Erfolg von Barbie [2023] hat man bei Mattel Films nach weiteren Spielzeugmarken aus dem Mutterkonzern Mattel gesucht, die sich auf die große Leinwand bringen lassen und sich schließlich für die Druckguss-Spielzeugautos von Matchbox entschieden, mit denen Kinder seit ihrer Erfindung 1953 rund um die Welt spielen. Das Ergebnis ist Matchbox: Der Film, der zwar immer wieder den Namen der Vorlage aufgreift, im Kern aber damit kaum etwas zu tun hat. Stattdessen erzählt Filmemacher Sam Hargrave eine actionreiche Agentenkomödie, die nach außen hin ein wenig wie Mission: Impossible anmutet, damit aber tatsächlich so wenig gemein hat, wie ein Spielzeugauto mit einem lebensgroßen, fahrtüchtigen Modell.
Die Geschichte handelt von der sogenannten „Matchbox Gang“ bestehend aus den Freunden Sean, Aimee, Crosby, Charmaine und Ted, die im Jahr 1998 unzertrennlich waren. Auch 28 Jahre später denkt Sean noch an die Zeit zurück, in der er es nicht über sich brachte, Aimee zu gestehen, dass er in sie verliebt war. Inzwischen ist Sean Geheimagent einer CIA-Abteilung, von deren Existenz kaum jemand weiß, und kehrt nach einem abgeschlossenen Auftrag nach Hause zurück. Bei einem Treffen mit der übrigen Gang werden sie alle jedoch betäubt und finden sich gefesselt an Bord eines Flugzeugs wieder, wo Sean seinem Vorgesetzten Mosier gegenübersteht. Der glaubt, Sean sei übergelaufen, da ein Atomsprengkopf verschwunden ist, den Sean an sich hätte einer Kontaktperson übergeben sollen. Um seine Unschuld zu beweisen, überwältigt Sean die übrigen Agenten und macht sich – die Matchbox Gang im Schlepptau – daran, den Verbleib des Atomsprengkopfes aufzuklären. Dabei setzt er auf die Hilfe seiner Kollegin Helen, weiß aber nicht, wem er überhaupt vertrauen kann.
Man kann Verweise an andere Agentenfilme kaum übersehen, was nicht weiter schlimm wäre, würde es Matchbox: Der Film gelingen, eine packende Story zu erzählen oder wenigstens seine Geschichte packend umzusetzen. Die setzt aber so sehr auf Humor, dass man den Figuren selbst ansieht, dass was geschieht, sie nicht wirklich schockiert oder überrascht. Prügelt sich Sean, der als einzige Figur überhaupt einen Nachnamen zugeschrieben bekommt, im Flugzeug mit den übrigen Agenten, haben Crosby, Ted und die anderen stets einen lockeren Spruch auf den Lippen, anstatt in Anbetracht der Gesamtumstände vollkommen fassungslos zu sein, dass sie entführt und stellenweise sogar von ihren Familien getrennt wurden. Auch später, wenn die Matchbox Gang dann selbst in Aktion tritt, gibt es keinen Moment, in dem irgendjemand von ihnen überfordert erscheint. Stattdessen witzeln sie selbst dann, wenn einer von ihnen brennend auf einer Trage hinter einem Krankenwagen hergezogen wird. Das Problem daran ist, dass wenn die Figuren nicht ernst nehmen, was mit ihnen geschieht, weshalb sollte es dann das Publikum? Auch Agentenkomödien wie True Lies – Wahre Lügen [1994] leben von ihren trockenen Kommentaren und absurden Momenten, aber sie nehmen den ernsten Teil der Story auch entsprechend ernst. Das ist hier leider nicht der Fall.
Womöglich versucht Regisseur Sam Hargrave, der für seine Extraction-Filmreihe viel Lob erhalten hat, durch die überdrehte Darstellung seiner Figuren auch zu überdecken, wie einfach und absehbar die Story selbst ist, die ihren wahren Bösewicht nicht bis kurz vor Schluss geheimhält, sondern ganz am Anfang bereits verrät. Dass es außerdem die Person in der Geschichte ist, die man sofort vermuten würde, macht das nicht unbedingt besser. Ebenso wenig die Dialoge, die man aus zahlreichen anderen, besseren Genrefilmen zusammengeklaubt hat. Da hilft es auch nicht, dass sich Matchbox: Der Film in manchen Momenten als Hommage an andere Actionfilme versucht, am offensichtlichsten zu sehen an Terminator 2 – Tag der Abrechnung [1991] oder Indiana Jones und der letzte Kreuzzug [1989]. Es sind verweise, die in der Art, wie sie dargebracht werden, schlicht armselig wirken und einen darüber hinaus nur daran erinnern, dass man bei diesen deutlich besser unterhalten würde. Dass in einem Fall auch noch ausgesprochen wird, woran das erinnern soll, spricht Bände darüber, dass die Verantwortlichen überzeugt sind, ihr Publikum würde es sonst nicht erkennen.
Das klingt bislang alles überaus negativ, man muss Regisseur Hargrave allerdings zugutehalten, dass die Action in Matchbox: Der Film, wenn auch nicht immer ganz übersichtlich in Szene gesetzt, dann doch aber wenigstens sichtbar aufwändig ist. Dass sich das überwiegend auf Sequenzen mit Autos, Trucks oder anderen Fortbewegungsmitteln bezieht, die als Spielzeug vertrieben werden, ist kein Kritikpunkt. In diesen Momenten lässt die Agentenkomödie erkennen, was die Verantwortlichen hätten auf die Beine stellen können, hätten sie ein Drehbuch gehabt, das ihnen auch die Möglichkeit dazu gegeben hätte. Schade ist es auch um die Besetzung, die hier zwar stellenweise körperlich gefordert ist, aber tatsächlich kaum aus sich herausgehen darf und der man mitunter sogar ansieht, dass ihnen die klischeehaften Dialoge nicht einfach über die Lippen kommen.
Erwartet man bei Matchbox: Der Film belanglose, überwiegend gut gemachte Unterhaltung, dann wird ein geneigtes Publikum durchaus auf seine Kosten kommen. Zumindest solange, wie man die platten Dialoge ausblendet oder die Tatsache, dass kaum eine Sequenz wirklich überraschend verläuft. Es ist in etwa so, wie wenn man ein Essen zum zweiten Mal in der Mikrowelle aufgewärmt hat: der Geschmack erinnert einen daran, wie es an sich schmecken sollte, aber es fehlt an allem, was es besonders machen würde. Dieses Gefühl zieht sich hier von der ersten bis zur letzten Minute. Schade.
Fazit:
Man könnte Filmemacher Sam Hargrave Manches bei seinem dritten abendfüllenden Spielfilm verzeihen, wenn dieser offenbar nicht selbst höhere Ansprüche an sich hätte. Angefangen von der Agentenstory, die die Figuren über verschiedene Kontinente hinweg hetzt, über die durchaus aufwändigen Actionszenen, bis hin zu dem Humor, der sich durch all das zieht, von der obligatorischen Liebesgeschichte ganz zu schweigen. Die Verantwortlichen wollen ganz offenbar eine explosive Spionage-Thriller-Komödie erzählen, aber beim Drehbuch machen sie sich nicht das Mindestmaß an Mühe, um aus der dünnen Story und den noch dünneren Charakteren irgendetwas zu machen. Nicht einmal eine Verschwörung mit möglichen Bösewichten erwartet einen hier, da diese gleich bei ihrem zweiten Auftritt verraten werden, und dass tatsächlich Gefahr im Verzug besteht, wird erst beim Finale wichtig. Das wirkt in jeder Hinsicht so, als wäre man davon ausgegangen, dass sich das Publikum für so etwas ohnehin nicht interessieren würde, wenn die Action und die Marke stimmen. Matchbox: Der Film ist kein Film, bei dem man sich ärgert, eingeschaltet zu haben, dafür ist er unterhaltsam und die Action ist solide genug. Aber es ist ein Film, bei dem man sich ärgert, dass er nicht mehr aus sich macht.


