|
Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 14. Oktober 2026
Originaltitel: Street Fighter
Laufzeit: 119 min.
Produktionsland: USA / Japan
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Kitao Sakurai
Musik: Leo Birenberg, Zach Robinson
Besetzung: Noah Centineo, Andrew Koji, Callina Liang, David Dastmalchian, Joe „Roman Reigns“ Anoa’i, Cody Rhodes, Andrew Schulz, Eric André, Vidyut Jammwal, Curtis „50 Cent“ Jackson, Jason Momoa, Don Lee, Orville Peck, Olivier Richters, Hirooki Goto, Mel Jarnson, Rayna Vallandingham, Alexander Volkanovski
Kurzinhalt:
Sechs Jahre ist es her, dass der Kämpfer Ryu (Andrew Koji) den ersten Titel des World-Warrior-Tournament gewonnen hat. Inzwischen ist er verschwunden und nicht nur sein Bruder im Geiste Ken Masters (Noah Centineo), der mit Ryu zusammen bei Meister Gouken (Don Lee) gelernt hat, fragt sich, wo Ryu steckt. Ken, inzwischen selbst an der Weltspitze, wirkt verloren, wie sein Manager Dan (Andrew Schulz) unumwunden feststellen muss. Da kommt die Einladung, die Chun-Li (Callina Liang) überbringt, wie gerufen. Lord M. Bison (David Dastmalchian) aus Metrolao City veranstaltet ein zweites Turnier, um den besten Kämpfer der Welt zu finden. Laut Chun-Li hat Ryu seine Teilnahme zugesagt, was Ken motiviert, sich ebenfalls zu melden. Er ahnt nicht, dass all dies von Lord Bison eingefädelt wurde, damit dieser seinen finsteren Plan in die Tat umsetzen kann. Oder dass sich Ryu verborgen hält, um einen bösen Dämon zu bändigen, der zurück in die Welt strebt. Ken und Ryu finden sich in der Arena wieder, in der der beste Kämpfer der Welt gefunden werden soll. Doch steht so viel mehr auf dem Spiel …
Kritik:
Street Fighter, die bereits dritte Realspielfilmadaption der langlebigen Videospielreihe – die wird kommendes Jahr 40 Jahre alt – ist in vielerlei Hinsicht ein Gemischtwarenladen. Darin finden sich so absehbare Klischees, dass man sich beinahe fremdschämen möchte, neben interessanten, neuen Einfällen. Es gibt eine unerwartete Neuausrichtung des Kampfsportfranchise als überzogene 1980er-Jahre Actionkomödie neben Kampfsequenzen, die den Kinosaal beben lassen. Wirklich packend ist das aber nie und richtet sich eindeutig an ein Publikum, das Sympathien für den Charme der Vorlage hegt.
Die Geschichte beginnt mit einem Prolog während des 1987 stattfindenden World-Warrior-Tournament, in dem die besten Kämpferinnen und Kämpfer in unterschiedlichen Martial Arts Stilen gegeneinander antreten. Es ist der Höhepunkt der Karriere des Kämpfers Ryu, der wie Ken Masters von Meister Gouken ausgebildet wurde. Im finalen Kampf wächst Ryu über sich hinaus und beschwört die dunkle Energie des Dark Hado herauf. Sechs Jahre später ist Ryu untergetaucht. An der Spitze der weltbesten Kämpfer steht dafür Ken, dessen Privatleben allerdings in Scherben liegt. Ohne seinen Bruder im Geiste Ryu und auf Grund der Tragödie, die sie auseinander gebracht hat, ist Ken zu einer Witzfigur bei seinen Gegnern geworden. Da steht eines Tages Chun-Li vor ihm, die ihm erklärt, dass Lord M. Bison in Metrolao City das zweite World-Warrior-Tournament veranstalten und Ryu ebenfalls teilnehmen wird. Zu dem Zeitpunkt hat Ryu aber noch gar nicht zugesagt und weder er, noch Ken ahnen, dass der finstere Lord Bison das Tournier nur veranstaltet, um die „Psycho-Power“ der besten Kämpfer anzuzapfen. Als wäre das nicht bereits schlimm genug, hat Ryu der dunkle Dämon, den er beim Dark Hado erblickte, nie losgelassen und droht, zurückzukehren.
Dass die Hintergrundstory, wenn man sie so nennen möchte, in Rückblenden über den gesamten Film erzählt wird, lässt sie zwar komplexer erscheinen. Hanebüchener Murks ist sie aber nicht erst, wenn man sie so kompakt zusammengefasst liest, wobei die eigentlichen „Überraschungen“ hier selbstverständlich nicht erwähnt werden. Zu denen zählt auch, dass mehrere bekannte Gesichter in Nebenrollen schlüpfen, darunter tatsächliche Kampfsportgrößen, männliche wie weibliche. Darüber hinaus ist die Besetzung bis in die Nebenrollen gespickt mit bekannten Namen, zumindest, wenn man in der Gaming- und YouTube-Szene bewandert ist. Ihnen allen kommt zugute, dass Street Fighter kein allzu großes mimisches Können verlangt. Regisseur Kitao Sakurai erzählt seinen Actionfilm unerwartet als Komödie, was sich sowohl auf verbalen Humor bezieht als auch auf Slapstick-Einlagen, in denen beispielsweise Ken und Ryu in einem Hotelzimmer gegeneinander kämpfen, Ken aber kaum einen Treffer landen kann.
Überhaupt haben die Kämpfe, in denen die Athletinnen und Athleten meterweit durch die Luft fliegen, gegen Betontreppen krachen oder Prügel einstecken müssen, die wenigstens Knochen brechen würden, keinerlei bleibende Auswirkungen. Sie alle stehen im Anschluss wieder auf und bewegen sich, als wäre nichts gewesen. Das nimmt dem Film zwar die Brutalität, es macht es aber auch schwer nachzuvollziehen, was hier überhaupt auf dem Spiel stehen soll. Die finsteren Pläne von Lord Bison werden ebenso wenig erläutert, wie was der böse Dämon bei seiner Rückkehr im Schilde führt. Beide Storybestandteile sollen die Kämpfe in eine Erzählung einbetten, die schlichtweg keinen Sinn ergibt. Nur kommt so kaum ein Spannungsbogen auf, selbst wenn die Fights in Street Fighter an sich gut und stellenweise sogar einfallsreich umgesetzt sind. Wenn den Kämpferinnen und Kämpfern aber am Ende nichts passieren kann – weder in der Arena, noch wenn Ryu und Ken von Bisons Schergen eingekreist werden – wozu sollte man dann mit ihnen mitfiebern?
Street Fighter mag viel fürs Auge bieten, insbesondere für ein Publikum, dem bei Musik, Mode und Frisuren der 1980er-Jahre die Nostalgietränen kommen, aber auch diese Elemente wären nicht wirklich notwendig, sondern dienen vielmehr der Belustigung, wirken sie doch, wie alles andere auch, vollkommen überzogen. Als Bösewicht agiert David Dastmalchian geradezu sketchartig überdreht, Noah Centineos Ken wird sogar im Film als „schön aber dumm“ beschrieben und der computeranimierte Kämpfer Blanka schnüffelt mehrmals unter seinen eigenen Achseln. Zugegeben, das soll witzig sein, aber man weiß oft nicht, ob es dafür einen speziellen Sinn für Humor braucht, oder ob dies bereits eine Parodie darstellt. Dass die Kämpfer einander verhöhnen und mitunter weit absehbare Einzeiler als Gag präsentiert werden, unterstreicht vielmehr, wie einfallslos all dies letztlich zusammengestellt ist.
Dabei ist der Aufwand sichtbar und die Kämpfe selbst sind nicht schlecht choreografiert. Doch die Mischung aus einer Story, die sich stellenweise selbst viel zu ernst nimmt, dann aber wieder gar nicht, und einer Präsentation, die all das wieder durch den Kakao zu ziehen scheint, wirkt, als passe sie nicht zusammen. Nimmt man noch die reißbrettartige Story dazu, kann man nicht einmal sagen, Street Fighter würde das meiste aus seinem Potential machen. Allein davon ist bereits erschreckend wenig zu sehen. Jede Demo-Version der Videospielvorlage macht mehr Spaß.
Fazit:
„Zu Leben heißt zu kämpfen; zu Kämpfen heißt zu leben.“ Markige Sprüche wie dieser klingen hohl, wenn was folgt, eine buchstäblich bekloppte Story ist. Die versucht, mehrere Schurken zu etablieren, von denen einer nicht greifbar wird, der andere aber so überzogen dargestellt wird, dass man keine Angst vor ihm hat, sondern nur über ihn lachen kann. Überhaupt scheinen sämtliche Figuren, als wären es Karikaturen. Überdreht albern und stets um einen lockeren Spruch bemüht, ist das ganz bewusst auf witzig getrimmt, aber es ist ein so plumper und plakativer Humor, dass die Kombination mit einer vermeintlich düsteren Story nicht passt. Im Gegenteil, oftmals ist das eher unfreiwillig komisch. Man könnte beinahe sagen, Regisseur Kitao Sakurai hätte hier gleichzeitig eine Parodie von Big Trouble in Little China [1986] (der selbst eine Parodie ist) mit einfließen lassen wollen. Viele Signature-Moves der bekannten Kämpfer sind ebenso zu sehen, wie ihre One-Liner zu hören. Das dürfte Fans der Vorlage freuen und auch die Idee, japanische Wurzeln in die Art der Erzählung einfließen zu lassen, ist gelungen. Aber so gut inszeniert die Kämpfe in Street Fighter sein mögen, sie wiederholen sich nicht nur inhaltlich, sondern geraten nie spannend. Eine halbe Stunde zu lang, beweisen die Verantwortlichen, dass sie sich mit der reichhaltigen Geschichte der Vorlage auskennen – und dass sie keinen sehenswerten Einfall hatten, wie man das auf die große Leinwand bringen soll. Ob es das überhaupt gebraucht hätte, steht auf einem anderen Blatt.


