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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 21. August 2026
Originaltitel: Spa Weekend
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Jon Lucas, Scott Moore
Musik: Philip White
Besetzung: Leslie Mann, Isla Fisher, Michelle Buteau, Anna Faris, Adam Demos, Courtney Clarke, Kate Lister, Yasmin Kassim, Damian Walshe-Howling, Stephen Hunter
Kurzinhalt:
Seit Kindertagen sind Jane (Leslie Mann), Coco (Michelle Buteau), Sophie (Anna Faris) und Mel (Isla Fisher) beste Freundinnen. Auch heute noch halten die vier Kontakt, selbst wenn sie sich durch Familie und Arbeit nur noch selten sehen. Aus dem Grund schlägt Coco vor, dass sie zu Janes Geburtstag ein Spa-Wochenende gemeinsam verbringen sollten – ohne Mel, die seit jeher die Verrückteste von ihnen ist und von der sie befürchten, dass sie ihnen das Wochenende nur verdirbt. In dem luxuriösen Spa angekommen, wollen es sich Jane, Sophie und Coco richtig gutgehen lassen mit Massagen und Meditationsübungen, wobei die alleinerziehende Anwältin Jane ein Auge auf den attraktiven Yoga-Lehrer Kai (Adam Demos) geworfen hat. Doch wenig später steht Mel vor ihnen, die nicht nur die zwei Tage mit ihnen verbringen will, sondern ihre Chance sieht, ihren Freundinnen etwas Gutes zu tun. Darum will sie Coco mit ihrem Ex-Mann wieder verkuppeln, Jane mit dem Yoga-Lehrer und Sophie soll endlich ihrem herrschsüchtigen Chef die Stirn bieten. Kein Wunder also, dass das Wochenende anders verläuft, als gedacht, als die Freundschaft der vier ebenso im Chaos versinkt, wie das edle Spa selbst …
Kritik:
Auf den ersten Blick mutet die neue Komödie der Bad Moms [2016]-Regisseure Jon Lucas und Scott Moore an, wie eine bewusst überzogene Story über vier beste Freundinnen seit Kindertagen, die sich nun, erwachsen und fest im Familien- wie im Arbeitsleben verwurzelt, eine Auszeit gönnen und dabei über die Stränge schlagen. Aber Spa Weekend wartet nicht nur mit einer Erzählung auf, in der sich die Protagonistinnen selbst und ohne Not immer tiefer in den Schlamassel reiten, sondern mit Figuren, die durch die Bank so unsympathisch sind, dass es einen nicht wirklich interessiert, was mit ihnen geschieht.
Hauptsächlich für das Chaos verantwortlich ist Mel, die erzählt, sie habe ihr gesamtes Geld gewinnbringend angelegt und sei stinkreich. Sie ist laut, flucht unentwegt und bringt sich und ihre Freundinnen unablässig in peinliche Situationen. Eigentlich wollten Jane, Sophie und Coco Mel gar nicht bei dem Wochenende in dem edlen Spa dabeihaben, aber Sophie hatte ein schlechtes Gewissen und hat es ihr dennoch erzählt. Die vier Frauen kennen sich seit Jahrzehnten, doch durch Familie und berufliche Verpflichtungen sehen sie sich nur noch selten. Darum schlägt Coco vor, anlässlich zu Janes Geburtstag ein Wochenende in ein edles Spa zu fahren und es sich richtig gutgehen zu lassen. Vor Mel bleiben sie zwar nicht lange verschont, aber sie wollen das Wochenende mit Massagen und Meditationen dennoch genießen. Die Erholung hält nicht lange, als Mel versucht, Cocos gescheiterte Ehe zu kitten, Jane mit dem durchtrainierten Yoga-Lehrer zu verkuppeln und Sophie aus dem tyrannischen Arbeitsverhältnis mit ihrem unselbständigen Chef zu befreien. Dass bei alledem außerdem ein beträchtlicher Teil des Spas demoliert wird, fällt da kaum mehr ins Gewicht.
Wäre das ganze Chaos Ergebnis einer durchzechten Nacht, könnte man das irgendwie noch nachvollziehen. Tatsächlich aber ereignet sich all das über das Titel gebende Wochenende in mehreren Etappen, während die Figuren an sich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sein sollten. Auch aus dem Grund fällt es merklich schwer, nachzuvollziehen, weshalb die vier Freundinnen tun, was sie tun. Dass die von Isla Fisher geradezu aggressiv unsympathisch gespielte Mel weder vor der Privatsphäre ihrer Freundinnen, noch vor Fremden Halt macht, ist ebenso offensichtlich, wie Sophies Naivität oder Cocos offene Aggression gegenüber allem und jedem. Janes größter Schwachpunkt ist, dass sie sich zwischen Familie und Arbeit keine Zeit für sich selbst nimmt. Als alleinerziehende Anwältin sind ihre Tage Monate im Voraus durchgetaktet. All dessen versucht Spa Weekend, sich in etwas mehr als eineinhalb Stunden anzunehmen, wobei ein Großteil der Laufzeit darauf verwendet wird, dass sich die vier Freundinnen mit „Bitches“ ansprechen und nach einem ersten Krach neue Möglichkeiten finden, sich in dem Spa in einer Art und Weise zu benehmen, als wären sie präpubertierende Teenager. Sei es, wenn sie sich in der Lobby gegenseitig ohrfeigen, ein Schlammbad in einer Schlammschlacht endet oder eine Figur während einer Yoga-Stunde so tut, als würde sie eine Ziege missbrauchen.
Wer diese Vorstellung amüsant findet, wird bei Spa Weekend bestens bedient. Doch bei dieser ebenso platten wie teils derben Art von Humor, bei der allein die ausschweifende Verwendung von Schimpfwörtern und Kraftausdrücken für Lacher sorgen soll, wirken die wenigen satirischen Momente bei der Vorstellung des Luxus-Spas zu Beginn oder wenn es um Beobachtungen der im Alltag eingespannten Frauen geht, regelrecht fehl am Platz. Beinahe, als hätten die Verantwortlichen eigentlich eine satirischere Story beabsichtigt und sich am Ende von Zoten und körperbetontem Humor treiben lassen. Das Ergebnis ist vor allem eines: lähmend langweilig. Klauen die vier darüber hinaus noch einen Golfwagen im Spa oder organisieren eine Party mit allen Gästen, auf der Kokain verteilt wird – im Beisein von Anwältin Jane, wohlgemerkt – wirkt das so hanebüchen konstruiert, als hätten die Verantwortlichen lediglich abstruse Szenen vor Augen gehabt, in denen sie die vier Freundinnen zeigen wollten, und die Geschichte darum herum gestrickt, ganz egal, ob die inhaltlich funktioniert, oder nicht.
Das ist insofern schade, da die Besetzung an sich gut harmoniert und in jedem Fall talentiert genug wäre, eine spritzige Komödie zum Leben zu erwecken. Da hilft es auch nicht, dass beim Abspann Szenen vom Dreh gezeigt werden, bei denen die vier offenbar großen Spaß hatten. Von dem ist auf der Leinwand letztlich herzlich wenig zu sehen. Dabei bewegt sich das Drehbuch überdies in genretypischen Klischees, so dass jederzeit vorhersehbar ist, wohin sich alles entwickeln oder wie der vermeintliche Tiefpunkt der Story aufgelöst werden soll. Nur, da einem die Figuren nie sympathisch werden, im Gegenteil, die Sympathien eher abnehmen, berührt das ebenso wenig, wie die in der Story verpackten Aussagen darüber verpuffen, dass man sich bei allem Engagement für andere, selbst nicht vernachlässigen darf. Humor ist immer subjektiv und es wäre gelogen zu sagen, dass es nicht ein paar Momente gäbe, die zum Schmunzeln anregen. Alles in allem ist Spa Weekend aber weder erholsam, noch entspannend, sondern so quälend unlustig wie ein Besuch in einer Folterkammer.
Fazit:
Auch wenn die Filmemacher Jon Lucas und Scott Moore, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnen, sich merklich bemühen, ihrer Erzählung ein paar Aussagen für das Publikum mitzugeben, was sich sowohl in den Figuren selbst widerspiegelt als auch darin, wie sie miteinander umgehen und wie sie wieder zueinander finden, sie gönnen ihrer Komödie nie einen wirklich ernsthaften Moment, in dem sich die Charaktere auch beweisen dürften. Ist die Stimmung einmal im Keller, dauert es keine Minute, ehe die dudelige Musik bereits ankündigt, dass doch alles gar nicht so schlimm war. Hinzu kommen Dialoge, die man sich beim besten Willen nur mit Mühe ausdenken kann und die nie so in einer solchen Situation fallen würden. Es geht den Verantwortlichen hier nicht um eine Story, sondern um die Situationen. In denen dürfen sich die vier Frauen rüpelhaft und ungeniert verhalten, dass sie einem männlichen Junggesellenabschied mühelos Konkurrenz machen können. Keine dieser Protagonistinnen wollte man im wirklichen Leben zur Freundin haben und ihnen zuzusehen, wie sie mutwillig das Spa verwüsten, ohne sich je auch nur einmal ihrer Schuld bewusst zu sein, mag gelegentlich amüsant sein, es ist aber auch so an den Haaren herbeigezogen künstlich, dass egal, wie chic dies in Szene gesetzt sein mag und wie viele eingängige Songs eingespielt werden, man sich nie auf Seite der Figuren fühlt. Es wird sicher ein Publikum geben, das in der richtigen Gesellschaft und der richtigen Stimmung bei Spa Weekend Spaß haben kann. Dieser Kritiker gehört definitiv nicht dazu.


