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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 17. September 2026
Originaltitel: Resident Evil
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: Deutschland / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Zach Cregger
Musik: Hays Holladay, Ryan Holladay
Besetzung: Austin Abrams, Zach Cherry, Kali Reis, Paul Walter Hauser, Johnno Wilson
Kurzinhalt:
Auch wenn Organkurier Bryan (Austin Abrams) eigentlich nach Hause sollte, nachdem er sich mit seiner Freundin am Telefon gestritten hat, willigt er ein, am Abend noch einen priorisierten Transport nach Raccoon City zu bringen. Es ist eine lange Fahrt über vereiste und schneebedeckte Straßen, auf denen er ins Schlingern gerät. Bei schlechter Sicht fährt er eine Frau an, die plötzlich leicht bekleidet bei der Kälte aus dem Wald auf die Straße läuft. Bei dem Versuch, ihr zu helfen, entdeckt Bryan, dass dort etwas Unerklärliches vor sich geht. Er ahnt noch nicht, dass dies mit seinem Transport in Zusammenhang steht, oder dass er direkt ins Zentrum dessen fährt, wo alles seinen Anfang genommen hat …
Kritik:
Zach Creggers Leinwandadaption der langlebigen Videospielreihe Resident Evil ist ein seltsamer Film. In der ersten Dreiviertelstunde fängt er mit einer herausragenden Optik und langsam aufgebauten, spannenden Szenen den Horror ein, selbst eine so feindselige wie unwirkliche Welt zu erkunden. Doch dann begegnet der Protagonist, der unversehens in eine Situation geworfen wird, die er nicht versteht, anderen Figuren und es ist beinahe, als wäre was folgt ein ganz anderer Film.
Dabei ist Bryan, aus dessen Sicht die Geschehnisse erzählt sind, kein schlechter Kerl. Als Kurier transportiert er medizinische Güter und Organe zwischen Krankenhäusern und erhält, als er sich eigentlich auf den Weg nach Hause machen will, weil seine Freundin ihm gerade erzählt hat, dass sie schwanger ist und Bryan nicht auf die beste Weise reagiert hat, den Auftrag, einen immens dringenden Transport zum Raccoon City General Hospital zu bringen. Es ist eine lange Fahrt in die Berge und auf der rutschigen, schneebedeckten Straße fährt Bryan eine Frau an. Darauf aus, ihr zu helfen, entdeckt er in einem nahegelegenen Farmhaus, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Es ist der Beginn eines nicht enden wollenden Albtraumes, in den er sich nur tiefer verstrickt, anstatt nach Hause zurückkehren zu können.
Viel mehr über die Geschichte zu verraten, würde nicht nur die Überraschungen verderben, es gibt tatsächlich auch nicht viel mehr zu erzählen, außer, dass Bryan irgendwann schließlich in Raccoon City ankommt, wo das Unheil, verursacht von der Umbrella Corporation, seinen Ursprung hat. Bis es soweit ist, entdeckt Bryan, dass irgendetwas Seltsames vor sich gehen muss, das immer noch absurdere und beängstigendere Züge annimmt. Und das obwohl, oder gerade weil Bryan versucht, das Richtige zu tun und der Frau, die er angefahren hat, zu helfen. Filmemacher Cregger bleibt hier seinen Markenzeichen treu und präsentiert lange, ununterbrochene Einstellungen, um eine unheimliche Stimmung zu erzeugen. Er spielt dabei mit Licht und Schatten, taucht nicht nur die Straße, auf der Bryan hält, in so spärliches Licht, dass man kaum die Hand vor Augen sehen kann. Tanzen Schatten im Schein von Bryans Handytaschenlampe, wenn er den Fußspuren des Unfallopfers durch den Schnee folgt, ist die Anspannung geradezu mit Händen zu greifen. All das fängt gelungen die Stimmung der Vorlage ein, in der eine Spielerin oder ein Spieler im Schein einer Taschenlampe eine Welt erkundet oder später in Schubladen nach Gegenständen sucht, wie Bryan hier. Fans werden hier insoweit viele Elemente sicher wieder erkennen können.
An seiner Seite erlebt das Publikum eine Story, die jeweils plötzlich die Genre wechselt. Angefangen von einem schaurigen Grusel hin zu blutigem Splatter mit einem Fantasy-Aspekt, den man kaum kommen sieht. Dass sich Bryan dabei genau so verhält, wie man es selbst tun würde, macht ihn nur noch sympathischer. Je abstruser und surrealer die Dinge werden, die er sieht, umso treffender kommentiert er das und sieht er sich Hindernissen gegenüber, entscheidet er sich oft für das Vorgehen, das man selbst wählen würde – nur um damit zu scheitern. Sei es, wenn er im Überschwang ein Hilfsmittel wegwirft, obwohl er es wenig später brauchen würde, oder glaubt, ein massives Vorhängeschloss mit einem Schuss öffnen zu können, was ebenfalls misslingt. Resident Evil ist nicht nur in diesen Momenten überraschend amüsant und nimmt die Markenzeichen der Videospielvorlage aufs Korn, sondern wirft seine Hauptfigur von einer bewusst absurd witzigen Situation in solche, in denen ihm der Horror buchstäblich entgegenspringt. Es ist eine Mischung, die sehr lange überraschend gut funktioniert, wenn man einen wenig zimperlichen Sinn für Humor hat. Zumindest, bis Bryan auf andere Menschen trifft, die ihm nicht nur bequemerweise die ganze Hintergrundgeschichte in wenigen Sätzen zusammenfassen, sondern sich auch sonst vollkommen unglaubwürdig verhalten. Nicht nur, dass kein Wissenschaftler einem Zivilisten erzählen würde, wie es zu den sonderbaren Vorkommnissen in Raccoon City gekommen ist, das Gebaren dieser Charaktere ist so überzogen, als wären sie selbst Karikaturen.
Das ist nicht nur bedauerlich, sondern vollkommen unnötig. Es scheint in dem Moment beinahe, als würde der Erzählfluss von Resident Evil vollkommen ins Stocken geraten. Zwar setzt Regisseur Cregger kurz darauf nochmals zu einem Sprint an, doch gerät das Finale schließlich zu einem Monsterauflauf, der im Einklang mit der Videospielvorlage stehen mag, aber wirkt, als stamme er aus einer anderen Geschichte. So unerwartet manche Schreckmomente davor sind, so absehbar ist, worauf die letzten 10 Minuten hinarbeiten. So sehr sich davor Humor und Horror abwechseln, was besser oder schlechter funktioniert, je nachdem, wie man selbst dazu steht, so sehr entpuppt sich der Verlauf der Story selbst als ein Auf und Ab. Was den Verantwortlichen dabei zugutekommt, ist nicht nur die tadellose Optik und die teils alptraumhaften Ideen, sondern dass diese auch handwerklich erstklassig zum Leben erweckt sind. Manche werden in der Musik sogar John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt [1982] wiedererkennen, was passender kaum sein könnte. Diese Detailverliebtheit tröstet darüber hinweg, dass die Story nicht zu halten vermag, was die erste Hälfte verspricht oder dass die übrige Welt oder die Umbrella Corporation selbst gar nicht erkundet wird. Das Ergebnis ist aber immer noch um Welten besser, als manch andere Videospielverfilmung.
Fazit:
Am Ende ruht die gesamte Erzählung auf den Schultern von Hauptdarsteller Austin Abrams, dessen Bryan so zugänglich ist und sich über weite Strecken nachvollziehbar verhält, dass man sich tatsächlich an seiner Seite fühlt, diese unwirkliche Welt zu entdecken. Selbst dann, wenn seine Kommentare in bestimmten Momenten gar nicht nötig sind und oftmals aufgesetzt erklären, was er vorhat. Eingangs ist was er entdeckt nur unheimlich, ehe die Gewaltspitzen erahnen lassen, wohin das am Ende führen wird. Handwerklich tadellos umgesetzt, beweist Regisseur Zach Cregger einmal mehr ein immenses Gespür für gruselige Momente und schaurige Bilder, von denen man manche hier beinahe für ein Horrorkabinett einrahmen könnte. Dennoch lebt die Erzählung gleichzeitig von einem teils geradezu bösen Humor, oft gespeist aus der Unbedarftheit des Protagonisten und der Absurdität der Situationen. Diese Mischung wird nicht jedem gefallen, selten aber hat dieser Kritiker so oft bei einem Horrorfilm laut gelacht. All das sind fantastische Zutaten, bis die Geschichte selbst dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Erkundet Bryan diese Welt allein und puzzelt sich zusammen, was vor seiner Ankunft wohl geschehen sein mag, ist das durchweg einnehmend. Der Auftritt zweier weiterer Figuren stellt da einen regelrechten Bruch dar mit abstrus aufgesetzten Dialogen und Charakteren, die gar nichts zu tun bekommen. Das fühlt sich so fremdartig an wie das Finale, das aber der Vorlage durchaus treu bleibt. Deren Fans können trotz des erzählerischen Auf und Ab auf ihre Kosten kommen, aber auch wer Horror sucht, kann sich bei Resident Evil durchaus ungehalten lassen. Dass der Film seine stärksten Momente in der ersten Hälfte hat, ist schade, aber die allein ist überaus sehenswert.


