|
Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 20. Mai 2026
Originaltitel: The Sheep Detectives
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: Irland / Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
Regie: Kyle Balda
Musik: Christophe Beck
Besetzung: Hugh Jackman, Nicholas Braun, Nicholas Galitzine, Molly Gordon, Hong Chau, Emma Thompson, Tosin Cole, Kobna Holdbrook-Smith, Conleth Hill, Mandeep Dhillon
Stimmen: Julia Louis-Dreyfus (Anke Engelke), Chris O’Dowd (Bastian Pastewka), Bryan Cranston, Regina Hall, Patrick Stewart, Bella Ramsey, Rhys Darby (Daniel Zillmann), Brett Goldstein (Tobias Müller)
Kurzinhalt:
Für die Schafe ist die Glennkill-Farm ein behüteter Ort. Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) kümmert sich fürsorglich um seine Herde, auf deren Weide er in einem Wohnwagen übernachtet. George hat all seinen Schafen Namen gegeben und ist der Auffassung, dass es die gütigsten Geschöpfe der Erde sind. Jeden Abend liest er ihnen Kriminalromane vor und glaubt manchmal, die Schafe würden ihn sogar verstehen. Aber wie könnten sie das, immerhin sind es nur Schafe? George ahnt nicht, dass seine Schäfchen ihn tatsächlich verstehen können und Lily (Julia Louis-Dreyfus / Anke Engelke), das klügste Schaf der Herde, bei den Kriminalromanen regelmäßig errät, wer der Täter ist. Doch dann wird das Leben der Schafe auf den Kopf gestellt, als Lily und Schaf Mopple (Chris O’Dowd / Bastian Pastewka) eines Morgens George leblos auf der Wiese finden. Die Bestürzung der Herde ist groß und sie wären bereit, das schreckliche Ereignis zu vergessen, wäre es nicht um den einsamen Widder Sebastian (Bryan Cranston), der sie daran erinnert, was George alles für sie getan hat. Als Lily den Wohnwagen in Augenschein nimmt, fallen ihr Details auf, die der unerfahrene Dorfpolizist Tim Derry (Nicholas Braun) übersieht, bis ihn der Junior-Journalist Elliot Matthews (Nicholas Galitzine) darauf hinweist. Somit steht für Lily fest, dass die Herde den Mord an George aufklären muss, denn ihrer Auffassung nach muss George vergiftet worden sein. Bei der Testamentseröffnung durch Georges Anwältin Lydia Harbottle (Emma Thompson) kommt ein großes Geheimnis ans Licht: George hatte eine Tochter, Rebecca (Molly Gordon). Ist sie vielleicht die Mörderin? Doch es gibt noch mehr Verdächtige und wie die Schafe feststellen müssen, ist die Welt der Menschen sehr verworren. Für Lily allerdings steht fest, dass sie den Fall aufklären muss, koste es, was es wolle. Für George …
Kritik:
Ob man nun aus dem Blickwinkel von Leonie Swanns überaus lesenswerter Romanvorlage auf die Geschichte blickt, oder Kyle Baldas ungewöhnlichen, familientauglichen Krimi als das nimmt, was er sein möchte – eine Detektivgeschichte aus Sicht einer Schafherde, die versucht, den Mord an ihrem geliebten Schäfer aufzuklären – es gibt kaum etwas, was man sich in Glennkill: Ein Schafskrimi besser umgesetzt vorstellen könnte. Vielmehr ist dies derart putzig, witzig und herzerwärmend zugleich, man möchte die wolligen Detektive gar nicht wieder verlassen.
Die wachsen bei ihrem Schäfer George Hardy auf der Glennkill-Farm auf. George lebt zurückgezogen in dem kleinen Ort Denbrook, in dem Jede Jeden kennt. Darum ist die Aufregung groß, als eines Morgens Georges Leiche unweit seines Wohnwagens auf seiner Wiese gefunden wird. Für den unerfahrenen Dorfpolizisten Tim Derry sieht es auf den ersten Blick wie ein Herzinfarkt aus, würde ihn der durchreisende Junior-Reporter Matthews nicht auf einige Ungereimtheiten hinweisen. Von ihnen kaum beachtet, lauschen Georges Schafe ihren Ausführungen, angeführt von Lily, dem klügsten Schaf der Herde und vermutlich der ganzen Welt. George hat ihnen allen jeden Abend Kriminalgeschichten vorgelesen, die immer nach demselben Muster abliefen. Und für Lily steht fest, dass sie es George schuldig sind, seinen Mörder zu finden. Zusammen mit dem Schaf Mopple, das nie etwas vergisst, macht sich Lily auf, Ermittlungen anzustellen und entdeckt Hinweise, die die Polizei übersehen hat. Aber wem und wie sollen sie ihre Beobachtungen mitteilen? Wie der Einzelgänger-Widder Sebastian Lily mitteilt, beachten die Menschen die Schafe nicht und ihre Welt ist viel seltsamer, als es sich ein Schaf vorstellen kann. Wollen sie aber Georges Mörder finden und überführen, müssen Mopple und Lily etwas tun, was sie noch nie gewagt haben: sie müssen ihre Wiese verlassen und die Welt der Menschen aufsuchen.
Es klingt inhaltlich absurd, wenn man sich vorstellt, dass eine Herde Schafe versucht, ein Verbrechen aufzuklären, tatsächlich aber findet Filmemacher Balda einfallsreiche Wege, Lily und ihre Herde an der Verbrechensaufklärung zu beteiligen, ohne dass dies vollkommen an der Schafwolle herbeigezogen wirkt. Bis auf den Umstand, dass sie gelegentlich aufeinander klettern, tun Lily, Mopple und die übrigen Schafe aus Georges Herde an sich nichts, was Schafe nicht tatsächlich tun könnten. Als von Georges Anwältin ein drei Tage vor seinem Tod verfasstes Testament verlesen wird, sind sieben mögliche Begünstigte zur Testamentseröffnung geladen und wenn Lily eines aus den Kriminalromanen mitgenommen hat, dann dass dies der Kreis der Verdächtigen ist. Glennkill: Ein Schafskrimi folgt dem Muster bekannter Detektivgeschichten und bietet so auch dem Publikum die Möglichkeit, sich an der Aufklärung zu beteiligen. Das mag man beinahe übersehen, wenn man Lily und Mopple begleitet, die Welt der Menschen zu entdecken. Die ist voll von sonderbaren Dingen und Gebräuchen, die ihnen der zurückgezogene Sebastian erklärt, der laut George eines von zwei Schafen der Herde ist, die besonders herausstehen.
In gewisser Hinsicht wirkt Glennkill: Ein Schafskrimi, ähnlich wie in Georges Brief dargestellt, den er zu Beginn verfasst, wie ein Liebeslied an die wolligen Protagonisten. Sie nehmen einen Großteil der Erzählung ein und stellen teils sogar existenzielle Fragen mit einer derart einnehmenden und herzlichen Unvoreingenommenheit und Naivität, dass man beinahe durchgehend ein Lächeln auf den Lippen trägt. Gleichzeitig offenbaren sie Charakterzüge, die denen der Menschen nicht unähnlich sind. Wie wenn sie sich entscheiden können, kollektiv unangenehme Erfahrungen zu vergessen, da die Erinnerung daran zu schmerzhaft wäre – alle, bis auf Mopple, der nicht vergessen kann. Wäre das nicht eine Möglichkeit, sich vor Traumata zu schützen? Oder wenn sie der Meinung sind, Schafe würden, wenn sie diese Welt verlassen, zu Wolken. Viele ihrer Überzeugungen werden im Verlauf der Erzählung in Frage gestellt und sie müssen über sich hinauswachsen, wenn sie Georges Mörder finden möchten.
Regisseur Kyle Balda verpackt all dies in eine Erzählung, die einerseits viel Humor bereithält, in dem mitunter auch die Absurditäten in der Welt der Menschen aufs Korn genommen werden, die aber gleichzeitig auch ernstere Momente vorstellt. Die geraten zwar nie zu düster, als dass sich ein ganz junges Publikum fürchten müsste, aber es gibt Augenblicke, in denen sich durchaus ein Kloß im Hals bildet angesichts dessen, was Lily zu verstehen beginnt. Glennkill: Ein Schafskrimi gelingt diese Balance auch deshalb so gut, da er auf eine einnehmende Art und Weise zum Leben erweckt ist. Die erstklassigen Trickeffekte sorgen dafür, dass man sich vollends in der Geschichte fallen lassen kann und verschmelzen die Welt der Schafe nahtlos mit derjenigen der Menschen, von denen Polizist Derry zwar eingangs arg überspitzt tollpatschig dargestellt wird, der aber wie Lily eine gelungene Entwicklung erfährt. Sie alle machen das Abenteuer der schafigen Detektive zu einem Film, bei dem die ganze Familie unterhalten wird und das rundum gelungener, als man hätte erwarten können.
Fazit:
Wenn der bekannte Löwe des Metro-Goldwyn-Mayer-Logos hier nicht brüllt, sondern mäht, kann man bereits erahnen, mit wie viel Augenzwinkern die Verantwortlichen zu Werke gehen. Dabei fangen sie den Geist der Vorlage gelungen ein, selbst wenn die naive Sprache oder die Schilderungen der Schafe menschlicher ausfallen. Filmemacher Kyle Balda stellt eine Geschichte voller einzigartiger und teils skurriler Figuren vor, die aber allesamt einnehmend und überwiegend sympathisch sind. Genau das macht die Suche nach dem Täter oder der Täterin so interessant, zumal die nicht von jemandem gleitet wird, der aus einer überlegenen Position agiert, sondern aus Sicht derjenigen, die von den anderen kaum beachtet werden. Sei es Polizist Derry, der von allen belächelt wird, die Schafe, die von niemandem wahrgenommen werden, oder das namenlose Winterlämmchen, das von der Herde ausgeschlossen ist. Sie alle tragen ihren Teil zur Lösung bei. In jeder Hinsicht toll und wahnsinnig charmant umgesetzt, erzählt Glennkill: Ein Schafskrimi nicht nur eine charmante, familientaugliche Geschichte aus Sicht der Schafe, die mit überraschend berührenden Momenten aufwartet, es ist auch gelungener Krimi, dessen Auflösung Genrefans allerdings früh werden kommen sehen. Auch die Dialoge besitzen teils so viel Herz, dass es unerwartet mitnimmt, wie auch die schöne Botschaft am Ende oder philosophische Feststellungen wie die Bedeutung der schmerzhaften Erinnerung. Dies ist eine Story, die man gerade jetzt hören und sehen sollte, auf der größtmöglichen Leinwand, um zu zeigen dass es mehr herzerwärmende Geschichten wie diese braucht. Großartig!


