Marty Supreme [2025]

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7–10 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Mai 2026
Genre: Drama

Originaltitel: Marty Supreme
Laufzeit: 150 min.
Produktionsland: Finnland / USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Josh Safdie
Musik: Daniel Lopatin
Besetzung: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A’zion, Kevin O’Leary, Tyler Okonma, Abel Ferrara, Fran Drescher, Sandra Bernhard, Spenser Granese, Luke Manley, John Catsimatidis


Kurzinhalt:

New York im Jahr 1952. Selbst wenn seine Familie nichts von seinen Plänen hält und ihn lieber als Verkäufer und künftig sogar Manager im Schuhgeschäft seines Onkels sehen möchte, Marty Mauser (Timothée Chalamet) ist ein aufstrebender Tischtennisspieler und der Überzeugung, dass er den Sport in den Vereinigten Staaten populärer machen kann. Dafür muss er nur zuerst die British Open in London gewinnen. Das Geld hierfür nimmt er aus dem Tresor seines Onkels, doch der Wettbewerb verläuft nicht, wie geplant. Dafür hat Marty Kontakt mit der ehemaligen Schauspielikone Kay Stone (Gwyneth Paltrow) geknüpft, die mit dem erfolgreichen Geschäftsmann Milton Rockwell (Kevin O’Leary) verheiratet ist. Wieder in New York muss Marty feststellen, dass nicht nur seine Freundin aus Kindertagen, Rachel (Odessa A’zion), die zwar verheiratet ist, mit der er jedoch eine Affäre hat, schwanger ist, sondern um an der kommenden Tischtennisweltmeisterschaft in Japan teilzunehmen, müsste Marty eine große Summe Geld aufbringen. Doch was immer er unternimmt, um zu Geld zu kommen, seine Probleme werden damit nur mehr und größer …


Kritik:
In seiner ersten Soloregiearbeit in mehr als 15 Jahren rückt Filmemacher Josh Safdie eine geradezu abstoßende Person ins Zentrum. Angesiedelt zu Beginn der 1950er-Jahre schildert er, wie der ungemein talentierte Tischtennisspieler Marty Mauser einen Weg sucht, Weltmeister zu werden. Doch sein arrogantes Wesen steht ihm dabei selbst ebenso im Weg wie diejenigen Menschen, die nicht an seine Karriere im Tischtennis glauben. Marty Supreme ist dabei mit einer geradezu ansteckenden Energie erzählt, wenn man darüber hinwegsieht, dass es hier keine einzige Sympathiefigur gibt.

Zumindest grob inspiriert ist Marty Supreme von dem amerikanischen Tischtennisspieler Marty Reisman, der die letzte seiner fünf Weltmeisterschaftsmedaillen im Jahr 1952 gewonnen hat. In jenem Jahr setzt Safdie seine fiktive Erzählung an. Marty Mauser ist zu dieser Zeit als Schuhverkäufer im Geschäft seines Onkels tätig. Seine wahre Leidenschaft ist aber das Tischtennisspielen. In seiner freien Zeit trainiert er und verdient sich mit Wetten auf seine eigenen Spiele etwas dazu. Unbedingt will Marty bei den British Open in London gewinnen, damit er als nächstes bei der Weltmeisterschaft teilnehmen kann. Zusätzlich zu alledem hat Marty eine Affäre mit seiner verheirateten Kindheitsfreundin Rachel. Um zu erreichen, was er will, ist Marty bereit, alles zu tun – sogar, das Geschäft seines Onkels zu berauben, um seine Flugtickets nach Europa zu finanzieren. Doch der Wettkampf endet nicht, wie gewünscht. Weder kann Marty mit der Niederlage umgehen, noch das gestohlene Geld zurückzahlen. Seine Karriere steht so vor dem Aus, weshalb sich Marty an den Geschäftsmann Milton Rockwell wendet, Ehemann der nach früheren Erfolgen inzwischen zurückgezogenen Schauspielerin Kay Stone. Auch mit ihr hat sich Marty in London eingelassen und vielleicht findet er so einen Mentor, der ihm die Teilnahme an der Weltmeisterschaft ermöglicht. Das Problem ist nur, dass Marty mit seiner Art alle Menschen in seiner Umgebung vor den Kopf stößt.

Angefangen von Rachel, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist und von Marty schwanger wird, er aber behauptet, das Kind sei nicht von ihm. Oder aber Martys Freund Wally, der ihm öfter als einmal aus dem Schlamassel hilft, den Marty aber ebenfalls im Stich lässt. Marty ist derart von sich selbst überzeugt, man könnte beinahe meinen, dass er in einer Fantasiewelt lebt. Er vertritt die Auffassung, dass er nach seinem Sieg in London auf den Covern zahlreicher Magazine landen wird und erzählt den Journalisten vor Ort Lügengeschichten über seinen familiären Hintergrund. Das 23 Jahre alte Tischtennistalent rückt sich selbst stets ins Zentrum und agiert mit seiner Selbstgefälligkeit, dass man sich vor einer solchen Person im wahren Leben meilenweit fern halten würde. Er ist ein Angeber, der nicht nur von sich selbst vollkommen überzeugt ist, sondern auch davon, dass alle anderen ihn unterstützen sollten, müssten sie sein übermenschliches Talent doch erkennen. Man könnte darum meinen oder hoffen, dass er geerdet wird, als seine Ambitionen bei den British Open einen Dämpfer erfahren, doch das Gegenteil ist der Fall.

In welche Richtung sich Marty Supreme entwickelt, sobald Marty in die Vereinigten Staaten zurückkehrt, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. Sei es der Deckendurchbruch mit einer Badewanne, ein entlaufener Hund, mehrere Verhaftungsversuche, explodierende Tankstellen oder ein Schusswechsel mitten im Nirgendwo – die Geschichte fühlt sich an wie ein Fiebertraum, als würde das Drehbuch alle möglichen Ideen auf die Leinwand werfen, um zu sehen, welche haften bleiben. Das macht das Erlebnis in jedem Fall unvorhersehbar, wobei die vorgenannte Beschreibung lediglich an der Oberfläche kratzt, aber es wirkt auch vollkommen fahrig. Mit jeder Lüge, die Marty in den Raum wirft, um irgendwie an das erforderliche Geld zu kommen, damit er an der Weltmeisterschaft in Tokio teilnehmen kann, reißt er nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen um ihn herum weiter in den Abgrund. Dass er selbst ebenfalls belogen wird, macht es dabei nicht wirklich besser. So jung und unerfahren er sein mag, Marty ist berechnend genug, die Menschen für seine Zwecke auszunutzen und lässt sich auf ein zunehmend absurder werdendes Unterfangen ein, um seine Ziele zu erreichen. Dies führt zu einer größtmöglichen Demütigung, die jedoch immer noch nicht reicht, um dafür zu sorgen, dass Marty über sein Handeln nachdenkt. Eine Entwicklung offenbart sich tatsächlich erst ganz am Ende in einem scheinbar kathartischen Moment, der aber zu spät kommt, als dass die Figur das Publikum auf ihre Seiten ziehen könnte.

Regisseur Josh Safdie setzt all das handwerklich eindrucksvoll in Szene. Die Tischtennismatches sind durchweg erstklassig eingefangen und die letzte Konfrontation zwischen Marty und Endo ein wahres Highlight. Ebenso Timothée Chalamet, der in der Rolle des Marty geradezu entfesselt spielt. Tadellos ausgestattet, trägt auch die Tatsache, dass Safdie auf Film statt digital gedreht hat, zur Authentizität der Erzählung bei, selbst wenn die vielen Dropouts nicht notwendig gewesen wären, um das Aufnahmemedium zu unterstreichen. Der Klangkulisse ist beeindruckend und versetzt, trotz der Tatsache, dass dies an sich ein dialoggetriebenes Drama ist, das Publikum mitten in die Szenerie. Doch auch hier gibt es kreative Entscheidungen, die kaum nachvollziehbar sind. Einerseits wird Marty Supreme bewusst im Jahr 1952 angesiedelt und will zeigen, was Marty bereit ist zu tun, um an der Weltmeisterschaft in Japan teilzunehmen – nur fand die Weltmeisterschaft im Tischtennis erst 1956 in Tokio statt. Ebenso wenig wollen die Popsongs aus den 1980er-Jahren als Untermalung des Geschehens zur vermeintlichen Authentizität passen. Es sind Anachronismen, die nochmals unterstreichen, dass es Filmemacher Safdie weder um eine Biografie im engeren Sinne geht, noch um eine fiktive Nacherzählung von Ereignissen, die sich so zugetragen haben könnten. Was er überhaupt aussagen möchte, ist das vielleicht größte Rätsel von allen.

Die bei TOBIS Film erschienene Heimvideoveröffentlichung wartet dabei nicht nur mit einer durchweg tollen Bild- und Tonqualität auf, letztere im Englischen Original sogar in Dolby Atmos 11.1, sondern darüber hinaus mit interessanten wie sehenswerten Extras. Angefangen von einem Audiokommentar (ohne deutsche Untertitel) des Regisseurs, über zwei Trailer zum Film, jeweils in deutsch und englisch, sowie einen Kameratest von Timothée Chalamet und Gwyneth Paltrow nebst einem Making-of. Nicht enthalten sind bedauerlicherweise gelöschte Szenen von denen es nach Berichten aus der Produktion einige geben soll. Fans und Interessenten von Marty Supreme werden mit der Veröffentlichung in jedem Fall bestens bedient.


Fazit:
Für neun Oscars nominiert, kann man an Josh Safdies fiktiver Erzählung Vieles nur bewundern. Angefangen von der Ausstattung, über die Inszenierung selbst, die dicht am Geschehen bleibt und dem Publikum kaum Zeit zum Nachdenken lässt, da die Figuren, allen voran Marty, stets nach vorn streben, auf der Suche nach einer Möglichkeit, seinen Traum in die Realität umzusetzen. Die Besetzung ist durchweg bemerkenswert, angeführt von einem preiswürdig spielenden Timothée Chalamet. Die Frage ist allerdings, was für ein Gesamtbild all das erzeugen soll? Marty ist derart von sich selbst überzeugt, dass man beinahe übersehen könnte, dass er über überhaupt rein gar keinen moralischen Kompass zu verfügen scheint. Je mehr Zeit die übrigen Charaktere mit ihm verbringen, umso weniger verhalten auch sie sich nachvollziehbar, als würde seine zerstörerische Impulsivität sie alle anstecken. Für Marty muss es eine Erniedrigung sein, mit Comedy-Einlagen bei anderen Sportereignissen als Lückenfüller aufzutreten, wo er sich selbst doch als Ausnahmetalent sieht. Doch Momente der Stille, in der er in sich geht, kommen so gut wie gar nicht vor. Stattdessen erwartet Marty Supreme, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer einem vollkommen unsympathischen Narzissten auf seinem Weg folgen wollen. Das zu beobachten ist zwar faszinierend, aber nur selten packend und inhaltlich so sprunghaft, dass man sich öfter fragen muss, ob was gerade geschehen ist, wirklich passierte. Handwerklich beeindruckend, richtet sich das – ohne irgendeine Identifikationsfigur – am Ende nur an ein spezielles Publikum. Das aber erwartet eine richtige Achterbahnfahrt.



Die Blu-ray-Disc-Veröffentlichung von Marty Supreme

Wertung der Blu-ray-Disc: 4.5 von 6 Punkten

Features der Blu-ray
Tonspuren  • Deutsch DTS-HD 7.1
 • Englisch Dolby Atmos 11.1
 • Audiokommentar des Regisseurs Josh Safdie DTS-HD 2.0
Untertitel Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras*  • Deutscher Kinotrailer 1 (2 min.)
 • Deutscher Kinotrailer 2 (3 min.)
 • Original-Trailer 1 (2 min.)
 • Original-Trailer 2 (2 min.)
 • Bildergalerie (2 min.)
 • Kamera-Test* (4 min.)
 • Making-of: Dream Big* (20 min.)
 • Trailer
    ▸ Greenland 2 (2 min.)
    ▸ Shelter (2 min.)
    ▸ Ein Sommer in Italien – WM 1990 (2 min.)
    ▸ The Life of Chuck (2 min.)
    ▸ Better Man – Die Robbie Williams Story (2 min.)

ohne deutsche Untertitel
* Original mit deutschen Untertiteln

Marty Supreme-Packshot Marty Supreme
ist seit dem 12. Mai 2026
von TOBIS Film digital und
ab 29. Mai 2026 auf DVD, Blu-ray
sowie 4K-UHD-Blu-ray,
im Vertrieb von LEONINE,
im Vertrieb von PLAION PICTURES
erhältlich!
Urheberrecht des Bildes liegt bei TOBIS Film
Verwendet mit freundlicher Genehmigung.
 

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