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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 21. März 2026
Originaltitel: Predator: Killer of Killers
Laufzeit: 85 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Dan Trachtenberg, Joshua Wassung
Musik: Benjamin Wallfisch
Stimmen: Lindsay LaVanchy, Louis Ozawa Changchien, Rick Gonzalez, Michael Biehn, Doug Cockle, Damien Haas, Lauren Holt, Jeff Leach, Piotr Michael, Andrew Morgado, Alessa Luz Martinez, Felix Solis, Britton Watkins, Cherami Leigh
Kurzinhalt:
Seit Jahrhunderten gehen die Yautja auf der Erde auf die Jagd. Im 9. Jahrhundert stellt sich ein Predator Ursa (Lindsay LaVanchy), die mit ihrem Sohn Anders (Damien Haas) und ihrem Wikingerstamm eine alte Schuld beglichen hat. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beobachtet ein weiterer Yautja-Krieger, wie sich der in Ungnade gefallene Sohn eines Samurai, Kenji Kawakami (Louis Ozawa Changchien), in Japan seinem Bruder stellt, nachdem er die Familie viele Jahre zuvor verlassen hatte. Und im Jahr 1942 wird John Torres (Rick Gonzalez), der als Mechaniker auf einem Flugzeugträger dient, auf einen Gegner aufmerksam, der über Technologie verfügt, die nicht von dieser Welt ist. Sie alle ahnen nicht, dass ihre Begegnungen nur der Beginn einer viel größeren Prüfung sind …
Kritik:
Filmemacher Dan Trachtenberg hat das Predator-Franchise geprägt wie kaum ein anderer. Nach seinem Überraschungserfolg Prey [2022], der den außerirdischen Jäger ins frühe 18. Jahrhundert entsendet, und noch vor seinem Predator: Badlands [2025], der den Antagonisten als Sympathieträger ins Zentrum rückt, erzählt er in Predator: Killer of Killers in drei Geschichten von weiteren Begegnungen der Menschen mit dem tödlichen Alien. Doch so stilistisch einfallsreich das auf den ersten Blick sein mag, spätestens im letzten Drittel wirkt das weniger wie ein abendfüllender Spielfilm, denn ein animiertes Comic, das überdies die Auflösung der übrigen Geschichten in der Luft zerreißt.
Die erste Geschichte setzt im Jahr 841 in Skandinavien an, wo Wikingerkriegerin Ursa mit ihrem Sohn Anders und ihrem Clan auf einem Rachefeldzug sind. Doch gerade, als sie glauben, ihr Ziel erreicht zu haben, steht ihnen ein riesiges Wesen gegenüber, das sich unsichtbar machen kann und mit nie gesehenen Waffen kämpft. Im Jahr 1629 kehrt der Shinobi Kenji in seine Heimat zurück, die er 20 Jahre zuvor verlassen hatte, nachdem er gezwungen wurde, gegen seinen Bruder zu kämpfen. Dem stellt er sich nun nach dem Tod ihres Vaters erneut, bis sich ein Wesen mit verheerenden Waffen in den Kampf einmischt. Schließlich wird im Jahr 1942 der junge John Torres für den Zweiten Weltkrieg eingezogen und als Mechaniker für die Alliierten auf einem Flugzeugträger im Atlantik eingesetzt, als die Fliegerstaffel bei einem verheerenden Angriff durch einen unbekannten Feind dezimiert wird.
Dass diese drei Geschichten am Ende zusammengeführt werden, ist spätestens nach der zweiten offensichtlich und in gewisser Weise ist die dritte Story die einfallsreichste, da sie die bisherige Idee eines Kampfes gegen die Yautja – die Spezies der Predators – abwandelt und in die Lüfte verlegt. Dies bedeutet aber auch, dass der Ablauf der vorigen Episoden in Predator: Killer of Killers überaus absehbar ist. Überraschend ist allenfalls, wie grafisch Regisseur Trachtenberg die Kämpfe in Szene setzt. Die übrigen Teile der Reihe sind allesamt nicht für ein zartbesaitetes Publikum geeignet, doch scheint der Animationsfilm geradezu darum bemüht, neue Wege zu finden, das Gemetzel ins Zentrum zu rücken. Erstechen oder Erschießen sind dabei noch die „humansten“ Dahinscheidungsgründe. Öfter als nicht wird hier aufgespießt, enthauptet oder anderweitig verstümmelt. Dass dies jeweils in Großaufnahme eingefangen wird, unterstreicht vielmehr, dass die Brutalität der Unterhaltung dienen soll. Wäre dies aber nicht gezeichnet, sondern als Realspielfilm umgesetzt, wäre Manches auf Grund der ausufernden Brutalität wohl aber nicht so im endgültigen Film gelandet.
Ebenso wie viele Szenen, in denen die Figuren dutzende Meter durch die Luft springen oder unmögliche Bewegungen absolvieren. In diesen Momenten zeigt sich Predator: Killer of Killers mehr als filmisches Comic, denn lediglich ein animierter Teil des Predator-Franchise. Nur unter dieser Prämisse kann man zahlreiche Situationen im letzten Drittel überhaupt akzeptieren, in denen Figuren an sich tödliche Hiebe oder Schläge überleben, oder von einem Moment auf den anderen herausgefunden haben, wie ein außerirdisches Fluggerät funktioniert, auf dem sie noch nie gesessen haben. In Comics mag das funktionieren, in einer herkömmlichen, filmischen Erzählung würde sich das Publikum kopfschüttelnd fragen, ob die Verantwortlichen das Ernst meinen.
Dabei ist die handwerkliche Umsetzung im Grunde durchaus gelungen, wenn man sich mit einigen Eigenheiten anfreunden kann. Dass die unterschiedlichen Episoden stilistisch leicht verschieden sind, Figuren weicher oder härter gezeichnet erscheinen, von der Farbpalette oder den Details im Hintergrund ganz zu schweigen, ist eine gute Idee. Doch folgt Filmemacher Trachtenberg dem Trend in Animationsfilmen, dass die Figuren nicht mit derselben Anzahl an Bildern pro Sekunde animiert sind, wie andere Elemente der Szenerie. Das Ergebnis sind leicht hakelige Bewegungen, mit denen darüber hinaus stellenweise ein leichter Nachzieheffekt einhergeht. Die Hintergründe sind dabei nicht unbedingt karg, wiederholen sich aber sichtbar, ohne dass sie wirklich lebendig erscheinen. Man fühlt sich beinahe an generativ erstellte Welten von Videospielen erinnert. Am Stil von Predator: Killer of Killers mögen sich die Geister scheiden, er ist aber für das inzwischen beinahe 40 Jahre alte Franchise unzweifelhaft ein frischer Ansatz.
Trotz einiger neuer Ideen hat sich an dessen Ausgangslage aber nicht wirklich etwas geändert. In den ersten beiden Episoden bleibt Regisseur Trachtenberg dem Konzept treu und präsentiert einen Konflikt, dem der Predator lediglich beitritt. Die dritte Story findet hingegen einen frischen Ansatz und ersetzt den Predator als Gegenspieler zum Helden durch dessen Raumschiff, das den menschlichen Flugzeugen weit überlegen ist. Weshalb er die Jagdflieger überhaupt vom Himmel holt, wird zwar nie aufgelöst, dafür wartet Predator: Killer of Killers jedoch mit vielen neuen Waffen der außerirdischen Spezies auf, die allesamt darauf ausgelegt sind, noch mehr körperlichen Schaden zu verursachen, als die bereits bekannten. Ob das inhaltlich wirklich notwendig ist, sei dahingestellt. Fans der Reihe finden hier zumindest einen neuartigen Ansatz, der gleichzeitig darum bemüht ist, die bisherigen Filme der Reihe zusammen zu bringen. Dass genau dieser Aspekt aber gelinde gesagt für Kontroversen sorgen kann, ist mehr als nachvollziehbar.
Fazit:
Nicht nur, dass Filmemacher Dan Trachtenberg mehr vom Hintergrund der Predator-Spezies vorstellt, er verleiht ihrer Kultur eine merkliche Tiefe und stellt auch Zusammenhänge mit den übrigen Filmen der Reihe her. Doch gerade die letzten Minuten lassen alle hart erkämpften Erfolge der Hauptfiguren der bisherigen Filme verpuffen und berauben diese ihrer letztendlichen Aussage, insbesondere Predator 2 [1990]. Wäre dies ein Fanprojekt oder ein Comic, könnte man diesen Aspekt übersehen, doch in Anbetracht dessen, wie stark Trachtenberg das Franchise verzahnt, scheidet diese Möglichkeit wohl aus. Die ersten beiden Episoden seines Anthologie-Films präsentieren zwar jeweils eine grundlegend andere Situation, aber was er darin erzählt, folgt dem aus den vorigen Filmen bekannten Mustern. Statt eine animierte Geschichte zu erzählen, warten die Figuren hier mit Fähigkeiten auf, die in filmischer Form keinen wirklichen Sinn ergeben. Ob Predator: Killer of Killers für das Publikum funktioniert, liegt maßgeblich daran, ob dieses eben das Comicambiente akzeptiert und Gefallen am Stil der Animation findet. Die ist zwar einfallsreich, aber auch eigenwillig und erinnert bei den leblosen Hintergründen mehr an ein Videospiel. Als brachiale Science Fiction-Unterhaltung ist dies kurzweilig, aber auch nie packend oder inhaltlich überraschend.



