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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 28. Februar 2026
Originaltitel: Titan A.E.
Laufzeit: 94 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
Regie: Don Bluth, Gary Goldman
Musik: Graeme Revell, Tim Simonec
Stimmen: Matt Damon (Holger Speckhahn), Bill Pullman (Detlef Bierstedt), Drew Barrymore (Alexandra Neldel), Nathan Lane (Mirco Nontschew), John Leguizamo (Tobias Meister), Janeane Garofalo (Anke Reitzenstein), Ron Perlman (Tilo Schmitz), Tone Lōc, Jim Breuer, Christopher Scarabosio, Jim Cummings, Alex D. Linz
Kurzinhalt:
Im Jahr 3028 wird die Erde von den außerirdischen Drej angegriffen. Die Energiewesen fürchten, dass die Menschheit eine Gefahr für sie bedeuten könnte. Grund hierfür ist das Projekt Titan, an dem Professor Sam Tucker (Ron Perlman / Tilo Schmitz) gearbeitet hat. Es gelingt ihm zwar, die Titan, ein Raumschiff, in Sicherheit zu bringen, bevor die Drej die Erde zerstören, doch er muss seinen jungen Sohn Cale (Alex D. Linz) bei anderen Überlebenden zurücklassen. 15 Jahre später arbeitet Cale (Matt Damon / Holger Speckhahn) auf einem Weltraumschrottplatz, als unerwartet Sams ehemaliger Kollege Captain Korso (Bill Pullman / Detlef Bierstedt) vor ihm steht. Jahrelang hat er nach Cale gesucht, da dieser – ohne es zu wissen – den Schlüssel bei sich trägt, die versteckte Titan zu finden und der Menschheit zu einem Neubeginn zu verhelfen. Aber nicht nur, dass Cale bitter und enttäuscht ist, von seinem Vater damals zurückgelassen worden zu sein, er ist auch der Meinung, dass die Menschheit vielleicht gar keine zweite Chance verdient hat. Bis er der Überlebenden Akima (Drew Barrymore / Alexandra Neldel) von Korsos Mannschaft begegnet. Doch die Drej sind ihnen dicht auf den Fersen, darauf aus, die Titan und die Bedrohung, die von ihr ausgeht, ein für alle Mal zu zerstören …
Kritik:
Don Bluths Animationsfilm Titan A.E. ist gleichermaßen seiner Zeit voraus wie er ein Kind derselben ist. Ursprünglich als regulärer Spielfilm konzipiert, erzählt die Science Fiction-Geschichte von der Suche seiner Figuren nach einer neuen Heimat im 31. Jahrhundert, nachdem die Erde durch Außerirdische zerstört wurde. Das ist überraschend düster und immens temporeich, aber in vielerlei Hinsicht kaum ausgearbeitet und bietet darum deutlich mehr Potential, als die kurze Laufzeit zu nutzen vermag.
Wenige Jahre, nachdem auch ein junges Publikum in Independence Day [1996] miterleben konnte, wie sich die Menschheit gegen die Invasion einer außerirdischen Spezies zur Wehr gesetzt hat, muss es hier mitansehen, wie die Erde im Jahr 3028 von den außerirdischen Drej, einer Spezies, die aus reiner Energie besteht, vernichtet wird. 15 Jahre später sind die Menschen in der Galaxie verstreut und haben sich Teils zu kleinen Kolonien zusammengeschlossen. Ohne Heimat oder einen gemeinsamen Bezugspunkt. Einer von ihnen ist Cale Tucker, der inzwischen Bergungsarbeiten durchführt und die Zerstörung der Erde selbst miterlebt hat. Sein Vater hatte ihn bei anderen Überlebenden gelassen, um das Projekt zu schützen, das den Zorn der Drej überhaupt erst auf sich gezogen hat, so dass sie die Menschheit vernichten wollten: Titan. Cales Vater versteckte das Raumschiff, weshalb Captain Korso seit der Zerstörung der Erde auf der Suche nach Cale ist. Cale hält, ohne es zu ahnen, buchstäblich den Schlüssel für die Zukunft der Menschheit in der Hand. Nur mit seiner Hilfe soll es möglich sein, die Titan zu finden. Doch die Drej sind Korso dicht auf den Fersen und so macht sich Cale mit ihm und Korsos Mannschaft um Akima auf, die Titan zu finden.
Die Idee von Titan A.E. bietet sich für ein packendes Science Fiction-Abenteuer spürbar an und wurde nur deshalb als Animationsfilm umgesetzt, da man fürchtete, man könnte die Vision mit dem geplanten Budget nicht entsprechend umsetzen. Dass ausgerechnet Filmemacher Don Bluth hierfür verantwortlich zeichnet, der mit Filmen wie Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH [1982] oder In einem Land vor unserer Zeit [1988] bekannt wurde, scheint eine ungewöhnliche Wahl und tatsächlich war er auch nicht die erste. Vielmehr war die Produktion bereits eineinhalb Jahre im Gang, als Bluth und Goldman, die zuvor Anastasia [1997] als Animationsfilm adaptierten, zu dem Projekt stießen. Sie hatten in etwa wieder so lange Zeit, um Titan A.E. von Grund auf neu zu gestalten. Dabei setzen sie (glücklicherweise) nicht auf ein Animationsmusical, sondern wählen eine dem Thema angemessene, düsterere Herangehensweise, die beinahe von japanischen Animefilmen inspiriert scheint. Hier werden Figuren erschossen, aufgespießt oder sogar zu Brei verarbeitet. Für ein ganz junges Publikum eignet sich das trotz einiger humorvoller Einlagen daher kaum.
Vor allem jedoch präsentieren die Verantwortlichen mit Titan A.E. keinen klassischen Zeichentrickfilm, sondern verschmelzen die herkömmliche Animation mit weitreichenden Computersequenzen, die von niemand geringerem als Blue Sky Studios stammen, dem Studio hinter den Ice Age-Filmen. Die Computeranimation betrifft hier meistens die Hintergründe, manchmal jedoch auch die Bewegung mancher Objekte im Vordergrund oder einzelne Bildelemente allgemein. Das hat jedoch in vielen Augenblicken zur Folge, dass sich die handgezeichneten Elemente weniger geschmeidig oder dreidimensional bewegen, als dies bei den computergenerierten Teilen des Bildes der Fall ist. Es ist eine Mischung, die dem Film zwar einen ganz eigenen Look verleiht, der aber weniger aus einem Guss wirkt, als es bei vielen heutigen Produktionen der Fall ist. Zu oft erscheinen die computergenerierten Bildbestandteile flach und eindimensional, als würde ihnen Bewegung oder Textur fehlen. Am offensichtlichsten ist dies bei der letzten Einstellung mit Cale und Akima oder wenn Cale durch den Nebel mit den engelhaften Wesen fliegt.
Diese sichtbaren Ungereimtheiten können dabei kaum verbergen, dass das Drehbuch, an dem letztlich wenigstens fünf verschiedene Personen Hand angelegt haben, Lücken aufweist, die die Geschichte viel von ihrer möglichen Zugkraft kosten. Nicht nur, dass nie wirklich geklärt wird, weshalb die Drej in der Menschheit eine so große Gefahr sehen, dass sie sie vernichten wollen, was aus Cales Vater geworden ist, wird nicht wirklich aufgelöst. Ebenso wenig, wie die wertvolle Fracht der Titan zum Einsatz kommen soll. Dafür gibt sich Titan A.E. Mühe, Cale als jemanden vorzustellen, der von seinem Vater und allen anderen derart enttäuscht ist, dass ihn die Aussicht, der Menschheit eine neue Heimat zu geben, nicht motivieren kann. Es ist vielmehr Akima und ihre Sicht auf die Dinge sowie seine Erfahrungen in den Kolonien der Menschen, die ihn überzeugen, dass die Menschheit eine neue Chance verdient. Seine persönliche Entwicklung ist durchaus gelungen, auch wenn vor allem die übrigen Mitglieder von Korsos Crew kaum zur Geltung kommen. Mit den vielen verschiedenen Aliens sieht es ähnlich aus. Es gibt hier viele unterschiedliche Spezies, aber keine einzige scheint mehr als einmal aufzutauchen. Es ist beinahe, als würden die Filmemacher Bluth und Goldman eine Tür in eine großes Universum aufstoßen, doch anstatt es wirklich mit Leben zu füllen, springt die Geschichte von einer Actionszene zur nächsten. Das ist unzweifelhaft unterhaltsam und für einen Animationsfilm eines großen Studios zu jener Zeit ungewöhnlich, aber am Ende doch mehr ein Konzept, als eine ausgearbeitete Geschichte.
Fazit:
Die Idee, eine im Grunde ernste Science Fiction-Geschichte in einem Medium zu erzählen, das gemeinhin mit klassischen Kinderfilmen in Verbindung gebracht wird, ist wenn nichts anderes, dann durchaus mutig. Ein Mut, der am Ende nicht belohnt wurde, enttäuschte Don Bluths und Gary Goldmans Film finanziell doch so sehr, dass sogar ein im Abspann angekündigtes Videospiel gar nicht erst erschien. Vielleicht wollten die Verantwortlichen mit ihrer ungewöhnlichen Adaption aber auch zu viel auf einmal. Zusätzlich zu einer Geschichte, die in den ersten Minuten bereits den Untergang der Welt thematisiert, untermalen sie insbesondere die Actionszenen mit laut eingespielter Rockmusik, während die Mischung aus computergenerierten Animation und Zeichentrick nicht immer wirklich stimmig erscheint. Sieht man sich beispielsweise die fantastische Sequenz mit den riesigen Eiskristallen an (für jedes Surround-System eine wahre Wucht), wünscht man sich beinahe, die ganze Erzählung wäre als Computeranimation umgesetzt worden. Wie das hätte aussehen können, deutete Final Fantasy: Die Mächte in dir [2001] wenig später an. Titan A.E. war insoweit seiner Zeit womöglich schlicht voraus, während manche grob wirkenden Trickeffekte hingegen unterstreichen, dass die Technik noch nicht so weit war, wie sie hätte sein sollen. Als temporeiches und von der Idee her durchaus interessantes Abenteuer, ist der Film aber immer noch überaus gelungen. Selbst wenn die Geschichte mehr Potential bietet, als hier genutzt wird.


