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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 1. März 2026
Originaltitel: Road House
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2024
FSK-Freigabe: ab 18 Jahren
Regie: Doug Liman
Musik: Christophe Beck
Besetzung: Jake Gyllenhaal, Daniela Melchior, Conor McGregor, Billy Magnussen, Jessica Williams, B.K. Cannon, Joaquim de Almeida, Austin Post, Lukas Gage, Dominique Columbus, Arturo Castro, J. D. Pardo, Beau Knapp, Hannah Love Lanier, Kevin Carroll
Kurzinhalt:
Der ehemalige UFC-Kämpfer Dalton (Jake Gyllenhaal) verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Untergrundkämpfen, die er teilweise nicht einmal antreten muss, da sein Ruf ihm vorauseilt. Das Angebot der Barbesitzerin Frankie (Jessica Williams), die jemanden sucht, der ihre Bar auf den Florida Keys von gewaltbereiten Gästen befreit, lehnt Dalton zunächst ab, macht sich dann aber doch auf den Weg. Vor Ort findet er eine eingeschworene Gemeinschaft vor und eine durchaus beliebte Bar, die regelmäßig Gäste anzieht, die dort nur für Ärger sorgen. Darunter ist auch Dell (J. D. Pardo), der jedoch lediglich für den einflussreichen Ben Brandt (Billy Magnussen) arbeitet. Weshalb Brandt Frankies Bar ruinieren will, kann sich Dalton nicht erklären, der nach einer Schlägerei die Ärztin Ellie (Daniela Melchior) kennenlernt. Da Brandts Pläne aber dank Dalton keine Früchte tragen, wird der brutale Knox (Conor McGregor) geschickt, um das „Road House“ und Dalton in die Knie zu zwingen …
Kritik:
Doug Limans Remake des gleichnamigen Patrick Swayze-Originals aus dem Jahr 1989 ist über weite Strecken derart leichtfüßige, wenn auch nicht zimperliche Actionunterhaltung, dass man den Wechsel im letzten Drittel umso mehr spürt. Für ein erwachsenes Publikum in der richtigen Stimmung ist Road House dennoch genau das, was die Vorschau verspricht. Solange man nicht beginnt, über das Gezeigte nachzudenken oder eine ausgereifte Story dahinter zu vermuten. Damit halten sich die Verantwortlichen nicht auf.
Der Vorlage bleibt die Neuinterpretation erstaunlich treu, verlagert das Geschehen aber an die sonnigen Florida Keys. Dort hat Barbesitzerin Frankie das „Road House“ von ihrem Onkel übernommen und sucht einen Rausschmeißer, der die Art Gäste abhält, die die Bar zuletzt jeden Abend verwüstet haben. Der ehemalige UFC-Mittelgewicht-Kämpfer Dalton ist eigentlich nicht ihre erste Wahl, aber als sie sieht, dass sein Gegner bei einem Untergrundwettkampf aufgibt, noch bevor sie in den Ring steigen, da Daltons Ruf ihm vorauseilt, heuert sie ihn an. In der Gemeinde Glass Key angekommen, findet Dalton eine gut geführte Bar vor, bis eine Gruppe Biker eintrifft, die für Ärger sorgt. Den kann Dalton zwar abwenden, aber er durchkreuzt damit die Pläne des einflussreichen Ben Brandt, für den die Biker arbeiten. Je länger sich die Situation hinzieht, umso mehr steht für Ben auf dem Spiel, dessen Vater den brutalen Knox beauftragt, die Lage ein für allemal zu klären. In der eingeschworenen Gemeinde hat Dalton zwar Kontakt mit der Ärztin Ellie knüpfen können, aber auf die Hilfe des Sheriffs kann er nicht hoffen. Knox und Brandts Schergen sind Dalton dabei nicht nur zahlenmäßig weit überlegen.
Selbst wenn die Geschichte andeutet, dass Brandt selbst unter Druck geraten und sein immer skrupelloseres Vorgehen gegenüber Frankie diesem Zugzwang geschuldet ist, Road House gibt sich keine Mühe, diesen Aspekt der Story weiter zu vertiefen. Auch braucht es die Nebenfigur des Sheriffs im Grunde nicht, der letztlich nichts zu tun bekommt. Stattdessen kleidet Filmemacher Liman seine Erzählung in chice Bilder und fängt vor einer traumhaften Inselkulisse eine Erzählung ein, bei der nicht nur Dalton stets mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Szenerie stapft, selbst wenn er nur Minuten zuvor mitangesehen hat, wie jemand von einem Krokodil gefressen wurde. Dalton gibt seinem Gegenüber stets die Wahl, den Konflikt ohne Gewalt aufzulösen und bleibt dabei auf eine beinahe herablassende Art und Weise höflich. Es ist eine Eigenschaft, die er in gewisser Hinsicht mit seinem großen Widersacher Knox gemein hat, der in beinahe allen seinen Szenen ein derart breites Grinsen an den Tag legt, dass man auch die Brutalität, die von ihm ausgeht, kaum ernst zu nehmen vermag. Die besitzt trotz der vielen gebrochenen Knochen und der blutigen Kampfeinlagen dennoch eine popcornhafte Verklärung, dass man fast vergessen könnte, wie viele Kiefer und Schädelknochen bei den gezeigten Kämpfen tatsächlich gebrochen würden.
Diese Verharmlosung der Gewalt mag auch der Grund sein, weshalb das Remake von Road House eine höhere Altersfreigabe erhalten hat, als das Original zwischenzeitlich. Unbestritten, Gewalt ist keine Lösung und sie hier auf diese Weise dargestellt zu sehen, verlangt auch ein Publikum, das sich der oberflächlichen Absurdität der Story bewusst ist. Aber Dalton zu hören, wie er einem Bösewicht ankündigt, dass er seine Waffe mit gebrochenen Fingern nicht wird abfeuern können, oder wenn er sich erkundigt, wie weit das nächste Krankenhaus entfernt ist und ob seine Gegner krankenversichert sind, ist schlichtweg lustig. Brutal, sicherlich, aber lustig. Dass die Struktur der Story alten Western entspricht und bereits unzählige Male erzählt wurde, sprechen die Figuren hier selbst an. All das funktioniert unter anderem Dank der gut gelaunten Besetzung, angeführt von einem physisch sichtlich geforderten Jake Gyllenhaal, tadellos. Bis die Geschichte die leichtfüßige Stimmung zu Beginn des dritten Akts in den Keller bringt und sichtbar Schwierigkeiten hat, sich daraus wieder zu befreien.
Dann nämlich muss Dalton nicht nur viele Schläge einstecken, es kommt auch der obligatorische Tiefpunkt, an dem alles verloren scheint. Was folgt, ist eine Eskalation der Gewalt, bei der Dalton eine Grenze überschreitet, aber immer noch munter lächelt. Das passt so wenig zusammen, wie die gesamte Hintergrundgeschichte um Brandts Verbindlichkeiten oder eine Geldübergabe mitten im Nirgendwo, die inhaltlich keinen wirklichen Sinn ergeben oder so stark zusammengestrichen wurden, dass sie wie ein verkrampfter Zusatz der Story im letzten Akt wirken. Die springt dann von einer Actionsequenz zur nächsten, gepaart mit vollkommen überzogenen Stunts, aber die Leichtigkeit der ersten Stunde gewinnt Road House nicht zurück. Nimmt man den Film aber als das, was er sein will und was ihm bis dahin optisch ansprechend und tadellos umgesetzt gelungen ist, kann man sich davon durchaus unterhalten lassen. Ansprüche an die Geschichte sollte man nur lieber nicht stellen.
Fazit:
Dass die Verantwortlichen 35 Jahre nach dem Original keine ausgefeiltere Geschichte oder komplexere Figuren vorstellen, sondern vielmehr die Hintergrundgeschichte noch simpler gerät, ist schade. Doch hinsichtlich der vielen Faustkämpfe packt Regisseur Doug Liman merklich eine Schippe drauf, auch wenn die zum Teil so schnell und teils mit Hilfe von Computertricks umgesetzt sind, dass das Geschehen mehr an ein Videospiel als einen Film erinnert. Vielleicht hilft aber auch gerade dieser Aspekt, dass die verharmlosend dargestellte Gewalt dem Publikum nicht übel aufschlägt. Kaum einer der Beteiligten würde nach einem wie hier dargestellten Kampf wieder aufstehen, geschweige denn sprechen können. Aber sei’s drum, nimmt man Road House als brachiale, leichtfüßige Actionunterhaltung ohne Anspruch vor einer ansprechenden Kulisse, ist das zumindest nie langweilig. Dass die oberflächliche Story vor allem im letzten Drittel keinen großen Sinn ergibt, kann man da leicht verzeihen, wenn die Erwartungshaltung stimmt.



