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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 22. Juni 2026
Originaltitel: Minions & Monsters
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt
Regie: Pierre Coffin, Patrick Delage
Musik: John Powell
Stimmen: Pierre Coffin, Trey Parker, Jesse Eisenberg, Zoey Deutch, Allison Janney, Bobby Moynihan, Phil LaMarr, Christoph Waltz, Jeff Bridges
Kurzinhalt:
Lange, bevor sie auf Gru trafen, streiften Stämme der Minions (Pierre Coffin) durch die Welt auf der Suche nach dem Big Boss, dem bösesten Schurken, dem sie dienen konnten. Als sie Ende der 1920er-Jahre in Los Angeles eintreffen, werden sie von Hollywood-Regisseur Max (Christoph Waltz) entdeckt, der die Minions auf die große Leinwand bringt. Vor allem Minion James, der immer schon kreativ war und sich Geschichten ausdachte, ist fasziniert von der Filmwelt. Umso schlimmer ist es für ihn, als die Minions beim Studio in Ungnade fallen, als der Ton in den Film Einzug hält. Während James, sein Freund Henry und der stumme Ed einen Weg suchen, selbst einen Film zu produzieren, in dem sich die Minions Monster stellen, machen sich die übrigen Minions mit Dick als Anführer auf die Suche nach einem Big Boss. In dem menschlich aussehenden, außerirdischen Roboter Dort (Jesse Eisenberg) glauben sie, einen großen, bösen Schurken gefunden zu haben. Aber ist Dort wirklich ein Schurke, der die Welt versklaven will? Und können James, Henry und Ed dem Monster Goomi (Trey Parker) trauen, das sie aus einem Monsterbuch befreit haben, damit es in ihrem Film mitspielt?
Kritik:
Im Kern ist das bereits dritte alleinige Abenteuer um die gelben, willfährigen Schurkenhelfer Minions eine große Hommage an die große Ära des Monsterfilms der hollywoodschen Traumfabrik. Zwar ist auch Minions & Monster mit Aspekten versehen, die am Ende für die Erzählung nicht wirklich wichtig sind, und der Humor richtet sich hauptsächlich an ein sehr junges Publikum. Aber vor allem die vielen Verweise an Genreklassiker werden ein erfahrene Zuseherinnen und Zuseher freuen. Durchweg unterhaltsam ist es obendrein.
Wie die vorigen Teile der Reihe, ist auch dieser zeitlich vor den Ich – Einfach unverbesserlich-Filmen angesiedelt, selbst wenn die eigentliche Erzählung heute anfängt. In einem Filmmuseum wird den Besucherinnen und Besuchern von zwei der einflussreichsten Stars des Showgeschäfts aller Zeiten berichtet, den Minions James und Henry. Sie beide haben nicht nur Hollywood, sondern die ganze Welt verändert. Ihre Geschichte beginnt, als die verschiedenen Stämme der Minions die Erde durchstreiften auf der Suche nach dem bösesten Schurken, dem sie dienen konnten, dem Big Boss. Ihre Wege führten sie zu griechischen Inseln, wo sie Zyklopen zu dienen versuchten, zu finsteren Zauberern, an deren Ableben sie nur mittelbar beteiligt waren, und schließlich nach Los Angeles. Dort wurden die Minions zu großen Stars, ihre Filme zu Straßenfegern. Es ließ sie sogar die Suche nach dem Big Boss vergessen. Bis 1927 der Ton Einzug in den Film hält und das Unvermögen der Gelblinge, Dialoge sprechen zu können, ihnen zum Verhängnis wird. Aus Hollywood verbannt, ist es James’ größter Wunsch, selbst einen Film zu drehen. Während sich der Anführer des Minion-Stamms, Dick, mit den übrigen aufmacht, einen großen Schurken zu finden, setzt James mit seinem Freund Henry und dem stummen Minion Ed alles daran, einen Monsterfilm in Szene zu setzen. Dafür entfesseln sie das lange in einem Zauberbuch gefangene Wesen Goomi, das verspricht, ihnen zu helfen. Aber können sie ihm wirklich trauen?
Nicht erst, wenn die gar nicht so unverständlich brabbelnden Minions in Hollywood (das seinen heutigen Namen durch sie erst erhält) ankommen, wird deutlich, worauf die Verantwortlichen hier aus sind. Die ersten Minuten bereits sind gefüllt mit Ausschnitten aus prägenden Werken des Mediums Film. Angefangen von Eadweard Muybridges The Horse in Motion [1878] bis hin zu Georges Méliès’ Die Reise zum Mond [1902]. Die eigentliche Geschichte mutet dabei im ersten Moment an, als wäre auch Minions & Monster nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung von Sketches, die wenn nicht hier, dann am besten als Kurzfilme präsentiert würden. Sei es, wenn die Minions auf einer griechischen Insel ihren Big Boss suchen bzw. in Schlössern oder Königshäusern durch die Jahrhunderte hinweg erfolglos bleiben. Doch dann kommen sie in Los Angeles an und dass sie vor der Kamera einem Schurken dienen, ist beinahe so erfüllend wie die Wirklichkeit. Werden sie aus der Traumfabrik vertrieben, hat es gewissermaßen den Anschein, als wäre die erste „Episode“ der in den vergangenen Filmen aus mehreren einzelnen Abschnitten bestehenden Geschichte zu Ende, aber tatsächlich verknüpfen die Verantwortlichen die beiden Erzählstränge, die sie von dort aus entwickeln, am Ende erstaunlich gut miteinander.
Die bestehen zum einen aus James, Henry und Ed, die ihren Film mit Hilfe von wirklichen Monstern, die sie aus einem Zauberbuch befreien, umsetzen wollen, und zum anderen aus Dick und den übrigen Minions, die einem menschlich anmutenden Roboter namens Dort begegnen, der behauptet, von einem anderen Planeten zu stammen und die Menschheit versklaven will. Was es damit auf sich hat, sei an der Stelle nicht verraten, außer dass Minions & Monster beide Aspekte miteinander kombiniert, Aliens und Monster, so dass der Animationsfilm dem Genre durchaus alle Ehre macht. Dazu zählen auch die vielen, vielen Anspielungen, die hier manchmal offensichtlich und manchmal versteckt eingestreut sind. Von einem Gastauftritt von George Lucas über Fritz Langs Metropolis [1927] bis hin zu Der Schrecken vom Amazonas [1954] ist alles vertreten. Aber nicht erst, wenn James hofft, einen Oscar zu gewinnen, wird für ein informiertes Publikum offensichtlich, dass hier etwas nicht stimmt, denn die erste Verleihung fand 1929 und damit nach den Ereignissen der Erzählung statt. Auch die Verweise an Cleopatra [1963], Casablanca [1942] und Humphrey Bogart insgesamt ergeben keinen großen Sinn, der erst 1928 seine ersten Auftritte in Hollywood feierte und dessen große Berühmtheit erst später kam.
Diese Anachronismen werden aber allenfalls Filmfans stören. Minions & Monster richtet sich indes vornehmlich an ein ganz junges Publikum, das bei dem körperbetonten Humor der Minions durchaus auf seine Kosten kommt. Nichts davon ist zwar wirklich neu und man hat all das in den sechs vorangegangenen Filmen mit ihnen schon zig Mal gesehen. Aber auch hier gibt es wieder Momente, die durchaus witzig umgesetzt sind und die dank der Szenerie mit dem vermeintlichen Blick hinter die Kulissen der Filmstadt ein nicht zu unterschätzendes Flair besitzen. Das verdankt das Animationsabenteuer auch der tadellosen Präsentation, die hinsichtlich der Farben, der Reflexionen und dem gezeigten Wasser nicht nur deutlich plastischer wirkt als bislang, sondern in einigen Einstellungen wie dem nebelverhangenen Ufer mit der untergehenden Sonne zu Beginn geradezu surreal realistisch. Das rundet einen Film ab, der sich anschickt, junge Zuseherinnen und Zuseher zu unterhalten und Erwachsenen mit einem Faible für das Medium Film viele Wiederkennungswerte zu bieten. Beides wird hier erreicht.
Fazit:
Obwohl sich die vielen Anspielungen an prägende Genrefilme, bis hin zu Kampf der Welten [1953], einem jungen Publikum kaum erschließen werden, bleiben die Verantwortlichen bis in die letzten Minuten diesem Aspekt der Erzählung treu und verweisen dafür, obwohl dies eine Universal Pictures-Produktion ist, sogar offen an den Konkurrenten Warner Bros.. Es wirkt wie eine große Verbeugung vor den Errungenschaften aller Filmschaffenden in den vergangenen 150 Jahren, seit es überhaupt Filme gibt, und der Hochzeit des Monsterfilms Hollywoods im Speziellen. Minions & Monster gelingt das so gut, dass man verzeiht, dass man die meisten Ideen die Minions selbst betreffend bereits mehrmals gesehen hat. Immerhin wird verraten, wie sie an ihre ikonische Kleidung gekommen sind. Die beiden unterschiedlichen Erzählstränge harmonieren besser miteinander, als es in den vergangenen Filmen der Fall war und der wortlose Humor der Minions eignet sich wieder einmal perfekt für Kinder, die hier wie die Erwachsenen durchweg unterhalten werden. Zumindest solange, wie man keinen Tiefgang erwartet und die zeitlichen Unstimmigkeiten bereitwillig übersieht.



