In the Grey [2026]

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4–7 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Mai 2026
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: In the Grey
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Guy Ritchie
Musik: Christopher Benstead
Besetzung: Henry Cavill, Jake Gyllenhaal, Eiza González, Carlos Bardem, Kristofer Hivju, Fisher Stevens, Rosamund Pike, Emmett J. Scanlan, Jason Wong


Kurzinhalt:

Rachel Wild (Eiza González) ist eine besondere Art von Anwältin. Sie arbeitet meistens für Vermögensverwalter, die eine Schuld eintreiben wollen. So auch aktuell, als sie für Spencer Goldstein die Summe von einer Milliarde Dollar von Manny Salazar (Carlos Bardem) zurückfordert. Dem skrupellosen Magnaten gehören nicht nur Hotels, eine Jacht oder ein Flugzeug, sondern sogar eine Insel, auf der er nicht nur die Polizei in der Tasche hat. Salazars Anwalt William Horowitz (Fisher Stevens) lässt Rachel jedoch abblitzen, bis sie und ihr Team mit legalen und nicht ganz legalen Mitteln Salazar unter Druck zu setzen beginnen. In die Ecke gedrängt, setzt er nicht nur seinen Sicherheitschef Axel Olsson (Kristofer Hivju) auf Rachel an, sondern seine eigene Privatarmee. Rachels einzige Chance ist ihr Team, das von Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) geführt wird, die jeweils ganz unterschiedliche Talente besitzen …


Kritik:
So Vieles ist an Guy Ritchies Actionthriller In the Grey gelungen, es ist bedauerlich, dass der Story die letztendliche Schlagkraft fehlt, um die durchweg tadellos umgesetzte Action auf das Niveau bekannter Agenten-Filmreihen zu heben. Dabei sind im Grunde alle Zutaten vorhanden, sie werden in letzter Konsequenz nur nicht genutzt. Stellenweise amüsant und durchaus unterhaltsam ist das dennoch, wenn einem der mitunter trockene Humor gefällt.

Erzählt wird die Geschichte von Rachel Wild, die eine besondere Art von Anwältin darstellt. Ihr Spezialgebiet ist es, Schulden von sehr vermögenden Personen oder Organisationen einzutreiben, die diese nicht bezahlen wollen. Im vorliegenden Fall betrifft das den gut vernetzten Manny Salazar, der Rachels Auftraggeber eine Milliarde Dollar schuldet. Den letzten Anwalt, der versuchte, die Schulden einzutreiben, hat Salazar töten lassen, weshalb Rachel ihr bewährtes Team zum Einsatz bringt, das mit gleichermaßen legalen wie Mitteln abseits der Legalität Salazar unter Druck setzt. Während Anwältinnen und Anwälte Salazars Vermögenswerte beschlagnahmen lassen, sind die Spezialisten Sid und Bronco dafür verantwortlich, zuerst seine Geschäfte zu sabotieren, um ihn an den Verhandlungstisch zu zwingen, und später für Rachels Sicherheit zu sorgen. Aber nicht nur, dass sich Salazar auf einer spanischen Insel verschanzt, auf der er beinahe alles kontrolliert, Rachel und ihr Team stehen einer Privatarmee gegenüber, die ihnen nicht nur zahlenmäßig weit überlegen ist.

Wohin das am Ende führt, verrät In the Grey bereits zu Beginn, wenn das Finale in gewisser Weise verraten wird. Dabei hält sich die Erzählung nicht allzu lange mit Erklärungen auf. Rachel ist von Beginn an auf ihrem Gebiet eine ebenso erfahrene Akteurin wie ihr Team eingespielt. Vielmehr verwendet Regisseur Ritchie unerwartet viel Zeit darauf, die Vorbereitung des Teams auf Salazars Insel ins Zentrum zu rücken. Was in Mission: Impossible-Filmen allenfalls ein kurzer Dialog mit ein paar Einblendungen wert ist, wenn das Team einen Einbruch plant, nimmt hier einen großen Teil des zweiten Akts ein, in dem Sid und Bronco mit den übrigen Teammitgliedern die unterschiedlichen Fluchtrouten austesten und immer wieder abfahren, bis sie die besten herausgefunden haben. Das klingt nicht sonderlich spannend, tatsächlich aber gerät der Abschnitt auch dank der brodelnden Musik, die stets vermittelt, dass dies kein Spiel sondern mitunter tödlicher Ernst ist, überaus kurzweilig. Man würde nun vermuten, dass wie in anderen Actionthrillern dieser Art, die wohl vorbereiteten Pläne über Bord geworfen werden müssen, wenn es schließlich um Alles geht. Tatsächlich aber spielt sich das Finale in großen Teilen so ab, wie es angekündigt wurde und gerät damit vor allem eines nicht: überraschend.

Das bedeutet nicht, dass die Stunts nicht gelungen wären, im Gegenteil. Auch wenn man sich wünschen würde, dass Henry Cavill und Jake Gyllenhaal stärker gefordert werden, In the Grey ist sichtlich aufwändig in Szene gesetzt und Regisseur Guy Ritchie beweist ein gutes Gespür für einen langsamen Szenenaufbau, ehe er die Action entfesselt. Man mag sich gar nicht vorstellen, was möglich wäre, hätte er die Ressourcen eines James Bond-Films zur Verfügung. Dabei bleibt er seinen Markenzeichen zumindest in gewisser Hinsicht treu. Er mag zwar nicht in dem Maße auf Humor setzen, wie in vielen seiner Filme, aber die teils süffisanten Dialoge sind dennoch gelungen. Außerdem garniert er seine Erzählung mit vielen Texteinblendungen, die mitunter Details hervorheben oder Gesagtes bzw. Gezeigtes erläutern. Solche Elemente lockern die Präsentation auf, die zum Finale hin überaus bleihaltig gerät.

Der Erzählfluss gerät so nie ins Stocken, obwohl die Geschichte am Ende weit weniger komplex ausfällt, als sie vorgibt. Doch bleibt hier Potential ungenutzt, denn so gut gelaunt die Besetzung, die Figuren werden kaum vertieft und auch die größere Hintergrundstory ist am Ende einfach vorbei, ohne einen zufriedenstellenden Abschluss zu erhalten. Dass manche Figuren nur erwähnt, aber gar nie gezeigt werden, ist wohl schlicht ein MacGuffin; sie sind notwendig, damit die Geschichte funktioniert, aber für die Geschichte selbst nicht erforderlich. Was die Stimmung anbelangt, erinnert In the Grey and Ritchies Operation Fortune [2023], ohne auf dessen ausfallenden Humor zu setzen. Und wie bei jenem Agententhriller könnte man sich auch hier durchaus weitere Abenteuer mit dem Team vorstellen. Nur sollte die Story dann etwas mehr Durchschlagskraft bieten, als es hier der Fall ist.


Fazit:
Wenn Rachels abgebrühte Fassade bröckelt, nachdem sie selbst ins Visier gerät, deutet die Geschichte an, dass hinter den Figuren mehr steckt, als zu sehen ist. Doch über diesen Moment wächst das Drehbuch nie hinaus, im Gegenteil. Beginnen die Kugeln beim Finale zu fliegen, wirken alle Charaktere vollkommen gefasst, so dass man nie das Gefühl bekommt, ihnen würde die Situation entgleiten. Dabei kämpft das Team hier gegen eine gesichtslose Privatarmee. Trotzdem ist Filmemacher Guy Ritchie Vieles überaus gelungen. Die Präsentation ist nicht nur tadellos, sondern in vielerlei Hinsicht einfallsreich, dicht am Geschehen und in den spannenden Momenten toll aufgebaut, aber doch nicht unübersichtlich. Die Besetzung scheint sich sichtlich wohlzufühlen, so dass sowohl die amüsanten als auch die ernsten Momenten überzeugen. Aber es fehlt In the Grey die Wucht, die man auch von einem leichtfüßig erzählten Actionthriller erwarten würde, sowohl in der Story selbst, die nie über eine grundlegende Bedrohung hinausgeht, als auch beim Finale, das nicht so packend gerät, wie erhofft. Durchweg unterhaltsam und kurzweilig ist das aber trotzdem.
 

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