Vaiana [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 8. Juni 2026
Genre: Fantasy / Komödie / Action

Originaltitel: Moana
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: Neuseeland / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Thomas Kail
Musik: Opetaia Foa’i, Mark Mancina, Lin-Manuel Miranda
Besetzung: Catherine Laga’aia, Dwayne Johnson, Rena Owen, John Tui, Frankie Adams, Jemaine Clement (Stimme)


Kurzinhalt:

Vor 1.000 Jahren, so erzählt es ihre Großmutter Tala (Rena Owen) der jungen Vaiana (Catherine Laga’aia), stahl der Halbgott Maui (Dwayne Johnson) das Herz der Mutterinsel Te Fiti, das die Macht der Schöpfung verleiht. Doch das Herz ging verloren und Maui selbst wurde verbannt. Nun, da die Ernten auf der Insel, auf der Vaianas Volk lebt, schlecht werden und die Netze der Fischer leer bleiben, ist sie überzeugt, dass Mauis Taten Schuld daran tragen. Tala gibt ihr auf, Maui zu finden und Te Fitis Herz zu ihm zu bringen, damit er es Te Fiti zurückgibt. Vaiana trägt als Tochter des Stammesführers Tui (John Tui) und dessen designierte Nachfolgerin eine große Verantwortung. Gerade deshalb macht sie sich auf, den egozentrischen Halbgott Maui zu finden. Doch dafür muss sie das Riff der Insel verlassen und aufs offene Meer segeln, ein Schritt, den seit Generationen niemand aus ihrem Volk gewagt hat …


Kritik:
Wenn nichts anderes, beweist die Realverfilmung des erst zehn Jahre alten Animationsfilms Vaiana, was für ein Potential in der farbenfrohen Geschichte steckt. Das weiß Filmemacher Thomas Kail durchaus zu nutzen und für ein junges Publikum, das mit der Vorlage nicht vertraut ist, hat die Adaption durchaus ihren Reiz. Aber dadurch, dass dieser hier überhaupt rein gar nichts hinzugefügt wird, ist die aufwändige und doch selten überzeugende Verfilmung hauptsächlich eines: unnötig.

Seit Generationen lebt das Volk der Motunui für sich auf einer Insel. Sie sind eine Gemeinschaft von Fischern und Farmern, wobei sie stets innerhalb des Riffs bleiben. Die Tochter des Stammesführers Tui, Vaiana, zieht es seit sie klein war, aufs Meer, doch jenseits des Riffs segeln sie nicht, da dort ungeahnte Gefahren lauern. Einzig ihre als exzentrisch wahrgenommene Großmutter Tala scheint Vaiana zu verstehen. Als die Ernten schlecht werden und die Fische ausbleiben, erzählt Tala ihrer Enkelin, dass dafür der Halbgott Maui verantwortlich ist, der vor eintausend Jahren das Herz der Mutterinsel Te Fiti gestohlen hat. Will man das Verderben aufhalten, muss man den verbannten Maui finden, der das Herz Te Fitis zurückbringen muss. Bereits seit Kindertagen ist Vaiana auserwählt, diese Aufgabe zu vollbringen. Doch wie soll sie ihren Stamm und ihre Insel retten, wenn sie nie zuvor ihre Heimat verlassen hat? Es beginnt ein Abenteuer, das sie weit jenseits des Riffs führen wird.

Wie sehr sich die Geschichte an diejenige der Vorlage hält, sieht man unter anderem daran, dass beide Filme beinahe gleich lang sind. In den ein oder anderen Momenten mag Regisseur Kail dabei länger verweilen, er verwendet aber keine Zeit darauf, die Figuren weiter zu vertiefen oder die Hintergrundgeschichte stärker auszuschmücken. Selbst Vaianas schüchternes Haustierschwein Pua ist an Bord, obwohl es überhaupt nichts zu tun bekommt und ausschließlich sichtbar aus dem Computer stammt. Letzteres gilt auch für das überlebensinstinktbefreite Huhn Heihei, das aber bis auf die Auftritte in der Vorlage nicht stärker eingebunden ist. Dieser Kritikpunkt, dass die Verantwortlichen beinahe eine 1:1-Adaption des Animationsmärchens vornehmen, zieht sich im Grunde durch den gesamten Film. So sehr Vaiana seinem namensgleichen, animierten Vorgänger verhaftet bleibt, neue Impulse sucht man vollkommen vergebens. Das eigentliche Problem liegt jedoch darin, dass es kein Element gibt, das hier überzeugender gelingt, als damals.

Sei es, wenn Vaiana und Maui die riesige, Schätze anhäufende Krabbe Tamatoa im Reich der Monster aufsuchen, oder wenn Vaiana zuvor mit ihrem Vater auf dem höchsten Berg der Insel steht – die Bilder sind, wenn überhaupt, dann gleich gut gelungen wie im Animationsfilm. Aber während sich dort animierte, menschliche Figuren in einer Art und Weise bewegten, wie es nur in einer solchen Art Film möglich ist, stehen hier Catherine Laga’aia als die Titel gebende Vaiana und Dwayne Johnson als Maui vor der Kamera und in aller Regel vor vollkommen künstlichen und als künstlich erkennbaren Hintergründen. Ob überhaupt mehr als eine Handvoll Einstellungen auf dem Meer gedreht wurden, lässt sich kaum sagen. Dagegen sind die Eindrücke aus Vaianas Heimatdorf auf der Insel derart plastisch, dass man meinen könnte, man könnte den Wind auf der Haut spüren und das sich bewegende Gras berühren. Nicht nur die Optik lässt so Wünsche offen. Waren im Animationsfilm die gesungenen Liedeinlagen bereits nicht wichtig, wirken die Songs hier stellenweise so fehlplatziert und ziehen die einzelnen Momente mit überzogenen Choreografien in die Länge, dass man sich gar nicht vorstellen möchte, wie viel gelungener und straffer die Erzählung wäre, käme sie ohne Songs aus. Deshalb sind die Lieder trotzdem eingängig, aber wie wenig notwendig sie sind, wird hier noch klarer.

Das klingt insgesamt negativer, als es gemeint ist. Nicht nur, dass Vaiana die positive Botschaft der Vorlage einfängt, dasselbe gelingt beim einladenden Flair der Schauplätze und wer die Vorlage nicht kennt, wird sich hier vielleicht origineller und besser unterhalten fühlen, als es die Wertung suggeriert. Das auch, weil die Chemie zwischen Laga’aia und Johnson funktioniert und Mauis Vorstellung nebst Solo tatsächlich besser und stilistisch einfallsreicher gelungen ist, als im Animationsfilm. Aber das ändert nichts daran, dass Filmemacher Thomas Kail zu wenige Änderungen an der Story oder der Erzählweise vornimmt, so dass es keinen Grund gibt, keinen Vergleich anzustellen. Und sobald man dies tut, gibt es nichts, was für diese Interpretation der Geschichte spricht. Ob es einem jungen Publikum dabei einfacher fällt, sich in einer solchen Geschichte fallen zu lassen, wenn sie stellenweise mit realen Figuren gedreht ist, als wenn sie ausschließlich animiert präsentiert wird, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.


Fazit:
Es kommt irgendwann der Punkt, in etwa, wenn Maui auf seiner Exilinsel die Bühne betritt, da muss man selbst bei aller Skepsis im Wissen um die Animationsfilmvorlage sagen, was Filmemacher Thomas Kail hier präsentiert, ist nicht schlecht. Die Besetzung harmoniert und das mystische Flair ist ebenso spürbar wie die Atmosphäre auf Motunui. Manche Szenenübergänge wirken, gerade zum Ende hin, etwas grob, als würde der Feinschliff oder eine Einstellung fehlen, die erklären würde, weshalb die Figuren genau dort sind, wo sie sind. Aber alles in allem erlaubt sich die Umsetzung keine groben Schnitzer und folgt der Vorlage so sehr, dass man auch deren Stärken hier wiederfindet. Ein paar Bilder sind zudem wirklich schön, selbst wenn man nur sehr selten den Eindruck erhält, die Figuren wären wirklich auf dem Meer unterwegs oder am Ende auf einer realen Insel. Dass Vieles hier künstlich wirkt, ist aber nur ein Zeichen dafür, dass die Technik gut genug ist, so dass ein Animationsfilm die Stimmung gelungen genug erzeugen kann, während die Tricks in einem Realfilm nicht gut genug sind, die Illusion aufrecht zu erhalten. Aber all das steht hinten an, wenn Vaiana am Ende weder bei der Inszenierung, noch der Erzählung, dem warmherzigen Animationsfilm irgendetwas hinzufügen kann. Genau diese Wärme sucht man hier vergebens, so dass einem nicht nur alles bekannt vorkommt, sondern gleichzeitig etwas fehlt, was die Story den Zuschauerinnen und Zuschauern näher bringt. Einem jungen Publikum, das den Animationsfilm nicht kennt, wird das nicht auffallen und vielleicht richtet sich die Verfilmung genau an dieses.
 

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