The Ministry of Ungentlemanly Warfare [2024]

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5–7 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Juni 2026
Genre: Action / Komödie

Originaltitel: The Ministry of Ungentlemanly Warfare
Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien / Türkei
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Guy Ritchie
Musik: Christopher Benstead
Besetzung: Henry Cavill, Alan Ritchson, Alex Pettyfer, Eiza González, Babs Olusanmokun, Cary Elwes, Hero Fiennes Tiffin, Henry Golding, Rory Kinnear, Til Schweiger, Freddie Fox, Henry Zaga


Kurzinhalt:

Es ist ein riskantes Unterfangen, das der britische Premierminister Winston Churchill (Rory Kinnear) und Brigadier Gubbins (Cary Elwes) Ende 1941 planen. Großbritannien droht zunehmend, im Zweiten Weltkrieg zu verlieren. Die Bombenangriffe der Luftwaffe Nazi-Deutschlands sind ebenso verheerend, wie deren U-Boot-Flotte, die nicht nur die britische Marine dezimiert, sondern auch Schiffe mit Lebensmitteln an Bord oder Zivilisten. Um die Übermacht auf See zu brechen, soll die Versorgung der deutschen U-Boote mit Luftfiltern und anderen Gütern unterbunden werden. Die werden auf einem italienischen Schiff bereitgestellt, das vor der spanisch kontrollierten Insel Fernando Po an der Westküste Afrikas liegt. Die Mission ist so aussichtslos und gefährlich, dass Gubbins Gus March-Phillipps (Henry Cavill) dafür vorschlägt. Der Elitesoldat hat zwar seine eigene Auffassung von Autorität, bringt seine Aufträge aber stets zu Ende. Gus’ Team soll aus Anders Lassen (Alan Ritchson), Henry Hayes (Hero Fiennes Tiffin) und Freddy Alvarez (Henry Golding) bestehen. Geoffrey Appleyard (Alex Pettyfer) müssen sie erst noch aus deutscher Gefangenschaft auf La Palma befreien. Während auf Fernando Po Agentin Marjorie Stewart (Eiza González) und Richard Heron (Babs Olusanmokun) die Mission zu unterstützen, sehen sie sich dem misstrauischen Nazi Heinrich Luhr (Til Schweiger) gegenüber. Der hat Vorbereitungen getroffen, die Gus und sein Team vor ungeahnte Herausforderungen stellen …


Kritik:
Der auf wahren Begebenheiten basierende The Ministry of Ungentlemanly Warfare ist ein Guy Ritchie-Film durch und durch. Angefangen von einer stellenweise überaus einfallsreichen Inszenierung, bis hin zu einer durchweg gelungenen Stimmung und einigen wirklich tollen Momenten. Nur wie zuletzt, fehlt es auch dieser Geschichte über eine erst vor einigen Jahren bekannt gewordene, britische Geheimoperation während des Zweiten Weltkriegs an einer durchgehenden Zugkraft und Figuren, mit denen man wirklich mitfiebern könnte.

Die Erzählung beginnt im Jahr 1942 und beruht auf bis zu ihrer Bekanntgabe im Jahr 2016 verschlossenen Akten des britischen Premierministers Winston Churchill. Mit dessen Wissen hat Brigadier Gubbins kurz zuvor die „Operation Postmaster“ gestartet, die dem Vereinigten Königreich Luft im Krieg gegen Nazi-Deutschland verschaffen soll. Ziel ist es, die Übermacht der deutschen U-Boot-Flotte zu brechen, denen nicht nur Kriegs-, sondern auch Versorgungsschiffe zum Opfer fallen. Gleichzeitig wird Großbritannien regelmäßig von verheerenden Luftschlägen der Luftwaffe heimgesucht. Das Vereinigte Königreich ist dabei, den Krieg zu verlieren, weshalb Gubbins auf unkonventionelle Methoden setzt. Er beauftragt den in Ungnade gefallenen Gus March-Phillipps, mit einer von ihm zusammen zu stellenden Truppe nach Fernando Po im Golf von Guinea zu segeln, wo das italienische Versorgungsschiff Duchessa d’Aosta mit zwei Schleppern vor Anker liegt. Die Duchessa beherbergt Güter, die für die U-Boote Nazi-Deutschlands unersetzlich sind. Wenn es Gus und seinen Männern um Anders Lassen, Geoffrey Appleyard, Henry Hayes und Freddy Alvarez gelingt, die Boote zu versenken, wären die deutschen U-Boote nicht mehr lange einsatzfähig. Vor Ort haben die Agentin Marjorie Stewart und Richard Heron bereits Kontakte geknüpft und Vorbereitungen getroffen. Aber die Mission verläuft nicht wie geplant.

Damit ist nicht die Eröffnung gemeint, bei der Gus, Anders und Henry, unterwegs nach dem spanisch kontrollierten Fernando Po in dem neutral anmutenden, schwedischen Fischerboot Maid of Honor, eine schwer bewaffnete Nazi-Patrouille dezimieren. Das fällt den Männern ebenso leicht, wie wenn sie später den Sabotageoffizier Geoffrey Appleyard auf La Palma aus den Fängen der Gestapo befreien. The Ministry of Ungentlemanly Warfare schickt seine Protagonisten als unaufhaltsame und wenig subtil agierende Dampfwalze in einen Kampf gegen Dutzende Nazi-Soldaten, die in der Regel nicht einmal mehr so viel Zeit haben, überhaupt nur zur Waffe zu greifen. Die teils überaus zynischen Einzeiler machen die gezeigte Gewalt dabei genauso erträglich, wie die Tatsache, mit welch Menschen verachtendem Regime sich Gus und seine Mitstreiter hier anlegen. Was den Konfrontationen mit den namenlosen Nazi-Soldaten aber fehlt, ist überhaupt nur das Gefühl einer Bedrohung für die zentralen Figuren. Sie scheinen in jedem Augenblick derart übermächtig und geradezu unverwundbar, dass nie auch nur das Gefühl aufkommt, ihre Mission könnte misslingen.

Das wandelt sich ein wenig, wenn im letzten Drittel der zuvor geschmiedete Plan auf ein unüberwindbares Hindernis trifft, aber auch dann kommt kaum wirkliche Spannung auf. Die entsteht höchstens dann, wenn sich Marjorie auf Fernando Po, getarnt als Goldhändlerin, dem misstrauischen wie brutalen Heinrich Luhr gegenübersieht, den sie, damit die Mission gelingen kann, um den Finger wickeln muss. Luhr ist das einzige Element der Geschichte, das sich nicht so verhält, wie es die Protagonisten planen und vorhersehen. Umso bedauerlicher ist, dass er in das Finale nicht stärker eingebunden und schließlich beinahe antiklimaktisch aus der Geschichte geschrieben wird. Ganz abgesehen davon, dass The Ministry of Ungentlemanly Warfare ihn als Figur kaum vertieft, was daran liegen mag, dass er nicht auf einer historischen Persönlichkeit beruht. Im Gegensatz zu Premier Churchill und niemand geringerem als Lieutenant Commander Ian Fleming, späterer Autor der James Bond-Bücher, der hier am Rande einen Gastauftritt hat.

Um diese historischen Verbindungen scheint Regisseur Guy Ritchie beinahe stärker bemüht, als seine bewusst leichtfüßig gehaltene Erzählung mit entsprechend ernsteren Momenten mitreißend zu gestalten. Die Besetzung wäre dem mühelos gewachsen und scheint durchweg gut gelaunt. Es fehlt allein eine Geschichte, die ihnen mehr zu tun geben würde. Das bedeutet nicht, dass The Ministry of Ungentlemanly Warfare nicht unterhält. Der trockene Humor und die handwerkliche Umsetzung machen eine Erzählung zugänglich, die sich auf dem Papier packender liest, als sie am Ende zum Leben erweckt ist. Wer nur einschaltet, um zu sehen, wie die Schurken hier in die Schranken gewiesen werden, wird auf seine Kosten kommen. Auf mehr sind die Verantwortlichen offenbar nicht aus und mehr wird auch nicht geliefert.


Fazit:
Nicht nur die musikalische Untermalung, die an Western erinnert, unterstreicht, dass es Filmemacher Guy Ritchie um nicht viel mehr als eine Geschichte geht, bei der ein halbes Dutzend Helden in eine fremde Stadt reiten, um dort die Bösen zu vertreiben. Der Rest ist schmückendes Beiwerk, aber kaum ausgearbeitet. Weder die Story selbst, die ohne wirkliche Überraschungen abläuft, noch die Figuren, die allesamt über die Vorstellung durch Gus selbst zu Beginn nicht hinausgehen. Was all das dennoch sehenswert macht, ist die toll aufgelegte Besetzung, die mit lockeren Sprüchen und viel Action für Unterhaltung sorgt. Dass die Charaktere geradezu übermenschliche Fähigkeiten zu besitzen scheinen und nie in Bedrängnis geraten, kratzt jedoch spürbar an der Spannung und stellenweise überzogene Action macht es schwer, dies als die „wahre Geschichte“ zu akzeptieren, wie anfangs vorgestellt wird. Als stellenweise einfallsreich umgesetzte und nie langweilige Action-Komödie ist The Ministry of Ungentlemanly Warfare aber besser gelungen, als viele andere Genrevertreter. Selbst wenn das nie so mitreißend gerät, wie man sich die Erzählung wünschen würde.
 

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