Total Recall - Extended Director’s Cut [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Februar 2013
Genre: Action / Science Fiction / Thriller

Originaltitel: Total Recall - Extended Director's Cut
Laufzeit: 130 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Len Wiseman
Musik: Harry Gregson-Williams
Darsteller: Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biel, Bryan Cranston, Bokeem Woodbine, Bill Nighy, John Cho, Will Yun Lee, Milton Barnes, James McGowan, Natalie Lisinska, Michael Therriault, Stephen MacDonald, Mishael Morgan, LinLyn Lue


Kurzinhalt:
Lebensraum ist das wertvollste Gut zum Ende des 21. Jahrhunderts. Auf Grund der Umweltverschmutzung sind nur noch zwei Bereiche der Erde bewohnbar: Die Vereinte Föderation Britanniens und die Kolonie Australien. Viele Arbeiter reisen täglich von der Kolonie zu den Arbeitsplätzen durch einen Gravitationsaufzug, der sie direkt am Erdkern vorbeiführt – kurz "Der Fall" genannt. Douglas Quaid (Colin Farrell) ist einer von ihnen und arbeitet in einer Fabrik, welche Polizeiroboter herstellt, mit denen der Kanzler Britanniens, Cohaagen (Bryan Cranston), der zunehmenden Gewalt Herr werden will. Insbesondere sollen die Roboter gegen den Widerstandskämpfer Matthias (Bill Nighy) vorgehen, der immer wieder Anschläge gegen die britische Regierung verübt, um die Situation in der Kolonie zu verbessern. Matthias warnt überdies davor, dass Cohaagen mit den Robotern eine Armee zusammenstellen möchte, um den verbleibenden Lebensraum in der Kolonie einzunehmen.
Quaid, der trotz seines gesicherten Lebens mit Ehefrau Lori (Kate Beckinsale) das Gefühl nicht los wird, für mehr bestimmt zu sein, sucht die Firma Rekall auf, um sich dort die Erinnerung an einen Abenteuerurlaub einpflanzen zu lassen. Doch noch bevor die Prozedur abgeschlossen ist, stürmen bewaffnete Truppen in den Raum und wenig später ist Quaid auf der Flucht. Es hat den Anschein, als wäre er ein Geheimagent, dessen Gedächtnis gelöscht wurde und dessen Tarnung aufgeflogen ist. Seine einzige Hilfe ist die Widerstandskämpferin Melina (Jessica Biel), laut der Quaid der Schlüssel sei, um die Terrorherrschaft Cohaagens endgültig zu beenden. Doch dafür muss er zuerst wissen, wer er eigentlich ist ...


Kritik:
Kann man ein Remake bewerten, ohne es gegen das Original antreten zu lassen? Total Recall nahm in etwa nur zwei Drittel dessen ein, was Arnold Schwarzeneggers Total Recall - Die totale Erinnerung [1990] einspielte und das, obwohl sich das Budget verdoppelt hat. Die Reaktionen der Zuschauer waren verhalten bis negativ, insbesondere bei denen, die das Original zu schätzen wissen.
Dabei beweist Len Wiseman als Regisseur, dass er nicht nur unterhaltsam inszenieren, sondern auch einen großen Film bewältigen kann. Total Recall mutet an wie eine Mischung aus Minority Report [2002], I, Robot [2004] und eben dem ersten Total Recall, inszeniert von Star Trek [2009]-Regisseur J.J. Abrams. Letzteres liegt an den allzeit gegenwärtigen Lens Flares, also Lichtblitzen, die meist von außerhalb des Bildes angebrachten Lichtquellen stammen. Diese werden so inflationär eingesetzt, dass Zuschauer, die eine Antipathie gegen jenes Stilelement entwickelt haben, am besten mit Sonnenbrille zuschauen sollten. Nur zeigt das eben auch, dass Wiseman ein guter Handwerker ist, aber leider kein einfallsreicher. Er kopiert sehr effektiv andere Stilmittel, ohne dass man seinen eigenen Stil erkennen könnte. Hier führt es dazu, dass man zusammen mit den bekannten Elementen das Gefühl nicht los wird, all das schon einmal gesehen zu haben.

Die Geschichte wurde teils von den Autoren des ursprünglichen Total Recall aktualisiert, schon deshalb weist der Film viele Parallelen zum Original auf, unterscheidet sich aber doch in einigen Punkten sehr deutlich. Hauptfigur Douglas Quaid fristet nach wie vor zu Beginn ein Leben in einem eintönigen Beruf in einer Welt, die dank der Umweltverschmutzung kaum noch bewohnbar ist. Die Arbeiter reisen jeden Tag mit dem "Fall" von einer Seite der Erde zur anderen – vorbei am Erdkern. Verheiratet ist Douglas dabei mit einer Frau, die sich nach ihrem Aussehen eigentlich nicht mit einem einfachen Arbeiter zufrieden geben müsste. Nachdem die Implantation einer Erinnerung an einen Abenteuerurlaub bei Douglas fehlgeschlagen ist, wird seine Welt auf den Kopf gestellt. Bewaffnete Truppen versuchen ihn zu jagen, seine Frau scheint eine von den Bösen zu sein und er selbst ein Agent ohne Erinnerung, der Informationen bei sich trägt, die dem Widerstand gegen die Herrschaft des Kanzlers Cohaagen nützlich sein könnten.
All das klingt bekannt, außer dass Quaid nicht mehr zum Mars reist und nun beide Frauen in seinem Leben brünett sind. So abstrus die Reise am Erdkern vorbei auch ist, sie sorgt nicht nur für ein frisches Element, sondern bildet auch den Schauplatz einer der besten Actionsequenzen des Films. Diese ist wie der Rest nicht nur gut inszeniert, sondern optisch überaus beeindruckend.

Ähnlich sieht es bei der Autoverfolgungsjagd der fliegenden Wagen aus, die stark an Minority Report erinnert, aber noch besser gemacht ist. Kanzler Cohaagen, der sich durchaus der Tatsache bewusst ist, dass seinem Volk auf der verwüsteten Erde früher oder später der Platz ausgehen wird, plant indes, den einzig übrigen Kontinent mit einer Armee an Polizeirobotern zu stürmen – hier kommt I, Robot ins Spiel. Dass sich Quaid irgendwann einem solchen Roboter wird stellen müssen, erklärt sich von selbst, auch wenn man als Zuschauer Arnold Schwarzenegger eine realistischere Chance gegen einen Roboter einräumen würde, als dem weniger muskelbepackten Colin Farrell. An der Besetzung entscheidet sich schließlich auch, welche Richtung Total Recall einschlägt. Sprühte das Original vor Ironie und einer augenzwinkernden Erzählung trotz oder gerade auf Grund der brutalen Umsetzung, nimmt sich das Remake so ernst, dass gewisse abstruse Zufälle und Ideen nicht zum Rest passen wollen. Das Thriller-Element um Quaid als Doppelagent, ohne dass dieser weiß, wer er eigentlich ist, sorgt zumindest bei denjenigen für Unterhaltung, die den Vorgängerfilm nicht kennen. Alle übrigen werden inhaltlich kaum neue Elemente finden, außer dass Quaids hauptsächlicher Gegner nun seine Ehefrau Lori ist. Weshalb sich die Autoren jedoch für das Finale nicht auf sie verlassen, sondern in einem Anflug klischeebeladenen Pathos diejenige Figur auf den Plan rufen, von der jeder Zuschauer mit Gespür nach den ersten Momenten seines Auftritts ahnt, dass er Quaids letzte Prüfung darstellen wird, ist schleierhaft und unnötig. Nach einem guten Auftakt und einem soliden Mittelteil verspielt Total Recall in den letzten 10 Minuten die Möglichkeit, deutlich besser zu sein, als viele ihm im Vorfeld zugestanden hätten. Das letzte Klischee, welches das Drehbuch nach dem eigentlichen Finale dann noch hervorkramt, erstickt beinahe die Tatsache, dass die Macher sich um die eigentliche Aussage der Geschichte – ob nun Traum oder Wirklichkeit – ebenso bedeckt halten, wie beim Original.


Fazit:
Neben dem legendären Score von Jerry Goldsmith zum Original verblasst Harry Gregson-Williams' Musik zwar, doch für sich genommen ist sie sehr gelungen. Ähnlich ergeht es auch dem Film, der auf sich gestellt eine gute, wenn auch nicht immer schlüssige Geschichte präsentiert, die nur in den letzten Minuten durch zwei Drehbuchentscheidungen ins Klischee abdriftet, was ihr merklich schadet. Bis dahin ist der Agententhriller nicht nur unterhaltsam, sondern eindrucksvoll aufwändig gemacht. Die Lens Flares muss man hierfür als Teil des Stils jedoch akzeptieren.
Die größten Kritikpunkte von Total Recall sind einerseits Hauptdarsteller Colin Farrell, der nie ein Charisma entwickelt, auf Grund dessen man ihm auf seinem Selbstfindungstrip folgen wollte, und andererseits die Tatsache, dass sämtliche Elemente des Science Fiction-Action-Thrillers anderen Filmen entlehnt wurden. Ein neues Element, eine zündende neue Idee oder eine überzeugende, individuelle Inszenierung sucht man vergebens. So bleibt die Frage, ob man lieber zwei Stunden mit dem nie langweiligen, aber unwichtigen Remake verbringt, oder viel mehr Stunden mit den Originalen, die das Genre so merklich geprägt haben.