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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 29. September 2026
Originaltitel: The Devil Wears Prada 2
Laufzeit: 119 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 0 Jahren
Regie: David Frankel
Musik: Theodore Shapiro
Besetzung: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Justin Theroux, Kenneth Branagh, Lucy Liu, B. J. Novak, Simone Ashley, Tracie Thoms, Tibor Feldman, Patrick Brammall, Caleb Hearon, Helen J. Shen, Rachel Bloom, Larry Mitchell
Kurzinhalt:
Seit Jahrzehnten steuert Miranda Priestly (Meryl Streep) das Modemagazin „Runway“ durch unzählige Umbrüche der Branche und sieht nun endlich einer lange in Aussicht gestellten Beförderung entgegen, da wird sie von Nigel Kipling (Stanley Tucci), ihrem Vertrauten und langjährigen Mitarbeiter, darauf aufmerksam gemacht, dass ein Skandal an die Oberfläche gekommen ist, der den Ruf des Magazins zu ruinieren droht. Um diesen zu retten, wird die jüngst arbeitslos gewordene, renommierte Journalistin Andy Sachs (Anne Hathaway) ins Team geholt, ohne Mirandas Wissen oder Einverständnis. Andy war schon einmal Mirandas Assistentin, muss sich aber dennoch wieder emporarbeiten. Gerade, als sich alles zum Guten zu entwickeln scheint, wird bekannt, dass „Runway“ selbst vor einer großen Veränderung steht und die Zukunft des Magazins gefährdet ist. Da Miranda nicht aktiv wird, sucht Andy einen Ausweg und wendet sich an die frühere Mitarbeiterin Emily (Emily Blunt), die inzwischen bei Dior arbeitet und deren Freund unermesslich reich ist. Andy ahnt nicht, dass sie damit die Situation nur noch schlimmer macht …
Kritik:
Es hat beinahe den Anschein, als hätten die Verantwortlichen von Der Teufel trägt Prada 2, die inklusive Regisseur David Frankel und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna 20 Jahre nach dem ersten Teil zurückgekehrt sind, sich diesen angesehen und sich vorgenommen, alles davon zu kopieren. Der Look, der Glamour, die Figuren, der Humor, es ist alles hier. Und doch fehlt dieser Fortsetzung jegliche Seele oder irgendeine Idee, was sie überhaupt aussagen möchte. Das Ergebnis fühlt sich wie ein Hochglanzmagazin an: von der ersten bis zur letzten Seite designt, dem Publikum zu gefallen.
Im Jahr 2026 ist auch das Fashionmagazin „Runway“ nicht mehr das, was es einmal war. Die Auflagenzahl ist stark zurückgegangen, was Chefredakteurin Miranda Priestly, immer noch eine Ikone der Branche, notgedrungen mit der Bespielung neuer Kanäle wie den Sozialen Medien zu kompensieren versucht. In Kürze soll ihre Beförderung durch den Besitzer der Gesellschaft verkündet werden, zu der „Runway“ gehört, Irv Ravitz. Als ein Skandal den Ruf des Magazins zu ruinieren droht, holt Irv die renommierte Journalistin Andy Sachs an Bord, die als Feature Redakteurin das Profil des Magazins schärfen soll. Andy hat nicht nur gerade mit ihren Kolleginnen und Kollegen bei einer Zeitung ihren Job verloren, sie war vor 20 Jahren auch Mirandas Assistentin, woran die sich aber nicht mehr erinnern können will. Doch wenig später steht auch bei „Runway“ eine große Umstrukturierung durch Irvs Sohn Jay an und Andy fürchtet, schon wieder ihren Job zu verlieren. Darum versucht sie, mit Hilfe der ehemaligen „Runway“-Angestellten Emily Charlton, die einen unermesslich reichen Freund hat, einen Ausweg zu finden und lässt dabei nicht nur Miranda, sondern auch deren rechte Hand Nigel Kipling außen vor.
Wenn man sich die Inhaltsangabe durchliest, könnte man vermuten, Der Teufel trägt Prada 2 wollte ein Plädoyer für klassischen Journalismus aussprechen oder das Verlagsgeschäft im Allgemeinen in Zeiten zunehmend digitaler Medien porträtieren. Doch beides wird so oberflächlich angeschnitten, dass Andys ehemalige Arbeitskolleginnen und -kollegen, zu denen sie meint, als sie einen Job bei „Runway“ bekommt, dass sie sie wieder einstellen könnte, um die Features auf ein neues Niveau zu heben, nach diesem Auftritt keine Rolle mehr spielen. Der ist insoweit ebenso unwichtig, wie ganz viele andere Szenen, die nirgendwo hinführen und lediglich Stichwortgeber für etwas sind, was zuvor oder danach ohnehin ausgesprochen wird. Filmemacher David Frankel konzentriert sich stattdessen darauf, seine Figuren in einer unvorstellbar glamourösen Umgebung zu zeigen, die zum Ende hin mit Besuchen bei Fashionshows in Europa nur noch prestigeträchtiger wird. So kommt es dann auch zu so absurden Momenten wie demjenigen, in dem Andy und ihre Freundin Tracie darüber sprechen, dass ihr Boss, der sie jüngst gefeuert hat, ein zweistelliges Millionengehalt verdient, während sie selbst in New York in einem Apartment stehen, das vermutlich die Hälfte davon gekostet hat.
War Andy Sachs Der Teufel trägt Prada [2006] eine junge, idealistische Frau mit abgeschlossenem Journalismusstudium, die sich beim „Runway“-Magazin in einer Welt wiederfand, in der sie nicht nur ihr Äußeres, sondern auch ihren Charakter hätte ändern müssen, um dazuzugehören, ist sie nun vom ersten Moment an vollends in dieser Welt angekommen. Es gibt keinen Augenblick, in dem ihre Kleidung nicht das Monatsgehalt einer Durchschnittsverdienerin übersteigen würde und war ihr Freund im ersten Teil jemand, der ihr einen Spiegel vorhielt und sie erdete, ist ihre Liebesbekanntschaft hier selbstverständlich jemand, der so wohlhabend ist, dass er im Grunde bereits für sein Leben ausgesorgt hat. Irgendetwas beizusteuern hat er aber weder zu Andys Entwicklung, noch zur Geschichte selbst. Was für eine Person Andy 20 Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils sein soll, ist darum schwer zu sagen. Anne Hathaway verkörpert sie mit einer derart überdrehten Hibbeligkeit und einer geradezu weltfremden Naivität, dass es einen selbst vollkommen unruhig macht. Emily Blunt bleibt ihrer aus Teil eins bekannten Figur überwiegend treu, Emilys Freund Benji wirkt wie der neue Besitzer von „Runway“, Jay Ravitz, aber ebenfalls, als wäre er eine Karikatur. Einzig Stanley Tucci und Meryl Streep entschädigen mit ihrer ruhigen, teils aber durchaus schneidenden Art. Sie sorgen auch für die einzig wirklich witzigen Momente in den sich lange anfühlenden zwei Stunden.
Die kleidet Regisseur David Frankel durchgehend in chice Bilder. Unzählige viele Kleider, hochwertige Designs, neueste Mode und Fashionaccessoires werden vorgestellt, stets perfekt ausgeleuchtet, auch wenn wirklich knallige Farben zu fehlen scheinen, als wäre die Farbpalette bewusst heruntergedreht. Das verträgt sich dann auch besser mit den Aufnahmen der Figuren, die allesamt sichtbar weich und überstrahlt erscheinen, als wären sie bewusst weichgezeichnet. Das mag die vergangene Zeit seit dem ersten Film weniger sichtbar werden lassen, aber es sorgt auch dafür, dass Der Teufel trägt Prada 2 trotz der aufwändigen Designs und der hochkarätigen Gaststars, die hier stellenweise nur wenige Sekunden zu sehen sind, wirkt, als hätte man den Film mit einer Selfie-Kamera eingedreht. Das ist schade, passt aber zur Oberflächlichkeit der Story, die am Ende überhaupt rein gar keine Aussage trifft und keinerlei Kritik an einer Industrie äußert, die horrende Summen für Designs verlangt, die in der Regel von den billigsten Arbeitskräften hergestellt werden, die sich diese selbst mit einem ganzen Jahresgehalt nicht leisten könnten. Mit dem „Runway“-Skandal am Anfang hätte man für eine offene Kritik hierzu einen Grundstein legen können – aber das wäre wohl ein Makel auf einem Designerstück gewesen, den die Verantwortlichen nicht tragen wollten.
Fazit:
Selbst wenn man alles andere außen vorlässt, kann man nicht übersehen, wie unvorstellbar kurz die jeweiligen Szenen sind, die Filmemacher David Frankel hier präsentiert. Beinahe, als wollte man die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums mit längeren Gesprächen nicht überstrapazieren. Passend dazu wird regelmäßig wiederholt, was zuletzt geschehen ist, damit auch Zuschauerinnen und Zuschauer, die nur gelegentlich hinsehen, wissen, worum es geht. Das überhaupt festzuhalten, fällt nicht schwer, da der Ablauf der Geschichte vollkommen absehbar ist. Würde man die musikvideoartigen Collagen streichen, wäre die Erzählung auch mehr als eine halbe Stunde kürzer, ohne die unnötigen Szenen oder Figuren, die überhaupt rein gar nichts beisteuern (dürfen), vermutlich noch deutlich mehr. Der Teufel trägt Prada 2 entwickelt die bekannten Charaktere in keinerlei Hinsicht weiter und tut vielmehr so, als wäre Teil eins gar nicht passiert. Andy erscheint vollkommen überdreht und aufgekratzt, anstatt wie eine renommierte Journalistin mit 20 Jahren Berufserfahrung und was Miranda hier über ihre Familie preisgibt, hat man in Teil eins schon gehört. Alles hier wirkt so platt und unnötig, aber gleichzeitig auf weichgezeichneten Hochglanz getrimmt, es ist beinahe ärgerlich. Dank der namhaften, wenn auch unterforderten Besetzung hat man zwar das Gefühl, gut aufgehoben zu sein und ein paar Momente sind durchaus amüsant, dass die Geschichte am Ende nichts zu sagen hat, rundet jedoch den Eindruck einer Fortsetzung ab, die einzig der bekannten Marke wegen den Weg auf die große Leinwand gefunden zu haben scheint. Schade.


