Der Wunderweltenbaum [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. April 2026
Genre: Fantasy / Komödie / Unterhaltung

Originaltitel: The Magic Faraway Tree
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Frankreich
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt

Regie: Ben Gregor
Musik: Isabella Summers
Besetzung: Andrew Garfield, Claire Foy, Delilah Bennett-Cardy, Billie Gadsdon, Phoenix Laroche, Nicola Coughlan, Nonso Anozie, Hiran Abeysekera, Rebecca Ferguson, Dustin Demri-Burns, Oliver Chris, Simon Farnaby, Claire Keelan, Jessica Gunning, Mark Heap


Kurzinhalt:

Nachdem Polly Thompson (Claire Foy) ihrem Mann Tim (Andrew Garfield), der sich zuhause um die drei Kinder Beth (Delilah Bennett-Cardy), Joe (Phoenix Laroche) und Fran (Billie Gadsdon) kümmert, mitteilt, dass sie ihren Job gekündigt hat, entscheiden sie, in Tims Heimat zurückzukehren, mitten auf dem Land. Es ist ein Schock für Beth und Joe, die ständige Erreichbarkeit und Beschallung durch Tablet, Handy und Spielekonsole gewohnt sind. Dort in der Abgeschiedenheit will Tim Tomaten anpflanzen, um die in seiner Familie berühmte Tomatensoße herzustellen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf wollen sie sich ein neues Leben aufbauen, auch wenn sie zuerst einmal in einer Scheune im Nirgendwo leben. Eines Morgens findet Fran in ihrem Bett einen Brief, der sie auffordert, in den nahegelegenen Wald zu kommen. Sie erhält detaillierte Anweisungen und als sie sie befolgt, findet sie dort den Wunderweltenbaum, auf dem neben der Fee Seidenhaar (Nicola Coughlan) u. a. auch der Pfannenmann (Dustin Demri-Burns) und Mondgesicht (Nonso Anozie) leben. Sie erzählen Fran, dass man vom Wunderweltenbaum in verschiedene Länder reisen kann über eine Leiter, die in die Wolken führt. Es sind Welten voller Möglichkeiten, in denen Wünsche wahr werden. Aber als Fran auch ihre Geschwister bittet, zum Wunderweltenbaum zu kommen, müssen sie erkennen, dass man sich nicht alles wünschen sollte, was man sich gern wünschen möchte …


Kritik:
Ben Gregors Verfilmung von Enid Blytons beliebter, gleichnamiger Kinderbuchreihe modernisiert die Geschichte und bleibt der Idee doch weitgehend treu. Im Zentrum stehen die Abenteuer der Geschwister Beth, Joe und Fran, die in der deutschsprachigen Ausgabe von Der Zauberwald [1939] mit ihren Eltern aufs Land ziehen und dort einen magischen Ort entdecken. Der Wunderweltenbaum erzählt vor diesem Hintergrund von Familie und der Magie der Fantasie; davon, wie in der Hektik des Alltags beides unterzugehen droht. Mit dem Herz am rechten Fleck, eignet sich das trotzdem eher für ein ganz junges Publikum.

Dabei geben sich Andrew Garfield und Claire Foy sichtlich Mühe, auch älteren Zuseherinnen und Zusehern einen Zugang zu ermöglichen. Sie schlüpfen in die Rollen von Tim und Polly Thompson, die von einem Moment auf den anderen vor dem Nichts stehen, als Polly ihren Job kündigt, da sie mit der Politik ihres Arbeitgebers nicht einverstanden ist. Tim, der sich bislang um die drei Kinder gekümmert hat, schlägt vor, dass sie aufs Land ziehen und einen Traum in die Realität umsetzen, den sie vor langer Zeit hatten. Mitten im Nirgendwo ziehen sie in eine große Scheune und haben den Sommer über Zeit, Tomaten anzupflanzen, sodass Tim seine Tomatensoße nach Familienrezept herstellen kann. Mit dem Erlös vom Verkauf der Soßen wollen sie dann die Scheune kaufen. Aber vor Ort ist nichts, wie sie sich ausgemalt haben, anfangs gibt es nicht einmal Strom, geschweige denn Internetempfang. Vor allem Teenagerin Beth ist entsprechend wütend auf ihre Eltern, Joe, der die meiste Zeit mit Videospielen verbringt, ebenso ratlos. Einzig Fran, die seit geraumer Zeit kaum mehr spricht, bleibt neugierig. Umso mehr, als sie einen Brief erhält, der sie an einen magischen Ort im Wald führt.

Da ihr Vater, der ganz in der Nähe aufgewachsen ist, ihnen früher schon erzählt hat, dass dies ein Zauberwald sei, kommt für ein aufmerksames Publikum die vermeintliche Enthüllung am Ende kaum überraschend. Überhaupt kann sich Filmemacher Gregor nicht so recht entscheiden, ob nun die Kinder oder die Erwachsenen im Mittelpunkt der Erzählung stehen sollen. Zu Beginn heißt es, dass zu oft der Zauber der Kindheit im Laufe der Zeit verloren geht, dabei scheint Tims und Pollys Plan tatsächlich beinahe kindlich naiv. In der stetig heimeligeren Scheune verbringen sie so etwas wie einen Abenteuerurlaub, bei dem Spannungen zwischen ihnen nur selten zu sehen sind. Mit seiner Idee, Tomatensoße herzustellen und zu verkaufen, steckt Tim seine Frau sogar soweit an, dass sie ein spezielles Gewächshaus entwirft. Vor allem Beth und Joe bleiben dabei merklich auf der Strecke, während Fran bereits bei ihrer Ankunft der Fee Seidenhaar begegnet, die Fran zum Besuch in den Titel gebenden magischen Baum einlädt. Dort angekommen, lernt Fran weitere Fabelwesen kennen wie den zornigen Kobold, Frau Wasch, Sir Namenlos, den Pfannenmann und Mondgesicht. Sie zeigen Fran, wie sie vom Wunderweltenbaum in verschiedene Länder reisen kann, wo sie – und später auch ihre Geschwister – weitere Abenteuer erlebt. Diese Länder verkörpern in Der Wunderweltenbaum alles, was sich Kinder vorstellen können. Im Süßigkeitenland gibt es beispielsweise nur Süßes, im Geburtstagsland werden Wünsche wahr. In diese Länder können die Kinder vom Wunderweltenbaum aus nur über eine Leiter gelangen, die in die Wolken ragt und sie sind auch kunterbunt umgesetzt. Doch durch die unterschiedlichen Umgebungen, die allesamt nur einmal zu sehen sind, erweckt die Geschichte einen sehr episodenhaften Eindruck.

Der große Erzählbogen, der all das zusammenhalten soll, ist derjenige der Erwachsenen mit ihrer Tomatenzucht und gerade dann, wenn Fran mit ihren Geschwistern den Wunderweltenbaum und die seltsamen Länder erkundet, also in diese fremden Welten eintaucht, nimmt die Rahmenhandlung mehr Platz ein. Wohin all das führt, insbesondere mit Beths Wunsch im Geburtstagsland, ist keine wirkliche Überraschung. Am ehesten noch, dass Pollys wohlhabende und einflussreiche Mutter keine größere Rolle spielt und für die Geschichte nicht wichtig ist. Aber insbesondere dank der Darbietung von Andrew Garfield, der seiner Figur selbst in kleinen Momenten eine beinahe melancholische Leichtigkeit abgewinnt, wirkt Der Wunderweltenbaum erstaunlich herzlich und möchte schöne Botschaften dazu finden, dass man die eigenen Träume nicht aufgeben soll, oder dass man erst dann die Magie der Welt erkennen kann, wenn man die Nase aus den Bildschirmen nimmt, in die wir alle tagtäglich starren.

Dieser Aspekt gelingt Regisseur Ben Gregor durchaus und man kann es ihm kaum zum Vorwurf machen, dass er seine Geschichte an ein ganz junges Publikum richtet, dem zum einen die offensichtlichen Trickeffekte nicht auffallen werden, oder dass die magischen Umgebungen allesamt sehr künstlich wirken. Auch wird es junge Kinder am ehesten ansprechen, dass vor allem die Charaktere des Wunderweltenbaums und der magischen Länder vollkommen überzogen spielen, mit ausladender Mimik oder Dialogen, die aufgesetzt albern klingen. Selbst die kurzen Tanzeinlagen und Flatulenzwitze sorgen eher bei den Jüngsten für Gelächter. Für sie ist Der Wunderweltenbaum gedacht und wenn sie bei einem Ausflug in eine magische Welt in der Natur Spaß haben, dann ist das alles, was zählt.


Fazit:
Sieht man den Auftakt, in dem das Lebensmodell von Polly und Tim aus den Fugen gerät, oder wenn ihr Lebenstraum dem Scheitern nahe ist, richtet sich Ben Gregor in seiner Verfilmung spürbar an ein älteres Publikum. Ein ganz junges wird auch kaum verstehen, wenn er hier erzählen lässt, auf welche Träume die Eltern für ihre Kinder verzichtet haben. Doch mit dem kunterbunten Look beim Wunderweltenbaum, den vollkommen überspielten und überzuckerten Figuren oder der immens laut eingespielten und dauerhaft präsenten Musik, eignet sich Der Wunderweltenbaum spürbar mehr für junge Kinder, die sich hier mitnehmen lassen können in eine fantasievolle Welt, über die man aber ebenso wenig erfährt, wie über die seltsamen Charaktere darin oder die drei Kinder im Zentrum der Erzählung. Selbst die vermeintliche Schurkin kommt erst ganz am Ende vor und ist nur etwas mehr als fünf Minuten zu sehen. Nichtsdestotrotz vermittelt die Geschichte Botschaften über Selbstlosigkeit, darüber, sich selbst zu akzeptieren und dass nicht jeder Wunsch etwas Gutes bewirkt. In den ernsteren Momenten ist das durchaus berührend und für Kinder in den überdrehten ein Spaß. Mehr will es auch gar nicht sein und ist darum warmherzige Familienunterhaltung.
 

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