Is This Thing On? [2025]

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6–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 2. März 2026
Genre: Drama / Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: Is This Thing On?
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Bradley Cooper
Musik: James Newberry
Besetzung: Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Bradley Cooper, Amy Sedaris, Christine Ebersole, Ciarán Hinds, Sean Hayes, Scott Icenogle, Chloe Radcliffe, Jordan Jensen, Peyton Manning, Reggie Conquest, James Tom


Kurzinhalt:

Für ihre Freundinnen und Freunde schien es lange Zeit, dass Alex (Will Arnett) und Tess Novak (Laura Dern) toll zusammenpassen. 20 Jahre waren sie verheiratet und kennen sich noch deutlich länger. Doch vor Kurzem haben sie sich getrennt, auch wenn sie noch gemeinsam Freundinnen und Freunde besuchen oder an den schulischen Veranstaltungen ihrer beiden Kinder teilnehmen. Alex verkraftet die Trennung kaum, er wirkt niedergeschlagen und in sich gekehrt. Tess hingegen macht Pläne, wieder in den Volleyballsport einzusteigen, in dem sie früher als Spitzensportlerin aktiv war. Eines Abends, nach einem gemeinsamen Treffen von ihm und Tess mit Alex’ bestem Freund Balls (Bradley Cooper) und dessen Frau Christine (Andra Day), geht Alex, der früher als witzig und spontan galt, in der Stadt in eine Kellerbar, in der Gäste das Mikrofon für Stand-up-Comedy ergreifen können. Er erzählt von seiner gescheiterten Ehe und bringt die Gäste zum Lachen. In der darauffolgenden Zeit geht er immer wieder ans Mikrofon und blüht merklich auf, je mehr er sich seine Enttäuschung und den Frust, in Humor verpackt, von der Seele reden kann. Es ist eine Veränderung, die auch sein Umfeld bemerkt und vielleicht ergibt sich auch eine Möglichkeit, dass er wieder mit Tess zusammenkommen könnte …


Kritik:
Filmemacher Bradley Cooper beginnt seine Geschichte nach dem vermeintlichen Happy End, wenn ein Ehepaar nach mehr als 25 Jahren zusammen wieder getrennte Wege geht. Die Idee, dass er Stand-up-Comedy gewissermaßen als Therapie nutzt, um die Trennung zu verarbeiten, ist so gelungen, wie dass sie einen Weg zurück zu der beruflichen Leidenschaft vor dem Familienleben sucht. Aber so amüsant und treffend das teilweise ist, die erzählerische Struktur lässt Is This Thing On? länger erscheinen, als er sein müsste und das letztliche Ende nicht so verdient, wie es sein sollte.

Wenn man Alex Novak in den ersten Minuten bei einer schulischen Veranstaltung seiner beiden zehnjährigen Söhne sieht, sitzt er wie ein Häufchen Elend in einer Ecke. Obwohl er mit seiner Frau Tess ein Treffen mit Freunden besucht, die Entscheidung, dass sie getrennte Wege gehen werden, ist wohl schon früher gefallen. Alex zieht in ein Apartment in der Stadt, raus aus dem Haus, in dem Tess mit den Söhnen geblieben ist. Am Abend nach dem Treffen mit den Freunden, verschlägt es ihn in eine Kellerbar, in der jede bzw. jeder das Mikrofon für eine Stand-up-Comedy ergreifen kann. Alex traut sich und nach einem sehr seltsamen Auftritt, bei dem er aus seinem Privatleben und der frischen Trennung erzählt, fühlt er sich wie befreit. Der zweite Auftritt läuft deutlich besser. Bei jedem Mal verarbeitet Alex das frisch Erlebte auf humorvolle Art und Weise. Tess will nach der Trennung als Volleyballtrainerin arbeiten, war sie in dem Sport doch professionell lange erfolgreich. Der Abstand macht ihr und Alex aber auch deutlich, dass sie vielleicht mehr eint, als sie trennt.

Der Kontrast zwischen Alex und Tess könnte in den ersten Minuten größer kaum sein. Sie beide verbringen den Abend unter anderem mit Alex’ bestem Freund Balls, ein Schauspieler, und dessen Frau Christine. Aber während Alex keine Miene verzieht und eher noch mehr in sich kehrt, wenn Christine meint, sie wäre nicht bereit, wenn die Welt morgen untergeht, da sie sich großartig fühlt, scheint Tess wie befreit. Erst, wenn sich Alex im Rahmen der Kellerauftritte seinen Kummer buchstäblich von der Seele redet, wirkt er spürbar erleichtert, so dass er sogar wieder lachen kann. Dabei ist er nicht allein, viele der Stand-up-Comedians erzählen von gescheiterten Beziehungen. Die grundsätzliche Frage, die Is This Thing On? dabei in den Raum stellt, lautet, waren Tess und Alex unglücklich verheiratet, oder schlichtweg unglücklich und überdies miteinander verheiratet? Die Frage ist deshalb entscheidend, da eine Trennung bei ersterer Diagnose tatsächlich helfen kann, das Problem bei der zweiten aber nicht beseitigen wird. Auch wenn es scheint, als wäre Tess in der derzeitigen Phase stärker als Alex und käme mit der neuen Situation besser klar, so einfach macht es sich die Erzählung nicht, die sich jedoch deutlich stärker auf Alex und seine Entwicklung konzentriert.

Will Arnett macht dabei den Wandel, den Alex durchmacht, überaus greifbar. Durch die Auftritte blüht er sichtbar auf und da das ehemalige Paar den Kindern gegenüber offen die Trennung kommuniziert, kann man durchaus sehen, wie Alex einen Weg für sich findet. Bis es bei einem Auftritt zu einem Moment kommt, der lange absehbar ist. Dafür ist Laura Dern in der zweiten Filmhälfte stärker gefordert und kommt es schließlich zu dem großen Streitgespräch zwischen Tess und Alex, ist die Anspannung zwischen den Figuren regelrecht spürbar. Der gelungene Dialog macht deutlich, dass es nicht nur Differenzen sind, die beide trennen, sondern sie von einer vollkommen unterschiedlichen Situation ausgehen, in der sich ihre Beziehung vor der Trennung befunden hat. Man würde vermuten, dass dieser entscheidende Moment die Geschichte zu Beginn des letzten Drittels definiert, so dass die Figuren im Anschluss eine Möglichkeit suchen können, entweder zueinander zu finden, oder endgültig getrennte Wege zu gehen. Doch tatsächlich geschieht dies in Is This Thing On? knapp 15 Minuten vor Schluss. Bis dahin finden sich Alex und Tess gewissermaßen in einer antizyklischen Liebesgeschichte wieder. Würde Regisseur Cooper zu einem Schluss kommen, der die Charaktere an unterschiedlichen Positionen zurücklässt, könnte man dies sogar akzeptieren, aber der tatsächlich größte Konflikt der Personen wird hier in eben diesen letzten 15 Minuten vorgestellt. Sollen sie in der verbleibenden Zeit wenigstens soweit kommen, die Situation gleich einzuschätzen, wirkt das spürbar gehetzt und mag zur restlichen Erzählung nicht wirklich passen.

In der finden sich viele Figuren, die keine wirkliche Rolle spielen, angefangen von Christine und Balls, die allenfalls als Stichwortgeber fungieren, sowie das ebenfalls befreundete Pärchen Stephen und Geoffrey, die tatsächlich gar nichts zu tun bekommen, außer dass sie dafür stehen, wie glücklich frisch Verheiratete sein können. Aber ohne dass diese Personen stärker eingebunden werden und dadurch, dass die wiederholt eingestreuten Auftritte von Alex im Comedy-Keller das gerade Gezeigte nur nochmals aus seiner Perspektive wiedergeben, was ein aufmerksames Publikum aber in der Regel aus seiner Mimik bereits ablesen konnte, wirkt Is This Thing On? nicht nur deutlich länger, als er sein müsste, man bekommt Vieles unnötigerweise mehrmals gezeigt. Das bedeutet nicht, dass die beiden Charaktere im Zentrum keine gelungene Chemie miteinander entwickeln würden und in vielerlei Hinsicht wirkt die Darstellung greifbarer und näher am Leben, als man erwarten würde. Eine stringentere Erzählung hätte der Dramödie aber nicht geschadet.


Fazit:
Während der große Moment, auf den die Erzählung in der Mitte zusteuert, keine wirkliche Überraschung ist, kommt was danach geschieht, durchaus unerwartet. Regisseur Bradley Cooper stellt Figuren vor, die versuchen, ihr Leben nach einer Trennung neu zu ordnen, beide auf unterschiedliche Art und Weise. Die Verletzungen, die sie erlitten haben, werden insbesondere an Alex deutlich, und zu sehen, wie sie sich trotz ihrer Erfahrungen wieder annähern, beinahe, als ob sie sich wieder verlieben würden, ist gut gelungen und mit teils treffendem Humor in Bezug auf menschliche Beziehungen im Allgemeinen zum Leben erweckt. Dass Tess weniger stark beleuchtet wird, ist schade, ebenso, dass Nebenfiguren kaum eingebunden werden. Wenn das Drama herausstellen wollte, dass viele Personen in Beziehungen unglücklich sind, nicht aber notwendigerweise auf Grund der Beziehung, hätte man dies früher herausstellen und nicht erst zum Ende hin nachschieben können. Die verwackelte Kamera, die sehr dicht an den Figuren bleibt, erweckt einen dokumentarischen Stil, der zum Genre kaum passen mag. Die Besetzung und die Dialoge machen Is This Thing On? sehenswert, auch wenn die Figuren kaum nahegehen, da die Geschichte deren Entwicklung im letzten Akt so spät und plötzlich vorantreibt, dass die Wirkung beinahe ausbleibt. Trotz der vielen gelungnen Aspekte, hätte man sich von der Ausgangslage und den Beteiligten da doch mehr versprochen.
 

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