The Bride! – Es lebe die Braut [2026]

Kategorien: 

, , , , ,

Lesedauer: ca. 

5–8 Minuten
Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 4. März 2026
Genre: Drama / Liebesfilm / Horror / Krimi

Originaltitel: The Bride!
Laufzeit: 126 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Maggie Gyllenhaal
Musik: Hildur Guðnadóttir
Besetzung: Jessie Buckley, Christian Bale, Peter Sarsgaard, Annette Bening, Jake Gyllenhaal, Penélope Cruz, Julianne Hough, John Magaro, Jeannie Berlin, Linda Emond, Louis Cancelmi, Matthew Maher, Zlatko Burić, Karin Dreijer


Kurzinhalt:

Ob es eine Krankheit ist, die Ida (Jessie Buckley) innerlich zerreißt, so dass sie von einem Moment auf den anderen feindselig in der vornehmen Gesellschaft reagiert, oder ob es den Enttäuschung und allem anderen geschuldet ist, was sie erlitten hat, spielt letztendlich keine Rolle. Kurz darauf kommt sie bei einem Sturz ums Leben. Doch sie wird wieder auferweckt durch Dr. Euphronious (Annette Bening), an die sich Frank (Christian Bale) gewandt hatte. Frank ist weit über 100 Jahre alt und niemand geringeres, als das Geschöpf, das „Monster“, das einst Victor Frankenstein erschaffen hat. Verborgen vor den Menschen, die ihn immer wieder jagen und ausgrenzen, fühlt sich Frank einsam und bittet Dr. Euphronious, ihm eine Gefährtin zu erschaffen. So erwecken sie Ida aus dem Tod, die sich an ihr Leben zuvor nur teilweise erinnern kann. Doch nachdem sie und Frank sich außerhalb des Labors gegen einen Angriff mit tödlicher Gewalt zur Wehr setzen, begeben sie sich auf eine Flucht, die für Franks „Braut“ ebenso eine Reise zur Entdeckung ihrer selbst ist, wie für sie beide ein Test, ob ihre Liebe alle Widrigkeiten überwinden kann …


Kritik:
Zu Maggie Gyllenhaals The Bride! – Es lebe die Braut Zugang zu finden, ist nicht leicht, um nicht zu sagen, lange Zeit fragt man sich, was die Filmemacherin mit der Erzählung tatsächlich aussagen möchte. Wird das aber deutlich, stellt sich die Frage, ob die Herangehensweise am besten geeignet ist, die Geschichte zu erzählen. Die ist stilistisch tadellos dargebracht und mitunter sogar preiswürdig gespielt, aber geradezu verkrampft auf einen künstlerischen Anspruch bedacht, dass dies nur ein bestimmtes Publikum ansprechen wird.

Mit dem vor mehr als 10 Jahren lange diskutierten Remake von Frankensteins Braut [1935] mit Angelina Jolie hat The Bride! zwar nichts zu tun, die Geschichte ist aber von der Fortsetzung des Horrorklassikers mit Boris Karloff und Elsa Lanchester inspiriert. Sie greift eine Nebenhandlung von Mary Shelleys Literaturklassiker Frankenstein [1818] auf und setzt hier über ein Jahrhundert später an. Es ist das Jahr 1936, als Frank, ehemals Frankensteins Monster, die Wissenschaftlerin Dr. Euphronious in Chicago aufsucht. Sie hielt die Erzählungen des Monsters für ein Gerücht, bis sie Franks zusammengesetzten Körper untersucht. Sein Anliegen ist einfach: er ist einsam und bitte Dr. Euphronious, ihm Nähe und eine Beziehung zu ermöglichen. Als Franks Gefährtin erwecken sie Ida von den Toten, die einen schweren Sturz nicht überlebt hat. An ihr Leben vor der Wiedererweckung kann sie sich nur bruchstückhaft erinnern und entgegen des Wunsches von Dr. Euphronious begeben sie und Frank sich außerhalb des Labors. Im chicagoer Nachtleben wird zuerst Ida, die seit der Wiedererweckung von Frank lediglich als die Braut oder Penelope bezeichnet wird, angegriffen, dann auch Frank. Bei der Auseinandersetzung tötet Frank die Angreifer und so fliehen er und Ida aus der Stadt. Als auf der Flucht auch die Braut zur Mörderin wird, scheint ihrer beider Schicksal besiegelt. Aber mehr noch, Ida wird bei Frauen zu einer Ikone und Galionsfigur einer Revolution. In zwei Nebenhandlungen, die am Ende zusammengeführt werden, setzt ein Mafiaboss Schergen auf die totgeglaubte Ida an, während sich Polizist Jake Wiles zusammen mit seiner Assistentin Myrna Mallow ebenfalls auf die Suche nach dem mordenden Monsterpaar macht. Eingerahmt wird all das von einer Erzählung, bei der Mary Shelley wie auf einer Theaterbühne direkt an das Publikum gerichtet erklärt, dass ihr Roman Frankenstein nur die halbe Geschichte beschrieb.

Sieht man Ida in den ersten Minuten vor ihrem Sturz, hat es beinahe den Eindruck, als würden mehrere Persönlichkeiten in ihr wohnen. Sie ist laut, ausfallend, verletzend und von einem Moment auf den anderen einer Tirade verfallen, dass man die unbändige Kraft und Wut, die in ihr brodeln, förmlich spüren kann. Es ist ein Aspekt, der auch nach ihrer Wiedererweckung erhalten bleibt. Weshalb dem so ist, wird erst im Verlauf von The Bride! wirklich deutlich, findet sich aber auch in der von Penélope Cruz gespielten Myrna Mallow wieder. Die erledigt eigentlich für Detective Wiles die Polizeiarbeit, für die er aber die Lorbeeren einheimst. Als Frau besitzt ihre Einschätzung bei Besprechungen keinen Wert. Es ist diese Zerrissenheit, die sich in Ida bzw. Penelope widerspiegelt. Zum einen die Erwartung, der sie gerecht werden soll, eine Rolle zu spielen, wenn sie beim den Film einleitenden Abendessen tun soll, was die Anwesenden ihr sagen, dann sogar, dass sie sein soll, wen sich Frank gewünscht hat, während sie ihre eigene Persönlichkeit, ihre Wünsche und Hoffnungen all dem unterordnen soll.

Selbst Frank manipuliert sie, erzählt ihr ausgedachte Geschichten über ihre Zeit vor der Wiedererweckung. Das tut er nicht notwendigerweise aus einer bösen Absicht heraus, im Gegensatz zu vielen anderen Männern, denen sie begegnen und die Frauen regelmäßig ausnutzen oder gar misshandeln bzw. missbrauchen. Frank ist darauf aus, Penelope so zu erhalten, dass er seine Gefährtin nicht verliert, selbst wenn sie das nicht aus freiem Willen sein möchte. Im Kern erzählt The Bride! von Selbstbestimmung und Selbstwert gleichermaßen. Dass die #MeToo-Bewegung im englischen Original referenziert wird, kommt nicht von ungefähr. Das ist legitim und in der Aussage auch wichtig, aber der gesamte Aspekt der Geschichte geht in der Art ihrer Erzählung in gewisser Weise unter.

Optisch beweist Maggie Gyllenhaal ein gutes Gespür und kleidet ihren zweiten Spielfilm in einen Gothic-Look, zu dem die gelungene Ausstattung ebenso beiträgt, wie die erstklassige Maskenarbeit, bei dem von Christian Bale gespielten Frank. Die Musik wirkt dagegen stellenweise beinahe zu modern, wie auch Ideen, dass hier mitunter die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung der Figuren verschwimmen, wenn sie sich Filme ansehen und selbst darin wiederfinden, oder auf übernatürliche Art und Weise eine Abendgesellschaft zu einer Tanzeinlagen angeregt wird. Mit den extrovertierten, lauten Dialogen von Frank und der Braut, von Bale routiniert gut gespielt, während Jessie Buckley erneut eine beeindruckende Wandlungsfähigkeit beweist, bei der auch die leisen Zwischentöne in ihrer regelrecht entfesselten Darbietung nicht untergehen, macht The Bride! einen um den künstlerischen Aspekt geradezu bewusst bemühten Eindruck. Die in schwarzweiß gehaltenen, die vierte Wand durchbrechenden Szenen von Mary Shelley tun ihr Übriges dazu. Nur wirkt es eben mehr bemüht, als dass dieser Aspekt auf natürliche Art und Weise aus der Geschichte entstehen würde. Das Ergebnis stellt nicht unbedingt Stil über Substanz, auch wenn letztere erst spät wirklich greifbar wird. Doch richtet sich der Film mehr an ein Publikum, das den Stil zu schätzen weiß, als dass die Substanz für ein größtmögliches Publikum zugänglich aufbereitet wäre.


Fazit:
In Anbetracht all dessen, was Filmemacherin Maggie Gyllenhaal den Zuseherinnen und Zusehern bietet, bleibt dessen Wucht überraschend hinter den Erwartungen zurück. Die Lovestory, in deren Zentrum zwei Figuren stehen, die nicht nur trotz, sondern auf Grund ihrer Makel wie füreinander gemacht sind, ist eingebettet in einen Rahmen, der die weibliche Selbstbestimmung ebenso ins Zentrum rückt, wie ein unnatürlicher Erwartungsdruck bestimmter Rollenbilder Frauen an den Rand des Zusammenbruchs bringen kann. Die Braut ist hier lange auf der Suche nach sich selbst und wird dabei von allen möglichen Personen gegängelt oder geführt, bis sie erkennt, dass sie selbst für die Liebe ihres Lebens niemand sein muss, der sie nicht sein möchte. Stark gespielt und handwerklich gut umgesetzt, wirkt die Gangsterstory ebenso aufgesetzt, wie der Aspekt um den Polizisten, der die gesamte Erklärung über Idas Hintergrund in einer einzigen Szene kundtun darf, erzählerisch unnötig grob. Als eine feministische Liebesgeschichte im Gewand eines Monster-Krimis richtet sich The Bride! – Es lebe die Braut an ein bestimmtes Publikum, das insbesondere den extravaganten, extrovertierten Erzählstil zu schätzen weiß. Es wird vermutlich eher ein kleines sein.
 

Tags:


Springen zu:

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner