Clayface [2026]

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6–8 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Oktober 2026
Genre: Thriller / Horror

Originaltitel: Clayface
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: James Watkins
Musik: Volker Bertelmann
Besetzung: Tom Rhys Harries, Naomi Ackie, Max Minghella, Eddie Marsan, David Dencik, Joana Ribeiro, Joshua James, Nancy Carroll, Jake Curran, Ruby Sear, Wil Coban


Kurzinhalt:

Schauspieler Matt Hagen (Tom Rhys Harries) ist endlich ganz oben angekommen. Nicht nur, dass er vor der Kamera und auf der Bühne gefragt ist, er hat sogar seine erste Nominierung für die prestigeträchtigste Auszeichnung der Filmbranche erhalten. Auch deshalb geht er mit seinem Freund aus Kindertagen, Corey (Joshua James), in einem Club in Gotham City feiern. In der Stadt, die fest in der Hand von Gangstern und Verbrechern ist, weiß an sich jeder, dass die aufreizende junge Frau auf der Tanzfläche, Mia (Joana Ribeiro), die Freundin des Gangsterbosses Markos Szabo (David Dencik) ist. Aber Matt hört nicht auf Coreys Warnungen und sieht sich am nächsten Morgen nicht nur Szabo, sondern auch seinen Helfershelfern gegenüber. Szabo verstümmelt Matts Gesicht und selbst viele Operationen später bleibt Matt entstellt. Sein Anwalt Frank (Eddie Marsan) rät ihm zwar ab, Szabo anzuzeigen, doch Matt versucht es trotzdem – und scheitert. Am Boden angekommen, wendet sich Matt an die Ärztin Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie), die an einer neuen Behandlungsmethode forscht. Von ihr entwickelte Nanozellen sollen im Körper beschädigte Zellen suchen und diese durch nachgeahmte ersetzen. Dafür werden die Nanozellen aber auch Teil der DNA der Patienten. Sie hat zwar keine Zulassung, Menschen damit zu behandeln, willigt aber ein, Matt zu versorgen. Die Behandlung ist ein unbeschreiblicher Erfolg, doch schon bald bemerkt Matt Nebenwirkungen. Mehr noch, als er sieht, wie Szabo und andere unbehelligt ihrem Leben nachgehen, beginnt Matt, sich zunehmend zu verändern, ohne dass er es selbst bemerkt …


Kritik:
Das einzig große Manko an James Watkins’ Adaption der DC Comics-Vorlage Clayface ist tatsächlich, dass man nicht wirklich sagen kann, an welcher Stelle sich der düstere Body-Horror-Thriller in die übrigen Filme des filmischen Universums einfügen soll. Auch wenn er sich anfühlt wie ein Teil desselben wie The Batman [2022], gehört er wohl nicht dazu. Das ist schade, denn es ist der vermutlich beste DC-Comicfilm seither.

Die Geschichte spielt in Gotham City, wo Schauspieler Matt Hagen von seinem bislang größten Erfolg erfährt. Er ist für die renommierteste Trophäe der Branche nominiert und sein Leben könnte besser kaum verlaufen. In einem Club lässt er sich auf die aufreizende Mia ein, obwohl sein Freund aus Jugendzeiten ihm sagt, dass sie die Freundin von Gangsterboss Markos Szabo ist. Nach der gemeinsamen Nacht sieht sich Matt Mias Freund und seinen Schergen gegenüber, die sein Gesicht fürchterlich entstellen. Auch in sechs Operationen gelingt es den Ärztinnen und Ärzten nicht, die Verletzungen zu versorgen, von den schlimmen Narben ganz zu schweigen. Als wäre all das nicht bereits grausam genug, wird Szabo vor Gericht freigesprochen, da er nicht nur die korrupte Polizei besticht, sondern auch die Zeuginnen und Zeugen einschüchtert. Darüber hinaus hat Matts Anwalt Frank, der sein Vermögen verwaltet, sein Geld verloren. Matt ist am Boden angekommen, als er auf einen Bericht über die Ärztin Dr. Caitlyn Corr stößt, die mit Nanozellen versucht, degenerative Erkrankungen zu heilen. Ihre Technologie ist zwar nicht für die Anwendung an Menschen zugelassen, aber Matt bittet sie um die experimentelle Behandlung. Die Ergebnisse sind erstaunlich und stellen Matts Aussehen wieder her. Aber es gibt Nebenwirkungen und je mehr Matt versteht, wozu sein Körper seit der Behandlung im Stande ist, umso mehr verliert er aus den Augen, wer er eigentlich ist.

Sieht man sich an, was Matt widerfährt, der sich selbst aus einem Armenviertel emporgearbeitet hat und nun ein gefeierter Schauspieler ist, kann man nicht anders, als mit ihm zu fühlen. Zusätzlich zu Szabos grausamen Verbrechen an ihm, lassen Matt Polizei und Justiz im Stich, von seinem korrupten Anwalt ganz zu schweigen. Er ist das Opfer seiner eigenen Geschichte und er ist es auch dann noch, wenn er sich davon zuerst zum Antihelden wandelt, ehe er ganz am Ende etwas anderes wird. So sehr Clayface den Thriller- und den Body-Horror-Aspekt der Geschichte ausloten mag und es gibt einige Momente, die einen nicht immer notwendigen Ekelfaktor bedienen oder einen selbst beim Zusehen schmerzen, im Zentrum der Erzählung stehen eine Tragödie und ihre tragische Figur.

Dabei ist Matt bei seinem ersten Auftritt ein regelrechter Sonnyboy, charmant, humorvoll, aber geerdet und freundlich, auch gegenüber Menschen, die es nicht so gut haben, wie er. Er ist einen weiten Weg gekommen und vor ihm liegt eine strahlende Zukunft – bis ihm all dies genommen wird. Es ist ein Absturz, der hier schnell dargestellt wird, sich aber für die Figur über Monate hinziehen muss, in denen er von allen möglichen Menschen in seinem Umfeld verraten und verkauft wird. Die einzige Person, die zu ihm hält, ist Dr. Corr, was auch erklärt, weshalb er im Verlauf der Geschichte Gefühle für sie entwickelt, die über die Ärztin-Patient-Beziehung hinausgehen. Da dies aber eine wichtige Rolle für Matts Entscheidungen im letzten Drittel der Erzählung spielt, hätte Filmemacher James Watkins den Teil der Story allerdings zuvor stärker ausarbeiten müssen. So wirken die letzten Minuten spürbar aufgesetzt und wie ein – durchaus passender – Abschluss für die Clayface-Story, nicht aber unbedingt für diejenige von Matt.

Ohne zu viel zu verraten, ist Clayface, zu wem Matt auf Grund dessen wird, was ihm widerfährt, in den Comics ein Antagonist des eingangs erwähnten Batman. Die Behandlung macht ihn nicht nur beinahe unverwundbar, sie verleiht ihm auch andere Fähigkeiten, die er hier nach und nach entdeckt. Dennoch ist Clayface keine Ursprungsgeschichte im eigentlichen Sinn, da Matts Persönlichkeit bei alledem so sehr in den Hintergrund gerät, dass er in seinem Alias regelrecht untergeht. Dies sieht man lange nicht, wenn Watkins ihn stattdessen als Opfer darstellt oder als jemand, der von seinen Fähigkeiten beinahe übernommen wird, so dass er gar nicht wirklich weiß, was er tut. Ist seine Verwandlung aber schließlich abgeschlossen, kann man nicht übersehen, dass er eben kein Antiheld ist, wie man lange vermuten würde.

Diese düstere Ausrichtung zusammen mit der tragischen Figur im Zentrum macht Clayface zu eine der interessantesten und gelungensten Comic-Verfilmungen seit langem. Anstatt, was auf dem Spiel steht, immer noch größer zu zeichnen und immer noch mehr Figuren hinzuzuziehen, konzentriert sich die Erzählung auf Matts Welt, die in Scherben liegt. Die Masken, sei es nach dem grausamen Angriff auf Matt oder aber, wenn sich sein Gesicht nach der Behandlung teilweise von allein verformt, sind durchweg erstklassig. So sehr, dass die offensichtlichen Computertricks am Ende umso mehr auffallen und regelrecht unnötig erscheinen. In manchen Momenten geht dies, was die Darstellung der Gewalt angeht, weiter, als es notwendig wäre. Aber das sollte ein erwachsenes Publikum nicht davon abhalten, eine der unerwartetsten und einfallsreichsten Comicfilme seit langem zu entdecken.


Fazit:
Manche Dialoge mögen, was die Begrifflichkeiten anbelangt, bewusst spielerisch oder zum Teil sogar zynisch klingen, dennoch verzichten die Verantwortlichen überraschenderweise auf lockere Einzeiler oder Aufheiterungen. Matt Hagens Geschichte ist tragisch und entsprechend mit einer Ernsthaftigkeit erzählt, die man zuletzt in Comicfilmen selten gesehen hat. Aber es ist womöglich die einzige Art und Weise, die Grausamkeit dessen, was ihm widerfährt, herauszuarbeiten und seine Taten im Verlauf der Erzählung nicht zu verharmlosen. Insoweit bringt Filmemacher James Watkins die düstere Geschichte kompromisslos dar, wenn auch stellenweise merklich brutal. Das ist mitunter ekelhaft und lässt einen merklich zusammenzucken in Anbetracht dessen, was geschieht. Gleichzeitig ist Matts Wandlung und was ihm an Fähigkeiten verliehen wird, durchaus einfallsreich und seine Entwicklung immens gelungen. Ob es die letzten Minuten gebraucht hätte, steht auf einem anderen Blatt, aber davon abgesehen ist Clayface eine wirkliche Überraschung. Die düstere Story scheut sich nicht, ihre Figur soweit in die Dunkelheit zu treiben, dass man sich selbst fragen muss, wann der Kipppunkt gekommen ist und der Look ist erstklassig. Toll gemacht und tadellos erzählt, ist das unerwartet stark und ein Tipp für ein Publikum, das bereit ist, sich in die dunklen Ecken Gothams entführen zu lassen.
 

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