The Mandalorian & Grogu [2026]

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6–9 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Mai 2026
Genre: Science Fiction / Action / Fantasy

Originaltitel: Star Wars: The Mandalorian and Grogu
Laufzeit: 132 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jon Favreau
Musik: Ludwig Göransson
Besetzung: Pedro Pascal, Sigourney Weaver, Jeremy Allen White (Stimme), Steve Blum, Jonny Coyne, Martin Scorsese (Stimme), Matthew Willig, Hemky Madera, Myles Humphus, London Stubblefield, Christopher Alan Robinson, Portia D. Harris, Evan Shafran


Kurzinhalt:

Nach dem Sturz des Imperators versucht die Neue Republik, der Galaxis wieder Frieden und Ordnung zu bringen. Doch zahlreiche imperiale Truppen sind darum bemüht, das Imperium wiederauferstehen zu lassen. Die Neue Republik greift daher auf Kopfgeldjäger wie den Mandalorianer Din Djarin (Pedro Pascal) zurück, um imperiale Flüchtlinge ausfindig zu machen, die wiederum Informationen zu den Plänen der übrig gebliebenen, imperialen Truppen liefern können. Daher erhält der Mandalorianer mit seinem Lehrling Grogu von Colonel Ward (Sigourney Weaver) den Auftrag, Rotta the Hutt (Jeremy Allen White), Sohn des Verbrecherfürsten Jabba the Hutt, ausfindig zu machen und zu retten. Rottas Onkel und Tante wollen im Tausch gegen ihren Neffen, der sich auf einem Planeten außerhalb des Einflussbereichs der Neuen Republik befinden soll, Informationen über den hochrangigen imperialen Commander Coin preisgeben. Aber nicht nur, dass der Mandalorianer den Hutts nicht traut, die Mission nimmt mehrere unerwartete Wendungen und gerät nicht nur für Grogu, sondern auch den Mandalorianer zu einer Herausforderung, die ihre Kräfte übersteigen könnte …


Kritik:
Nach dem Erfolg als Streaming-Serie The Mandalorian [seit 2019] wagt Filmemacher Jon Favreau statt den Schritt in eine vierte Staffel um den Kopfgeldjäger im Star Wars-Universum, der zusammen mit dem „Kind“ Grogu, vom Publikum treffend „Baby Yoda“ genannt, für die Neue Republik Schurken aufspürt, den Sprung auf die große Leinwand. The Mandalorian & Grogu setzt dabei inhaltlich nach Staffel drei an und präsentiert letztlich nicht mehr oder weniger als einen weiteren Auftrag des ungleichen Duos. Wer eine große Geschichte erwartet, die das Schicksal des Universums beeinflussen könnte, wird also enttäuscht. Fans des Franchise hingegen kommen auf ihre Kosten.

An dieser Stelle sei zur Erläuterung gesagt, dass dieser Kritiker zwar bekennender Fan des Franchise ist, aber bislang keine einzige TV- oder Streaming-Serie des zunehmend ausufernden Universums aus jener weit entfernten Galaxis gesehen hat. Der Einstieg in The Mandalorian & Grogu gestaltet sich aber auch dank der Texttafeln zu Beginn überraschend leicht. Seit dem Fall des Imperiums am Ende von Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter [1983] sind etwas mehr als eine Handvoll Jahre vergangen. Die Neue Republik befindet sich immer noch im Aufbau, während ehemalige Offiziere des Imperiums darum bemüht sind, eine neue Schreckensherrschaft zu errichten und die nunmehr freien Systeme erneut zu unterjochen. Früher war der Mandalorianer als Kopfgeldjäger für das Imperium oder andere Schurken tätig, inzwischen führt er – mit dem Macht begabten Wesen Grogu als seinem Lehrling – freischaffend Aufträge für die Neue Republik aus. Im Zuge dessen beauftragt Colonel Ward den Mandalorianer, den Sohn von Jabba the Hutt, Rotta the Hutt, zu finden, der auf einem Planeten gefangen gehalten werden soll. Sein Onkel und seine Tante wollen ihren Neffen befreien und bieten im Gegenzug Informationen zu dem einflussreichen Commander Coin, der wiederum Kenntnis von den Plänen der imperialen Milizen besitzt. Aber nicht nur, dass der Mandalorianer den Hutts nicht traut, was er erfährt, stellt die Mission gewissermaßen auf den Kopf.

Auf Grund der zeitlichen Einordnung der Geschichte werden sich hier vor allem Fans der mittleren drei bzw. der ersten sechs Filme der im Kern inzwischen neun Filme umfassenden Science Fiction-Reihe wohlfühlen. Das Design der Geräusche, die Raumschiffe, Kostüme und die Welten insgesamt fühlt sich vom ersten Moment an vertraut an. Dabei bildet die stark in der Filmvorschau vertretene Sequenz auf eisigem Terrain mit der AT-AT-Kolonne tatsächlich den Auftakt der Erzählung, in der ein imperialer Warlord vorgestellt wird, der im Verlauf der Geschichte keine Rolle mehr spielt. Die konzentriert sich vielmehr darauf, wie der Mandalorianer von Welt zu Welt reist, um zuerst die Hutts auf Nal Hutta zu treffen, ehe ihn sein Weg nach Shakari führt, wo Rotta the Hutt gefangen gehalten wird. Der ist die tatsächlich größte Überraschung von The Mandalorian & Grogu, denn nicht nur, dass sich Rotta in einer gänzlich anderen körperlichen Verfassung befindet als sein Vater, er ist auch die einzige Figur, die in irgendeiner Art und Weise ausgearbeitet ist. Weder der Mandalorianer, noch Grogu oder eine andere Figur werden auch nur annähernd so vertieft, wie Rotta.

Bedauerlich ist dabei allerdings, dass sich Rotta, wie alle anderen computergenerierten Charaktere des Films, nur selten in die Szenerie einfügt. Ob es daran liegt, dass auch The Mandalorian & Grogu mit Hilfe von StageCraft umgesetzt wurde, eine Videowand, vor der große Teile der Serie produziert wurden und deren Bilder nach dem Dreh durch die endgültigen Trickeffekte ausgetauscht werden, sei dahingestellt. Der Look, den Filmemacher Jon Favreau wählt, kann man bestenfalls als einen Gemischtwarenladen bezeichnen. In hellen Aufnahmen wirken die Landschaften und Figuren oftmals überzeugend, auch wenn die gesamte Szenerie merklich flach erscheint. Sobald die Beleuchtung nachlässt, hat man insbesondere bei den Hintergründen jedoch das Gefühl, als wäre sie beinahe gezeichnet, krisselig und unscharf. Das ist vor allem deshalb schade, da die praktischen Sets, angefangen vom neuen Schiff des Mandalorian, der Razor Crest, die X‑Wings oder auch das Kostüm des Kopfgeldjägers selbst, durchaus gelungen sind. Sie besitzen eine Haptik, etwas Greifbares und Wertiges. Sogar die offensichtlichen Puppen von Grogu und der Reparaturcrew machen einen handfesteren Eindruck, als der Co-Pilot des Mandalorian, Zeb Orrelios.

So kommt es, dass man sich von einem Moment auf den anderen durch die offensichtlichen Trickeffekte förmlich aus der Welt gerissen fühlt, was nicht nur daran liegt, dass beispielsweise in der Arena auf Shakari bis auf die wenigen Sprechrollen hauptsächlich Menschen im Publikum sitzen, statt außerirdische Wesen. Die Produktion beweist hier sichtbar weniger Einfallsreichtum, als das Franchise ansonsten offenbart. Weshalb Shakari, das hinsichtlich des Designs merklich von Blade Runner [1982] inspiriert scheint, weniger überzeugend und vor allem leerer aussieht, als Coruscant in Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger [2002], verstehe, wer will. Ebenso uneinheitlich gibt sich die Musik von Oscar-Preisträger Ludwig Göransson, der auch bereits an der Serie beteiligt war. Hier ist der aufdringlich präsente Score gerade in den Actionszenen mitunter so laut eingespielt, dass man die Dialoge gar nicht mehr versteht. Davon abgesehen mag die Mischung aus beatlastiger Elektronik und teils dröhnender Instrumentalmusik, die an Gladiatorenfilme von einst erinnert, derjenigen der Serie entsprechen, wirklich stimmig erscheint das aber nicht.

All das fällt dann nicht so stark ins Gewicht, wenn man sich von der leichtfüßigen Erzählung mitnehmen lässt. Die gerät nie zu düster oder aussichtslos, dass in Frage stehen würde, wie all das ausgehen wird. Dass „Baby Yoda“ der Star der Story ist, ist ebenfalls keine Überraschung. Fans werden aber nicht nur die Momente mit ihm genießen können, sondern viele Anspielungen an andere Filme der Reihe, bis hin zum hier referenzierten Holo-Schachspiel aus Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung [1977]. Nicht nur durch die Nostalgie-Brille kann das Spaß machen, aber es packt nur selten und dass am Ende kein wirklicher Ausblick wartet, wohin die Reise der Figuren weitergeht, ist ebenfalls schade. Als kurzweilige Unterhaltung eignet sich das vor allem für Fans der Serie. Von einem Eintrag der Saga, an den man sich erinnern wird, geschweige denn den Beginn einer neuen, ist Jon Favreaus bewusst pulpiges Science Fiction-Abenteuer aber weit entfernt.


Fazit:
Dass es kein Vorwissen braucht, um sich in der Geschichte zurecht zu finden, sorgt ebenso dafür, dass man sich hier schnell wohlfühlt, wie die einnehmende Dynamik der Figuren des Mandalorian und Grogu. Ihnen zuzusehen, macht sichtlich Spaß, wobei man sich oft fragen muss, weshalb Grogu die Macht nicht einsetzt, um sich aus manch misslicher Lage zu befreien. Dafür wartet Regisseur Jon Favreau mit viel Action auf, die die Erzählung wie im Flug vergehen lassen. Doch bei alledem kann er nicht verbergen, wie flach und unausgegoren die Geschichte im Grunde ist. Commander Coin spielt dabei tatsächlich keine wirkliche Rolle und selbst wenn man den Reiz der Figuren sieht, in diesem filmischen Universum, in dem regelmäßig nicht weniger als das Schicksal der Galaxis auf dem Spiel steht, wirkt der Einsatz hier zu klein. Umso mehr, da die eigentliche Mission früh abgeschlossen ist und es keinen greifbaren Bösewicht gibt, der im Hintergrund die Fäden zieht, um einen finsteren Plan umzusetzen. Dass manche Trickeffekte unauffällig sind, andere die Szenen aber vollkommen künstlich wirken lassen, hilft dabei ebenfalls nicht. Vor allem Star Wars-Fans werden sich leicht mitnehmen lassen können und froh sein, endlich wieder ein Abenteuer aus dem Franchise auf der großen Leinwand zu sehen. The Mandalorian & Grogu gerät allerdings weder inhaltlich komplex oder vielschichtig genug, noch erfährt man überhaupt etwas über die Titel gebenden Figuren, so dass man am Ende doch einen ergreifendere Beitrag als diesen erwartet hätte.
 

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